es gibt Nächte, da ist alles möglich

Ja…

Wieder eine VollmondNacht und ich bin unterwegs. Schaue hoch zu Schwester Mond, bedanke mich und bitte um ihre Kraft, ihre Ruhe und daß sie bitte auf mich achten soll.

Wie immer bin ich mit dem Rad unterwegs, die Straßen sind leer, die Häuser liegen im Dunkeln. Ich hänge wie so oft einigen Überlegungen nach, als ich ein Geräusch höre. Es ist nichts, was ich schon mal gehört habe, aber es bedeutet sofort GEFAHR. Was ist das?

Ich halte an, lausche, nur ein oder zwei Sekunden, es wird so laut, es dröhnt in meinen Ohren… WAS ist DAS? Versuche zu erkennen von wo es kommt.. von hinten, von oben???

„LAUF!!!“ Ganz laut und deutlich. „Lauf, SOFORT!!!“

Ich renne los, springe im Laufen aufs Rad und strampele so schnell ich eben kann. „Schnell, nur weg.. schnell!“ wieder diese Stimme in meinem Kopf.

Keine Zeit um nachzudenken, einfach nur weg!

Mein Atem geht keuchend und stoßweise, der Schweiß läuft in meine Augen und ich kann das Tempo nicht mehr lange durchhalten. Inzwischen ist das Geräusch so laut und so übermächtig, das es mich fast lähmt. „Rette dich! Nach rechts!“ wieder die Stimme, die ich trotz des HöllenLärms hören kann.

Ich erreiche eine Querstraße und rase in die Kurve, das Geräusch ist so laut, ich kann nicht mehr denken…

Ein Knall, ein Bersten, kreischen von Metall auf Stein und ich werde hoch geschleudert. Ich finde mich mit schmerzenden Knochen an einem Baum wieder, die tief hängenden Zweige haben meinen Flug abgefangen.

Der Geruch nach Benzin, jetzt ein weiterer Knall und ich krieche hinter den Baum. Explosion erschüttern die Luft und ich rieche Feuer, ich kann es auch prasseln hören.

Ein Feuermeer, Hitze … unerträglich!

Ich höre den Baum knacken, noch schützt er mich, wie lange noch?

„Ich muß weiter, ich muß hier weg!“ mein Denken setzt wieder ein und ich versuche mich aufzurichten. Kann nicht stehen, mein Bein schmerzt höllisch. So krieche ich los, die FeuersHitze greift nach mir.

Da, ein anderer alter Baum, hinter ihm ein kleiner Moment Schutz, doch ich muß weiter, nur ein Gedanke: „…weg …rette dich!!!“

Ich krieche weiter und krieche, meine Hände und meine Knie sind aufgeschürft. Und ich krieche immer noch, auf den Wald zu, in Sicherheit? Da die ersten Bäume… ich verliere den Halt und rolle einen Abhang runter, unten bleibe ich in einer nassen Kuhle liegen.

Ja…?

Man fand mich Stunden später, das rechte Bein mehrfach gebrochen, Verbrennungen am Körper und viele andere Wunden. Niemand hatte gewußt, daß ich da Nachts unterwegs war und so blieb ich lange in meiner Kuhle liegen, doch die feuchte Erde kühlte meine Wunden und ich dämmerte so dahin.

Und immer wieder war da diese große, strahlende Frau, sie sprach beruhigend mit mir, sie machte mir Mut und wenn die Schmerzen zu schlimm wurden legte sie ihre kühlenden Hände darauf.

Ein langer Zeitraum fehlt in meinem Gedächtnis, doch ich weiß nur eins, die Frau war immer bei mir …

Ja…!

Ich hatte überlebt, ich hatte wie durch ein Wunder überlebt!

Soviel verstand ich … daß da ein Flugzeug abgestürzt war in der Nacht und das mehrere Menschen dabei getötet wurden. Viele Häuser wurden ganz zerstört und von dem Flugzeug fand man nur noch Einzelteile.

