Ein mir wichtige Geschichte…

… bringe ich auch noch hierher–

—–

Niemand hatte damit gerechnet…

.

— das sie ihre Drohung wirklich wahr machen würde.

Sie lebte nur für den Moment der Rache, des Triumphes den man ihr nicht zutraute.

Zäh verfolgte sie ihre Ziele, Geld und Einfluß… keine Arbeit war zu schwer, fast nichts war ihr unmöglich…

Ja, einige wenige Männer gehörten auch zu ihren Plänen. Geliebt hatte sie keinen, nur ihre Macht und ihre Position, ihr Geld. Aber Männer sind so simple Wesen, so leicht zu durchschauen, zu sehr ihren Trieben verhaftet… es war so leicht, das sie lachen mußte sobald sie an diese Männer dachte, die sie verachtete.

Von Bedeutung waren sie nie, aber sie gehörten eben dazu. Wenn sie so zurückdachte, hatten ihr Menschen seit jenen Vorfällen nichts mehr bedeutet. So eine Art Mauer hatte sich um ihr Herz gelegt, ja sie wußte es wohl. Aber ohne diesen Schutzwall hätte sie nicht überleben können.

Auch heute noch, so viele Jahre später, hatte sie nichts vergessen. Nicht die brutalen Mißhandlungen, die sie als Kind erleiden mußte, nicht die erzwungenen Übergriffe… die sie für ihr ganzes Leben geprägt hatten.

Nein, sie vergaß nichts. Vergaß vor allem nicht, das man ihr jede Hilfe verweigert hatte.  Nicht die Eltern hatten sie beschützt, schon gar nicht die Lehrer in der Schule, kein Nachbar oder sonst ein Mensch. Sie hatte all das über viele Jahre irgendwie überlebt, schwer traumatisiert und fast untauglich fürs Leben.

Wenn da nicht der Haß gewesen wäre. Dieser hatte sie am Leben erhalten,  hatte ihr immer wieder die Kraft gegeben um weiteratmen zu können. Der Haß, der es ihrer geschundenen Kinderseele ermöglicht hatte durchzuhalten.

Zäh hatte sie sich an ihre Zukunft geklammert, an die Vorstellung, was sie machen würde, wenn sie erst den Mut dazu hätte.

Heute nun ging es ihr gut, soweit es einem Menschen mit ihrer Vergangenheit gutgehen konnte. Doch immer noch wachte sie in den Nächten schweißnaß und laut schreiend auf. Weinte all die Tränen in den Albträumen, die sie sich tagsüber nicht gestattete.

Lange hatte sie überlegt, wie Rache aussieht. Die Frage, ob sie ihr überhaupt Genugtuung bringen würde, hatte sie auch erwogen.

Ja, sie hatte sehr lange überlegt, denn es würde sehr schwer werden, wenn sie erst einmal begonnen hätte.

Und dann kaufte sie sich einen Laptop, ließ sich zeigen wie man damit umgehen muß und wie man damit öffentlich schreiben kann…

Und damit begann sie ihre Rache. Jetzt arbeitete sie jedes Unrecht auf, Tag für Tag, Woche für Woche. Kaum gönnte sie sich Pausen, getrieben von all dem Grauen das ihr widerfahren war.

Zu Beginn schrieb sie unbemerkt, doch täglich lasen mehr Menschen ihren Lebensbericht. Und weiter schrieb sie sich das Leid und die Verzweifelung von der Seele.

Sie nannte jeden beim Namen, nannte Taten, nannte Zeiten und Orte.

Ein Reporter wurde auf sie aufmerksam. Er fing an nachzuforschen und konnte all ihre Angaben ohne Probleme überprüfen. Ihre früheren Peiniger lebten ihr „unbescholtenes“ Leben, gutbürgerlich und angesehen.

Da sie ihren Namen nicht benutze, sondern anonym schrieb, dauerte es lange, bis er sie fand. Aber da hatte sie sich all das Böse schon vom Herzen geschrieben, da fing sie langsam an wieder freier zu atmen und konnte sogar schon hin und wieder ohne Albträume schlafen.

Und ja, nun brach ein Damm, noch viele Menschen meldeten sich zu Wort. Das Schweigen war gebrochen, viele faßten neuen Lebensmut. Ungeheuerliches wurde endlich publik.

In ihr wuchs das Bewußtsein, das diese Art der Rache sie wirklich befriedigte und befreite.

Sie las von einem Selbstmord: einer der Peiniger war von eigener Hand einen feigen Tod gestorben. Doch das war nicht ihr Ziel. Vielmehr wollte sie, das diese Männer öffentlich zur Verantwortung gezogen, das sie für ihre Taten geächtet würden.

Ehen zerbrachen, als Frauen erfuhren mit welchen Bestien sie verheiratet waren.

Geschäfte  mußten schließen, denn niemand wollte dort mehr kaufen.

Karrieren endeten, als man erfuhr, welche Geheimnisse sich unter Anzug und weißem Hemden verbargen.

Betriebe meldeten Insolvenzen an, nachdem niemand mehr Geschäfte mit diesen Männern machen wollte.

Einmal ins Rollen gebracht, verschlang ihre Rache jeden. Die Menschen erfuhren so von ihrem Martyrium, von den unfaßbaren Taten und Qualen, den unsäglichen Verbrechen an den vielen Kindern. Unverzeihliche Taten gegen die Menschlichkeit, gegen jede sittliche Empfindung.

Für eine Verurteilung durch ein Gericht war es zu spät, verjährt waren die brutalen Mißbräuche.  

Doch der Reporter griff ihren Bericht auf, veröffentlichte die Tatsachen und brachte nun endgültig alles in die Öffentlichkeit.

Und Aussage türmte sich auf Aussage, ein alles verschlingender Reinigungprozeß war in Gang gebracht. So viele Menschen, die ihr ganzes Leben im Schweigen verbracht hatten, machten ihre Schicksale nun auch bekannt.

Ein Woge des Entsetzens spülte über das ganze Land, traf in jeder Schicht und nannte die Männer beim Namen.

Ja, sie hatte ihre Drohung wahr gemacht.

