der letzte Sonnenstrahl

Seitdem man sie hierher gebracht hatte, wollte sie nicht mehr essen, nicht mehr reden… nicht mehr leben.

Es war ihr einfach zu furchtbar hier liegen zu müssen, nicht aufstehen zu können, nicht mehr selbstständig zu sein.

Wie wichtig war ihr das immer gewesen, nur nicht auf andere Menschen angewiesen zu ein, alleine alles zu schaffen, auch wenns oft schwer gefallen ist.

 

„Die red nix, die bekommt nix mehr mit!“ sagte die Frau, die sie jetzt im Bett aufrichtete.  „Na, dann laß uns mal zügig machen, ist eh schon Feierabend.“ gab die andere zur Antwort.

Zimperlich gingen die nicht mit ihr um, sie stöhnte einige male schmerzerfüllt auf.

„Hab dich mal nicht so.. im eigenen Dreck willste sicher nicht liegen bleiben.“ kam die barsche Antwort. „Ach geh, ich sag doch, die merkt eh nix mehr. Mach dir keinen Kopf, da ist auch niemand der sie besucht- die blauen Flecke sieht eh keiner.“

Die Tür schlug laut zu, sie lag zitternd da, Tränen rollten aus ihren Augenwinkeln, tropfen langsam aufs Kissen. Ihr Mund war ganz trocken, sie hatte großen Durst. Der Becher mit Wasser stand nun aber auf dem Tisch, unerreichbar für sie.

 

Die Nacht war sehr lang, nur einmal ging die Tür auf, jemand sah ins Zimmer, war auch schon wieder verschwunden. Der Durst wurde übermächtig und sie merkte noch wie sich ihre Gedanken verwirrten.

 

Als sie erwachte, sah sie die Mutter am Küchentisch stehen die ihr gerade ein Pausenbrot schmierte und … — ach nein, die Mutter war doch schon so lange tot.

Sie versuchte sich zurecht zu finden, begriff langsam wieder, daß sie in diesem Heim war.. begriff die ganze Hoffnungslosigkeit ihrer Lage. Erinnerte sich, daß sie nicht mehr gehen konnte, wie hilflos sie nun war und wie ausgeliefert.

 

Ihr Mund war wie ausgedörrt und sie hatte starke Kopfschmerzen. DURST!!! nur daran konnte sie noch denken. In einen unruhigen Dämmerschlaf versank sie immer wieder, erwachte aber zwischendurch, war in vergangen Zeiten, kaum noch im hier und jetzt.

 

Aus der Dunkelheit glühte ein rotes Auge, weit da hinten, wo sie nichts mehr erkennen konnte. Was das ein Ungeheuer? Angst machte sich breit und der furchtbare Durst war immer noch da.

So Dunkel! Eine alles verschlingende Dunkelheit umgab sie, nur selten tauchte sie für einen  kurzen Augenblick auf, ganz verwirrt, verängstigt, voller Qual und Schmerzen…. fühlte sich einsam und verlassen.

 

Noch einmal schlug sie die Augen auf und ein einzelner Sonnenstrahl schien auf ihre Hand. „Oh, ein neuer Tag,  jetzt wird alles gut?“ dachte sie, sah zu wie der Strahl langsam ihren Arm herauf kletterte… ihre Augen fielen wieder zu.

 

Sie hörte die Wellen am Strand, spürte den salzigen Wind auf der Haut, den naßen Sand zwischen ihren Zehen, hörte die Mutter rufen: „Ilse, komm raus, es ist genug für heute!“… spürte die Sonne warm auf ihrem Gesicht.

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„Die hat es geschafft! Ruf mal den Doktor an, hat aber keine Eile…“

 

041

 

es gibt Nächte, da ist alles möglich

Ja…

Wieder eine VollmondNacht und ich bin unterwegs. Schaue hoch zu Schwester Mond, bedanke mich und bitte um ihre Kraft, ihre Ruhe und daß sie bitte auf mich achten soll.

Wie immer bin ich mit dem Rad unterwegs, die Straßen sind leer, die Häuser liegen im Dunkeln. Ich hänge wie so oft einigen Überlegungen nach, als ich ein Geräusch höre. Es ist nichts, was ich schon mal gehört habe, aber es bedeutet sofort GEFAHR. Was ist das?

