ein FrauenLeben

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Sie saß mitten auf dem Tisch und wühlte mit den Händen im Kochtopf. “Sind das schon genug Kartoffeln?” fragte Tante Maria… und schälte fleißig weiter.

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Die kleine Küche war voller heißer Schwaden, sie saß am Tisch und die Mutter war mit der Wäsche beschäftigt. Mühevolle Arbeit, im Kochtopf auf dem Herd… dann ins Badezimmer und in der Wanne wurde ausgespült und ausgewrungen.

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Gemütlich saß sie neben Opa auf dem Küchendiwan, die große gehäkelten Nackenrolle unter ihren Popo.  Opa las wieder einmal von Max und Moritz und dem Huckebein vor, geliebtes… bekanntes… immer wiederholtes!

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Die Mutter nähte, die Maschine stand auf dem Küchentisch, die Sonne schien und sie saß still daneben.

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Auf dem Küchenstuhl mitten in der Küche, die Mutter schnitt ihr die Haare, ganz kurz wie immer und im Nacken kitzelte das.

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Die Familie beim Abendbrot, sie und ihre Schwestern, die Mutter noch am Herd, der Vater schmierte Brote… und plötzlich endete das in Schlägen, Geschrei und Verwüstung.

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Immer mußte sofort nach den Mahlzeiten abgewaschen werden…  entweder spülen oder abtrocknen, aber helfen mußte sie fast immer… nicht sehr gerne.

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Bei der Oma saß sie oft in der Küche, sie tranken Kaffee und es wurde geraucht. Sie durfte das eigentlich nicht… Sie sprachen über so vieles, nie ging ihnen der Gesprächsstoff aus.

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Sie saß in der Küche und schminkte sich bei Frühstück, nur rasch, der Bus wartet nicht. Die übrige Familie aß im Wohnzimmer, man unterhielt sich hin und wieder durch die Durchreiche.

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Ihre eigene kleine Küche, himmelblau… wie ihr Leben in jenen Tagen als sie noch nicht mal zwanzig war.

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Die zweite eigene Küche, die war nicht schön, die war schon in der Wohnung drin gewesen und dort lag auch der Hund tagsüber. Sie spielte die eifrige Hausfrau und backte Weihnachtsplätzchen, einmal in ihren Leben!

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Noch eine Küche, die nur notdürftig möbliert war, aber es reichte aus für das eine Jahr… und sie kochte und spülte… und die Katzen leisteten ihr Gesellschaft. Und noch immer war sie ganz jung und glaubte an ihr Glück.

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Eine eingebaute Küche, nicht so schön, aber in blau und sie war nach hinten gelegen zum Garten. Als sie das allererste Mal in dem noch leeren Haus  dort saß, tanzten die Staubteilchen in den Sonnenstrahlen und es fühlte sich gemütlich und heimelig  an.

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Eine Küche, die einer Fehlentscheidung entsprang und in der sie sich nie wohlgefühlt hatte… eine schlimme Erfahrung, viel Not und Leid.. und wenig Essen.

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Ein Loch, wo ihr Herd stand… so leben Menschen nicht! Dort kochte sie, manchmal.. freudlos… geldlos…  ohne Hoffnung!

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Eine alte Melkküche, riesig, häßlich, dunkel und kalt… eine abgeteilte Ecke, das war ihr Reich. Katzen, Hunde und noch mehr Katzen und Verzweiflung! Schmalhans war der Küchenmeister.

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Eine neue Küche, auch nicht so schön,  in einem alten Hof, dort kochte sie wieder gerne, schaute aus dem Fenster in die Felder und fand kleine Stückchen von sich wieder.

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Das eigene Haus, die eigene Küche, riesengroß und nicht sehr praktisch, aber egal, endlich… ENDLICH  in Sicherheit.

Viel und gerne kochte sie dort, fühlte sich wohl! Auch genäht wurde manchmal am kleinen Tisch und der große Tisch war voller Bastelzeugs. Frieden und Zufriedenheit… und durch die offene Tür kamen die Hunde aus dem Garten rein.