Jetzt begann ihr neues Leben, ihre Zukunft fing gerade erst an, sie war endlich frei—

Nachsatz:
Diese Geschichte ist im Rahmen von Donnas Schreibprojektes  entstanden. Es ist eine rein fiktive Geschichte — sie setzt sich aus mehreren Vorfällen der letzten Jahre zusammen, die man in Zeitungen lesen konnte.
Advertisements

Schreibprojekt September 09 (__zwei__)

(Versuch, der zweite…)

 

Die einzige Möglichkeit, Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen, sah ich darin, einen Brief zu schreiben.

 

 

Ein  guter Gedanke, doch ich scheiterte an der Durchführung. Keine Ahnung, wo ich in diesem Chaos Briefpapier und Stifte finden könnte. In dem Zimmer, das mal irgendwann ein Wohnzimmer werden sollte, türmten sich Kisten und Kartons.

Nachdem ich mehrere von diesen Umzugsdingern geöffnet hatte, gab ich meine Suche auf.

Vielleicht könnte ich  einfach anrufen? Aber nein, in diesem Fall wäre es wohl wirklich besser einen Brief zu schreiben.

Ich verschob mein Vorhaben auf  morgen. Ja morgen, das wäre gut, morgen oder vielleicht übermorgen, da würden sich auch die Schreibutensilien wieder eingefunden haben…

Das Telefon schellte.

Danach hatte sich die Sache mit dem Brief schreiben erledigt.

Im persönlichen Gespräch  konnten wir den Sachverhalt aufklären. Die verhärteten Fronten bröckelten, und auf einmal fanden wir einen Kompromiss.

Wie kam  es , dass die Sonne plötzlich so hell schien? Und die Vögel zwitscherten auch ganz besonders melodisch.

Überhaupt , HEUTE war ein toller Tag! Der beste Tag seit langem!

Schreibprojekt September 09 (__eins__)

 

Die einzige Möglichkeit, Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen, sah ich darin, einen Brief zu schreiben.

 

Also holte ich mein schönes, schweres Büttenpapier aus dem Sekretär und den alten Kolbenfüller. Solche Briefe hatte ich stets mit dem entsprechenden Respekt geschrieben, und so wollte ich es auch bei meinem letzten halten.

„Sieh mal Bernd, hier ist ein Brief von Elke Stroer, deiner Wahrsagerfreundin!“

„Ach, laß mal gut sein.“ Der Kommissar nahm den Briefumschlag und drehte ihn um. Ja, er war von der Wahrsagerin. Die Kollegen zogen ihn nicht zum ersten Mal deswegen auf, hatte er doch einige Male mit ihr zusammengearbeitet und mehrere Fälle mit ihrer Hilfe aufklären können. Er hatte großen Respekt vor ihr, der Madame Luna, wie sie sich auch nannte. Eine Frau, die zweifelsohne über ganz besondere Gaben verfügte.

.

Ein kleiner Schüssel fiel ihm in die Hand, dazu ein Zettel: „Lieber Kommissar, Sie werden den Schlüssel noch brauchen.  Es grüßt  Madame Luna.“

Ratlos drehte er den Schlüssel in der Hand. Was sollte das bedeuten? Er griff zum Telefon, doch er konnte Elke Stroer nicht erreichen.

Der Dienstalltag lenkte ihn  ab, aber abends fuhr er bei ihr vorbei. Es öffnete niemand, auch die Nachbarn hatten sie schon seit zwei Tagen nicht mehr gesehen.

Er wurde unruhig, ein unbestimmtes Gefühl der Gefahr beschlich ihn, der Schlüsseldienst öffnete die Tür .

In dem kleinen Zimmer, dass sie für ihre Kundengespräche benutzt hatte, lag sie. Elke Stroer war tot. Das sah er sofort. Man hatte ihr den Schädel eingeschlagen.

Der ganze Polizeiapparat lief nun an, die Spurensicherung, der Arzt und schließlich die Leichenbestatter, die die Tote in die Pathologie brachten.

Die ermittelnden Kollegen waren erstaunt, ihn hier zu finden, doch er zeigte den Schlüssel und den Brief… eine Erklärung hatte er noch nicht.

Bevor die Wohnung versiegelt wurde, ging er noch einmal durch die Räume, wo könnte der Schlüssel passen? Er suchte und fand schließlich eine Holzschatulle, der Schlüssel öffnete sie. Heraus fielen Briefe, alle in Umschlägen aus feinstem Büttenpapier.

Der oberste war an ihn adressiert:

„Lieber Kommissar!

Wenn Sie diesen Brief lesen, werde ich tot sein. Ich schicke ihnen den Schlüssel, weil ich ihnen vertraue.

Sie Wissen um meine Fähigkeiten und ich weiß, das Sie mir glauben.

Dieses Mal sah ich meinen Tod. Ich kann Ihnen eine genaue Beschreibung der beiden Täter liefern, (liegt bei).  Die Polizei kann die Mörder sicher schnell dingfest machen.

Ich lege auch  eine Liste mit den Gegenständen bei, die sie bei mir stehlen werden.

Ich sehe Ihr Gesicht direkt vor mir, aber bitte schauen Sie nicht so ungläubig. Sicher, ich hätte dieser Situation ausweichen können, mein Tod wäre also vermeidbar gewesen.

Aber das wäre keine Lösung.

Ich vertraue Ihnen dieses Kästchen an, da werden Sie die Antworten finden.

 Ihre Elke Stroer

Er nahm das Kästchen mit und fing zu Hause sofort an die Briefe zu lesen.

Der älteste Brief war fast 30 Jahre alt, Elke Stroer war damals gerade mal 15 Jahre alt gewesen und hatte den Tod ihres Bruders gesehen. Anbei lag eine Todesanzeige, die die Vorhersage bestätigte.

Es folgten Briefe in unregelmäßigen Abständen, eines hatten sie gemeinsam, immer hatte sie den Tod der jeweiligen Person gesehen. Belege lagen bei, Todesanzeigen oder von ihr angefügte Notizen, die den Tod bestätigten.

Es war schon ein sehr merkwürdiges Gefühl, das zu lesen und  der Kommissar versuchte sich vorzustellen, welche Belastung das für diese Frau gewesen sein musste.

