die Welt wird immer kleiner

Heutzutage ist die Welt klein geworden, man kann fast überall hinfliegen… kann in Sekundenschnelle zu fast jedem Menschen Kontakt bekommen. Die Nachrichten verbreiten sich rasend schnell, die schlechten noch schneller…selten auch gute.

Ja, die Welt der jungen, mobilen, gesunden und finanziell gut gestellten Menschen ist wirklich klein, fast schon ein Dorf… da existieren kaum noch Grenzen.

Doch je älter man wird, oder je ärmer man ist,  sieht es anders aus, da kann man vielleicht noch vom Rand zusehen – oft nicht einmal mehr das.

Der Satz: „Man kann auch ohne Geld glücklich sein.“ stimmt nicht so ganz. Der Mensch möchte ein Dach über dem Kopf, er möchte sich satt essen können… und darüber hinaus hat er auch noch andere Wünsche. Nur Asketen können vom NICHTS leben und mit NICHTS glücklich werden,  alle anderen Dinge kosten eben Geld.

„Jeder ist seines Glückes Schmied.“ ist auch einer dieser Sätze die nicht so ganz stimmen. – Oder wie erklärt man dem Schwerkranken warum ausgerechnet er nun leiden  und sterben wird? –  Oder wie erklärt man dem verhungernden Kind, das es leider im falschen Land geboren wurde? – Wie macht man es der allein erziehenden Mutter klar, das sie sich zwar ihr ganzes Leben abstrampeln muß, aber im Alter nicht mal mehr ihr Auskommen haben wird? – Wie kann man den geschändeten und geschlagene Frauen begreiflich machen warum ihnen das angetan wurde? –  Wie den Opfern erklären warum sie getötet wurden in sinnlosen Kriegen und durch Terror auf den Straßen?

Ja, die Welt, unsere Welt, ist klein… viel zu klein für all den Müll denn wir hinterlassen.

Unsere schöne Welt ist nicht schön, zumindest nicht für die geschundene und ausgebeutete Kreatur die wir „Nutztier“ nennen. Der Mensch hat nicht mal Mitleid mit seiner eigenen Art, wie kann man erwarten er hätte Erbarmen mit den hilflosen und wehrlosen Geschöpfen?

Welt, die du unsere Mutter bist, wie lange wirst du uns noch (er)tragen können, wie lange wird es dauern bis wir dich zerstört und vollständig ausgebeutet haben werden?

Die Welt der alten und siechen Menschen wird klein, besteht zum Schluß nur noch aus einem Bett, einer Wand, vielleicht einem Fenster…

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ein roter LehnSessel

Woher der plötzliche Wunsch nach einem roten LehnSessel gekommen war wußte sie nicht… nur er ließ sie nicht mehr los. Schon stand eine Stehlampe mit Stoffschirm daneben, gab gemütliches Licht, welches auch hell genug zum Lesen war. Ein Tischen fand sich ein, ein Schemel für die Beine… und sie sah sich dort gemütlich sitzen.

„Schön wäre es auch ein Kissen und eine warme Decke dort zu haben.“ … und so fügte sie diese dem Bild hinzu. Wie heimelig und gemütlich mußte es sein dort zu sitzen, ein Buch auf den Knien, neben sich eine Tasse Tee.

Schon überlegte sie wo sie sich diese Leseecke einrichten könnte… doch leider fand sie keinen geeigneten Platz, alles zu vollgestellt, einfach zu eng. Nun schalt sie sich: „Sei doch zufrieden mit dem Platz auf der Couch… dort kannst du doch gut sitzen.“

Der Wunsch nach dem roten LehnSessel verblaßte in ihrem Gedanken… doch nun sah sie plötzlich überall diese schönen altmodischen Sessel.

Im letzten Film saß der Großvater in genau so einem Sessel. In dem erleuchteten Wohnzimmer, an dem sie täglich im Dunkeln vorbeifuhr, standen sogar zwei solcher Teile. Dazwischen ein kleines Tischen, die Sessel sich leicht zugewandt, so daß man mühelos plaudern könnte wenn man dort saß.

Werbung in ihrem Briefkasten, ein Möbelhaus bot gleich mehrere verschiedene Modelle an, auch einen roten, genau so wie sie sich ihren LehnSessel wünschte. Mit hoher Rückenlehne, gepolsterten Armlehnen und „Ohren“. Sie überlegte, wie hießen denn die Dinger wirklich?  Suchte schließlich nach der korrekten Bezeichnung: „OhrenBackenSessel“ so stand es da.

