Zauberwesen

Sie holte sich ein Wesen ins Haus und sie hatte das Glück ein Zauberwesen gefunden zu haben.

Unbeschwert, ohne Arg, voller  Vertrauen und so lebendig  brachte sie den Sonnenschein wieder in ihre Seele.

In ihr Herz zog Liebe und neue Lebensfreude ein. Übersprühend vor Leben, so neugierig, alles ist neu, alles ist erst mal spannend.

Sie sieht durch Augen, die so vieles entdecken, sie hört plötzlich Töne und Geräusche, die sonst im Alltag untergingen.

Augen, aus denen der  Schalk  und Übermut blitzt, die aber auch voller Vertrauen und Liebe sind… Augen, die sie ansehen.

Das Zauberwesen wächst und gedeiht, und mit ihr hält das Glück wieder Einzug und wird größer und immer mehr.

Verspielt und voller Tatendrang entdeckt das Zauberwesen die Welt und nimmt sie dabei mit.

Das Zauberwesen fordert sie, fordert ihre Aufmerksamkeit und Zuwendung … und sie gibt all ihre Liebe.

Tapsi

(geschrieben am 31-3-2009)

TAPSI

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Aus dem Leben einer behinderten Katze

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Ich bekam Tapsie vor ca 4 Jahren, sie war ein Abgabetier, weil sie „übrig“ war. Sie war zu dem Zeitpunkt ca 9 Jahre alt, und  ist schwerbehindert. (Wahrscheinlich durch einen Katzenschnupfen in frühster Kindheit ist eine Schädigung des Gehirns geblieben, die Motorik ist sehr stark eingeschränkt.)

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Diese Katze hat nun 9 Jahre an einem Hof gelebt, neben einer Straße, sie wurde geduldet, mehr nicht. Wahrscheinlich hat sie sogar Junge bekommen, genaues weiß ich nicht. Irgendwann hat sich jemand erbarmt und sie kastrieren lassen.

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Sie kam zu uns, weil inzwischen ein großer Hund im Nachbarhaus war, der Katzen jagte, da hatte sie keine Chance mehr.

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Als ich sie bekam, war sie total verstört, und verängstigt. Ein Zustand der die ersten langen Wochen fast unverändert anhielt. Sie war ihr ganzes Leben nur gejagt und verfolgt worden , das saß einfach zu tief. Besonders die Angst vor dem Menschen…ein fast unüberwindliches Hindernis.

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Tapsie konnte kaum einen Schritt gehen, dann verlor sie schon die Richtung, sie überschlug sich beim Laufen, knallte an Wände und Möbel. Es war furchtbar anzusehen. Anfangs überlegte ich ernsthaft, ob ich sie nicht einschläfern lassen sollte.

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Dazu kam, daß sie sofort zuschlug, wenn man nur in ihre Nähe kam, auch biß  sie, wenn sie mich erwischte. Trotz aller Bemühungen, hielt dieser Zustand lange Zeit an. Ich sah aus, als wenn ich täglich zerfleischt würde. Meine Hände hatten tiefe Wunden, die Arme auch.–Aber trotzdem habe ich sie mir jeden Tag genommen, immer etwas länger und etwas mehr. Sie sollte lernen, das ich keine Gefahr für sie bin. –So etwas dauert eben, da brauchst Geduld.

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Mit viel Zeit, Ruhe und Liebe, unterstützt durch eine entsprechende Bachblütenmischung wurde aus diesem armen Katzentier wieder eine „glückliche“ Katze. Sie ist noch immer behindert, kann aber, da sie keine Panik mehr hat, besser laufen. Noch immer geht sie unkontrolliert und schwankt, fällt auch manchmal noch um, aber sie meistert alles ganz wunderbar.

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Ich schrieb ja schon, daß ich von ihr viel lernen konnte. Sie ist eine wirklich liebenswerte Katze.  Vor ca drei Jahren haben wir erlebt, wie besonders sie ist.  Selbst so eingeschränkt, hat sie sich die letzten Wochen um  unsere geliebten Jule (eine Tonkanesin)  gekümmert. Als diese immer kränker wurde, wollte von den anderen  Katzen eigentlich niemand mehr gerne bei ihr liegen. Sie hatte aber immer gerne Gesellschaft und da hat Tapsie sich ganz wunderbar um sie gekümmert. Sie haben den Napf geteilt und Tapsie hat sie stundenlang geputzt und blieb bei ihr liegen. Auch sonst habe ich nie gesehen, daß Tapsie aggressiv auf Tiere  reagiert hat. Selbst die Hunde, damals noch zu viert, hat sie nie versucht zu schlagen. Als sie begriff, die tun mir nichts, blieb sie einfach stehen, und ließ die Riesen über sich hinweglaufen.