Aus Gesprächen mit ihr war ihm bekannt, dass sie niemals solche Nachrichten weitergegeben hatte. Das war für sie ein Tabuthema gewesen.

.

Es folgten weitere Beispiele und dann hielt er einen dickeren Umschlag in der Hand, und ein Bild fiel heraus. Das Bild ihres verstorbenen Mannes. Dazu waren außerdem mehrere Seiten von ihr geschrieben worden.

Sie beschrieb, wie sie den Tod ihres Mannes durch einen Autounfall vorhersah. Sie hatte diesen verhindern können. Dann sah sie seinen Tod bei der Arbeitsstelle, auch den hatte sie verhindern können. Ihrem Mann hatte sie nichts von der drohenden Todesgefahr gesagt, so wie sie es nie einem Menschen gesagt hatte.

Sie schrieb, daß sie die Warnung erhalten habe, den Tod nicht mehr zu verhindern, er wäre unausweichlich.

 Das wollte und konnte sie nicht akzeptieren, ihr Mann, ihr Seelenpartner, ihre große Liebe….Sie beschrieb, ihre Versuche seine Zukunft anders zu deuten und in eine sichere Richtung zu lenken,  konnte aber immer nur den Tod für ihn sehen.

Schließlich resignierte sie  und ließ dem Schicksal seinen Lauf. Der geliebte Mann verstarb. Allerdings bekam er Krebs und sein Tod war ein sehr schwerer.

Eine Welt brach für sie zusammen, nicht nur der Verlust, sondern auch die Erkenntnis, ihr Mann hätte einen leichteren, schnellen Tod erleiden können, wenn sie das nicht mehrfach verhindert hätte.

Sie schrieb von den großen Vorwürfen, die sie sich machte und das sie sich ihre Einmischung nicht verzeihen konnte.

Dieser Brief war nun schon fast 8 Jahre alt.

Erschüttert legte er die Bögen wieder zusammen und schob sie in den Umschlag. Er trank  einen großen Schluck von seinen Rotwein und zündete sich eine neue Zigarette an.

Es folgten noch einige Brief, der Inhalt war immer der Gleiche. Und dann kam noch ein Brief, der an ihn persönlich adressiert war.

„Lieber Bernd!

Nachdem Sie nun alles gelesen haben, werden Sie sicherlich verstehen, warum ich meiner Todesahnung nicht versucht habe zu entkommen.

Ich werde meinen geliebten Mann wieder sehen, das ist mir ein Trost.

Es war sehr schwer für mich all die langen Jahre immer wieder den Tod vorherzusehen und nichts dagegen tun zu können. Deshalb habe ich alles aufgeschrieben.

Ich möchte Sie bitten, diese Briefe an meine gute Freundin und Kollegin Renate Köhler (Ihnen vielleicht auch aus dem Astro TV bekannt ) weiterzugeben

Noch eines möchte ich Ihnen sagen, für Sie sehe ich ein wirklich langes, gesundes und gutes Leben.                                            

 Ihre Elke Stroer

Etwa zwei Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Madame Luna (der dank ihrer Hinweise lückenlos aufgeklärt werden konnte) erschien ein Buch mit dem Titel: „Madame Luna, eine Frau sieht den Tod!“ Es wurde ein Besteller und die Erlöse kamen ihrem Wunsch gemäß  wohltätigen Zwecken zugute.

 

                                                                                      

Schreibprojekt Oktober 09

Seit dem letzten Herbst hatte sich so viel verändert. Nachdenklich…

… rührte ich meinen Tee um. Der Zucker knisterte bevor er sich auflöste. Schon erstaunlich, wieviel angenehmer unser Leben geworden war.

Nachdem wir jahrelang immer wieder umziehen mussten, lebten wir jetzt im eigenen Haus. Wir fühlten uns endlich sicher und geborgen.

Vergaßen schon fast, wie übel man uns oft mitgespielt hatte, wie sehr wir in Angst gelebt hatten, denn mit so vielen Tieren waren wir immer sehr angreifbar gewesen.

.

Mit Schaudern dachte ich an die immer wieder kehrenden Besuche des letzten Besitzers. „Nach dem Rechten sehen“, nannte er das. Wir mussten jedes Mal das halbe Haus neu streichen und erneuern.  Für uns ein einziges Ärgernis, teuer und arbeitsaufwendig außerdem….und die Angst im Nacken, wie lange geht das mit den vielen Tieren hier gut?

.

Natürlich wusste er, daß bei uns Tiere lebten, aber wir ließen ihn in dem Glauben, sie wären dauerhaft im Stall und in der Tenne untergebracht.

Natürlich lebten die Katzen und Hunde bei uns im Haus. Alles andere wäre für mich undenkbar gewesen.  Wenn man sich schon um die Ärmsten der Armen, sprich misshandelte, chronisch Kranke und verhaltensgestörte Katzen  kümmerte, dann nur mit ganz viel Liebe und ständigem Kontakt.

.

So mussten wir immer einen riesigen Aufwand betreiben, damit der Besitzer das nicht so im Detail  mitbekam. Auch über die genaue Anzahl schwiegen wir uns wohlweislich aus.

Mehrfach versuchte er uns auszufragen, wir machten dann immer so vage Angaben. In Wirklichkeit lebten sogar weit  mehr als 50 Katzen bei uns. Außerdem fünf Hunde, viele Kleintiere, im Winter auch Igel und ein Äffchen. Das war aber ganz klein, und lebte in einer Art Schrank. Dafür hatte mein Mann einen alten Kleiderschrank umgebaut, so dass Max da jetzt wohnen konnte. Ein Weißbüscheläffenchen, nur ca 300 g schwer.

.

Er hatte nur eine Bezugsperson und das war mein Mann. Ich durfte ihn wohl füttern und den ganzen Tag  mit kleinen Leckereien verwöhnen. Anfassen durfte ich ihn nicht, er wurde dann ganz böse, legte die Ohren an und fletsche laut  schreiend die Zähne.

Fühlte er sich wohl zwitscherte er in ganz hohen Tönen.

.