Nachts träumte sie sich in ihren roten OhrenBackensSessel, las Bücher, fühlte sich so geborgen. Nach einer Weile stand auch ein Regal für all ihre Lieblingsbücher da, griffbereit darin die Dose mit Lakritz, zwei ihrer Bären saßen nun auch im oberen Fach, allerlei Kleinigkeiten sammelten sich an. Sie richtete sich mehr und mehr ein.

Die kleine gemütlich Kammer bekam einen warmen gelben Anstrich, noch mehr Bücherregale und einige ihrer Bilder hingen nun auch dort. Sie sah sich immer öfter  im warmen Lichtschein sitzen, nach eine Weile kamen auch die Katzen und Hunde und gesellten sich zu ihr.  Weiche Decken und gepolsterte Körbchen luden ihre Lieben zum Verweilen ein  und ein zweiter Lehnsessel stand eines Tages da.

Manchmal stand sie auch am Fenster und sah in den Garten, hörte die Vögel zwitschern, überlegte ob denn schon wieder Frühling wäre? Die Obstbäumen fingen an zu blühen und die ersten Blumen standen in den Beeten.

Sie saß nun immer öfter in ihren Sessel, guckte in den Flur und hatte die ganze Zeit das Gefühl das sie noch auf jemanden wartete. Hatte sich Besuch angesagt?

Manchmal stand sie auf und ging in die Küche, dort stand ein alter Kochherd, ein großer Tisch mit zwei Stühlen und einer Bank. Mit jedem Mal wurde es auch dort gemütlicher, schon standen zwei alte Küchenbüfetts da, einige Regale  und schönes Geschirr kamen hinzu. Irgendwann waren die Wände vertäfelt, unter dem Tisch lag ein großer Flickenteppich und oben drauf stand  ein blauer Krug mit Wildblumen und Gräsern.

Wenn sie jetzt aus der Küchentüre ging war die Luft warm, die Sonne schien und sie dachte: “ Ist es schon Sommer?“ Die Hunde tollten auf der Wiese und sie saß unter der großen Kastanie.  Immer wieder sah sie zur Einfahrt, doch das Tor war verschlossen. Kam da nicht bald noch jemand?

Sie sah sich ihr kleines weißes Haus an, wilder Wein überwucherte es an zwei Seiten, duftende Kletterrosen umranken die Küchentüre, „So hab ich es mir immer vorgestellt…“ ..und doch fühlte sie einen Verlust, eine Trauer die sie nicht benennen konnte.

In ihrem Häuschen hatte sie nach und nach alle Räume erkundet und auch diese wurden jedesmal gemütlicher und wohnlicher, doch sie war nicht wirklich glücklich, fühlte sich unvollständig und war oft traurig.

Die Abende verbrachte sie in ihrem roten Lehnsessel, umgeben von ihren Tieren… und wartete.

Vor dem Fenster sah sie nun bunte Blätter vorbei wehen. Die Blumen blühten noch strahlender, ein letztes Aufblühen vor dem kommenden Winter und die Nächte wurden merklich kühler. Oft stand sie nun mit den Hunden am dem  Tor der Einfahrt, doch es war verschlossen, sie konnte es nicht öffnen.

Die Katze auf ihren Knien schnurrte laut und sie schlief ein, das Buch rutschte unbemerkt aus ihrer Hand. „Hallo …Liebes….“ sie träumte,… eine Hand berührte leicht ihre Schulter. „Wach auf!“

ER war gekommen, endlich! Brachte die anderen Tiere mit, das kleine Haus war voller Leben und sie war glücklich.

Nun saßen sie beide in den roten Lehnsesseln und er sagte: „So hab ich es mir vorgestellt all die Jahre.“

Verwundert sah sie ihn an, „Wie meinst du das? Ich bin doch noch gar nicht so lange hier?“

„Ach, du bist schon seit fast 10 Jahren tot, ich hab so sehr darauf gewartet wieder bei dir zu sein. Schlimm war es als du nicht mehr aus dem Koma erwacht bist und ich dich irgendwann gehen lassen mußte. Es war so furchtbar einsam ohne dich und die Tiere haben dich überall gesucht.“

So sitzen sie da und halten sich an den Händen…

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Challenge – Tag 1

Der alte Mann und seine Hunde

 

Als die Frau krank wurde ging es ganz schnell, nur wenige Wochen und sie war tot. Das war nun auch schon bald 16 Jahre her und er dachte noch jeden Tag an sie.

So eine lange Zeit und noch immer fehlte sie ihm. Nur schwer hatte er damals in sein Leben zurück gefunden, am liebsten wäre er ihr nachgefolgt. WO immer sie auch sein mochte, er war sich sicher das sie auf ihn wartete. Aber da war ja noch das Julchen, ihre geliebte Hündin, die sich vor Trauer verzehrte, die nicht mehr fressen wollte… die auch nur zu ihr wollte.