Ich halte an, lausche, nur ein oder zwei Sekunden, es wird so laut, es dröhnt in meinen Ohren… WAS ist DAS? Versuche zu erkennen von wo es kommt.. von hinten, von oben???

„LAUF!!!“ Ganz laut und deutlich. „Lauf, SOFORT!!!“

Ich renne los, springe im Laufen aufs Rad und strampele so schnell ich eben kann. „Schnell, nur weg.. schnell!“ wieder diese Stimme in meinem Kopf.

Keine Zeit um nachzudenken, einfach nur weg!

Mein Atem geht keuchend und stoßweise, der Schweiß läuft in meine Augen und ich kann das Tempo nicht mehr lange durchhalten. Inzwischen ist das Geräusch so laut und so übermächtig, das es mich fast lähmt. „Rette dich! Nach rechts!“ wieder die Stimme, die ich trotz des HöllenLärms hören kann.

Ich erreiche eine Querstraße und rase in die Kurve, das Geräusch ist so laut, ich kann nicht mehr denken…

Ein Knall, ein Bersten, kreischen von Metall auf Stein und ich werde hoch geschleudert. Ich finde mich mit schmerzenden Knochen an einem Baum wieder, die tief hängenden Zweige haben meinen Flug abgefangen.

Der Geruch nach Benzin, jetzt ein weiterer Knall und ich krieche hinter den Baum. Explosion erschüttern die Luft und ich rieche Feuer, ich kann es auch prasseln hören.

Ein Feuermeer, Hitze … unerträglich!

Ich höre den Baum knacken, noch schützt er mich, wie lange noch?

„Ich muß weiter, ich muß hier weg!“ mein Denken setzt wieder ein und ich versuche mich aufzurichten. Kann nicht stehen, mein Bein schmerzt höllisch. So krieche ich los, die FeuersHitze greift nach mir.

Da, ein anderer alter Baum, hinter ihm ein kleiner Moment Schutz, doch ich muß weiter, nur ein Gedanke: „…weg …rette dich!!!“

Ich krieche weiter und krieche, meine Hände und meine Knie sind aufgeschürft. Und ich krieche immer noch, auf den Wald zu, in Sicherheit? Da die ersten Bäume… ich verliere den Halt und rolle einen Abhang runter, unten bleibe ich in einer nassen Kuhle liegen.

Ja…?

Man fand mich Stunden später, das rechte Bein mehrfach gebrochen, Verbrennungen am Körper und viele andere Wunden. Niemand hatte gewußt, daß ich da Nachts unterwegs war und so blieb ich lange in meiner Kuhle liegen, doch die feuchte Erde kühlte meine Wunden und ich dämmerte so dahin.

Und immer wieder war da diese große, strahlende Frau, sie sprach beruhigend mit mir, sie machte mir Mut und wenn die Schmerzen zu schlimm wurden legte sie ihre kühlenden Hände darauf.

Ein langer Zeitraum fehlt in meinem Gedächtnis, doch ich weiß nur eins, die Frau war immer bei mir …

Ja…!

Ich hatte überlebt, ich hatte wie durch ein Wunder überlebt!

Soviel verstand ich … daß da ein Flugzeug abgestürzt war in der Nacht und das mehrere Menschen dabei getötet wurden. Viele Häuser wurden ganz zerstört und von dem Flugzeug fand man nur noch Einzelteile.

Als ich wieder auf dem Weg der Besserung war, fragte ich nach der Frau, doch niemand hatte sie gesehen. Ich war ihr so viel Dank schuldig… sie hatte mich gerettet, das wußte ich. Doch wer war sie und wo war sie?

Ja… JA!!!

Monate später in einer schönen Vollmond Nacht war ich wieder mit meinem Rad unterwegs. Ich konnte mich inzwischen ganz gut bewegen, auch wenn  ich schnell ermüdete und auch noch einige Schmerzen hatte. Doch ich wollte raus, endlich wieder nach draußen, endlich wieder Schwester Mond sehen… endlich all das vergessen!

Und da stand sie, die große strahlende Frau, als hätte sie auf mich gewartet. „Ich muß mich unbedingt bedanken…“ dachte ich, doch da hörte ich ihre Stimme: “ Ich beschütze dich doch immer, du hast mich ja selber darum gebeten!“

Nein, es kam mir nicht merkwürdig vor eine Stimme in meinem Kopf zu hören und auch nicht, das sie meine Gedanken  lesen konnte. Es was so vertraut, so selbstverständlich… so normal!