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So vergingen die Jahre und sie kochte immer noch… nur ging alles nicht mehr so schnell.. es dauerte länger und alles fiel ihr schwerer.

Die große Küche unbenutzt, sie kann nun nicht mehr. Der Mann kocht Tee… sie muß Abschied nehmen.

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Der rote GlücksHut

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In einer stürmischen Regennacht vor über 25 Jahren blies der Wind ihr einen roten Hut vor die Füße.

“Du kommst mir gerade recht!”  Sie hob ihn auf, “Hey, danke Bruder Wind!” rief sie in den Sturm. Er paßte wie angegossen und so kam sie fast trocken durch den Regen.

Von da an begleitete der rote Hut sie, von einer Tasche in die andere  wurde er gepackt und bei Regen hervorgeholt.

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Da sie jede Nacht unterwegs war, leistete der rote Hut ihr gute Dienste und manchmal rief sie übermütig: ” Ich danke dir Bruder Wind, ich danke dir sehr für meinen roten Hut!”

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Es war an einem Dienstag im Mai, der rote Hut begleitet sie schon mehr als zwei Jahre, es regnet leicht und sie trug ihn natürlich. Als eine plötzliche starke WindBöe ihr den Hut vom Kopf riß, er flog hoch und der Wind spielte mit ihm.

Weiter und immer höher flog der rote Hut und sie rief: “Bitte gib mit meinen roten Hut wieder Bruder Wind!”

Da landete er auf der anderen Straßenseite noch hinter dem Graben in einem Gebüsch. Sie lief gleich hinüber, leider kam sie so nicht an ihn heran. Dafür mußte sie erst mal den Graben überwinden, das war nicht so leicht, doch dann stand sie drüben und die Dornen der Brombeeren zerkratzten ihre Hände.

Unbedingt wollte sie ihren roten Hut wieder haben und so biß sie  die Zähne zusammen und griff sich den Hut. Nun hing sie aber ganz in den dornigen Ranken fest.

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Ein ohrenbetäubendes Krachen ließ sie herumfahren und etwas traf sie an der Schulter. Gerade sah sie noch wie ein Wagen sich in die Hauswand bohrte. Genau da hatte sie vor wenigen Augenblicken noch gestanden!

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Im Haus gingen die Lichter an, aufregte Stimmen waren zu hören und ein Mann kam um die Ecke gelaufen.

Sie riß sich los und sprang zurück auf die Straße, den roten Hut fest in der Hand.

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Später als die Polizei und der Rettungswagen da waren: “Ihr Fahrrad ist total zerquetscht, der Wagen hat es ganz überrollt, da haben Sie aber sehr viel Glück gehabt,” sagte der Polizist zu ihr. “Hätten Sie da gestanden, Sie wären tot!”

Sie mußte sich erst einmal setzen, nun kam der Schock. Sie sah, wie die Feuerwehrmänner den Fahrer aus dem Autowrack mit schwerem Gerät befreien mußten, wie der Notarzt sich um den Mann bemühte… und viel später wie er abtransportiert wurde, er hatte den Unfall nicht überlebt.

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Dieses Erlebnis steckte ihr lange in den Knochen, darüber mußte sie immer wieder nachdenken. Hätte der Wind ihr nicht den Hut vom Kopf gerissen… komisch, nur eine einzige starke Böe in der ansonsten windstillen Nacht hatte ihr das Leben gerettet.

“Bruder Wind ich danke dir!” diesen Gedanken wiederholte sie immer wieder im Geiste.

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Der rote Hut begleitete sie noch viele Jahre und es gab noch einige Situationen, wo er sie rettete oder vor Unheil bewahrte. Sie hatte irgendwann begonnen mit “ihrem roten GlücksHütchen” zu reden.

Durch glückliche und traurige Tage ging sie mit ihrem roten Hut, ja,  sie setzte ihn jetzt immer auf auch wenn es nicht regnete.