Als ich wieder auf dem Weg der Besserung war, fragte ich nach der Frau, doch niemand hatte sie gesehen. Ich war ihr so viel Dank schuldig… sie hatte mich gerettet, das wußte ich. Doch wer war sie und wo war sie?

Ja… JA!!!

Monate später in einer schönen Vollmond Nacht war ich wieder mit meinem Rad unterwegs. Ich konnte mich inzwischen ganz gut bewegen, auch wenn  ich schnell ermüdete und auch noch einige Schmerzen hatte. Doch ich wollte raus, endlich wieder nach draußen, endlich wieder Schwester Mond sehen… endlich all das vergessen!

Und da stand sie, die große strahlende Frau, als hätte sie auf mich gewartet. „Ich muß mich unbedingt bedanken…“ dachte ich, doch da hörte ich ihre Stimme: “ Ich beschütze dich doch immer, du hast mich ja selber darum gebeten!“

Nein, es kam mir nicht merkwürdig vor eine Stimme in meinem Kopf zu hören und auch nicht, das sie meine Gedanken  lesen konnte. Es was so vertraut, so selbstverständlich… so normal!

JA!!!

008

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Vollmond

Heute Nacht war es wieder soweit, Schwester Mond stand voll und wunderbar am Himmel. Sie liebte diese Nächte und fühlte sich immer ganz berauscht.

Lebendig und froh, losgelöst und frei… ja, ihre Begegnungen mit Schwester Mond  waren immer etwas ganz besonders für sie.

Sie schöpfte Kraft und Lebensmut, bekam Gelassenheit und Stärke als Geschenk.

Und als sie heute Nacht im Mondenlicht stand, ganz still und ruhig, da fühlte sie, wie die Erde sich unter ihr drehte. Sie fühlte es so stark, daß sie fast ein bißchen Angst hatte einfach herunter zu fallen.

Sie stellte sich die Erdenkugel vor, mit sich selber im Mondenlicht und immer wenn sie „unten“ war, hatte sie für einen kurzen Moment so ein bitzeln im Bauch, so als würde sie jetzt fallen.

Aber nein, sie stand sicher und fest verankert auf Mutter Erde und sah den vorbeifliegenden Stern mit weit offenen Augen und einem frohen Herzen zu. Hörte SphärenGesänge und erlebte unendlich glückliche Momente.

Ein Erdenkind der Nacht, die sich vor nichts fürchtet.

006

die Stille in ihr

Erst wenn sie wieder einmal Kontakt zur Außenwelt hatte, wußte sie wieder wie glücklich sie doch war.

Stundenlang saß sie im Schneidersitz, sah aus dem Fenster, schaute den Vögeln zu, hörte ihre Unterhaltungen, überlegte was sie sich wohl zu erzählen hätten. Sah die Zweige, die der Wind bewegte, mal mehr mal weniger, manchmal nicht –  und war einfach nur da.

Ruhe umgab sie und Ruhe war in ihr. Ihre Gedanken floßen um sie herum, tanzten Ringelreihen und manchmal waren auch sie ganz ruhig. Eine Stille war in ihr, die sie sicher durch ihre Tage brachte. Eine Stille die tröstlich war. Eine Stille die ihr neue Kraft und neuen Mut gab. Eine Stille die alte Wunden heilte, ganz langsam zwar, aber immerhin.

Doch manchmal stand sie auch draußen, wenn der Wind blies und machte Seifenblasen. Schillernde, kurzlebige Gebilde, die sie doch immer wieder entzückten, deren Tanz sie mit strahlenden Kinderaugen verfolgte.

In den Nächten stand sie übergoßen vom MondenLicht und atmete die Kraft und die Gelassenheit und unterhielt sich mit den Geschöpfen der Nacht oder sah zu den Sternen auf die ihre Bahnen zogen.