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In der ersten Zeit hat sie alleine in der Küche gelebt. Aber nun ist sie sogar in unsere Katzengruppe voll integriert. Alle haben sie akzeptiert, trotz ihres „merkwürdigen “ Ganges und ihrer „komischen“ Bewegungen. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich sie hier entspannt und friedlich auf dem Sofa liegen sehe.

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Erwähnen möchte ich, daß sie natürlich kein Katzenklo kannte! Das ist dann immer eine Geduldsprobe, da sie ja von draußen kam, war ein Klo ihr unbekannt. Es hat sehr lange  gedauert, bis sie das verstanden hat.  Aber als Tierfreund, steht man solche Probleme eben durch, das gehört dazu. Heute nun hat sie es begriffen und geht auch (fast immer) ins Kistchen.

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Bisher habe ich es noch gar nicht erzählt, sie ist meine aller-schmusigste und anhänglichste Katze geworden. Sie schläft sehr oft sogar bei mir, laut schnaufend und ich kann dann  gar nicht schlafen. Aber da ich sie sehr liebe, nehme ich auch das in Kauf. Ich freue mich über jeden Tag mit ihr.

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Ach, ich höre sie gerade über mir, laut „stampfend“ kommt sie aus dem Schlafzimmer, da will ich mal nach ihr sehen…

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(sie wurde am 28-6-09 eingeschläfert)

GedankenKreisel

Zur Ruhe kommen… mal abschalten… einfach neue Dinge tun… oder gar nichts?

„Tja, wenn es doch so einfach wäre,“ dachte sie und ein kleines Teilchen ihres Gehirns war schon wieder mit anderen Dingen beschäftigt.

„RUHE!“ rief sie laut.

Was blieb war ein leichtes Rauschen in ihren Ohren  — und Stille.

Nach einiger Zeit unterbrochen von einem vorbeifahrenden Auto. Der Wind war jetzt auch wieder zu hören, er heulte im Kamin. Vögel zwitschtern und auch der alte Hund atmete etwas lauter…

„Es hat keinen Sinn, ich kann mich nicht zur Ruhe zwingen… so geht das nicht!“ dachte sie und trank noch einen Schluck Tee.

Schon waren ihre Gedanken wieder bei Dingen, die sie machen könnte, müßte, wollte…

Still saß sie da, guckte nach draußen in den verwilderten Garten. Vögel flogen vorbei, sie hörte ihre Stimmen und sah wie der Wind die Äste bog. Das weiße Kirschblütengestöber verzauberte den Garten und schon saß sie in Gedanken auf einem dieser zarten Blätter.

Flog schnell und hoch und jauchzte vor Freude, keine Höhenangst, wie sie verwundert feststellte… nur der Rausch der Geschwindigkeit, die reine Lebensfreude! Der Wind blies ihr ins Gesicht und schüttelte sie durch.

Doch sie saß immer noch still da, schaute aus dem Fenster und fragte sich ob das die Lösung sei, das die Lebensfreude ihr fehlte. Durch so viele Dinge hatte sie einfach vergessen zu leben und glücklich zu sein.

Eine Stimme fragte leise: „Hast du überhaupt ein Recht glücklich zu sein?“ „Ist es nicht deine Pflicht dich für all das Elend und das Unrecht in der Welt einzusetzen?“ raunte eine andere Stimme… viele Stimmen waren da und alle sagte ihr, was sie zu tun hätte.

„Ach seid still! ICH muss gar nichts. Ich hab doch immer getan was ich nur konnte, nun sind meine Reserven einfach leer. Ich kann nicht mehr!“ sie hatte laut gesprochen und der Kater neben ihr sah sie aufmerksam an.

„Willst du mir auch etwas sagen?“ fragte sie ihn. Er stupste sie mit seinem Kopf an und schnurrte laut. Natürlich wurde er dafür gestreichelt und ihre Gedanken kamen sofort zur Ruhe… sie bemerkte es erst nach einer kleinen Weile.

