…und da draußen… da tobt das Leben?

So saß sie nun auf der Couch, gegenüber vom Fenster, da saß sie nun schon einige Wochen. Nein, besser wir rechnen in Monaten! Die Zeit, ein stetiger Fluß, der draußen vorbei zog, da wo sie nicht mehr mit konnte… da wo sie auch so gerne dabei wäre… wenn da nicht…

Der Sommer war saftig grün vorm Fenster, die Bäume im vollen Laub. Vogelgesang! Die Sonne schien nachmittags herein… und sie saß geblendet auf der Couch. Dachte nach, haderte, träumte wenig, war oft traurig und manchmal, ganz selten, ein kleines bißchen glücklich.

Sie saß auf der Couch und wünschte sich so sehr endlich wieder … verzagte immer mehr, verzweifelte und die hellen Sonnentage erscheinen ihr gar nicht so strahlend. Die Schalusie ließ sie runter um all das schöne, strahlende, lebendige nicht sehen zu müssen.

..und fiel!

..und fiel… und nirgendwo ein Halt!

..und nirgendwo ein sicherer Boden!

Noch immer saß sie auf der Couch, inzwischen färbten sich die Blätter, nur unterbrochen von kurzen Alltäglichkeiten,  eingehüllt in dunkelgraue Watte. Eine tiefe Traurigkeit hielt sie umfangen.

Selbst der Herbst war in diesem Jahr nicht golden, so paßte er gut zu ihrer Seelenlage, trist, hoffnungslos, ohne ein Fünkchen Leichtigkeit.

Sie saß auf der Couch, sah in das wilde Herbstgestöber, hörte dem Wind zu der die nassen, braunen Blätter uns Haus wirbelte, sah Regentropfen  die Scheibe entlang laufen.. und fühlte nichts außer einer großen Leere.

… und WO war sie?

…und WER war sie… früher gewesen?

…wie hatte sie sich nur so verlieren können?

Sie saß auf der Couch, fühlte nur kalte Trauer, hatte sich selbst verloren, hatte kein Ziel mehr, keinen LebensMut.

Die Blätter von den Bäumen vorm Fenster waren inzwischen alle abgefallen, bedeckten als brauner, naßer Teppich die Erde, kein grün mehr, keine Vogelstimmen, es war Winter geworden.

Sie aber saß noch immer auf der Couch, schaute blicklos ins grau, aber langsam wurde ihr klar, daß nur sie den Kokon aus Starre, Mutlosigkeit, Schmerzen, Angst und Wut aufbrechen könnte.

Das allerdings würde ein langer Weg, nicht so einfach den versteinerten Panzer zu sprengen, den Kopf wieder frei zu bekommen  von all dem dunklen Gewölk, Schmerzen, immer noch… aber da.. ein Fünkchen Zuversicht?

..und sie versuchte…

… versuchte zu lächeln..

… wollte wieder einmal herzlich lachen!

Die Weihnachtszeit nahte, sie saß auf der Couch, dunkel wars draußen nun jeden Tag, die Nächte lang, aber in der Wohnstube, da brannten die Kerzen, da war es warm und gemütlich.

Zaghaft kam Vorfreude auf, erwärmte sie von innen und sie schüttelte die Erstarrung ab. Schmückte das Zimmer und fand ihre staunenden Kinderaugen wieder. Wußte auf einmal, das es Wunder gab, das sie wahr werden könnten… fühlte das Leben wieder … und zwar aufregend und wunderbar tief drinnen in ihr selbst.

Sie saß auf der Couch, übte das Lachen, versuchte sich an die Leichtigkeit des Lebens zu erinnern, kramt nach schönen Erinnerungen… war endlich wieder auf dem Weg.

Der Tag kam, an dem sie einfach aufstand und wieder in ihr Leben zurück ging.

 

Advertisements

drei perfekte Momente

„Wenn ein Mensch von sich sagen kann, das er DREI perfekte Momente in seinem Leben erlebt hat… dann ist er reich!“

*

Ich lese oft, daß Frauen ihren Hochzeitstag als den perfekten Tag erleben oder die Geburt ihres Kindes. Da ich keine Kinder habe, fällt das schon mal weg bei mir. Und mein Hochzeitstag? Tja…?  Der war weder perfekt noch sonstwas, das war einfach nur der Tag an dem wir JA gesagt haben – ganz alleine – und fertig!

.