Sie beobachtete Schnecken, wenn sich ihre Wege kreuzten und fand das sehr spannend. Aufregend auch Begegnungen mit Tieren, über die sie sich immer so sehr freute, so daß eine Wärme lange in ihrem Herzen blieb.

Die Bäume waren ihre Freunde, sie konnte stundenlang ihren Gedanken lauschen, keine Hektik, sondern fröhliche Gelassenheit erlebte sie mit ihnen.

Geschichten erzählte sie sich und war neugierig wie sie enden würden.

Sie war die Frau, die sich nie langweilte, auch wenn sie sichtbar nichts tat, aber das erzählte sie niemandem, denn das würden die Menschen nicht verstehen. Heute mußte man beschäftigt sein, ganz furchtbar wichtig und immer und überall erreichbar, damit die Leute überhaupt spürten das sie lebten.

Ja, immer wenn sie mal Kontakt zur MenschenWelt hatte, war sie einfach nur sehr dankbar für die liebevolle Stille in ihr!

001 1

einfach weg

Sie trat in den kleinen Lichtkreis zwischen den Bäumen. Die Luft war warm und sanft auf ihrer Haut. Es regte sich kein Lüftchen und kleine Insekten summten im Sonnenlicht.

Ruhig, mit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen stand sie da. Atmete Sonnenwärme und konnte durch die geschlossenen Augenlider roter Feuerbälle sehen.

Nach einer Weile setzte sie sich und wunderte sich, das die Sonnenstrahlen nicht weiter gewandert waren.

Noch etwas später saß sie noch immer dort, Rehe beäugten sie neugierig, Vögel zwitscherten und Kaninchen hoppelten um sie herum.

Sie dachte an nichts mehr, wußte nur, das sie glücklich war. Ein süßes Glück, eines, wie sie es noch nie zuvor empfunden hatte.

Später dann legte sie sich in das weiche Moos auf dem Waldboden, schaute in das kleine Stückchen Himmel über sich, sah Schwester Mond aufgehen. Ein Weg aus Mondenstrahlen tat sich vor ihr auf und sie beschritt ihn.

Ging, und ging noch ein wenig höher, und sah sich dort unten auf der Erde liegen. Sah die Sterne neben sich und wurde ganz leicht und froh.

stets…

Die Zeit tropft an mir vorbei, meistens sind das zähe Tropfen, die sich nur langsam lösen um dann im Nirgendwo zu zerschellen.

Manchmal sind das schnelle Tropfen, die fallen und fallen, irgendwann kann ich sie nur noch als ein leises Rauschen wahrnehmen.

Im Traum kann ich sie anhalten die Tropfen oder ich schwimme im See der Zeiten, dort wo alle Zeit unendlich ist und stille steht. Nur für uns Menschen scheint sie dort angehalten zu haben, doch in Wirklichkeit ist die Zeit stets und immer in Bewegung.

So wie auch Steine nicht stumm und bewegungslos sind, nur ist ihre Realität so langsam, das wir sie nicht wahrnehmen können. Wie so vieles was an uns vorbeigeht, da unsere Sinne eben kaum etwas aufnehmen, weil wir einfach nur Menschen sind.

Seh ich meine Katze an, weiß ich das sie so viel mehr sieht, daß ihre feinen Sinne Dinge aufnehmen können, von denen ich kaum etwas ahne.

Doch wenn wir gemeinsam träumen, dann nehmen sie mich mit die Tiere und dann explodiert eine Wirklichkeit so unendlich bunt, vielschichtig und groß, daß ich betäubt erwache, denn ich kann es kaum aushalten.

Wir rasen schwerelos durchs All, nur um im nächsten Moment in einem Tropfen Morgentau zu schwimmen, wir reiten auf Mondenstrahlen und legen und uns auf unbekannten Sternen zur Ruhe. Laufen über taufeuchte Wiesen, riechen zauberhafte Düfte, sehen Farben wie von nie zuvor. Wir verweilen kurz im Jetzt, im Übermorgen und auch im Gestern, denn die Zeit ist eine dehnbare und ich treffe mich immer wieder in der Vergangenheit und sehe mich in der Zukunft.