Ja, die Tiere hatte ihr schon so viel gegeben in ihrem Leben, so viel Glück und Liebe… war sie nicht alleine deswegen verpflichtet mehr zu tun?

„Gedankenkreisel,“ dachte sie . „immer wieder komme ich da an, das ich helfen muß, das ich nie genug getan habe… oder darf ich egoistisch sein… will ich das überhaupt?– Ich habe einfach keine Lust mehr!– Warum kann ich nicht in Ruhe leben?“

Der Wind war stärker geworden und sie sah noch immer aus dem Fenster, der Himmel grau und es würde bald wieder Regen geben.

Sie ging nach draußen um den andern alten Hund herein zu holen, er sollte nicht naß werden. Ihm taten seine alten Knochen weh. Ihre Knochen taten ihr auch weh, dabei war sie noch gar nicht so alt. Überhaupt war sie in keinem guten Zustand, fühlte sich ausgelaugt und schwach.

Ihr Verstand sagte ihr, sie müsse kürzer treten, sie müsse jetzt mal an sich denken… doch irgendwie schaffte sie es nicht.

„Ja, ich weiß,“ dachte sie, „ich mache es mir nicht leicht. Hätte ich weniger Zeit könnte ich wie alle anderen in der Tretmühle laufen und wärs vielleicht zufrieden. Würde einfach nur so für mich leben, ohne große Ansprüche zu stellen und …“ schon da fing sie an zu lachen…

Nein!!! Das war nicht ihr Weg und das wußte sie.

Ein Gedanke, fast wie ein leiser Windhauch nur: “ Hör nur auf deine Gefühle. DAS ist der richtige Weg für dich! Hör auf dein Herz!“

Ja, vielleicht…?

Der Regen hatte eingesetzt, ein gleichmäßiges Rauschen und das Prasseln vom Vordach waren zu hören, noch immer waren die Vögel nicht verstummt und sie saß wieder still da, sah nach draußen und sah zu wie der Regen fiel.

drei Frauen

Sie trafen sich auf einer Bärenmesse, drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein konnten.

Es fing mit einem Schmuckstück an: „Oh, das muß ich mir aber mal genauer ansehen, wenn ich darf?“ fragte die Ausstellerin eine Besucherin.

Die Ausstellerin, selber eine auffallende, sehr schlanke Erscheinung, hatte ihren eigenen Stil wie man sofort sah und den Hang zum mädchenhaften, verspieltem. Sie hatte diese ungewöhnliche Brosche sofort wahrgenommen und so entspann sich ein kurzes, aber freundliches Gespräch eben über diesen Schmuck.

Sie trennten sich und die Besucherin schaute sich in aller Ruhe all die wunderschönen Bären an, wechselte hier einige Worte, guckte da mal genauer hin, traf einige Bekannte … kurz und gut, ihr gefiel was sie sah.

Kurz bevor sie die Messe wieder verlassen wollte kam sie an einen letzten Stand, außergewöhnliche Bären saßen da und sie schaute sich interessiert um. Blickte auf und sah sich der Ausstellerin gegenüber, die sie schon kurz kennengelernt hatte. „Ach, SIE sind das?“ fragten beiden fast wie aus einem Munde.

Lachten und gleich waren sie in ein neues Gespräch vertieft.  Es ging ums Bärenmachen und ums Verkaufen, später auch um Kunst und wie schwer es doch ist heute… sie kamen immer weiter in die Details, fanden Gemeínsamkeiten und immer neue Themen.

Die Besucherin bot sich an, etwas Werbung für die Bären zu machen. Fragte, ob sie die Bären fotografiern dürfe und dann im Internet in einigen Blogs vorstellen solle. Die Ausstellerin freute sich darüber und war sofort damit einverstanden.

Als eine dritte Frau an den Stand trat und sich neugierig die Bären ansah, sie hatte eine der beliebten Kameras in der Hand, winzig kein, ganz  neu und sehr teuer! Das sah die erste Besucherin sofort, dann erst sah sie die Frau, eine Asiatin.

Sie alle lächelten sich freundlich an, die Asiatin wollte auch einige Fotos schießen. „Aber ja, gerne!“ ermunterte die Ausstellerin sie. So fing sie an und fotografierte und auch die erste Besucherin hatte ihre Kamera in der Hand, so daß sie bald in ein Gespräch übers Fotografieren und die Bären vertieft waren.