Die Besuche des Besitzers waren eine Qual für uns. (Er war ein alter, dicker Bauer, verschlagen und gerissen durch und durch). Er kam dann mit seiner Frau und deren Schwester, (denen gehörte der Hof ja eigentlich, beide Frauen hatten ihr Leben lang nur gearbeitet, waren abgehärmt und mager),  alle drei hochbetagt, langsam und kröckelig.

„Das ist unser Tante Minchen, 79 und noch immer Jungfrau. Wollen hoffen, das es so bleibt, toi, toi toi…“ so stellte der Knebbel sie uns vor. Ja im Münsterland, da gibt es Gestalten…

Sie wurden gefahren von der ältestenTochter (einer eher hässlichen, unscheinbaren, dafür dicklichen Frauensperson) und damit die nicht so alleine war brachte sie ihren Ehemann mit. (Schweinchen Dick. Er sah wirklich so aus, hatte dicke schweißige Hände und war mir widerlich, wie alle diese anderen Gestalten auch). Es gab auch Heimsuchungen, da war dann auch die zweite Tochter, natürlich auch mit Mann, dabei. Die Bude war gesteckt voller Leute, man konnte sich nicht mehr drehen und ich hätte sie kalt lächelnd erschlagen können.

.

Was sie nun alle genau wollten? GUCKEN!  — Uns immer wieder zeigen, wer der Herr, bzw. wer die Herren auf dem Hof waren.

.

Im Haus mussten sie bis in die letzten Räume und Winkel kriechen und der Garten wurde genauesten abgeschritten. Gefallen hat ihnen das alles nie …wir ließen im Garten sogar was wachsen, teilweise sogar über 10 Zentimeter, ein richtiger Wildwuchs, der in deutsche Gärten sonst nicht geduldet wird.

.

Wir, mein Mann und ich  immer hinterher…

„Hoffentlich gehen die bald wieder“, war unser einziger Gedanke.

.

Dann stockte das Gespräch, man saß doch schon so schön , wann gab es denn wohl Kaffee und Kuchen? Erwartungsvolle Blicke, auch in Richtung Küche.

.

Einmal sollten anschließend  noch Gäste kommen, da hatte ich die Kaffeetafel schon eingedeckt. Zielsicher wollten sich die Horden dort niederlassen. Nein, das wäre nun doch nicht nötig gewesen… Enttäuschtes raunen, als sie begriffen, dass wir nicht sie zum Schmaus erwarteten. Dafür dehnten sie dann den Kontrollbesuch extra lang. Ach ja, da mussten sie ja auch noch mal ganz genau nachsehen…und in der Kammer haben wir ja noch gar nicht hinter den Schrank gesehen…

.

Zu alle dem saß ein böse schimpfender Max in seinem Kleiderschrank und hätte sie zu gerne gebissen. Je länger das Ganze dauerte, desto böser und schriller schrie er seinen Ärger heraus. (der Glückliche… wir mussten verbissen schweigen).

.

Ja, für diese Menschen waren wir Mieter wohl eine sehr seltsame Spezies. Was man da aber auch alles ansehen konnte… irgendwie merkwürdig…die vielen Tiere…Bücher, ganze Zimmer voll damit…. die ausgefallenen Interessen… man weiß ja nicht…ne, ne, ne…

Wir merkten es sehr deutlich, sie  wären froh gewesen, wenn sie uns den Hof erst gar nicht vermietet hätten. Man sah es ihnen an, wie sie überlegten, “…wie kann man DIE  nur loswerden?“

.

Als wir dann aber nach 12 Jahren dieser ständig wiederkehrenden Tortour von uns aus kündigten, konnten sie es kaum glauben…. DIE kaufen jetzt einen eigenen Kotten???

Ach und sogar mit Land, aha, das ist ja mal interessant… Wie DIE das wohl bezahlen? Die Verrückten mit ihren vielen Tieren?

.

Muß ich noch erzählen, dass sofort danach unser schöner Garten, mit allem Blumen, Sträuchern und Bäumen, (es gab da auch die leckersten Süßkirschen…) platt gemacht wurde?  Alles musste dem Erbboden gleich gemacht werden. Heute nun erstreckt sich ein Millimeter kurzer Rasen um das Haus. Kein Strauch , kein unnützer Baum stört das Auge des Betrachters. Ordnung ist dort eingekehrt. Gott sei Dank!

.

.

Wie gesagt, das alles gehört zum Glück  der Vergangenheit an… heute nun leben wir in Ruhe und Frieden gänzlich unbehelligt und genießen unser Leben. Unser großes Gelände kann verwildern, wie es die Natur so gerade möchte, eine Heimstatt für Tiere aller Art… auf dem Wege zum Paradies, so möchte ich meinen.

 (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht gewollt und wären rein zufällig!)

Schreibprojekt November 09

 

Kalte Novemberluft schlug ihr entgegen, als…

                         .

… sie die schwere Haustüre aufmachte. Noch einen Rundgang wollte sie machen, einmal noch den Garten und das Umland ansehen.

.

Eine blasse, schwache Sonne versuchte durch die Wolken zu dringen, der Wind wehte die welken Blätter um ihre Füße. Hinten im Garten bewegte sich die morsche Schaukel, die Äste in den alten Eichen und Buchen knarrten, ja, es war  wirklich unwiederbringlich Herbst geworden.

.

Heute war Allerheiligen, einer der ruhigen Tage im Jahr. Aber ihre Tage waren ja eigentlich immer ruhig. Es gab keine Stimmen und es gab kein Lachen mehr, nur diese Stille. Es gab auch keine Freude mehr, woran hätte sie sich noch erfreuen sollen?

.

Das einzige Kind tot. Schon seit vielen Jahren. Ein Verkehrsunfall. Sie hatte den Verlust nicht überwunden, war nie darüber hinweggekommen.

.

Die Trauer hatte sie sprachlos gemacht. Auch mit dem Mann hatte sie in den letzten Jahren kaum noch gesprochen.

.

Ein unüberwindbarer Graben hatte sich zwischen ihnen aufgetan, der von Jahr zu Jahr größer wurde. Manchmal dachte sie, wenn sie es nur geschafft hätten wieder miteinander zu reden und zu leben, dann …

.