Behutsam, jeden Tag ein bißchen mehr, hatte er  versucht Julchen aus ihrer Trauer zu holen… mit ganz viel Liebe und Geduld. Sie tat ihm gut und so  trösteten sie sich gegenseitig.

Viele Jahre ging er mit Julchen durchs Leben, ein gutes Team waren sie geworden und er war dankbar für ihre Gesellschaft. Doch irgendwann war auch Julchen am Ende ihres Lebens angekommen und er mußte sie gehen lassen. „Nein, sie soll  nicht leiden!“ sagte er zu dem Tierarzt und hielt sie bis zum Schluß ganz fest in seinen Armen.

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Wir leer war das Haus, wie unendlich verlassen kam er sich vor. Er dachte ernsthaft darüber nach seinem Leben ein Ende zu setzen.

Nur wenige Tage später hörte er zufällig, das Frau Lehmann, zwei Straßen weiter, verstorben sei und das die Erben ihren Hund nicht behalten hatten. Das Haus und das Geld JA, den Hund aber nicht, er war ins Tierheim abgeschoben worden. Die Nachbarin die ihm das erzählte sagte noch: “ Er kommt da gar nicht zurecht, er trauert so sehr der arme Kerl…“

Am Abend dachte er immer wieder über den Hund nach. Einsam, ohne sein Frauchen… ja…  er war wirklich ein armer Kerl. Er hatte Mitleid, kannte er Devil doch gut. Er hatte so gar nicht teuflisches an sich, im Gegenteil er war ein wirklich lieber, gutmütiger Hund der es sicher nicht verdient hatte in einem Heim dahin zu vegetieren.

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Früh am nächsten Morgen schon machte er sich auf den Weg… er wollte Devil zu sich holen. In dem Tierheim allerdings waren sie nicht begeistert, ein alter Mann wollte den Hund haben? Was wäre wenn er stürbe.. was wäre dann? Er sagte: „Der Devil ist auch alt, wir passen doch gut zusammen… und er kennt mich …“ Schließlich gaben  sie ihm Devil, denn sie wußten so alte, schwarze Hunde bekommt man nur schwer vermittelt.

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So gingen nun sie nun gemeinsam durchs Leben, der alte Mann und der Devil, der gar keiner war und er war so dankbar,einfach ein Traumhund. So lebten sie noch mehrere Jahre glücklich und zufrieden zusammen… bis auch Devils LebensUhr abgelaufen war, er starb einfach im Schlaf.

Der Mann trauerte sehr, aber dann dachte er: vielleicht gibt es doch noch einen Hund der mit mir leben könnte? Die Leute vom Tierheim wollten ihm keinen Hund mehr geben, er sei nun wirklich viel zu alt …

Das Haus war so leer und er überlegte was er denn eigentlich noch vom Leben hätte, am besten wäre er doch nun bei seiner Frau aufgehoben… aber trotz aller Trauer wollte er doch noch nicht den letzten Schritt machen.

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Man sagt es gäbe keine Zufälle… und es dauerte nur wenige Wochen, da sprach ein Nachbar ihn an,  ob er nicht vielleicht einen kleinen Hund nehmen könnte, jetzt da Devil nicht mehr sei. Er wäre auch schon älter, leider nicht besonders hübsch, leider auch herzkrank… und niemand wolle ihn aufnehmen. Er solle nun wohl eingeschläfert werden.. wenn nicht..

„JA!“ sagte er da schnell.

So kam Hildchen in sein Leben, sie freundeten sich rasch an. Hildchen war kurzbeinig, eher breit als lang, ja, sie war wirklich keine Schönheit, aber sie war sehr liebenswert.

Nun sah man den großen alten Mann mit dem kleinen, dicken Hildchen jeden Tag munter spazieren gehen. Je mehr sie draußen waren, desto schlanker wurde das Hildchen, es hatte ihr einfach die Bewegung gefehlt.

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Manchmal dachte er, was er doch für ein Glück gehabt hätte, seine geliebten Hunde gaben ihm so viel… doch immer öfter machte er sich nun Sorgen was aus Hildchen würde wenn er nicht mehr da wäre?

Er versuchte es in der Nachbarschaft, alle mochten ihn und seinen Hund, aber den womöglich übernehmen?.. NEIN, dafür fehle leider die Zeit. Immer häufiger dachte er nun an die Zukunft, oder besser gesagt an sein Ende, denn er merkte wie ihn die Kräfte verließen, er war nicht krank, aber doch sehr alt. Den Alltag zu bewältigen wurde für ihn immer schwerer und auch die täglichen Spaziergänge fielen nun kürzer aus.

Oft wachte er Nachts auf weil er sich um Hildchen sorgte.