JA!!!

008

und da sprach der Engel

Ich hab einen Autounfall, unverschuldet, aber das ist jetzt egal, denn ich hänge kopfüber von einer hohen Brücke… oder ist es eine Mauer?

Der Gurt schneidet tief und schmerzhaft in mein Fleisch, ich kann meine Beine nicht bewegen und ich hab ANGST!!!

„Sei ganz ruhig, du wirst befreit werden. Es wird nicht mehr lange dauern.“ sagt eine Stimme.

„Danke!“  flüstere ich, denn ich kann kaum atmen. „Bitte bleiben Sie bei mir, verlassen Sie mich nicht!… ich…“

Die Angst kriecht immer höher und höher, … ich werde mich in der Panik verlieren. „Hallo, sind Sie noch da?“

Ich höre wie Metall über Stein schrappt, es ist ein nervenzerfetzendes Geräusch und ich merke, wie der Wagen weiter abrutscht! „Hilfe! Bitte helfen Sie mir doch!“

Weit entfernt höre ich Stimmen, kann aber nichts verstehen. Haben sie mich überhaupt schon gefunden? Warum kommt denn niemand um mich endlich zu befreien? Was ist denn nur geschehen? Wage  kann ich mich an grelle Scheinwerfer im strömenden Regen erinnern und das man mich abdrängte… und …???

„Hilfe!“  wieder versuche ich mich bemerkbar zu machen. „Bitte HILFE!!!“ Verzweifelt sehe ich um mich, aber  da tropft immer etwas in meine Augen… rote Schleier trüben meinen Blick. Bewegen kann ich nur meine linke Hand, aber das schmerzt.

„Nun beruhige dich!“ da ist sie wieder diese Stimme.“Ich bin wieder da, und ich bleibe bis sie dich heraufholen können.“

Sie gibt mir wieder etwas Mut und ich beruhige mich wirklich etwas. “ Hallo, wo sind Sie denn? Ich kann nichts sehen.“

„Du mußt Dich ganz ruhig verhalten, das ist sehr wichtig, ich bin bei dir.“ Ich meine einen leichten Druck auf meiner Schulter zu spüren. „Keine Angst, ich verlasse dich nicht.  Ich  verspreche dir , du wirst es auch dieses Mal  überstehen. Aber denke daran, auch eine Katze hat nur 9 Leben und du hast schon mehr als einmal damit gespielt… viel mehr wird dir nicht gewährt!“

Darüber versuche ich nachzudenken… aber dann … wird das Rauschen immer lauter … und ich treibe in einem Strudel auch Angst und Schmerzen davon…

**

Ich kam in einem fremden Bett zu  mir, ein Piepton störte mich und ich versuchte zu erkennen wo ich war. Es fühlte sich an, als wenn ich schweben würde.

Später  sprach dann jemand mit mir? Doch ich flog wieder davon, leicht und unbeschwert.

**

Mit tat alles weh, ich konnte nicht einen Körperteil finden der nicht schmerzte. Ich stöhnte und versuchte mich anders hinzulegen. Das ging nicht und die Schmerzen zerrissen mich.  Benommen fühlte ich mich und mir war übel.

**

Später, viele Wochen später, als ich endlich wieder zu Hause war, kam mir das alles wie ein Albtraum vor. Es würde noch lange dauern und mich noch viel Kraft kosten bis ich wieder gesund wäre, aber ich hatte den Willen dazu.

Immer wieder kam mir der Satz in den Sinn: „Aber denke daran, auch eine Katze hat nur 9 Leben und du hast schon mehr als einmal damit gespielt… viel mehr wird dir nicht gewährt!“

Ich würde sie nutzen meine letzte Chance, soviel stand fest!

***

154-pola

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wenn der Schmerz nachläßt…

*

Der erste große Liebeskummer tut so weh, das man glaubt nie wieder lachen zu können, nie wieder überhaupt etwas tun zu können. Es schmerzt zu sehr!

…und irgendwann läßt der Schmerz nach, vergeht und wird zu einer blaßrosa Erinnerung.