…doch für ein „dann“ war es nun auch zu spät. Der Mann war tot, begraben neben dem Kind.

.

Sie umrundete das Haus, stand still und sah in die noch teilweise nebelverhangene Landschaft. Diese Weite, die ihren Augen und ihrem Geist immer so gut getan hatte,  heute sagte sie ihr nichts mehr. 

Wie lange war es her, dass sie lachend und tollend auf der Wiese mit der Tochter gespielt hatte, umsprungen vom fröhlich bellenden Hund? Oben von der Terrasse winkte der Mann und rief, das er auch gleich da sei…

.

Das Lachen, das sie zu hören meinte, verklang.  Sie kam an dem Grab des Hundes vorbei. Nur ein kleiner Findling erinnerte noch daran.

.

Langsamen Schrittes ging sie noch einmal die bekannten Wege, heute sah selbst ihr herrlicher  Garten leblos und tot aus. Doch das täuschte, sie wusste, es schlummerten die Blüten und das neue Leben in den Bäumen und Sträuchern, in den Zwiebeln unter der Erde.  Nach der Dunkelheit und Kälte würde es wieder neues Leben geben.

.

An der Haustür angelangt, ging sie hinein, verschloß sie und trat ins Wohnzimmer. Stellte noch einmal die Musik an, das Stück das sie immer so geliebt hatte, setzte sich und trank das Glas, das sie schon vorbereitet hatte, leer.

.

Ja,… es geht weiter,… nach der Dunkelheit… gibt es …. Leben….

Ihre Gedanken verloren sich.

 …..

Schreibpprojekt März 10

Ein Lächeln, zart wie die ersten Sonnenstrahlen des herannahenden Frühjahres…

…huschte über das Gesicht der alten Dame. Zögernd erst, irgendwie hatte das alte Gesicht das Lächeln verlernt, breitete sich dann aus, und schließlich strahlte sie glücklich.

Der Grund ihrer Freude? In der Türe des Zimmers stand ihr Sohn. Er war den weiten Weg von Amerika gekommen. Endlich war er da!

„Ach, Bernd!“ rief sie mit zitternder Stimme „Mein Junge, ich freue mich so dich endlich zu sehen.“ Er war mit wenigen Schritten an ihren Bett und nahm sie behutsam in die Arme.

Tränen liefen über ihr Gesicht und suchten sich ihren Weg über die Falten und Runzeln, tropfen schließlich auf die Bettdecke. Er streichelte ihre Hand und auch er kämpfte mit den Tränen.

So also musste er seine geliebte Mutter wiedersehen? Sie bot einen sehr gebrechlichen Anblick, und es tat ihm im Herzen weh.

Seine Mutter, die immer so agil, fröhlich und vor allem, die immer eine Lösung für all seine Probleme gefunden hatte, so sehen zu müssen, schmerzte ihn .

Sie schloß unter Tränen die Augen, lächelte aber und war unbeschreiblich glücklich.  Nun würde alles gut, jetzt da ihr Sohn endlich da war. Hoffnung regte sich in ihr und sie streichelte über seinen gebeugten Kopf.

Nach der ersten  Wiedersehensfreude sank sie ermattet zurück.

„Du musst Dich ausruhen, ich werde mal sehen, ob ich uns etwas leckeres zum Kaffee holen kann.“

Auf dem Flur sprach er eine der Frauen an, mit der Bitte, das er unbedingt mit dem behandelnden Arzt sprechen wolle. Sie verwies ihn an die Leiterin, die er auch in ihrem Büro antraf.

„Das ist ja Segen, dass Sie noch rechtzeitig gekommen sind!“ mit diesen Worten wurde er dort empfangen. „Ihre Mutter hat nur noch auf Sie gewartet. Sie hat um jeden Tag,  ja, um jede Stunde gekämpft. Immer sagte sie, dass ihr Sohn ganz bestimmt kommt.“

„Es war mir nicht möglich schneller hier zu sein. Aber es kann doch nicht so schlimm um sie stehen? Sie machte zwar einen gebrechlichen, aber sonst einen guten Eindruck?“ Fragend sah er die Leiterin an.

“Es tut mir sehr leid, aber ich muß Ihnen leider sagen, dass Ihre Mutter nur noch eine kurze Zeit bleibt. Eigentlich ist es ein Wunder, das Sie sie noch lebend angetroffen haben. Sie bekommt starke Schmerzmittel und ist fast schmerzfrei, aber Hoffnung kann ich Ihnen nicht machen.  Der Krebs ist zu weit fortgeschritten, dazu kommen diverse Erkrankungen, der Arzt wird Ihnen das sicherlich alles genau erklären.“

Fassungslos saß er da… so war es also doch viel ernster, als er zuerst gedacht hatte. „Was kann ich tun?“

„Das Sie da sind, ist alles was sich Ihre Mutter gewünscht hat.“

Benommen ging er zum Zimmer der Mutter zurück. Sie schlief, und er konnte sie in Ruhe betrachten, ja, er sah, wie weit sie sich schon von dem Leben entfernt hatte. Er konnte es in ihrem Gesicht sehen. Ja, sie würde gehen, sehr bald.

Als sie aufwachte saß Bernd an Ihrem Bett und hielt ihre Hand.  Sie konnten sich noch unterhalten in den nächsten Tagen, aber sie wurde schwächer und schwächer. Alle Unklarheiten konnten sie klären, ja, darauf hatte sie so sehr gehofft. Die Streitigkeiten aus der Vergangenheit zwischen Sohn und Mann wurden besprochen und beide konnten damit abschließen.

Ihr letzten klaren Worte galten ihrem geliebten Sohn und der Freude, das er bei Ihr war. Dann umfing sie eine tiefe Bewusstlosigkeit und sie hörte nach einer Weile auf zu atmen.

Bernd öffnete das Fenster weit. „Machs gut, Mutti.“

Auch wenn ihr Tod schwer zu verkraften war, war er doch sehr dankbar, dass er noch einige Tage mit ihr hatte verbringen können, dass sie noch über so vieles hatten sprechen können und das er seine Mutter noch lebend angetroffen hatte.