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Und dann kam der letzte Tag im August, ein sehr heißer Tag. Er war wieder mit Hildchen auf dem Weg zum Park. Ob er nicht aufgepaßt hatte … oder ob es die Schuld des LKW Fahrers war, das ließ sich später nicht genau klären.

Für ihn war das nicht mehr wichtig… er würde endlich seine Frau wiedersehen und  all die Hunde.

Sie standen da am Ende der Straße, warteten schon und begrüßten ihn und das Hildchen voller Freude.
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die Grauen… und wenn die Zukunft voller Wunder ist

Dieser lange Winter hat an ihren Reserven gezehrt. Die Speicher für gute Laune, Gesundheit und Kreativität sind leer.

Jeden Tag kamen die Grauen und wenn sie gingen  fehlte wieder ein Stückchen von ihr. Sie bemerkte es nicht sofort, aber die Energie Vampire waren überall um sie herum. Je länger der Winter dauerte, desto unverfrorener wurde sie angezapft.

Nachts in ihren Träumen erschien die blaue Frau, die eigentlich eine Göttin ist, sich aber lieber blaue Frau nennt, sie nahm sie bei der Hand und flog mit ihr zum Fenster hinaus. Höher und immer höher bis zu den Gipfeln des Weltenbaumes.

Da in den Wolken machten sie Rast und saßen Nacht für Nacht dort, schauten den Sternen zu und wenn sie erwachte fühlte sie sich erfrischt. Doch immer wieder aufs Neue kamen die Grauen, die Energie Vampire und sie fühlte sich schlechter und schwächer, bis sie meinte, nie mehr aufstehen zu können.

In dieser Nacht kam die blaue Frau und sagte ihr: “ Ich nehme dich nun mit, du bist alt und krank, bist du bereit mir zu folgen?“ Sie konnte nur noch nicken und schon fühlte sie sich empor getragen. Dieses Mal aber ging es noch höher bis zum Schloß über  den Wolken in dem die blaue Frau lebt.

Sie schlief und jedesmal wenn sie erwachte saß die blaue Frau bei ihr und schon schlief sie wieder ein. Doch irgendwann hatte sie ihre Energie und Kraft zurück und konnte aufstehen. Sie erkundete das riesengroße Schloß , alles war zauberhaft und überall gab es neue Wunder zu bestaunen.

Doch schon bald wurde sie immer stiller und mußte zugeben daß  ihr etwas fehlte. Die blaue Frau bemerkte es natürlich und fragte was denn los sei. Ob sie denn nicht glücklich hier oben im Wolkenschloß sei, ob sie denn nicht alles bekäme was sie sich wünsche?

Sie konnte nur nicken und fühlte sich undankbar, aber sie mußte zugeben, das sie nicht glücklich sein konnte.

Da oben im Schloß der blauen Frau gab es kein anderes Leben. Sei fragte: „Warum wachsen hier keine Blumen und wo sind die Bäume ? … und warum leben keine Tiere hier oben bei dir?“

„Weil ich mich um alles Leben sorgen muß, ich bin für die Lebenden da unten zuständig, hab einfach keine Zeit.“

„Warum hast Du mich denn mitgenommen?“

„Weil Du nicht mehr lebst, ich wollte dir nur eine Pause gönnen, bevor ich dich weiterbringe.“

„Wohin? Weiterbringen..?“ sie war zu neugierig  und löcherte die blaue Frau mit Fragen.

„Ich sehe schon, nun gibt es kein Halten mehr, “ sagte die blaue Frau lächelnd. „Du wirst mir keinen Frieden lassen bevor Du nicht alles weißt. Also gut… da du so erschöpft warst konntest du dir nicht mehr deinen Himmel aussuchen und deshalb habe ich dich mitgenommen.“

Sie schaute verwirrt, „…aussuchen?“

„Ganz recht, jeder Mensch kann sich seinen Himmel aussuchen, für den einen ist er so für den anderen ganz anderes, eben so wie der Mensch es sich wünscht. Überlege gut, es gibt nur eine Wahl.“

Sie senkte den Kopf, so viele Fragen… so vieles das sie wissen wollte. „Ob ich vielleicht meine Familie und einige meiner Freunde sehen könnte, die mir schon vorausgegangen sind? Wäre das möglich?“

Die blaue Frau nickte lächelnd, „Natürlich kannst du Besuche machen, aber erst einmal sollst du für dich ganz alleine entscheiden wie du hier sein möchtest.“

„Das ist doch ganz klar, ich möchte all meinen Tieren um mich haben, ich hoffe es geht ihnen allen jetzt gut. Ob sie mich wohl erkennen?“

„Wir können losfliegen, sobald du weißt was du willst.“ sprach sie blaue Frau. „Aha, du hast ja schon ganz genaue Vorstellungen, das erleichtert die Sache, also … los gehts!“