„Sie sprechen wirklich sehr gut Deutsch“, sagte sie. Die Asiatin  erklärte, sie wohne nun schon 11 Jahre mit ihrem Mann hier in Deutschland, in dieser Stadt. Die erste Besucherin lächelte, ja genau in dieser Stadt wäre sie geboren, es wäre ihre Heimatstadt und sie hätte vor vielen Jahren auch dort ganz in der Nähe gewohnt.

Das Gespräch drehte sich dann um Tiere, Katzen, um es ganz genau zu sagen. Die Asiatin sagte: „Ich habe zwei Katzen, zwei braungetiegerte …“

„Ich habe auch Katzen, ich liebe sie sehr!“ rief die Ausstellerin.

„Nun ja, ich habe auch Katzen, nur noch sieben, aber früher hatte ich viele Jahre einen Gnadenhof speziell für Katzen…“ sprach die erste Besucherin.

Alle drei Frauen sahen sich an und lachten, die Gemeinsamkeiten schufen eine Verbundenheit, ein Gefühl der Herzlichkeit und des gegenseitigen Verstehens, ein schöner Moment.

Die Frauen waren sich dessen bewußt, das sie gerade etwas besonders erlebten und ein bißchen wehmütig trennten sie sich schließlich.

(Samt & Roses Teddybears by Ika)

ein guter Freund

Ungestüm war er, machte viel kaputt, lieb war er und er hatte immer seine ganz speziellen Freunde.

Als er zu uns kam war er noch ein Baby, hatte einfach viel zu viel Kraft und wußte vor lauter Übermut nicht, was er als erstes zerlegen sollte. Die drei älteren, die schon bei uns lebten, sahen dem Treiben des Jungspunds mehr als erstaunt zu. Nahm er doch ganze Böden hoch, zernagt Holztüren und war ansonsten ein Schwerenöter.

Wilde Verfolgungsjagden waren seine Passion, er brachte die älteren Weiber ganz schön auf Trapp. Gelehrig war er, aber er behielt nur Dinge die er für wichtig hielt.

Je älter er wurde, je eigener wurde er. Nein, er wollte nicht immer mit den anderen zusammen sein. Er brauchte seine ganz privaten Freiräume. Er entschied, das ein zuviel an Geselligkeit nicht seinen Vorstellungen vom Leben entsprach.

Es war seine Wiese, da wollte er ganz alleine in der Sonne liegen, buddeln und übers Leben nachdenken. Die anderen drei waren erst erstaunt, aber überließen ihm seine Wiese.

Genauso bestand er auf seinem eigenen kleinen Raum, er wollte unbedingt einmal am Tag da rein, allein, ohne jeden Komfort. Alle Versuche ihn davon abzubringen scheiterten. Gemütlichkeit ließ er nicht zu, alles wurde sofort zerlegt.

Bei den Katzen hatte er von Anfang an ganz spezielle Freunde, die mochte er wirklich und die durften immer zu ihm kommen. Ganz besonders hatte er Birdy in sein Herz geschlossen. Der liebte seinen großen Freund mindestens ebenso. Nun sah man diese beiden fast nur zusammen, da wurde geschmust und gekuschelt. Der kleine Kater lag ganz dicht bei ihm, beschützt vom großen Freund. Turnte auf ihm herum, wurde abgeleckt und geliebt.

Die Freundschaft hält schon das ganze Leben.

Nun hat er noch eine neue Freundin, allerdings eine Beziehung mit etwas Abstand. Luna hat seinen Korb mit der weichen Decke entdeckt. Er steht dann davor, guckt überrascht und legt sich daneben. Ja, im Alter ist er jetzt immer bei uns und liegt jetzt auch gerne weich und gemütlich.

Nun hat Luna ein kleines Körbchen genau neben den großen Korb hingestellt bekommen, beide liegen jetzt entspannt auf ihren Decken, schauen dem Treiben hier im Haus zu, gucken  wo der andere ist und sind gute Freunde auf etwas Abstand.

Ja, er ist schon ein toller Junge unser Lutz.

 hier mit seiner alten Freundin Ronja

kostbare Momente

(im April 2009)

Jetzt, für diesen Moment ist sie wieder da, die alte Ronja, die lebhafte, die überschwengliche, die verrückte, die so liebenswerte…, die junge…?