Schreibprojekt Dezember 09 (__eins__)

(die erste -kurze- Version)

.

Weihnachten stand vor der Tür und wieder einmal hatte es diese endlosen Diskussionen gegeben…

.

…, entnervt setzte sie sich an den Küchentisch. Vor sich eine Tasse Tee. „Eine kleine Auszeit nur, dann wird es wieder gehen“.

.

Doch die Tränen stiegen ihr in die Augen. Warum gelang es ihrer Familie nicht einmal wieder ein ruhiges, besinnliches und gemütliches Fest zu feiern?

„Das Fest der Liebe“, dachte sie wehmütig, „leider nicht mehr bei uns“.

.

Dabei hatten sie doch früher die schönsten Weihnachtstage erlebt. 

……                                       

Viel Text…laaaage unerfreuliche Geschichte, wie der Alltag eben oft so ist…

 Blablabla …. Bla bla bla…

 ……..

Sie stand an der Spüle und reinigte das blutige lange Schlachtermesser. Das Messer, mit dem sie sonst immer die Braten zerlegt hatte.

Ja, es war wirklich sehr scharf, gut, dass sie es immer so sorgsam behandelt hatte . Sie zog die Gummihandschuhe aus und warf sie in den Mülleimer, die würde sie nicht mehr brauchen.

Das blitzsaubere Messer legte sie vorsichtig in die Lade, drehte sich um, nahm die kleine Tasche auf, zog den Mantel an und verließ das nun endlich so ruhige Haus.

Ohne sich noch einmal umzusehen, fuhr sie summend mit dem Auto des Mannes davon.

Schreibprojekt Dezember 09 (__zwei__)

 

(die zweite -lange- Version)

.

Weihnachten stand vor der Tür und wieder einmal hatte es diese endlosen Diskussionen gegeben…

…, entnervt setzte sie sich an den Küchentisch. Vor sich eine Tasse Tee. „Eine kleine Auszeit nur, dann wird es wieder gehen“.

.

Doch die Tränen stiegen ihr in die Augen. Warum gelang es ihrer Familie nicht einmal wieder ein ruhiges, besinnliches und gemütliches Fest zu feiern?

„Das Fest der Liebe“, dachte sie wehmütig, „leider nicht mehr bei uns“.

.

Dabei hatten sie doch früher die schönsten Weihnachtstage erlebt.  Die ganze Adventszeit war immer schon erfüllt mit freudiger Erwartung. Die Kindern bastelten , viele Geschichten wurden  dabei erzählt und vor allem die alten Weihnachtslieder gesungen.

.

Allseits beliebt die jährlichen Backaktionen, daß dabei sehr viel Teig schon vorher gegessen wurde,  hatte niemanden gestört. Die Plätzchen blieben auch nicht bis zum Heiligen Abend liegen. Immer wieder naschten die Kinder, und sie drückte lächelnd ein Auge zu.

.

Wann war diese vorweihnachtliche Stimmung verloren gegangen?

.

 

Die Kinder wurden größer, jedes ging seiner Wege, der Mann hatte beruflich immer mehr Erfolge. Nur sie, sie blieb die Hausfrau und wurde im Laufe der Jahre zum Faktotum. Allzeit bereit ein Essen für die Geschäftsfreunde des Mannes auszurichten, „Das macht Dir doch kaum Mühe, Du kochst doch so fantastisch. Außerdem wirkt sich der privater Rahmen gut auf die Geschäfte aus…“ Wie oft sie dafür nächtelang in der Küche gestanden hatten, sie wusste es nicht mehr.

.

Die Kinder rücksichtslos, wie junge Menschen ja nun mal oft sind, kamen und gingen wie in einem guten Hotel. Die Wäsche war immer frisch gewaschen und gebügelt. Essen allzeit bereit, ja, das waren ihre Aufgaben. „Nein, die Kinder waren eher gedankenlos,“ dachte sie,  „nicht so sehr rücksichtslos. Trotzdem tut es weh!“

.

Grübelnd trank sie den Tee und plötzlich kam eine große Wut über sie.  „Jahrelang  nehme ich nun dies ganzen Pillen, nur um zu funktionieren, das kann doch nicht mein ganzes Leben gewesen sein?“ Sie fühlte sich betrogen!

.

Der Entschluß die vielen Tabletten einfach nicht mehr zu nehmen kam ihr ganz spontan in den Sinn. Das schien überhaupt die Lösung zu sein.  Immer wieder hatte ihr der Mann geraten: „Nimm sie ruhig, dann geht es Dir doch gleich besser.“ In Wirklichkeit meinte er aber nur: „Nimm sie ruhig, dann funktionierst du gleich wieder gut!“

.

Sie stand auf, holte alle Packungen Tabletten aus dem Schrank und warf sie der Reihe nach in den Mülleimer. Zum Wachwerden, zum Einschlafen, bei Überforderung, für mentale Verstimmungen, bei Depression, etwas für den Magen,  verschiedene Schmerzmittel und auch die kleinen rosafarbenen, da schwebte sie so schön, wenn sie die einnahm. …du lieber Gott, das alles hatte sie Jahrelang ohne zu murren eingenommen!

.

Es dauerte einige Tage, bis sie merkte, daß ihr Verstand wieder normal arbeitete. Sicher es ging ihr körperlich nicht so gut in der Zeit, aber der feste Wille, ohne diese ganzen Pillen zu leben half ihr  dadurch.

.

Die Kinder fragten wohl, warum die Wäsche noch nicht fertig sei und ob sie  vergessen hätte einzukaufen, aber ernsthaft interessierten sie sich nicht für sie. Das war eine sehr schmerzliche Erkenntnis. Genauso traf es sie, als sie feststellte, das der Mann wohl schon seit Jahren eine Geliebte hatte. Wieso hatte sie das nur nie bemerkt? „Weil ich mit Tabletten voll gestopft  war, die man mir immer wieder neu gegeben hat!“ Die Realität war  mehr als unschön, da hatte sie einiges zu verarbeiten.

.

.

