ein roter LehnSessel

Woher der plötzliche Wunsch nach einem roten LehnSessel gekommen war wußte sie nicht… nur er ließ sie nicht mehr los. Schon stand eine Stehlampe mit Stoffschirm daneben, gab gemütliches Licht, welches auch hell genug zum Lesen war. Ein Tischen fand sich ein, ein Schemel für die Beine… und sie sah sich dort gemütlich sitzen.

„Schön wäre es auch ein Kissen und eine warme Decke dort zu haben.“ … und so fügte sie diese dem Bild hinzu. Wie heimelig und gemütlich mußte es sein dort zu sitzen, ein Buch auf den Knien, neben sich eine Tasse Tee.

Schon überlegte sie wo sie sich diese Leseecke einrichten könnte… doch leider fand sie keinen geeigneten Platz, alles zu vollgestellt, einfach zu eng. Nun schalt sie sich: „Sei doch zufrieden mit dem Platz auf der Couch… dort kannst du doch gut sitzen.“

Der Wunsch nach dem roten LehnSessel verblaßte in ihrem Gedanken… doch nun sah sie plötzlich überall diese schönen altmodischen Sessel.

Im letzten Film saß der Großvater in genau so einem Sessel. In dem erleuchteten Wohnzimmer, an dem sie täglich im Dunkeln vorbeifuhr, standen sogar zwei solcher Teile. Dazwischen ein kleines Tischen, die Sessel sich leicht zugewandt, so daß man mühelos plaudern könnte wenn man dort saß.

Werbung in ihrem Briefkasten, ein Möbelhaus bot gleich mehrere verschiedene Modelle an, auch einen roten, genau so wie sie sich ihren LehnSessel wünschte. Mit hoher Rückenlehne, gepolsterten Armlehnen und „Ohren“. Sie überlegte, wie hießen denn die Dinger wirklich?  Suchte schließlich nach der korrekten Bezeichnung: „OhrenBackenSessel“ so stand es da.

Nachts träumte sie sich in ihren roten OhrenBackensSessel, las Bücher, fühlte sich so geborgen. Nach einer Weile stand auch ein Regal für all ihre Lieblingsbücher da, griffbereit darin die Dose mit Lakritz, zwei ihrer Bären saßen nun auch im oberen Fach, allerlei Kleinigkeiten sammelten sich an. Sie richtete sich mehr und mehr ein.

Die kleine gemütlich Kammer bekam einen warmen gelben Anstrich, noch mehr Bücherregale und einige ihrer Bilder hingen nun auch dort. Sie sah sich immer öfter  im warmen Lichtschein sitzen, nach eine Weile kamen auch die Katzen und Hunde und gesellten sich zu ihr.  Weiche Decken und gepolsterte Körbchen luden ihre Lieben zum Verweilen ein  und ein zweiter Lehnsessel stand eines Tages da.

Manchmal stand sie auch am Fenster und sah in den Garten, hörte die Vögel zwitschern, überlegte ob denn schon wieder Frühling wäre? Die Obstbäumen fingen an zu blühen und die ersten Blumen standen in den Beeten.

Sie saß nun immer öfter in ihren Sessel, guckte in den Flur und hatte die ganze Zeit das Gefühl das sie noch auf jemanden wartete. Hatte sich Besuch angesagt?

Manchmal stand sie auf und ging in die Küche, dort stand ein alter Kochherd, ein großer Tisch mit zwei Stühlen und einer Bank. Mit jedem Mal wurde es auch dort gemütlicher, schon standen zwei alte Küchenbüfetts da, einige Regale  und schönes Geschirr kamen hinzu. Irgendwann waren die Wände vertäfelt, unter dem Tisch lag ein großer Flickenteppich und oben drauf stand  ein blauer Krug mit Wildblumen und Gräsern.

Wenn sie jetzt aus der Küchentüre ging war die Luft warm, die Sonne schien und sie dachte: “ Ist es schon Sommer?“ Die Hunde tollten auf der Wiese und sie saß unter der großen Kastanie.  Immer wieder sah sie zur Einfahrt, doch das Tor war verschlossen. Kam da nicht bald noch jemand?