*

Der körperliche Schmerz, bei einer Verletzung oder Krankheit, etwas das wir alle immer mal wieder erleiden müssen, tut oft sehr weh!

… und irgendwann gesundet der Körper, die Schmerzen ebben ab und werden zu einer Erinnerung, die zu einer LebensErfahrung wird.

*

Die ersten Lügen, der erste Verrat verletzten die Seele, ganz tief drinnen wühlt ein Schmerz und wir sind dem ausgeliefert.

… und irgendwann merken wir, das diese Verletzungen  niemals heilen werden und wir müssen versuchen damit zu leben.

*

003-pola (3)

Eine Portion Glück, bitte!

Als sie zu Anbeginn der Zeit gefragt wurde fiel ihr nur ein zu antworten: „Eine Portion Glück, bitte!“

*

Doch wie groß ist eine Portion Glück? Reicht die für ein ganzes, langes Leben?

In ihrer Jugend verbrauchte sie eine Menge von ihrer Glücksportion und merkte es nicht mal. Sie dachte sie wäre unzerstörbar, unverwundbar nicht, das hatte sie lernen müssen.

Auch später half ihr Glück ihr, tat oftmals unbemerkt seinen Dienst. Je älter sie wurde, desto mehr dachte sie daran, wie viel von ihrer Portion wohl noch übrig sei. Vor allem als sie eine lebensgefährliche Krankheit bekam, befürchtete sie, es würde nicht mehr reichen.

Doch wie durch ein Wunder hatte sie noch einen kleinen Glücksvorrat. Nun beschloß sie damit ganz sorgsam umzugehen, damit es n0ch recht lang halten würde.

Nach einigen Jahren stand ihr Leben wieder auf der Kippe, sie griff hinein in ihr Glück und versuchte damit den Weg ins Leben zu markieren. Nur wenige funkelnde winzig kleine Glückskörnchen waren ihr geblieben und sie reichten nur so eben, um sie zu retten.

Doch nun stellt sie sich die Frage, wie kann ein Mensch ohne Glück leben? Wie lange würde sie ohne Glück überleben können?

Ein neuer Gedanke schoß ihr durch den Kopf, vielleicht könnte sie anfangen Glücksmomente zu sammeln und sie in winzig kleine Glückskörnchen verwandeln? So müßte es doch vielleicht möglich sein, ihre Vorräte wieder aufzufüllen.

Es stellte sich heraus, das es gar nicht so leicht war, diese seltenen Momente zu fangen und viele Male rannen sie  ihr einfach durch die Finger. Doch mit der Zeit konnte sie einige der so kostbaren Glückskörnchen sammelen, und sie fühlte sich etwas sicherer.

Doch die Frage blieb: „Wie lange würde es reichen ihr Glück?“

GedankenKreisel

Zur Ruhe kommen… mal abschalten… einfach neue Dinge tun… oder gar nichts?

„Tja, wenn es doch so einfach wäre,“ dachte sie und ein kleines Teilchen ihres Gehirns war schon wieder mit anderen Dingen beschäftigt.

„RUHE!“ rief sie laut.

Was blieb war ein leichtes Rauschen in ihren Ohren  — und Stille.

Nach einiger Zeit unterbrochen von einem vorbeifahrenden Auto. Der Wind war jetzt auch wieder zu hören, er heulte im Kamin. Vögel zwitschtern und auch der alte Hund atmete etwas lauter…

„Es hat keinen Sinn, ich kann mich nicht zur Ruhe zwingen… so geht das nicht!“ dachte sie und trank noch einen Schluck Tee.

Schon waren ihre Gedanken wieder bei Dingen, die sie machen könnte, müßte, wollte…

Still saß sie da, guckte nach draußen in den verwilderten Garten. Vögel flogen vorbei, sie hörte ihre Stimmen und sah wie der Wind die Äste bog. Das weiße Kirschblütengestöber verzauberte den Garten und schon saß sie in Gedanken auf einem dieser zarten Blätter.

Flog schnell und hoch und jauchzte vor Freude, keine Höhenangst, wie sie verwundert feststellte… nur der Rausch der Geschwindigkeit, die reine Lebensfreude! Der Wind blies ihr ins Gesicht und schüttelte sie durch.