Nachdem sie alle Konten für die sie eine Vollmacht besaß, leer geräumt hatte, fuhr sie mit einem Taxi zum Flughafen. Als einziges Gepäckstück hatte sie eine schwere Reisetasche bei sich. Sie nahm den ersten Flieger, in dem noch ein Platz frei war. So verbrachte sie einige Tage auf einer Mittelmeerinsel. Wieder überließ sie es dem Zufall, wohin das Schicksal sie wohl bringen würde….

Fragte man sie, ob sie denn keine Familie hätte, hob sie bedauernd die Schultern und schüttelte den Kopf.

Ihr neues aufregendes Leben hatte begonnen….

Schreibprojekt 8-2009 (__eins__)

 

„Missmutig räumte sie die Geschirrspülmaschine aus. Ob aus diesem verkorksten Wochenende noch etwas herauszuholen war…,“ 

 

…..sie hielt inne. Warum dachte sie, dass das Wochenende verkorkst sei? Na gut, die Pläne, die solange geschmiedet worden waren, hatten sich leider in Luft aufgelöst.

„Ich muß doch dankbar sein, mir geht gut und ich bin gesund“, dachte sie. „Nicht so wie Evi, deren Mann mit einem Infakt in der Klinik lag. Oder wie Dagmar, die immer noch mit ihrem Krebs kämpft“ 

Der letzte Teller war nun in den Schrank geräumt, die Töpfe per Hand gespült. Ordentlich hing sie das Handtuch über den Haken. Eben die Griffe, die sie schon hunderte, wenn nicht tausende Male gemacht hatte. 

„DAS eben ist es, es ist langweilig, mein Leben. Ja, mir geht es gut, ich bin gesund, und ich hab mein Auskommen, aber es ist langweilig!“ Sie hatte laut gesprochen, und war nun vor der eigenen Stimme erschrocken. 

Seitdem sie alleine lebte, und das waren jetzt schon fast 5 Monate, war jeder Tag nur ein neuer Tag in Langeweile und Routine gewesen. Es fehlte das belebendes Element. Ja, es fehlte der andere Mensch in ihrem Leben. 

 All die Jahre war sie immer nur ein Teil von einem Paar gewesen, eben ein Teil von einem Ganzen. Nicht länger konnte sie sich so fühlen, zu schwer war sie enttäuscht worden, zu tief hatte er sie gekränkt.

Doch der Gedanke, die nächsten langen Jahre immer nur allein zu sein… nein der Gedanke war ihr nicht angenehm.

 

Später saß sie im Wohnzimmer, der Fernseher lief, eine Kanne Tee vor sich.

Alleine schmeckte selbst der Tee nicht so gut wie früher. „Ich verbringe meine leeren Tage mit sinnlosen Beschäftigungen.“ Gestand sie sich ein.

Das Telefon klingelte. Es war ihre Freundin Dagmar, die  berichtete, der Mann von Evi sei vor zwei Stunden verstorben, und das sie jetzt sofort zu ihr fahren müssten. 

So kam es, dass die drei Freundinnen sich doch noch sahen an diesem Wochenende.  So hatten sie sich ihr lang geplantes Treffen nicht vorgestellt.

Eigentlich wollten sie das Bestehen ihrer 40 jährigen Freundschaft feiern. Nun hatte der Tod dieses Vorhaben überschattet.

Aber ihre Freundschaft bestand schon so lange, da war es ganz selbstverständlich füreinander da zu sein. Immer wieder hatten sie sich in schwierigen Lebenslagen beigestanden. Jede wusste, auf die beiden alten Freundinnen konnte sie sich blind verlassen.

 Als sie spät in der Nacht wieder nach Hause kam, allein, erschöpft, ausgelaugt und sehr traurig, hatte sie nur einen Gedanken, „Mein Mann lebt, ich will keine Zeit mehr verschwenden!“

Sie wählte seine Nummer, verschlafen meldete er sich.

„Komm nach Hause. Ich brauche Dich!“ sagte sie „Es ist vergeben und ich werde versuchen es zu vergessen. Laß uns nicht noch mehr kostbare Lebenszeit verschwenden.“

Sie hörte seine freudig überraschte Antwort. „Ja, ich komme, in etwa zwei  Stunden kann ich bei Dir sein.“

Lächelnd legte sie auf. Lächelnd und voller Vorfreude saß sie später auf der Couch und trank einen Tee.

Ihre Gedanken kehrten wieder zu Evi und ihrem verstorbenen Mann zurück und sie war auf einmal unendlich dankbar, dass sie noch eine Chance hatte.

 Als sie endlich seinen Wagen vorfahren hörte, sprang sie auf, lief ihm entgegen und umarmte ihn.

„Laß uns neu anfangen! Laß uns einfach leben! Laß uns glücklich sein“ und jedes Mal nickte er bekräftigend mit dem Kopf und nahm sie fest in die Arme.

Schreibprokekt 8-2009 (_zwei_)

 

Mein anderer Versuch:

Missmutig räumte sie die Geschirrspülmaschine aus. Ob aus diesem verkorksten Wochenende noch etwas herauszuholen war…,“

Ja, es stimmte, ein weiteres unerfreuliches Wochenende stand ihr bevor. Es würde wieder Streit und Vorwürfe und sehr viel unerfreuliches Gerede geben.

Wie lange war das her, dass sie sich geliebt hatten? Der 30. Hochzeitstag stand an und auch das würde kein Grund zur Freude werden.

Die letzten Handgriffe waren getan und die Küche war wieder aufgeräumt und sauber.  Fast schon zu aufgeräumt, aber sie wollte ihm keinen Anlaß zum Streiten geben.

Sie setzte sich mit einer kalten Tasse Kaffee an den kahlen Küchentisch. Blumen gab es leider keine, er mochte sie nicht um sich haben. Geschenkt hatte er ihr noch nie einen Strauß Blumen, auch wenn es sie sich das manchmal gewünscht hätte.

Ja, es würde wieder ein sehr, sehr unerfreuliches Wochenende werden. Genauso unerfreulich wie jeder Tag in den letzten Jahren, nur mit dem Unterschied, das er dann die ganzen Tage da sein würde.