Ich werde geweckt, weil sie wie ein kleines Wildpferd immer wieder auf und ab, hin und her, vor meinem Bett herumspringt. Sie geht nicht, nein, sie springt und trippelt und das ist laut, sehr laut auf dem PVC, ihrer Krallen schlagen Trommelwirbel.

Zwischendurch ein kurzes innehalten, warten ob ich schon reagiere, ein Schnauben, weil sie ungeduldig ist, es dauert ihr alles zu lange.

Mir wird bewußt, das da die alte Ronja für einen Moment wieder zum Vorschein gekommen ist, schnell richte ich mich auf, sie springt auf der Stelle herum wie ein kleiner Gummiball.

Ich hänge die Beine über den hohen Rand, sofort ist sie da, läuft immer wieder unter meinen Füßen durch, ich klopfe ganz vorsichtig auf ihren Rücken. Das hat sie früher schon geliebt.

Heute bin ich aber ganz besonders sachte, weiß ich doch, das ihre Knochen zerbrechlicher geworden sind und sie sicher oft auch Schmerzen hat.

Ja, so ist sie immer gewesen, eine liebe, kleine, überschwengliche, verrückte Hundedame, der das Fell „juckte“, die sich schubbern wollte, und die immer nur nett und freundlich war.

Ich denke an all das zurück, denke auch, das sie ja jetzt  sonst fast immer nur noch liegt, weiß, das sie uns manchmal nicht mehr sofort erkennt und gar nicht mehr weiß wo sie ist. Oft muß ich nun wecken, aus ganz tiefem Schlaf, verwirrt kommt sie dann zu sich, rappelt sich auf, taumelt, ist gar nicht mehr richtig hier.

Doch diesen kurzen Moment haben wir, sie ist wieder ganz die Alte. Auch jetzt geht ihr alles nicht schnell genug, der alte Lutz wird auch angesteckt und geschwind stürmen beide Seite an Seite die Treppe runter. Unten wird gewartet, ungeduldig und  schwanzwedelnd, weil sie sich freuen das es rausgeht.

Schnell durch die Flure und die Küche und beide Hunde laufen in den Garten. Es ist kalt, windig , aber trocken, ich laß sie noch etwas draußen. Bin mir sehr bewußt, wie kurz doch so ein kleines Hundeleben ist, um so mehr freue ich mich, das es Ronja gerade jetzt noch einmal so gut geht.

Einen ganz winzigen Augenblick meine ich auch unsere anderen Hunde zu sehen, Mirka und Laura, den alten Sam… alle, die mit Ronja bei uns gelebt haben, und auch Henry, ihren KaterFreund… ach ja, ….

Meine Gedanken gehen nicht zum ersten Mal weiter und ich überlege wieder, wann wohl der rechte Moment gekommen ist, sie zu erlösen.

Noch schmeckt das Futter, viel besser das Erbettelte, am allerbesten aber das geklaute Katzenfutter. Vieles lassen wir durchgehen, das sehen wir dann einfach nicht.

Aber ich bin mir sehr bewußt, das ihr Leben zu ende geht. „Vielleicht erleben wir alle ja noch Weihnachten zusammen? …oder sogar noch das neue Jahr?“ denke ich.

Bleibe noch einen Augenblick in der offenen Tür stehen und sehe den beiden Hunden zu, jetzt kommen auch die drei Hühnerdamen und wollen endlich ihr Futter … der Tag hat begonnen.

Ein warmes Gefühl der Freude und der Dankbarkeit hab ich in mir und mit einem Lächeln gehe ich rein.

(im Februar 2010) 

Der Weg

„Was machen Sie denn mit meinen Sachen? Wohin gehen Sie…?“ rief sie empört. Doch der Mann ging einfach an ihr vorbei und ließ sie wortlos zurück.

Aus der Küche erklang ein lautes Klirren, „…hört sich nach meinen Tassen an!“ dachte sie und lief sofort los.

Richtig, der Boden war bedeckt mit Geschirr, Töpfen, Besteckteilen und auch ihre teuren Sammeltassen lagen zerschlagen dort.  Fassungslos blickte sie auf dieses Chaos.

„Hören Sie sofort damit auf!“ schrie sie den Mann an. „Was fällt Ihnen ein, meine ganze Küche zu verwüsten?“ Sie wollte ihn am Arm fassen, denn er riß jetzt einen Oberschrank von der Wand, doch sie griff ins Leere.