Sie sah sich ihr kleines weißes Haus an, wilder Wein überwucherte es an zwei Seiten, duftende Kletterrosen umranken die Küchentüre, „So hab ich es mir immer vorgestellt…“ ..und doch fühlte sie einen Verlust, eine Trauer die sie nicht benennen konnte.

In ihrem Häuschen hatte sie nach und nach alle Räume erkundet und auch diese wurden jedesmal gemütlicher und wohnlicher, doch sie war nicht wirklich glücklich, fühlte sich unvollständig und war oft traurig.

Die Abende verbrachte sie in ihrem roten Lehnsessel, umgeben von ihren Tieren… und wartete.

Vor dem Fenster sah sie nun bunte Blätter vorbei wehen. Die Blumen blühten noch strahlender, ein letztes Aufblühen vor dem kommenden Winter und die Nächte wurden merklich kühler. Oft stand sie nun mit den Hunden am dem  Tor der Einfahrt, doch es war verschlossen, sie konnte es nicht öffnen.

Die Katze auf ihren Knien schnurrte laut und sie schlief ein, das Buch rutschte unbemerkt aus ihrer Hand. „Hallo …Liebes….“ sie träumte,… eine Hand berührte leicht ihre Schulter. „Wach auf!“

ER war gekommen, endlich! Brachte die anderen Tiere mit, das kleine Haus war voller Leben und sie war glücklich.

Nun saßen sie beide in den roten Lehnsesseln und er sagte: „So hab ich es mir vorgestellt all die Jahre.“

Verwundert sah sie ihn an, „Wie meinst du das? Ich bin doch noch gar nicht so lange hier?“

„Ach, du bist schon seit fast 10 Jahren tot, ich hab so sehr darauf gewartet wieder bei dir zu sein. Schlimm war es als du nicht mehr aus dem Koma erwacht bist und ich dich irgendwann gehen lassen mußte. Es war so furchtbar einsam ohne dich und die Tiere haben dich überall gesucht.“

So sitzen sie da und halten sich an den Händen…

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SchlammFarbe

Der Himmel hat heute eine Tönung, die ich eigentlich gar nicht benennen kann, grau, dunkelgrau, mit Anteilen von Grün, und jetzt wo ich genauer hinsehe, kann ich auch Anflüge von Braun sehen.

Aus diesem undefinierbaren Himmel tropft es, schon lange und es sieht so aus, als wenn da noch reichlich Reserven sind.

Nun muß ich aufpassen, daß dieser tropfende Schlamm mir nicht in die Laune suppt, denn die Stimmung ist fragile, besonders weil die Nase und auch die Augen rinnen. Durch den Tränenflor schaue ich den Wassertropfen an der Scheibe zu, sie laufen schnell und schneller.

Naße Vögel besuchen die Futterhäuschen und sie tun mit leid, frieren die nicht? Ein Fieberschauer läuft über meinen Rücken und plötzlich tue ich mir selber leid.

Noch einen Blick in den schlammfarbenen Himmel und ich beschließe mich ins Bett zu legen, hier verpaß ich wohl nichts.  Die Decke zieh ich mir über den Kopf, kuschel mich ganz tief ins Plümo und Morpheus Arme.

Träume den immer wiederkehrenden Traum vom blauem Himmel, grünen  Wiesen, duftenden Blumen und lauem Lüften und mitten drin bin ich!

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stets…

Die Zeit tropft an mir vorbei, meistens sind das zähe Tropfen, die sich nur langsam lösen um dann im Nirgendwo zu zerschellen.

Manchmal sind das schnelle Tropfen, die fallen und fallen, irgendwann kann ich sie nur noch als ein leises Rauschen wahrnehmen.

Im Traum kann ich sie anhalten die Tropfen oder ich schwimme im See der Zeiten, dort wo alle Zeit unendlich ist und stille steht. Nur für uns Menschen scheint sie dort angehalten zu haben, doch in Wirklichkeit ist die Zeit stets und immer in Bewegung.

So wie auch Steine nicht stumm und bewegungslos sind, nur ist ihre Realität so langsam, das wir sie nicht wahrnehmen können. Wie so vieles was an uns vorbeigeht, da unsere Sinne eben kaum etwas aufnehmen, weil wir einfach nur Menschen sind.

Seh ich meine Katze an, weiß ich das sie so viel mehr sieht, daß ihre feinen Sinne Dinge aufnehmen können, von denen ich kaum etwas ahne.