Und irgendwann hab ich alle Zeit der Welt, ach was, alle Zeit des Universums, dann wenn  ich eins werde mit der Unendlichkeit.

 

meine Nächte…

Tja, nix aufregendes, oder gar schlüpfriges… wer das sucht ist hier fehl am Platze.

Was ich bieten kann sind nächtliche Fahrten, viele gedachte Gedanken, Geschichten, die ich mir erzähle und wundersame Mondnächte. Zu anderen Jahrezeiten erlebe ich ganz herrliche Sonnenaufgänge… und immer die Stille, die ich so sehr liebe.

Die Nächte, sind meine Zuflucht, da komme ich zur Ruhe, bin eins mit der Natur, bin mit mir alleine, aber niemals einsam.  Treffe höchstens die Katzen in den Straßen, sehe kaum mal einen Menschen, bin Teil der Nacht und lebe mit ihr.

Lebe wieder auf, liebe die hellen Nächte, wenn Schwester Mond mir den Weg und den Geist erleuchtet. Oder wenn dann Bruder Sonne langsam empor steigt und neue Lebenskraft in die Welt bringt.

Für mich sind das Wunder die ich erleben darf und von denen ich ein Teil bin…

 

 

 

 

Der Weg

„Was machen Sie denn mit meinen Sachen? Wohin gehen Sie…?“ rief sie empört. Doch der Mann ging einfach an ihr vorbei und ließ sie wortlos zurück.

Aus der Küche erklang ein lautes Klirren, „…hört sich nach meinen Tassen an!“ dachte sie und lief sofort los.

Richtig, der Boden war bedeckt mit Geschirr, Töpfen, Besteckteilen und auch ihre teuren Sammeltassen lagen zerschlagen dort.  Fassungslos blickte sie auf dieses Chaos.

„Hören Sie sofort damit auf!“ schrie sie den Mann an. „Was fällt Ihnen ein, meine ganze Küche zu verwüsten?“ Sie wollte ihn am Arm fassen, denn er riß jetzt einen Oberschrank von der Wand, doch sie griff ins Leere.

Sie konnte es nicht verstehen und stellte sich ihm in den Weg. Er sah durch sie hindurch, ja, er trat die Rückwand aus dem Schrank und trat dabei durch ihr Bein.

Sie konnte es nicht fassen, was geschah nur hier und was war mit ihr passiert? Entsetzt und erschrocken wich sie zurück in Richtung Wohnzimmer. Die Tränen liefen über ihr Gesicht und sie sank auf das alte Sofa. Eine Hundeschnauze stieß sie an und sie streichelte automatisch den Kopf…

„Benji!“ rief sie… „mein Gott Benji, wie ist das möglich?“

Der Hund stand wedelnd neben ihr, groß stark und gesund, so wie in seinen besten Jahren. Sie stutzte, das konnte doch nicht wahr sein?

Aus dem Flur erklang eine Männerstimme: „Wie lange brauchst du noch in der Küche? Ich könnte deine Hilfe gleich bei dem großem Schrank gebrauchen. Den müssen wir vors Haus bringen, der wird bald abgeholt.“

Schnell sprang sie auf und lief auf den Mann zu. Der hatte schon wieder beide Arme voller Sachen, die er rausbrachte. „Lassen Sie meine Sachen in Ruhe, ich verbiete ihnen….“ rief sie nachdem sie ihre Kleidung erkannt hatte und wollte ihn vergeblich festhalten. Auch durch ihn griff sie hindurch. Er sah sie nicht an und ging einfach weiter.

Das alles machte ihr Angst und  sie ging zurück ins Wohnzimmer. Benji stand dort, wartete auf sie und leckte ihre Hand, so als wenn er ihr Mut machen wollte.