Sie konnte es nicht verstehen und stellte sich ihm in den Weg. Er sah durch sie hindurch, ja, er trat die Rückwand aus dem Schrank und trat dabei durch ihr Bein.

Sie konnte es nicht fassen, was geschah nur hier und was war mit ihr passiert? Entsetzt und erschrocken wich sie zurück in Richtung Wohnzimmer. Die Tränen liefen über ihr Gesicht und sie sank auf das alte Sofa. Eine Hundeschnauze stieß sie an und sie streichelte automatisch den Kopf…

„Benji!“ rief sie… „mein Gott Benji, wie ist das möglich?“

Der Hund stand wedelnd neben ihr, groß stark und gesund, so wie in seinen besten Jahren. Sie stutzte, das konnte doch nicht wahr sein?

Aus dem Flur erklang eine Männerstimme: „Wie lange brauchst du noch in der Küche? Ich könnte deine Hilfe gleich bei dem großem Schrank gebrauchen. Den müssen wir vors Haus bringen, der wird bald abgeholt.“

Schnell sprang sie auf und lief auf den Mann zu. Der hatte schon wieder beide Arme voller Sachen, die er rausbrachte. „Lassen Sie meine Sachen in Ruhe, ich verbiete ihnen….“ rief sie nachdem sie ihre Kleidung erkannt hatte und wollte ihn vergeblich festhalten. Auch durch ihn griff sie hindurch. Er sah sie nicht an und ging einfach weiter.

Das alles machte ihr Angst und  sie ging zurück ins Wohnzimmer. Benji stand dort, wartete auf sie und leckte ihre Hand, so als wenn er ihr Mut machen wollte.

Als sie wieder saß und sich genauer umschaute, fielen ihr jetzt die leeren Regale auf, die Schränke die offen standen und ebenfalls leer waren. In einer Ecke türmten sich Papiere, zerfledderte Bücher, Kissen und andere Dinge.

Ganz verzweifelt schluchzte sie auf, es war einfach unbegreiflich, was geschah hier nur? Ermüdet legte sie den Kopf an die Lehne, sie war immer so müde in der letzten Zeit, der Hund hatte sich dicht neben sie gelegt…

Es war dunkel und still als sie wieder zu sich kam. Benjis Kopf lag immer noch auf ihren Beinen und sie streichelte ihn.
„Mein Junge, mein guter Junge…“, murmelte sie. Ja, sie fühlte sich besser als seit langem, hatte wieder neue Kräfte, das spürte sie gleich.

Sie schaute in die Küche, in ihr Schlafzimmer, fast alle Möbel waren weg. Die  Bücher, ihre geliebten Sammlerbären, die Bilder, all die Kleinigkeiten die sie so mochte, alles verschwunden. Der Hund blieb an ihrer Seite, als wenn er sie beschützen wollte.

Immer wieder schüttelte sie verwirrt den Kopf, sie versuchte zu überlegen was gesehen war, aber die letzte Zeit war nur sehr verschwommen in ihrem Gedächtnis. Da war ein fremdes Bett, in dem sie lag, große Schmerzen die sie unablässig quälten und… ja, mehr erinnerte sie nicht. Wie durch eine Milchglasscheibe sah sie einige Menschen um sich — und dann nichts mehr.

Sie schritt nach draußen, und bemerkte erst hinterher, das sie und der Hund durch die großen Glasscheiben geglitten waren, ohne diese erst zu öffnen.

Sie wunderte sich nur kurz darüber, denn sie spürte eine Bewegung an ihrem Bein, sah hinunter und erkannte Mischa, ihren ersten Kater. Schnell bückte sie sich und streichelte ihn, als auch Minka auf einmal neben ihr war. Auch diese beiden waren gesund und sahen ganz jung aus.

Wie konnte das nur  sein, genau erinnerte sie sich an die schweren Gänge mit den Tieren, wenn sie alt und krank schließlich eingeschläfert werden mußten, aber das war viele Jahrzehnte her… und nun waren sie hier?

Lange Zeit zum überlegen blieb ihr nicht, denn plötzlich tauchten von überall Tiere auf, ihre Tiere wie sie sofort sah. Es waren hunderte, Katzen, Hunde, Vögel, Kaninchen, und andere, sie wußte sofort all ihre Namen wieder, ihre Geschichten und konnte sich an jeden einzelnen erinnern.