Doch wenn wir gemeinsam träumen, dann nehmen sie mich mit die Tiere und dann explodiert eine Wirklichkeit so unendlich bunt, vielschichtig und groß, daß ich betäubt erwache, denn ich kann es kaum aushalten.

Wir rasen schwerelos durchs All, nur um im nächsten Moment in einem Tropfen Morgentau zu schwimmen, wir reiten auf Mondenstrahlen und legen und uns auf unbekannten Sternen zur Ruhe. Laufen über taufeuchte Wiesen, riechen zauberhafte Düfte, sehen Farben wie von nie zuvor. Wir verweilen kurz im Jetzt, im Übermorgen und auch im Gestern, denn die Zeit ist eine dehnbare und ich treffe mich immer wieder in der Vergangenheit und sehe mich in der Zukunft.

Und irgendwann hab ich alle Zeit der Welt, ach was, alle Zeit des Universums, dann wenn  ich eins werde mit der Unendlichkeit.

 

ja FRÜHER…

FRÜHER, das war vor ganz langer Zeit, KinderLachen, SommerSonne, BlütenTräume.

…auch FRÜHER, als sie noch jung und voller Ideen und Illusionen war.

Und je länger sie an FRÜHER dachte, desto schöner wurde es, Ihr FRÜHER.

… und irgendwann hatte sie das JETZT übersprungen und war im MORGEN angekommen.

 

Hat so alles einen Sinn?

Sie las vor einigen Tagen den Satz: „Das Leben schickt dir immer genau die Menschen, die Du für deine Entwicklung brauchst.“

So im vorübereilen gelesen mußte sie doch immer wieder daran denken… „Blödsinn!“… „kann das stimmen?“ …“ein kleines bißchen wenigstens?“… „…vielleicht..?“

Am Abend im Bett, kurz vor dem Einschlafen war der Satz immer noch präsent und sie sah viele Gesichter  in schneller Folge, aber keines kam ihr bekannt vor. Plötzlich war sie wieder hellwach und stand wieder auf, da waren sie wieder die Geister der Vergangenheit.

Mit einer Tasse Tee kuschelte sie sich etwas später in die Couchecke, die weiche Decke über den Beinen.

„Mir war das Leben wohl nicht sehr wohlgesonnen, wenn ich an die Menschen in meinem Leben denke.“ sie sagte das laut. Überhaupt sprach sie gerne mit sich, wenn sie es laut aussprach klärten sich viele Dinge wie von selbst.

Und das Gespräch mit sich selbst hatte den Vorteil, sie konnte schonungslos offen und ehrlich sein, machte es doch keinen Sinn sich selber etwas vorzumachen.

“  …die ich für meine Entwicklung brauchte?“ zuerst hörte es sich Hohn an, brauchte sie es, das man sie schlug? Für was brauchte sie Gewalt und Hass in ihrer Entwicklung?

Das war eines der Themen, die sie nur selten heute noch hervorholte, Tatsache aber, sie waren immer noch präsent. Sie hatte es überlebt, im wahrsten Sinne des Wortes, und es hatte sie stark gemacht im nachhinein. Doch als sie all das erleben mußte, konnte sie es kaum aushalten…

„…was also hat es mir gebracht?“ fragte sie. Nach einigem Nachdenken wurde ihr bewußt, das es sie wirklich gestärkt hatte, es hatte sie unabhänging gemacht und frei von den Menschen.

Sicher, ihr war klar, das der Satz so ganz sicher nicht gemeint gewesen war, aber für sie stimmte es eben nur so.

Durch ihre Erfahrungen hatte sie auf den Kontakt mit den Menschen weitgehendst verzichtet. Nein, es war nicht mal ein Verzicht, es gab kein Verlangen mehr nach menschlicher Gesellschaft. Zu tief waren die Abgründe der menschlichen Existenz in die sie sah… und so  hatte sie sich ganz bewußt abgewandt.

Auf diese Weise konnte sie ihren Seelenfrieden wieder finden und sich in ihrer ganz eigenen Welt einrichten. Sicher, es gab kurze Begegnungen, der Postmann kam und brachte etwas, die Verkäuferinnen in den Läden… sie plauderte anscheinend leicht und unverfänglich, heiter und locker… das fiel ihr nicht schwer.