Als sie wieder saß und sich genauer umschaute, fielen ihr jetzt die leeren Regale auf, die Schränke die offen standen und ebenfalls leer waren. In einer Ecke türmten sich Papiere, zerfledderte Bücher, Kissen und andere Dinge.

Ganz verzweifelt schluchzte sie auf, es war einfach unbegreiflich, was geschah hier nur? Ermüdet legte sie den Kopf an die Lehne, sie war immer so müde in der letzten Zeit, der Hund hatte sich dicht neben sie gelegt…

Es war dunkel und still als sie wieder zu sich kam. Benjis Kopf lag immer noch auf ihren Beinen und sie streichelte ihn.
„Mein Junge, mein guter Junge…“, murmelte sie. Ja, sie fühlte sich besser als seit langem, hatte wieder neue Kräfte, das spürte sie gleich.

Sie schaute in die Küche, in ihr Schlafzimmer, fast alle Möbel waren weg. Die  Bücher, ihre geliebten Sammlerbären, die Bilder, all die Kleinigkeiten die sie so mochte, alles verschwunden. Der Hund blieb an ihrer Seite, als wenn er sie beschützen wollte.

Immer wieder schüttelte sie verwirrt den Kopf, sie versuchte zu überlegen was gesehen war, aber die letzte Zeit war nur sehr verschwommen in ihrem Gedächtnis. Da war ein fremdes Bett, in dem sie lag, große Schmerzen die sie unablässig quälten und… ja, mehr erinnerte sie nicht. Wie durch eine Milchglasscheibe sah sie einige Menschen um sich — und dann nichts mehr.

Sie schritt nach draußen, und bemerkte erst hinterher, das sie und der Hund durch die großen Glasscheiben geglitten waren, ohne diese erst zu öffnen.

Sie wunderte sich nur kurz darüber, denn sie spürte eine Bewegung an ihrem Bein, sah hinunter und erkannte Mischa, ihren ersten Kater. Schnell bückte sie sich und streichelte ihn, als auch Minka auf einmal neben ihr war. Auch diese beiden waren gesund und sahen ganz jung aus.

Wie konnte das nur  sein, genau erinnerte sie sich an die schweren Gänge mit den Tieren, wenn sie alt und krank schließlich eingeschläfert werden mußten, aber das war viele Jahrzehnte her… und nun waren sie hier?

Lange Zeit zum überlegen blieb ihr nicht, denn plötzlich tauchten von überall Tiere auf, ihre Tiere wie sie sofort sah. Es waren hunderte, Katzen, Hunde, Vögel, Kaninchen, und andere, sie wußte sofort all ihre Namen wieder, ihre Geschichten und konnte sich an jeden einzelnen erinnern.

„Schneeweißchen, Knickelchen, Friedel… mein Gott, wie hab ich euch alle vermißt… Laura, Mirka… meine Lieben… und du Tom-Tom und Pupadu… “

Lächelnd saß sie auf der Wiese, umringt von den Tieren, die sie so geliebt hatte. Sie alle waren jung, gesund und sahen wunderschön aus. Viele von ihnen hatten Male von Mißhandlungen, Verkrüppelungen oder andere Krankheitszeichen früher gehabt, all das war  verschwunden. Ja, jetzt verstand sie es und erschrak im ersten Moment, dann aber war es gut so, und sie nickte wie zur Bestätigung.

Der Mond kam hinter einem Wolkenberg hervor und ein heller Weg aus Mondenstrahlen leuchtete vor ihr auf. Benji und auch die anderen Tiere standen auf und langsam gingen sie ins Helle.

Inmitten der Schar war sie, ganz selbstverständlich, ohne jedes Zögern,  höher und höher
hinauf, noch einmal warf sie einen Blick auf ihr Häuschen, schon war es nicht mehr wichtig.