„Schneeweißchen, Knickelchen, Friedel… mein Gott, wie hab ich euch alle vermißt… Laura, Mirka… meine Lieben… und du Tom-Tom und Pupadu… “

Lächelnd saß sie auf der Wiese, umringt von den Tieren, die sie so geliebt hatte. Sie alle waren jung, gesund und sahen wunderschön aus. Viele von ihnen hatten Male von Mißhandlungen, Verkrüppelungen oder andere Krankheitszeichen früher gehabt, all das war  verschwunden. Ja, jetzt verstand sie es und erschrak im ersten Moment, dann aber war es gut so, und sie nickte wie zur Bestätigung.

Der Mond kam hinter einem Wolkenberg hervor und ein heller Weg aus Mondenstrahlen leuchtete vor ihr auf. Benji und auch die anderen Tiere standen auf und langsam gingen sie ins Helle.

Inmitten der Schar war sie, ganz selbstverständlich, ohne jedes Zögern,  höher und höher
hinauf, noch einmal warf sie einen Blick auf ihr Häuschen, schon war es nicht mehr wichtig.

Vorbei an den Sternen und durch die Wolken, sie sah Menschen und Tiere und grüßte und winkte ihnen zu. Doch sie gingen immer weiter, bis sie in einem Tal ankamen, dort wurden sie von noch mehr Tieren und einigen wenigen Menschen erwartet.

Froh und laut lachend begrüßte sie alle und…

Eine Tiergeschichte

RONJA und HENRY

eine wahre Geschichte  geschrieben 17-4-2009

Durch Zufall wurde ich auf das Schicksal einer kleinen Wolfspitzhündin aufmerksam. Es hieß, sie lebe schon ein halbes Jahr in einer Besenkammer. Also auf engstem Raum eingesperrt, ohne Licht und Auslauf.

Jetzt war sie den Besitzern endgültig zu lästig und der Verkauf war schon fest geplant. Man wollte sie an einen bekannten Züchter weiterverkaufen. Dieser sogenannte Züchter war mir wohl bekannt, in alten Schweineställen wurde der niedliche Hundenachwuchs produziert. Alle möglichen Rassen wurden da auf Masse gezüchtet,…( Aber das ist ein so weites Feld, da möchte ich mich heute auf die Geschichte von RONJA beschränken).

Also, so weit der Stand der Dinge, der Hund mußte weg. Ich trat als Käufer auf, ja den geforderten Preis wäre ich bereit zu zahlen. Immerhin eine reinrassige Wolfspitzhündin, erst ein dreiviertel Jahr alt. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, da gehörte noch ein junger Kater dazu. Diesen mußten die Leute auch unbedingt weg haben. Die Kinder wären doch beide allergisch…

Dem Anschein nach nur sehr zögerlich (um nur ja nicht den Kauf zu gefährden) schlug ich vor, auch den Kater nehmen zu wollen. Das wurde sofort angenommen, man war ja so froh, endlich dieses Viehzeug aus dem Hause zu bekommen.

Bei der Abholung, war es schlimmer als gedacht. Es war eine winzig kleine Besenkammer, da wurden beide Tiere gehalten. Die Hündin, eine Wolfsspitz Mischlingshündin, war ganz abgemagert und sah erbärmlich aus. Und so was wäre fast als Gebärmaschine mißbraucht worden!

Der Kater ungefähr gleichaltrig, sah besser aus. Beide Tiere waren aber verstört und ängstlich. Sie kauerten zusammen gekuschelt in einer Ecke.

Es stellte sich heraus, beide Tiere waren als Spielzeug für die lieben Kleinen angeschafft worden. Diese hatten aber schon immer Atemprobleme, kurz und gut, es ging nicht! Also sperrte man die Hündin und den Kater in diese Kammer.

Oft ist es mir sehr schwer gefallen ruhig zu bleiben, (warum darf man eigentlich niemanden erschlagen??) hier war wieder so ein Fall. Total abgestumpfte Menschen, die nicht mal ansatzweise ein Unrecht sahen. „Das sind doch nur Tiere!“ . Als man dann auch noch versuchte, den Preis in die Höhe zu treiben, fuhr ich eine härte Gangart.

Auf jeden Fall nahmen wir BEIDE mit .