Er war zur einzigen Konstanten in ihrem Leben geworden.

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Alles hatte sich verändert, sie war alt geworden, nicht mehr gesund und nun auch noch ganz alleine. Der Tod hatte ihr nach und nach all ihre Lieben genommen.

“Ach, rotes Hütchen, nur du bist mir geblieben”, sagte sie oft. “Ich wünschte Du könntest mit mir in die Ewigkeit fliegen, dort wo schon alle auf mich warten. Bruder Wind, ich bitte dich, nimm uns mit!”

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Sie war so traurig und so alleine das sie nur noch diesen einen Wunsch hatte.

Immer und immer wieder bat sie den Bruder Wind um diese letzte Reise.

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In einer sehr stürmischen Nacht stand sie wieder draußen, der Wind zerrte und rüttelte an ihr und sie hielt mit aller Kraft ihren roten Hut fest.

Da erfüllte der Wind ihre Bitten. Er hob sie hoch empor, wirbelte sie herum und ihr ausgelassenes Lachen verschmolz mit  dem Singen der Winde, denn es waren gleich alle vier Brüder in dieser Nacht zu ihr gekommen.

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Nach dem Sturm fand man eine alte Frau  hoch oben in einem Baum.

Sie war tot, aber sie lächelte und hatte einen roten Hut auf dem Kopf. Als man sie später herabließ …. flog der rote Hut mit einem Windstoß davon.

 

 

 

Neulich unter der Kastanie

Es ist erst wenige Tage her, da saß ich unter der alten Kastanie, ich meine die, die hinten im Garten steht, die ganz alte.

Es gibt da noch die andere Kastanie, die Menschen so verstümmelt haben, daß sie über 10 Jahre nicht mehr blühen konnte und die leider immer hinfälliger wird.

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Meine Gedanken kreisten darum das ich irgendwo gelesen hatte: der Mensch der nicht immer nur versucht glücklich zu sein würde ein besseres Leben führen, denn er sei nicht aufs Glück programmiert. Im Gegenteil, diejenigen die immer aufs “schlimmste” gefaßt wären würden mit den LebensProblemen besser fertig werden können.

???

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Wie lebte ich eigentlich? War ich glücklich, zufrieden und ganz im hier und jetzt?

So saß ich versunken da …

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…und hatte plötzlich fremde Gedanken in meinem Kopf.  Ja ich weiß schon, es hört sich merkwürdig an, aber anders kann ich es nicht beschreiben.

“Nicht die Jagd nach immer neuen Sensationen sind der Lebenszweck, sondern einfach zu leben und anzunehmen, zu erkennen was wirklich wichtig ist.

Zufrieden zu sein und auch dankbar… und verschließe nicht die Augen vor den Wundern um dich herum! … und vor allen Dingen verhärte niemals dein Herz !  ……”

Fremde Gedanken, die aber ganz vertraut sind… die ein Leuchten und eine Wärme in mir zurück lassen…  Geborgenheit und ein Gefühl von “angekommen sein!”

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Ich wache auf und fühle mich leer und einsam.

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Erst als ich die Hand ausstrecke und den Stamm der Kastanie berühre fühle ich mich getröstet und komplett.

Meine Hand wird warm, ich fühle die Kraft im ganzen Arm, die Wärme durchströmt meinen Körper und ich bin eins mit der Kastanie… bin ganz im JETZT und in der Ewigkeit.

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die Suchende

Da war sie ständig auf der Suche nach sich selbst,

auf der Suche nach dem Sinne des Lebens,

auf der Suche nach Liebe…

nun ist ihre LebensUhr abgelaufen.

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Sie war immer präsent, nur hatte sie sich nicht erkannt,

der Sinn besteht darin es zu LEBEN,

die Liebe hatte sie leider verpaßt…

war zu sehr beschäftigt mit sich selbst.

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022

ein.wort.blogparade

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EinWortBlogParade – eine tolle Idee- WER macht noch mit???