Vorbei an den Sternen und durch die Wolken, sie sah Menschen und Tiere und grüßte und winkte ihnen zu. Doch sie gingen immer weiter, bis sie in einem Tal ankamen, dort wurden sie von noch mehr Tieren und einigen wenigen Menschen erwartet.

Froh und laut lachend begrüßte sie alle und…

Holunderblüte

Manchmal wünscht ich mir, das ich eine Holunderblüte wäre…

Es ist mühsam und auch anstrengend immer und immer wieder die gleichen Fragen zu hören und immer und immer wieder die gleichen Antworten zu geben.

Warum ändern sich die Menschen nicht? Allen sind doch die gleichen Informationen zugänglich.

Warum nur bricht mir das Herz, während dessen woanders rücksichtslos drauflos gelebt wird?

Wie kann es sein, das mir so mancher Tag zur Qual wird, weil so vieles mich einfach niederdrückt und andere Menschen nicht mal verstehen warum ich so traurig bin?

Auch kostet es mich viel Kraft, mich immer wieder von neuem all den Ungerechtigkeiten und den Grausamkeiten um mich herum zu stellen… und am schlimmsten trifft mich die erschütternde Gleichgültigkeit.

Ja, ich weiß ich fühle mehr, ich sehe mehr und ich höre mehr… aber sind denn alle anderen um mich herum wirklich nicht in der Lage Unrecht zu erkennen, Scham ob ihres Tuns zu empfinden, Mitleid zu haben? Haben sie keine Augen die Not zu sehen, keine Ohren die Schreie zu hören, kein mitfühlendes Herz, keinen wachen Geist?

Ich wäre sehr gerne eine Holunderblüte, so zart, weiß und duftend, die einfach nur ihr Blütengesicht zur Sonne dreht, die sich vom Wind wiegen läßt und die Nachts mit den Mondenstrahlen tanzt.

Nun ist sie schon lange verblüht, die hat ihr BlütenLeben gelebt und hat ihren Frieden.

Eine Nachtgeschichte

     

 
 
Der Himmel war bedeckt von Wolken, ganz selten strahlte ein fast vollendeter Mond durch die Wolkenlücken zur Erde.
 
Gewaltige Wolkentürme, ja ganze Wolkengebirge jagten über den Nachthimmel. Ein faszinierendes Schauspiel, dass ich gebannt verfolgte. Wartete ich doch auf den Mond, um mir etwas von seiner Ruhe und Kraft mitzunehmen.
 
Doch halt, was war da auf dem Weg? Ich hielt an und schaute genauer hin. Mehrere dicke Kröten saßen da und starrten mich an.
 
Die Wanderzeit hatte wieder begonnen, gut, dass ich sie noch rechtzeitig gesehen hatte.
Vorsichtig umrundete ich die einzelnen Tiere und setzte meinen Weg fort.
 
Das Geschehen am Himmel konnte ich nur noch am Rande verfolgen, denn gerade hier waren wirklich viele Kröten unterwegs und ich wollte auf keinen Fall eine von ihnen überfahren.
 
Etwas blitzte kurz auf, flackerte und schien zu erlöschen. Ich konnte nicht erkennen, was es sein könnte, also bückte ich mich, sah genauer ins Gras und sah eine verletzte Kröte. Man hatte sie angefahren und sie sah sehr schlimm verletzt aus. Pumpende Atemzüge, die mir selber wehtaten … wurden seltener… und hörten schließlich ganz auf. Beide Hinterbeine waren überfahren worden, sie musste große Schmerzen gelitten haben.
 
Sie war tot. Da, eine winzige schnelle Bewegung, ein Lichtstrahl huschte über meinen Jackenärmel.
Verblüfft sah ich, wie er immer höher wanderte.
 
Gedanken, so fein und fremd erklangen in meinen Kopf. „Hilf mir bitte!“
Ich sah niemanden und wusste nicht, ob ich mir das nur eingebildet hatte.
 