Doch sie saß immer noch still da, schaute aus dem Fenster und fragte sich ob das die Lösung sei, das die Lebensfreude ihr fehlte. Durch so viele Dinge hatte sie einfach vergessen zu leben und glücklich zu sein.

Eine Stimme fragte leise: „Hast du überhaupt ein Recht glücklich zu sein?“ „Ist es nicht deine Pflicht dich für all das Elend und das Unrecht in der Welt einzusetzen?“ raunte eine andere Stimme… viele Stimmen waren da und alle sagte ihr, was sie zu tun hätte.

„Ach seid still! ICH muss gar nichts. Ich hab doch immer getan was ich nur konnte, nun sind meine Reserven einfach leer. Ich kann nicht mehr!“ sie hatte laut gesprochen und der Kater neben ihr sah sie aufmerksam an.

„Willst du mir auch etwas sagen?“ fragte sie ihn. Er stupste sie mit seinem Kopf an und schnurrte laut. Natürlich wurde er dafür gestreichelt und ihre Gedanken kamen sofort zur Ruhe… sie bemerkte es erst nach einer kleinen Weile.

Ja, die Tiere hatte ihr schon so viel gegeben in ihrem Leben, so viel Glück und Liebe… war sie nicht alleine deswegen verpflichtet mehr zu tun?

„Gedankenkreisel,“ dachte sie . „immer wieder komme ich da an, das ich helfen muß, das ich nie genug getan habe… oder darf ich egoistisch sein… will ich das überhaupt?– Ich habe einfach keine Lust mehr!– Warum kann ich nicht in Ruhe leben?“

Der Wind war stärker geworden und sie sah noch immer aus dem Fenster, der Himmel grau und es würde bald wieder Regen geben.

Sie ging nach draußen um den andern alten Hund herein zu holen, er sollte nicht naß werden. Ihm taten seine alten Knochen weh. Ihre Knochen taten ihr auch weh, dabei war sie noch gar nicht so alt. Überhaupt war sie in keinem guten Zustand, fühlte sich ausgelaugt und schwach.

Ihr Verstand sagte ihr, sie müsse kürzer treten, sie müsse jetzt mal an sich denken… doch irgendwie schaffte sie es nicht.

„Ja, ich weiß,“ dachte sie, „ich mache es mir nicht leicht. Hätte ich weniger Zeit könnte ich wie alle anderen in der Tretmühle laufen und wärs vielleicht zufrieden. Würde einfach nur so für mich leben, ohne große Ansprüche zu stellen und …“ schon da fing sie an zu lachen…

Nein!!! Das war nicht ihr Weg und das wußte sie.

Ein Gedanke, fast wie ein leiser Windhauch nur: “ Hör nur auf deine Gefühle. DAS ist der richtige Weg für dich! Hör auf dein Herz!“

Ja, vielleicht…?

Der Regen hatte eingesetzt, ein gleichmäßiges Rauschen und das Prasseln vom Vordach waren zu hören, noch immer waren die Vögel nicht verstummt und sie saß wieder still da, sah nach draußen und sah zu wie der Regen fiel.

Ich

ICH…

Ja, ich möchte an mich denken… über mich nachdenken… und etwas Gutes für mich tun.

Ja, ich möchte das es mir wohlergeht und ich bin deshalb kein Egoist.

Ich brauche ganz viel Zeit für mich!

Ich lernte, es ist ganz wichtig, das ich ganz heile und ganz gesund bin… nur dann kann ich auch etwas für andere tun.

Deshalb komme ich zuerst… und dann … gucke ich mal… vielleicht?

Eben immer ICH!

 

die Ferne ist in mir

Da trafen wir alten Schulfreundinnen uns nach so langen Jahren wieder einmal. Es war schon aufregend und ich fragte mich, was wohl aus den beiden anderen geworden sei.

Im ersten Moment war ich erschrocken, die Babsi erkannte ich nur an ihrer Stimme, ihr Gesicht war entstellt durch unzählige Operationen, die Margo war zwar sehr vertraut, aber sie war sehr alt geworden.

Wie die beiden anderen mich wohl sehen würden? Man selber schätzt sich ja meistens ganz anders ein, als es das Umfeld tut. Ich dachte, noch bin ich einigermaßen gut beieinander, zum Glück relativ gesund und auch einigermaßen fit.