Sie nahm sie an der Hand und schon flogen sie über die verschiedensten Landschaften, sahen große Städte, die aber nichts glichen was sie von der Erde kannte.. sah so viel ungewohntes und unbekanntes, so daß sie oft nur staunen konnte. Weiter und immer weiter flogen sie… die verschiedenen Himmel wurden seltener.. es wurde immer einsamer…

Bis sie endlich in einem Tal landeten. Ein kleiner Fluß kam oben aus den Bergen. plätscherte munter über große Steine und floß in einen glasklaren See. Große, alte Bäume, bunte, üppige Blumenwiesen, die samtige Luft war erfühlt von wunderbaren Düften und… ja, und jetzt setzte ein vielstimmiger Vogelchor ein.

Staunend stand sie da, konnte nur immer wieder schauen, entdeckte schließlich ein kleines, altes, von Efeu überwuchertes, Haus, das beschützt unter einem riesigem Baum stand.

„So hab ich es mir immer vorgestellt,“ sie konnte nicht weitersprechen, denn nun kamen die Tiere . All ihre Lieben die sie im Laufe der vielen Jahren verloren hatte…Hunderte! .. Alle waren sie da, jung,  gesund, voller Lebensfreude und auch von ihr waren die Jahre abgefallen. Vergessen all das Schwere, vergessen die Grauen  und all die unerfreulichen Begebenheiten eines langen Lebens

„Ich laß dich nun alleine. Adieu!“ sagte die blaue Frau.

„Ich hab aber noch so viele Fragen…“ doch die blaue Frau unterbrach sie : “ Stell sie doch den Menschen die schon länger hier sind. Sie haben auf dich gewartet und werden sicher bald vorbeischauen. Bis dahin lerne deinen Himmel erst einmal kennen.“

Sie bedankte sich sehr und machte sich auf ihre eigene neue Welt zu erkunden. Glücklich und voller Lebensfreunde lief sie und rannte laut lachend, begleitet von den Tieren, bis sie ans Ende des Tals kam. Dort war eine hohe, alte Mauer.

Ein kleines Tor das sie vorsichtig aufmachte und dahinter warteten noch viel mehr Tiere, elend, geschunden, und voller Pein. Tränen schoßen ihr in die Augen und sie machte das Tor weit auf: „Kommt! Kommt ALLE!“ rief sie.

Und die Tiere kamen, kaum aber schritten sie über die Schwelle, fielen alle Qualen von ihnen ab und auch sie waren wieder jung und voller Lebenskraft. Es war eine Freude zu sehen wie sie übermütig durch das saftige Gras sprangen. Es kamen nicht nur Hunde und Katzen, nein Ziegen, Esel, Kühe, Pferde, Schweine, auch Hühner und anderes Getier.

„Ja, ich bin wirklich in meinem Himmel!“ dachte sie dankbar.

Alles wofür sie ein Leben lang gekämpft hatte, oft leider vergebens, schien sich hier zu Erfüllen. Eine unendliche Dankbarkeit war in ihr, ein warmes Gefühl der Geborgenheit, ein Glücksgefühl und eine Zuversicht, die sie nie vorher empfunden  hatte.

Später als sie in ihrem kleinen Häuschen bei einer dampfenden Tasse Tee saß, viele ihrer geliebten Tiere um sich herum, konnte sie immer nur wieder nicken und denken:031 „Ich bin wirklich angekommen!“

der große Bär

Wenn sie in der Küchentüre steht und das Licht nach draußen fällt, erscheint ihr alles, was nicht in diesem Lichtkreis ist, fremd und bedrohlich. Guckt sie abends aus den Fenstern der warmen Stube, dann sieht sie vor  eine dunkle Wand. Nur ein kleiner Radius vor den Fenstern wird erhellt, dahinter nichts als Schwärze, angsteinflössend, die sie zu verschlingen droht.

Doch wenn sie Nachts mit dem Radel ihre Touren fährt, ist sie ein Teil der Nacht. Kennt jedes Geräusch, hat geschärfte Sinne und fühlt sich frei. Sie fühlt sich umarmt von der Dunkelheit und jedesmal wieder willkommen geheißen, denn sie sind verwandte Seelen.

Im Sternenlicht zieht sie ihre Runden und wartet auf Schwester Mond, in deren Mondenglanz sie sich erneuern und wiederfinden kann. Klarheit, Frieden und Kraft bekommt sie als Geschenk und hat  stets treue Begleitung zur Seite.