Vor einiger Zeit wurde ich  nach meinem perfekten Moment gefragt. Mir fiel sofort ein Moment ein, doch ich dachte, der kanns doch nicht gewesen sein und auch ein zweiter Gedanke war so unspektakulär, das ich ihn nicht aussprach.

So blieb die Frage nach meinem perfekten Moment unbeantwortet, aber ich dachte doch immer wieder darüber nach.  Eines Nachts träumte ich sogar davon und bekam eine Antwort. Den Anfangssatz hatte ich beim Aufwachen im Kopf … und je länger ich darüber nachdachte, desto wahrer wurde er für mich.

.

Hatte ich meine perfekten Momente schon erlebt, es vielleicht nicht mitbekommen weil ich unaufmerksam oder abgelenkt war? Oder waren sie gar so unbedeutend, das ich sie gar nicht wahrgenommen habe? Auch fragte ich mich, was ist, wenn man seine persönlichen drei perfekten Momente erlebt hat, ist das Leben dann vorbei?

.

Auf der Suche nach meinen perfekten Momenten hab ich allerhandlei aus meinem Leben noch einmal gedanklich durchlebt, viel schönes und gutes, viel schlimmes und trauriges… aber war fühlte sich wirklich perfekt an?

.

Erlebt überhaupt jeder Mensch solche Momente? Oder muß man erst danach suchen? Muß man erst danach gefragt werden, um sie überhaupt zu vermissen?

.

Ich kann nun sagen, daß ich bei meinen allerersten Gedanken geblieben bin, ich habe nichts besseres finden können in meinen Erinnerungen. Zwei habe ich und ich hoffe ich werde den dritten auch noch erleben und vor allem erkennen als solchen.

.

Falls jemand gerne wissen möchte was meine perfekten Momente waren, will ich gerne antworten:

Den ersten perfekten Moment erlebte ich als Jugendliche, ich war von zu Hause abgehauen und lebte einige Tage in einem Wald. Die Nächte waren kalt und das Essen sehr knapp. So saß ich beim Sonnenaufgang auf einer kleinen Anhöhe, die Sonnenstrahlen fielen schräg durch die Bäume und wärmten mich, die Luft roch wunderbar nach Wald und Frische. Um mich herum  war es ganz ruhig, nur der Wind bewegte einige Blätter hoch oben in den Bäumen und von unten hörte ich den Fluß rauschen. DAS war einfach PERFEKT!  Ich war frei! Ich wünschte das dieser kurze Moment nie vergeht,  zu gerne wäre ich für immer dort sitzen geblieben!

.

Meinen zweiten perfekten Moment erlebte ich als junge Frau, ich saß alleine in einer leeren Küche. Das Haus hatten wir gemietet, wohnten aber noch nicht dort. Ich saß also in der Küche, sah hinaus in den kleinen Garten, es war ganz still. Staubpartikel tanzten in den Sonnenstrahlen und ich fühlte mich einfach glücklich, so behütet und angenommen.  Eine wunderbare Ruhe, ein wirklich gutes Gefühl zu sein –  sonst nichts. Noch heute kann ich den ganz leichten Staubgeruch riechen.

.

Ich hab noch einen dritten perfekten Moment, aber ich bin mir nicht ganz sicher ob er das schon war – oder ob ich vielleicht noch einen anderen erleben werde.

Womöglich kann man doch mehr als nur drei perfekte Momente erleben, wenn man ganz viel Glück hat… wer weiß?

*

011

wenn der Schmerz nachläßt…

*

Der erste große Liebeskummer tut so weh, das man glaubt nie wieder lachen zu können, nie wieder überhaupt etwas tun zu können. Es schmerzt zu sehr!

…und irgendwann läßt der Schmerz nach, vergeht und wird zu einer blaßrosa Erinnerung.

*

Der körperliche Schmerz, bei einer Verletzung oder Krankheit, etwas das wir alle immer mal wieder erleiden müssen, tut oft sehr weh!

… und irgendwann gesundet der Körper, die Schmerzen ebben ab und werden zu einer Erinnerung, die zu einer LebensErfahrung wird.

*

Die ersten Lügen, der erste Verrat verletzten die Seele, ganz tief drinnen wühlt ein Schmerz und wir sind dem ausgeliefert.

… und irgendwann merken wir, das diese Verletzungen  niemals heilen werden und wir müssen versuchen damit zu leben.

*

003-pola (3)