Wir begrüßten uns herzlich und als wir dann gemütlich bei Kaffee und Kuchen saßen kam gleich ein Gespräch in Gang. Natürlich waren wir alle neugierig, zuerst fing Margo an zu erzählen. Sie hatte ja relativ früh geheiratet, das wußten wir ja noch. Bekam dann gleich ihren Sohn und war darüber sehr glücklich. Nach einigen Jahren begannen sie  ein Haus zu bauen, bis ein Unglück ihr ganzen Leben aus der Bahn warf. Mann und Sohn starben bei einem Autounfall, sie selber überlebte  schwer verletzt. Viele Operationen mußte sie durchstehen und auch ihre Seele hatte Schaden genommen. Sie hatte keinen Lebensmut mehr und wollte eigentlich nur sterben. Dazu kamen erdrückende Schulden.

Betroffen sahen wir sie an, das hatten wir nicht geahnt. Sie sagte, das sie jetzt nach so vielen Jahren fast ihren Frieden wieder gefunden hätte, wir sollten uns keine Sorgen machen. Heute habe sie ein kleines Geschäft für Handarbeiten und sein ganz zufrieden. Sie lebe in einer Wohngemeinschaft mit vier anderen Frauen. Dort sei sich sicher und fühle sich geborgen. Eine neue Liebe habe es aber nicht mehr gegeben in ihrem Leben.

Nach einer Weile fragte ich Babsi, wie es ihr ergangen wäre. Sie hatte studiert und schon während des Studiums ihren ersten Mann kennengelernt. Er war reich, erbte dann eine gutgehende Firma und sie lernte den Luxus kennen. Sie lebten wirklich gut, gehörten zu den Glücklichen, die sich fast alles leisten konnten, aber nach einigen Jahren kam es doch zur Trennung. Sie hatten sich nichts mehr zu sagen, blieben sich aber wohlgesonnen. Sie bekam eine großzügige Abfindung und konnte auch danach immer noch sehr gut leben.

Ihr zweiter Mann gehörte auch zu diesen Kreisen, er hatte eine Modefirma und legte sehr viel wert auf ihr Aussehen. Sie sei sein Aushängeschild sagte er immer. Er legte ihr nahe ihre Nase etwas korrigieren zu lassen, dann war es ihr Busen und später kamen immer mehr Operationen die sie machen ließ. Sie wollte ihren Mann nicht verlieren und so beugte sie sich seinen Wünschen. Das er sie allerdings vor einigen Jahren verließ, um mit einem jungen Model zu leben, hatte sie schwer getroffen. Geldsorgen hatte sie nicht, dafür hatte wieder eine große Abfindung gesorgt, aber sie hatte kaum noch Freude in ihrem Leben.

Dazu kamen Schmerzen und auch Komplikationen, die durch die vielen Operationen  entstanden waren. Sie war in ständiger Behandlung, aber es ging ihr nicht gut, auch zweifelte sie, ob sie das alles hätte mit  machen lassen sollen.. doch für diese Überlegungen war es leider zu spät.

Ich fragte ich, warum sie denn nicht einfach so geblieben sei, wirklich gutaussehend? In ihren Kreisen herrsche da ein anderes Ideal, sagte sie, welches sie allerdings heute auch nicht mehr verstehen könne. Am schlimmsten wären die Schmerzen, ihr waren Brustimplantate geplatzt und giftige Substanzen hatten sich in ihrem Körper eingelagert. Damit würd sie nun leben müssen.

Margo war, genau wie ich, doch sehr erschrocken, besonders als Babsi sagte, das sie wohl nicht mehr sehr lange leben würde, denn seit kurzen wußte sie, das sie auch unheilbar Krebs habe.

Wir saßen eine Weile stumm da, jede hing ihren Gedanken nach und ich dachte an unsere gemeinsame Jugendzeit, wie unbeschwert sie doch gewesen war. Drei gute Freundinnen, die viel Blödsinn gemacht und immer zusammengehalten hatten…

Als sie mich dann fragten, wie mein Leben gewesen sei, wußte ich zuerst nicht, wie ich beginnen sollte. Meinen Mann kannten sie ja fast genau so lange wie ich und meine Ehe hatte bis heute gehalten. Wir waren von schlimmen Schicksalsschlägen fast verschont geblieben und waren dafür sehr dankbar. Als ich allerdings erzählte, das ich schon ganz früh aus dem Beruf ausgestiegen sei… konnten die beiden das nicht verstehen. Geld sollte nicht so wichtig sein? fragten sie.