„Bitte, hilf mir, sonst werde ich im Tageslicht vergehen. Es ist für heute zu spät, um zum Mond zurückzukehren.“
 
„Ich möchte ja helfen, aber ich kann dich nicht sehen. Was kann ich denn tun?“
 
Die Antwort kam wieder in meinem Kopf: „Ich bin Mondenstrahl, einer von ganz vielen, die heute Nacht zur  Erde kamen, um den Hochzeitstanz  der Kröten mitzutanzen. Wir kommen jedes Jahr, und feiern mit ihnen und begleiten sie zu ihren Hochzeitsplätzen. Doch die Kröte, der ich heute den Weg erleuchten sollte, ist tot. Ich bin bei ihr geblieben, den sie fürchtete sich und hatte große Schmerzen.“
 
„Ich habe sie ja gesehen, ganz schlimm, diese Verletzungen.“ Antwortete ich. „So viele der Kröten sterben auf den Straßen. Ja, viele Menschen machen sich einen Spaß daraus, so verroht sind sie.“
 
„Ich habe gesehen, wie achtsam du um die Kröten gefahren bist, und sogar einige auf die Seite gebracht hast… du scheinst mir anders zu sein.“ Erklang Mondenstrahl in meinen Gedanken. „Deshalb sei so freundlich und hilf mir, denn bei Tageslicht vergehe ich. Kannst du mich bis heute Abend in deine Tasche stecken? Da wäre ich sicher, bis ich wieder zum Mond zurück kann.“  
Inzwischen hatte ich den Mondenstrahl auf meiner Hand; es kritzelte ein wenig und ich war richtig geblendet.
 
  
 
“Erzähle mir doch noch etwas von deiner Welt, sie scheint mir sehr interessant zu sein.“ bat ich den Mondenstrahl.
„Ich zeige dir einige Bilder.“
 
Ich erlebte den ausgelassenen Hochzeitstanz der Kröten, sah aber auch wie die Mondenstrahlen mit anderen Tieren feierten. Sie besuchten des Nachts die Vögel in ihren Nestern und trafen sich auf den Wiesen mit den Hasen und Rehen…
Wunderschöne, zauberhafte Bilder durfte ich sehen, Bilder aus einer ganz anderen Welt, ja fast wie in einem Märchen.
 
„So war es früher immer!“
 
Neue Bilder sah ich, tote Tiere, die elend gestorben waren, überfahrene und abgeknallte Tiere. Ich sah, wie die Wiesen und Wälder sich veränderten, wie alles grau und trostlos wurde. Sah verschmutze Seen und Flüsse, Landschaften, die im Müll erstickten, wo es keinen Baum und kein Grün mehr gab.
 
„Ich zeige es dir, denn so wird es sein. Dann kommen keine Mondenstrahlen mehr zur Erde, denn wir  werden die Wolken dann nicht mehr durchdringen. Zu Dicht und unüberwindlich wird der Smog alles einhüllen.“
 
Ungläubig wollte ich mit dem Kopf schütteln, doch ich wusste, das Mondenstrahl mir die Zukunft gezeigt hatte. Traurig und sehr nachdenklich sagte ich: „Es gibt aber doch Menschen, die versuchen so zu leben, dass möglichst wenig wenig zerstört wird. Vielleicht können wir es doch noch aufhalten?“
 
„Leider glaube ich das nicht.“ Unruhig flackerte Mondenstrahl auf meine Hand. „Die meisten Menschen sind nur auf den eigenen Vorteil bedacht, egal zu welchem Preis. Wir Naturgeschöpfe glauben, das es für euch und die Erde wie ihr sie kennt schon jetzt zu spät ist.“
 
Wir unterhielten uns noch eine Weile, und schließlich huschte Mondenstrahl in meine Tasche. „Bis heute Abend,“ sie klang müde und ich machte den Reißverschluß der Brusttasche zu.
 
„Bis heute Abend, dann  bringe ich dich wieder raus.“
Ich hatte ein kleines Wunder erlebt, — aber wer würde es mir schon glauben?