 Wenn sie doch nur raus könnte aus diesem Gefängnis, das ihr liebloser, tyrannischer Mann um sie errichtet hatte und das sich Ehe nannte.  Sie saß tief in Gedanken da und hatte überhört, dass er schon zurück war.

Kein Gruß, kein Wort, er setzte sich ins Wohnzimmer vor den Fernseher. Da sie wusste, dass er etwas trinken wollte, brachte sie ihm sein Bier.

Nur ein Grunzen war der Dank. Keinen Blick hatte er für sie.

.

Sie ging nach oben, dort wartete noch die Bügelwäsche auf sie. Eine Beschäftigung, die sie ganz gerne verrichtete. Es roch immer so schön beim Bügeln, so wie zu Hause, als sie noch ein Kind war. In diesen Momenten fühlte sie sich wohl. Eigentlich war sie in diesem Haus, in dem sie doch immerhin schon über 20 Jahre wohnten, nie heimisch geworden. Nie hatte sie es als ihr Heim angesehen, nur als den Ort, an dem sie lebte. Nicht gerne, aber sie war nicht gefragt worden.

Er rief von unten, das Bier sei alle. Sie bot sich an neues zu kaufen. Auch dafür nur ein unfreundliches Grunzen, es war für ihn ganz selbstverständlich, — Einkaufen war Frauensache.

So wie alle Hausarbeiten ihre Sache waren, immer schon.

Wie gerne würde sie auch alle diese Arbeiten tun, wenn sie dafür mal ein nettes liebes Wort hören würde.

Aber er sprach seit vielen Jahren kaum noch mit ihr. Nur kurze Befehle, wenn er etwas haben wollte.  Schon oft hatte sie sich gefragt, wie sie an so einen Mann geraten konnte?

Sie fuhr über die belebte Hauptstraße, war erstaunt, wie viele Autos noch unterwegs waren. Es fing an zu regnen und die Sicht wurde schlagartig schlechter. Das Fahren bei diesem Wetter haßte sie. Sie bekam dann Angst, denn ihre Augen waren durch den grauen Star  nicht mehr sehr gut.

Sie wachte auf.

Wo war sie?

Ungewohnte Gerüche und Geräusche drangen auf sie ein.

Der Kopf tat ihr sehr weh, sie wollte sich aufsetzen, doch das ging nicht.

Angst kroch in ihr hoch! Was war geschehen? Wo war sie? Warum konnte sie sich nicht erinnern…???

„Hallo“, war das ihre Stimme, so klein und zitterig? „Hallo“ schon etwas lauter.

„Ach, da sind Sie ja wieder. Bleiben Sie bitte ganz ruhig liegen“! eine freundliche Frauenstimme. „Sie hatten einen Unfall, wir sind hier im Städtischen Krankenhaus. Bitte bleiben Sie ruhig, Sie haben einige Brüche. Das ist der Grund, warum Sie sich nicht aufsetzten können.“

Sie dämmerte wieder ein. Wie durch einen Nebel hörte sie noch andere Stimmen, dann war sie wieder eingeschlafen.

Als sie das nächste Mal erwachte, fühlte sie sich schon kräftiger. „Wie geht es Ihnen denn heute?“ wurde sie gefragt.

„Bitte, was ist denn nur geschehen, ich kann mich nicht erinnern, “ wollte sie wissen.

„Sie hatten einen sehr schweren Unfall.  Sie haben  noch Glück gehabt, denn wie man uns mitteilte, hat ein LKW ihren Wagen überrollt. Der Fahrer hat wohl einen Herzinfakt erlitten und die Kontrolle verloren. Die Feuerwehr mußte Sie aus ihrem Auto schneiden und sie sagten, es wäre ein Wunder, das Sie das überlebt haben.“

„Mein Mann…?“  „Nein, hier war bisher niemand. Wir haben uns schon gewundert.“

„Mein Mann war nicht hier? Hat man ihn denn nicht angerufen? Wie lange bin ich denn schon hier?“

Die Schwester schüttelte bedauernd den Kopf. „Nein, es hat Sie bisher niemand besucht oder nach Ihnen gefragt. Sie sind jetzt schon fast drei Wochen hier. Wir haben sie wegen der Schwere Ihrer Verletzungen in ein künstliches Koma gelegt.“

„Drei Wochen! Bitte rufen Sie doch meinen Mann an, das kann doch nicht sein….“

Erschöpft sank sie ins Kissen zurück.

„Warten Sie einen Moment, ich werde sofort versuchen Ihren Mann zu erreichen. Ruhen Sie sich in der Zwischenzeit etwas aus.“ Die Schwester verschwand.

„Frau Schmitz! Bitte wachen Sie auf.“ Eine Stimme drang in ihr Bewusstsein.  „Bitte wachen Sie auf!“

Mühsam kämpfte sie sich aus dem Traum…..

„Ja, ja.. ich bin ja wach.“ Murmelte sie

Es standen mehrere Personen um ihr Bett. „Was ist geschehen? Wo ist denn nur mein Mann?“

„Genau darum geht es, ich muß Ihnen leider mitteilen, das Ihrem Mann etwas passiert ist. Wir haben versucht ihn anzurufen und uns dann an die Polizei gewandt. – Man hat Ihren Mann unten an der Kellertreppe gefunden . Wie es aussieht ist er schwer gestürzt. Ich möchte Sie bitten sich nicht aufzuregen, aber ich muß Ihnen sagen, dass Ihr Mann tot ist. Wie es aussieht hat er sich das Genick bei dem Sturz gebrochen.“

„FREI … bin ich FREI????“ der Gedanke schoß ihr durch den Kopf…

Es gab viele Fragen, Formalitäten und Untersuchungen. Es dauerte auch noch lange, bis sie das Krankenhaus verlassen konnte. All das ertrug sie in der Gewissheit, dass sie jetzt endlich FREI sein würde.

Nein, ein schlechtes Gewissen hatte sie nicht. Sie hatte keinen Anteil an seinem Tod. Aber nun würde sie endlich auch leben können.

Manchmal dachte sie noch an den Mann, der so viele Jahre ihr Leben vergiftet hatte, nicht mit Hass, nein eher mit einer großen Wehmut über so viele vergeudete Lebensjahre.