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nebelduftende.zwitschergesumm.regenschauer.sonnendurchflutete.blühexplosion

:)

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schreiben?

Das mit dem Schreiben ist so eine Sache…

- manchmal schreiben sich meine Geschichten ganz alleine…Worte reihen sich aneinander, der Text wird sofort online gestellt und fertig

- manchmal möchte ich so viel schreiben und weiß nicht wo beginnen… so verstumme ich und meine Gedanken bleiben ungeschrieben

- manchmal möchte ich nichts schreiben, hab einfach keine Lust, will mich nur mit mir selber unterhalten, nicht mit dem Außen

- manchmal, selten, meiden die Wörter mich, da kann ich sie nicht bezwingen und alles Mühen hilft nichts

- manchmal, so wie jetzt, hätte ich so viel zu sagen, müßte ich schreiben, aber die Wörter bleiben in mir, der Frieden wird bewahrt

- manchmal wundere ich mich über mich und meine Gedanken,  möchte sie gern teilen, doch geize ich mit den Worten

- manchmal, immer öfter, ist es meine Wahrheit, die ungeschrieben in meinem Herzen  bleibt

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auf der Bank…

Sie saß alleine auf der Bank, da oben auf dem Berg, schaute ins Land und war guter Dinge. “Wie schön es doch hier oben ist”, dachte sie. “..wie friedlich! Ich liebe es hier zu sitzen.”

Da setzte sich eine Frau neben sie und das war die Traurigkeit, sie sog alle Freude in sich auf, zurück blieb nur graue Melancholie. Die Sonne verdunkelte sich, der Himmel verlor seine blaue Farbe, die Landschaft sah grau/braun und trostlos aus. Kein Vogel erhob sich in die Lüfte und keiner stimmte mehr ein Lied an.

So saß sie nun da auf der Bank, oben auf dem Berg, nicht mehr alleine und war unendlich traurig. Alles schien seinen Sinn verloren zu haben und sie überlegte, warum sie überhaupt hier sei.

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Am nächsten Tag saß sie wieder alleine auf der Bank, oben auf dem Berg, sah auf eine trostlose Landschaft und einen fahlen Himmel. Kein Fünkchen Lebensfreude war mehr in ihr.

Da setzte sich eine Frau zu ihr und das war die Hoffnungslosigkeit, sie sog alles lebendige, alles frohe und schöne in sich auf und zurück blieb ein schwarzer Abgrund.

Sie saß auf der Bank, da oben auf dem Berg, nicht mehr alleine und war überwältigt von Hoffnungslosigkeit und war es so müde, daß sie am liebsten tot sein wollte.

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Sie saß sie ganze Nacht auf der Bank, fror bis ins Innerste, war erstarrt und ohne jede Möglichkeit sich je wieder bewegen zu können. “So soll er denn kommen der Tod, er wird mir ein guter Freund sein!” dachte sie und schloß die Augen, denn außer einer undurchdringlichen Finsternis sah sie nichts mehr.

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Da setzte sich am nächsten Morgen eine Frau zu ihr und diese war licht und strahlend, sie brachte all die Farben zurück, alles lebendige und auch die Freude, das war die Zuversicht.

Sie saß auf der Bank, ganz oben auf dem Berg, im hellem Sonnenlicht, die Vögel zwitscherten, die Eichhörnchen sprangen von Baum zu Baum, die Blumen auf der Wiese dufteten… und sie war so dankbar.  “Wie ist das Leben doch schön!” dachte sie voller Freude… und konnte sich gar nicht satt sehen an all den Wundern um sie herum.

“Ich danke Dir Zuversicht, ich danke dir von ganzem Herzen!” sagte sie, doch als sich umwandte saß sie nur wieder alleine auf der Bank.

10

und nun?

*

Nacht

der Wind heult ums Haus

draußen versinkt alles im Schnee

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Drinnen

am warmen Ofen

das Herz übervoll, ohne Worte

*

Zukunft

immer das was man daraus macht

aber wohin geh ich?

*

019

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