Die Winde, die sie umschmeicheln, sie foppen, an ihrer Kleidung zerren und gegen die sie jede Wettfahrt verliert. Sie fühlt sich so lebendig und so voller Kraft in diesen Momenten,

Der große Bär, der vom Himmel steigt, nur um neben ihr her zu traben. Ohne Worte versteht sie ihn  und er erklärt ihr den Zeitenlauf. Erzählt von den Sternen und den Jahrhunderten, läßt sie teilhaben an seiner großen Bärenseele, die so unendlich und voller Liebe ist.

Später, wenn Bruder Sonne am Himmel aufgeht, macht sie sich auf den Heimweg, der Bär ist wieder oben am Firmament, die Winde begleiten sie noch manchmal  und sie ist erfüllt von tiefer Dankbarkeit und voller Lebensfreude.

Gewappnet und gestärkt um  einen weiteren Tag zu leben.

(ab)wägen

… und so legte sie jedes Wort auf die (Gold)Waage und sie wurden als zu leicht befunden.

So sieh dich vor… mit wem du dich unterhalten willst.

… und so saß sie  in dem leeren Zimmer, sah aus dem Fenster und hörte dem Rufen der Krähen zu.

So seid ihr also da, meine Freunde, kein falscher Zungenschlag und sie lauschte mit angehaltenem Atem, denn sie hatten so vieles zu erzählen.

stets…

Die Zeit tropft an mir vorbei, meistens sind das zähe Tropfen, die sich nur langsam lösen um dann im Nirgendwo zu zerschellen.

Manchmal sind das schnelle Tropfen, die fallen und fallen, irgendwann kann ich sie nur noch als ein leises Rauschen wahrnehmen.

Im Traum kann ich sie anhalten die Tropfen oder ich schwimme im See der Zeiten, dort wo alle Zeit unendlich ist und stille steht. Nur für uns Menschen scheint sie dort angehalten zu haben, doch in Wirklichkeit ist die Zeit stets und immer in Bewegung.

So wie auch Steine nicht stumm und bewegungslos sind, nur ist ihre Realität so langsam, das wir sie nicht wahrnehmen können. Wie so vieles was an uns vorbeigeht, da unsere Sinne eben kaum etwas aufnehmen, weil wir einfach nur Menschen sind.

Seh ich meine Katze an, weiß ich das sie so viel mehr sieht, daß ihre feinen Sinne Dinge aufnehmen können, von denen ich kaum etwas ahne.

Doch wenn wir gemeinsam träumen, dann nehmen sie mich mit die Tiere und dann explodiert eine Wirklichkeit so unendlich bunt, vielschichtig und groß, daß ich betäubt erwache, denn ich kann es kaum aushalten.

Wir rasen schwerelos durchs All, nur um im nächsten Moment in einem Tropfen Morgentau zu schwimmen, wir reiten auf Mondenstrahlen und legen und uns auf unbekannten Sternen zur Ruhe. Laufen über taufeuchte Wiesen, riechen zauberhafte Düfte, sehen Farben wie von nie zuvor. Wir verweilen kurz im Jetzt, im Übermorgen und auch im Gestern, denn die Zeit ist eine dehnbare und ich treffe mich immer wieder in der Vergangenheit und sehe mich in der Zukunft.

Und irgendwann hab ich alle Zeit der Welt, ach was, alle Zeit des Universums, dann wenn  ich eins werde mit der Unendlichkeit.

 

Zauberwesen

Sie holte sich ein Wesen ins Haus und sie hatte das Glück ein Zauberwesen gefunden zu haben.

Unbeschwert, ohne Arg, voller  Vertrauen und so lebendig  brachte sie den Sonnenschein wieder in ihre Seele.

In ihr Herz zog Liebe und neue Lebensfreude ein. Übersprühend vor Leben, so neugierig, alles ist neu, alles ist erst mal spannend.

Sie sieht durch Augen, die so vieles entdecken, sie hört plötzlich Töne und Geräusche, die sonst im Alltag untergingen.

Augen, aus denen der  Schalk  und Übermut blitzt, die aber auch voller Vertrauen und Liebe sind… Augen, die sie ansehen.

Das Zauberwesen wächst und gedeiht, und mit ihr hält das Glück wieder Einzug und wird größer und immer mehr.

Verspielt und voller Tatendrang entdeckt das Zauberwesen die Welt und nimmt sie dabei mit.

Das Zauberwesen fordert sie, fordert ihre Aufmerksamkeit und Zuwendung … und sie gibt all ihre Liebe.

1.15 Uhr

Ich schlug die Augen auf, Dunkelheit und Stille!

Setzte mich auf und griff nach der Uhr, machte Licht und sah, das es wieder 1.15 Uhr war.

Jede Nacht wurde ich seit einiger Zeit um 1.15 Uhr wach. Sehr ärgerlich, denn um 2 Uhr ist sowieso meine Weckzeit.