Ich bemühte mich zu erklären, was mir wirklich sinnvoll erschienen war und verschwieg auch nicht, wie schwer das oft gewesen war. Sie schüttelten den Kopf und verstanden es nicht. Ob ich denn viel herum gekommen sei, denn ich habe mich ja schon immer überall sofort zurecht gefunden. Auch das mußte ich verneinen, im Gegenteil ich bin ja nicht einmal im Urlaub gewesen in den letzten 35 Jahren.

Schnell merkte ich, das ließ sich nicht überbrücken, wir waren zu verschieden. Sicher jede bemühte sich und wir mochten uns, weil wir uns schon so lange kannten, aber eine gemeinsame Basis hatten wir nicht mehr.

Etwas wehmütig dachte ich auf dem Heimweg darüber nach. Mußte es aber so akzeptieren und hoffte, das wir uns beim nächsten Treffen in einem Jahr alle drei wieder sehen würden.

TeeTrinker

Früher, als ich noch ein Kind war, erfüllte immer wieder der Duft von frisch gebrühtem Kaffee die Wohnung. Ich erinnere mich, das ich dann manchmal „Muckefuck“ bekam, keinen Bohnenkaffee, sondern den korngesunden Landkaffee.

Ganz früher war echter Bohnenkaffee etwas besonderes  und nicht jeden Tag wurde er  getrunken. Da mahlte die Hausfrau die Bohnen jedesmal frisch, eine mühsame Beschäftigung.

Als ich erwachsen wurde gehörte Kaffee natürlich auch zu meinem Frühstück, auch bei der Arbeit stand immer eine große Tasse griffbereit.

Aber ganz ehrlich… so richtig gerne mochte ich ihn nie, schon gar nicht mit Milch, sondern mit ganz viel Zucker, damit ich nichts von dem bitteren Geschmack mitbekam.

Ja, ich war nie ein überzeugter KaffeeTrinker.

Tee habe ich immer gern getrunken, in allen Variationen. Schon als junges Mädchen machte ich mir nachmittags eine Kanne Tee und nahm diese mit in meine Zimmer. Dort stand ein Stövchen, gemütlich und heimelig.

Es kam die Zeit, da trank ich sehr wenig Tee, dann keinen mehr, die KaffeeZeit hatte begonnen, kannenweise… und dazu wirklich sehr viele Zigaretten.

Je älter ich wurde, desto weniger vertrug ich aber den Kaffee, es ging mir schlecht. Es dauerte aber noch eine ganze Weile, bis ich mir das auch eingestand.

Schwindel, Magenschmerzen und allerhand mehr Übel hatte ich zu erleiden… und meinte immer noch, „Ohne Kaffee gehts gar nicht!“

Doch es kam der Tag, da beschloß ich: „Jetzt ist Schluß mit diesem Unsinn, ich vertrags einfach nicht!“

Leckere Teesorten kamen wieder ins Regal  natürlich auch in die Tassen… und siehe da, mir ging es sofort gut! Keine Malessen, kein Schwindel, nichts dergleichen.

Etwas später gab ich auch die Raucherei auf, und den Alkohol mochte ich auch nicht mehr.

Da merkte ich erst, wie elend ich mich doch Jahrzehnte lang gefühlt hatte und dachte doch immer das sei normal. Normal ist das Leben heute für mich, mit freien Lungen, gutem Geschmacksinn und relativ intaktem Immunsystem.

(JA, es ging einfach so und JA, es hat sich wirklich gelohnt aufzuhören!)

Doch eigentlich wollte ich heute nur über Tee schreiben, darüber, das wir mehr als 20 verschiedene Sorten im ständigen Wechsel trinken, oder wie gesund und lecker Grün- und RoibushTees doch sind…

…und wie viel Freude ich an meiner großen BecherSammlung aus Fine Bone China habe aus denen der Tee so richtig lecker schmeckt.

… oder auch von den ganz besonderen Teerosen, die wir uns manchmal gönnen…

Aber für heute will ichs mal gut sein lassen, der beste aller Ehemänner bringt gerade die vierte Kanne Tee des Tages rein… und den wollen wir in Ruhe genießen!