Auf dem Transport war der Kater in einer Box und die Hündin wurde auf dem Arm gehalten. Kaum angekommen und aus der Box gelassen, stürzten beide Tiere aufeinander zu. Es sah fast so aus, als wollten sie sich nie mehr loslassen. Diese Beiden hatten in ihrer Gefangenschaft ein besonders inniges Verhältnis aufgebaut. Monatelang hatten sie ja nur einander als Gesellschaft.

Diese enge „Tierliebe“ hielt sehr lange, noch heute fast 15 Jahre später, sind sie einander noch zugetan.

Die Hündin bekam den Namen RONJA, wie ja schon zu lesen war, den Kater nannten wir HENRY.

Die Erklärung, warum RONJA so abgemagert war, fanden wir bald heraus. Sie ließ beim Füttern immer dem Kater den Vortritt. Irgendwie fühlte sie sich wohl für ihn verantwortlich. So hatte sie von dem kargen Fressen nicht viel abbekommen und wäre fast verhungert, damit ihr Freund satt wurde!

Bei uns war beim Essen kein Mangel, und trotzdem mußten wir sehr aufpassen, das diese kleine Hündin ihren Teil fraß. Immer wartete sie, bis alle anderen fertig waren. Das war zu der Zeit wirklich nicht so gut, lebten doch insgesamt fünf Hunde (vier ganz Große..) zusammen bei uns.

Die anderen Hunde nahmen Ronja sofort auf, doch diese hatte zuerst nur Angst vor den „Riesen“. Aber das alles regelte sich bald, und beide Tiere lebten sich gut ein.

Bei Henry gab es da keine Probleme, er fühlte sich gleich wohl in der großen Katzengruppe.

RONJA lebt noch, sie ist nun eine alte Hundedame. Vieles geht nicht mehr so wie früher, sie ist eben wirklich alt. Auch HENRY ist noch bei uns. Auch an ihm sind die Spuren des Alters zu sehen.

Er hat nur noch einen unteren Eckzahn, und der scheint jetzt auch noch locker zu sein. Mal sehen, vielleicht kann man den Zahn einfach so rausziehen, er wackelt schon sehr. Dann könnten wir ihm den Streß mit dem Tierarzt ersparen.

Das war sie also, die wahre Geschichte von RONJA und HENRY. Die Geschichte einer wahren Freundschaft, wo das Leben des Freundes höher steht als das Eigene…. und das sollen „nur Tiere “ sein?

Dann muß ich sagen, stehen sie Charakterlich haushoch über den meisten Menschen!!! Denn bei den Menschen habe ich kaum selbstlose Liebe erlebt.

Das wars für heute aus dem Katzenhäuschen, Petra

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am 6.10 2009 haben wir unseren geliebten Henry nach langer Krankheit einschläfern lassen…

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am 27- Juni 2012 wurde nun auch unsere kleine alte Ronja eingeschläfert.

008 1

Sie hat sein sehr langes Leben gelebt. Die letzten Jahre nur noch mit unserem alten Lutz. Zum Schluß konnte sie nicht mehr hören, nicht mehr sehen und auch das Gehen fiel ihr schwer…

Nun sind sie wieder zusammen… (und auch mit all die vielen anderen Hunde und Katzen, die jemals bei uns gelebt haben).

und wenn die Last…

…und wenn die Last zu groß wird,

schaue ich in grüne Katzenaugen.

…und wenn der Kummer mich niederdrückt,

schaue ich in braungesprenkelte Katzenaugen.

… und wenn die Verzweifelung mich umfänngt,

dann schaue ich in goldene Katzenaugen.

…und sie schauen mich an,

geben mir Kraft und ich bin heiter und unbeschwert.

Trauer

 

 

Trauer um Prinzi-Minzi (ein Katzengedicht)

Ein Bündel Fell, ohne Leben, schwer der tote Körper.

Vorhin noch über deinen Kopf gestrichen, „Auf wiedersehen“ gesagt,

Nur wenige Stunden später, wurde dein Leben dir genommen.

Ich sehe dich mit blitzenden Augen auf Mäusejagd.

Ich sehe dich schnurrend auf meinem Schoß, mich ansehend.

Ich sehe dich in der Kuhle der Decke behaglich zusammengerollt schlafen.

Ich sehe dich nie mehr wartend auf mich.

Ich sehe dich nie mehr in der Sonne entspannt die Tage verbringend.

Du bist nun schon auf dem Weg  – warte auf mich.

Du wirst für alle Zeiten in meinem Herzen wohnen.