So stand ich wieder einmal zu früh auf, ging nach unten, wusch mich und bereite den Morgenbrei zu. Noch in der Küche dachte ich, wie blöd das doch ist, wenn man immer zu früh wach wird.  Es gibt keinen Grund, kein Geräusch oder sonst eine Störung, die mich immer wieder erwachen läßt.

Manchmal dachte ich, ob es vielleicht ein Zeichen wäre, das es eine Bedeutung haben könnte für mich. Aber welche?

Auch in dieser Nacht wurde ich um 1.15 Uhr wach, der Griff zur Uhr,  dachte noch, „…und wenn ich einfach liegen bleibe?“

Ging aber dann doch nach unten  und dann stand in der Küche , die im Haus  weit hinten liegt. Ein Quitschen, ein Brechen und Bersten, ein sehr lautes Aufprallgeräusch, Erschütterungen, Geräusche wie Donner, das ganze Haus bebte und die Tassen fielen aus dem Regal. Tellerstapel kippten aus dem Schrank, der Boden schwankte und ich klammerte mich an die Arbeitsplatte.

Alles stürmte zugleich auf mich ein,  ich wußte nicht was geschah, wußte nur, das ich sofort raus mußte. Ich versuchte zur Küchentüre zu gelangen, aber der Weg war durch umgestürzte Möbel und ein großes Stück aus der Decke versperrt. Ich kletterte rüber und sah, das die Tür aus den Angeln war denn die Wand hatte sich stark verformt.

Als ich endlich draußen im Küchengarten stand, konnte ich mir immer noch nicht erklären, was da eigentlich geschehen war. Erst der Gang ums Haus, oder besser gesagt die Reste von meinem Haus, brachten die Lösung. Ein riesiger LKW war von der Straße abgekommen, hatte Tenne, Flur und Wohnzimmer weggerissen und alle Wände vorne im Haus waren eingestürzt oder weg. Der LKW steckte zur Hälfte in meinem kleinen Fachwerkhaus. Ich konnte nicht glauben was ich sah.

Mir wurde ganz schlecht als ich an die Katzen dachte, wo waren sie? Benommen stand ich da, unfähig mich zu bewegen. Ich sah Lichter von Taschenlampen, das waren die Bauersleute von gegenüber und nebenan. Sie fragten mich etwas, aber ich konnte nicht antworten, sondern setzte mich einfach ins feuchte Gras.

Nach einer Weile hörte ich Sirenen und sah Blaulichter, erst da kam ich wieder etwas zu mir, stand mühsam auf und ging zurück zum Hintereingang.

„Der Katzenauslauf,“  dachte ich die ganze Zeit, „vielleicht sind sie ja alle dort?“ Ein wenig Hoffnung und tatsächlich ich sah wirklich einige Katzen dort sitzen. Sie kauerten verstört unter den Büschen und waren vollständig still.

Ich ging zu ihnen, sah, das der Zaun und die Hauswand unbeschädigt waren und sprach sie an, sah in große, verängstigte Augen. Hoffentlich waren sie alle dort?

Man sprach mich an und ich wurde zu den Sanitätern gebracht, einen Schock sagten diese…

….

Bilanz:

Mein Haus wurde als unbewohnbar eingestuft, taugte später nur noch zum Abriß.

Meine Katzen waren tatsächlich alle gesund und unversehrt im Auslauf.

Ich selber war unverletzt.

Der Fahrer des LKW’s hatte wohl die Kontrolle verloren , als er am Steuer einschlief, er hatte schon 15 Stunden Fahrzeit hinter sich, als er mein Haus zerstörte. Er wurde schwer verletzt bei diesem Unglück.

Die Versicherung mußte meine Schäden abdecken, doch es war eine harte Zeit bis hier wieder Ruhe einkehrte. Da ich die Tiere nicht verlassen wollte, lebten wir Übergangsweise alle in einem großen Wohnwagen, den ich hinten beim Katzenauslauf aufstellen ließ.

Es dauerte lange, bis mein Leben wird normal war, bis ich wieder im eigenen Heim leben konnte. Leider verlor ich auch viele Dinge, die mir lieb und teuer waren. Sie waren nicht so sehr wertvoll, aber es hingen Erinnerungen daran und das ließ sich nicht ersetzten.

Und immer wieder hatte ich nur einen Gedanken: „Um genau 1.20 Uhr war der LKW ins Haus gerast, wäre ich im Bett gewesen wäre ich heute tot, denn mein Schlafzimmer war vollkommen zerstört worden. Da hab ich wohl einen Schutzengel gehabt!“

Weil ich aber um 1.15 Uhr aufstand, rettete mir das mein Leben. Wieso aber die Katzen alle Nachts im Auslauf waren, weiß ich bis heute nicht… ich nenne das mein persönliches Wunder und bin sehr dankbar.