Nur, das war sie nicht, das machte sie, weil der Umgang einfach leichter dadurch wurde. Das erwarteten die Menschen, nettes, oberflächliches Geplänkel. Sie persönlich brauchte das nicht.

„Ja, man trifft wohl die Menschen, die einen in der Entwicklung weiterbringen,“ dachte sie. „Mich hat es autark und ohne falsche Vorstellungen gemacht.“

Mit diesen Gedanken schlief sie ein. Sie träumte, vergaß die Träume aber wieder und erwachte mit einem leisen Hauch von Bedauern.

Ideale

Ja, gibts das noch? Ideale Vorstellungen vom Leben?

Ich selber sehe mich als Landmensch, der die Weite braucht. Schön wäre es, mit seinen eigenen Händen einen großen Teil der Nahrung selber zu ziehen. So wie es für mich selbstverständlich ist frisch mit guten Zutaten zu kochen.

Früher hatte ich das im kleinen Rahmen schon, Kräuter, Möhren, Zuckererbsen, Zwiebeln und vor allen die verschiedenen Salate. Kürbisse und Zucchini… und wo es besonders warm ist auch Tomaten… ach, wäre das schön!

Ich kann sie schmecken, diese frischen, gesunden Gemüse und die Kräuter umschmeicheln meine Nase.

Bienengesumm und Sonnenschein, wie einfach könnte es doch eigentlich sein.

Brenneseljauche wieder ansetzten, Fruchtfolgen überlegen, Beete anlegen, Unkraut jäten, hacken, anhäufeln und dann endlich die Ernte. Langersehnt, die ersten Möhren und Radieschen zupfen. Nicht erst lange abwaschen,  nein sofort essen! Es gibt nichts vergleichbares.

Oder doch,… oben im sonnenwarmen Kirschbaum sitzen und dunkelrote KnorpelSüßkirschen essen… solange bis man meint zu platzen.

Sich wieder auf die Werte besinnen, denen man früher schon mal nachgegangen ist. Die Uhr nur ein wenig zurückdrehen, einfach wieder beginnen. Zu einer Zeit zurückkehren, als noch nicht das Außen so viel von mir beansprucht hat.

Ja, das würde mir gefallen, vielleicht machen wir das in diesem Jahr, vielleicht wird die Hundewiese, die mit metertiefen Gräben brach liegt jetzt unser Gemüsegärtchen?

Schaffen wir das noch einmal?

Noch ein letztes Mal einen Neuanfang?

 

Traum vom Foto

Dunkel ist es noch, benommen taste ich nach der Uhr, erst 2.36 Uhr… zu früh, heute ist Sonntag, aber die ganze Zeit denke ich an ein Foto, sehe es ganz deutlich…

Lege mich wieder hin … und schlafe wieder ein.

Nahtlos träume ich weiter, von diesem Foto. Gestalte es, sehe jeden Arbeitsschritt vor mir, weiß aber doch, das ich das nur träume,–  halte es in Händen und schaue es an…

Erwache wieder, strecke mich aus, es ist immer noch dunkel, etwas heller zwar, aber ich weiß gleich, heute wird kein schöner Tag werden. Ich merke es am Licht und ich höre vor allem den Wind immer noch ums Haus heulen.

Kann mich immer noch ganz genau an dieses eine ganz besondere Foto erinnern und überlege ernsthaft, ob ich das wohl schon gemacht habe?

Als ich dann am Laptop bin, ist mein erster Blick in die Bilddateien… vielleicht versteckt es sich doch hier irgendwo? Mein Foto, das aus dem Traum… nein, ich kann es nicht finden.

Muß lächeln, denn als ich noch Bären gemacht habe, habe ich die auch immer im Traum gemacht und hatte meine Entwürfe fix und fertig wenn ich sie dann brauchte.

Beim Malen ging es mir ähnlich, die Bilder entstanden nachts in meinen Träumen, ich mußte sie eigentlich nur noch abmalen tagsüber…

Weiß schon, das sich das komisch liest, ist aber so… ich mache Dinge oft im Traum und setze sie erst später im realen Leben um.

Ach ja, das Foto habe ich gerade eben noch gemacht, ist nicht ganz wie im Traum, aber fast…