Übrigens, ich bin nie mehr um 1.15 Uhr aufgewacht seitdem.

GedankenKreisel

Zur Ruhe kommen… mal abschalten… einfach neue Dinge tun… oder gar nichts?

„Tja, wenn es doch so einfach wäre,“ dachte sie und ein kleines Teilchen ihres Gehirns war schon wieder mit anderen Dingen beschäftigt.

„RUHE!“ rief sie laut.

Was blieb war ein leichtes Rauschen in ihren Ohren  — und Stille.

Nach einiger Zeit unterbrochen von einem vorbeifahrenden Auto. Der Wind war jetzt auch wieder zu hören, er heulte im Kamin. Vögel zwitschtern und auch der alte Hund atmete etwas lauter…

„Es hat keinen Sinn, ich kann mich nicht zur Ruhe zwingen… so geht das nicht!“ dachte sie und trank noch einen Schluck Tee.

Schon waren ihre Gedanken wieder bei Dingen, die sie machen könnte, müßte, wollte…

Still saß sie da, guckte nach draußen in den verwilderten Garten. Vögel flogen vorbei, sie hörte ihre Stimmen und sah wie der Wind die Äste bog. Das weiße Kirschblütengestöber verzauberte den Garten und schon saß sie in Gedanken auf einem dieser zarten Blätter.

Flog schnell und hoch und jauchzte vor Freude, keine Höhenangst, wie sie verwundert feststellte… nur der Rausch der Geschwindigkeit, die reine Lebensfreude! Der Wind blies ihr ins Gesicht und schüttelte sie durch.

Doch sie saß immer noch still da, schaute aus dem Fenster und fragte sich ob das die Lösung sei, das die Lebensfreude ihr fehlte. Durch so viele Dinge hatte sie einfach vergessen zu leben und glücklich zu sein.

Eine Stimme fragte leise: „Hast du überhaupt ein Recht glücklich zu sein?“ „Ist es nicht deine Pflicht dich für all das Elend und das Unrecht in der Welt einzusetzen?“ raunte eine andere Stimme… viele Stimmen waren da und alle sagte ihr, was sie zu tun hätte.

„Ach seid still! ICH muss gar nichts. Ich hab doch immer getan was ich nur konnte, nun sind meine Reserven einfach leer. Ich kann nicht mehr!“ sie hatte laut gesprochen und der Kater neben ihr sah sie aufmerksam an.

„Willst du mir auch etwas sagen?“ fragte sie ihn. Er stupste sie mit seinem Kopf an und schnurrte laut. Natürlich wurde er dafür gestreichelt und ihre Gedanken kamen sofort zur Ruhe… sie bemerkte es erst nach einer kleinen Weile.

Ja, die Tiere hatte ihr schon so viel gegeben in ihrem Leben, so viel Glück und Liebe… war sie nicht alleine deswegen verpflichtet mehr zu tun?

„Gedankenkreisel,“ dachte sie . „immer wieder komme ich da an, das ich helfen muß, das ich nie genug getan habe… oder darf ich egoistisch sein… will ich das überhaupt?– Ich habe einfach keine Lust mehr!– Warum kann ich nicht in Ruhe leben?“

Der Wind war stärker geworden und sie sah noch immer aus dem Fenster, der Himmel grau und es würde bald wieder Regen geben.

Sie ging nach draußen um den andern alten Hund herein zu holen, er sollte nicht naß werden. Ihm taten seine alten Knochen weh. Ihre Knochen taten ihr auch weh, dabei war sie noch gar nicht so alt. Überhaupt war sie in keinem guten Zustand, fühlte sich ausgelaugt und schwach.

Ihr Verstand sagte ihr, sie müsse kürzer treten, sie müsse jetzt mal an sich denken… doch irgendwie schaffte sie es nicht.

„Ja, ich weiß,“ dachte sie, „ich mache es mir nicht leicht. Hätte ich weniger Zeit könnte ich wie alle anderen in der Tretmühle laufen und wärs vielleicht zufrieden. Würde einfach nur so für mich leben, ohne große Ansprüche zu stellen und …“ schon da fing sie an zu lachen…

Nein!!! Das war nicht ihr Weg und das wußte sie.

Ein Gedanke, fast wie ein leiser Windhauch nur: “ Hör nur auf deine Gefühle. DAS ist der richtige Weg für dich! Hör auf dein Herz!“

Ja, vielleicht…?

Der Regen hatte eingesetzt, ein gleichmäßiges Rauschen und das Prasseln vom Vordach waren zu hören, noch immer waren die Vögel nicht verstummt und sie saß wieder still da, sah nach draußen und sah zu wie der Regen fiel.