aus & vorbei? NIE!!!

Ein Sommertag im Juni… und sie ist gefangen in den dunklen Abgründen ihrer Vergangenheit.

Sie hört Stimmen, böse Worte, die schon mehr als 35 Jahre nachhallen. Durch das Echo, verdoppeln sie sich, vervielfachen sich, werden lauter und mächtiger.

Sie spürt Schläge, die sie vor Jahrzehnten verletzten, fühlt die Schmerzen, ihre Hilflosigkeit, aber auch wie der Haß wieder in ihr erwacht.

Vorbei ist eben doch nicht immer wirklich vorbei…

Unverzeihliches kann sie nicht verzeihen, vergeben und vergeßen… und so strecken die Dämonen wieder ihre Arme aus, versuchen sie nach unten zu ziehen, dort wo die Verzweiflung und die Angst wohnen. Halten Ihr Augen und Ohren zu, ersticken  ihre Schreie, schnüren ihr den Lebenswillen ab.

Alle Taten wirken weiter und weiter… und werden immer sein.

Sie steht da, kann den warmen Sonnenschein nicht spüren, kann das helle Licht nicht sehen, kann das leise Rauschen des Windes nicht hören. Sie ist eingekapselt in ihre Verzweiflung, die zugefügten Ungerechtigkeiten machen sie bewegungslos und starr.

Sie steht da und weiß es nicht, denn ihr Blick ist in vergangenes Erleben gerichtet und sie versucht irgendwie zu überleben.

 

002 1

Advertisements

und da sprach der Engel

Ich hab einen Autounfall, unverschuldet, aber das ist jetzt egal, denn ich hänge kopfüber von einer hohen Brücke… oder ist es eine Mauer?

Der Gurt schneidet tief und schmerzhaft in mein Fleisch, ich kann meine Beine nicht bewegen und ich hab ANGST!!!

„Sei ganz ruhig, du wirst befreit werden. Es wird nicht mehr lange dauern.“ sagt eine Stimme.

„Danke!“  flüstere ich, denn ich kann kaum atmen. „Bitte bleiben Sie bei mir, verlassen Sie mich nicht!… ich…“

Die Angst kriecht immer höher und höher, … ich werde mich in der Panik verlieren. „Hallo, sind Sie noch da?“

Ich höre wie Metall über Stein schrappt, es ist ein nervenzerfetzendes Geräusch und ich merke, wie der Wagen weiter abrutscht! „Hilfe! Bitte helfen Sie mir doch!“

Weit entfernt höre ich Stimmen, kann aber nichts verstehen. Haben sie mich überhaupt schon gefunden? Warum kommt denn niemand um mich endlich zu befreien? Was ist denn nur geschehen? Wage  kann ich mich an grelle Scheinwerfer im strömenden Regen erinnern und das man mich abdrängte… und …???

„Hilfe!“  wieder versuche ich mich bemerkbar zu machen. „Bitte HILFE!!!“ Verzweifelt sehe ich um mich, aber  da tropft immer etwas in meine Augen… rote Schleier trüben meinen Blick. Bewegen kann ich nur meine linke Hand, aber das schmerzt.

„Nun beruhige dich!“ da ist sie wieder diese Stimme.“Ich bin wieder da, und ich bleibe bis sie dich heraufholen können.“

Sie gibt mir wieder etwas Mut und ich beruhige mich wirklich etwas. “ Hallo, wo sind Sie denn? Ich kann nichts sehen.“

„Du mußt Dich ganz ruhig verhalten, das ist sehr wichtig, ich bin bei dir.“ Ich meine einen leichten Druck auf meiner Schulter zu spüren. „Keine Angst, ich verlasse dich nicht.  Ich  verspreche dir , du wirst es auch dieses Mal  überstehen. Aber denke daran, auch eine Katze hat nur 9 Leben und du hast schon mehr als einmal damit gespielt… viel mehr wird dir nicht gewährt!“

Darüber versuche ich nachzudenken… aber dann … wird das Rauschen immer lauter … und ich treibe in einem Strudel auch Angst und Schmerzen davon…

**

Ich kam in einem fremden Bett zu  mir, ein Piepton störte mich und ich versuchte zu erkennen wo ich war. Es fühlte sich an, als wenn ich schweben würde.

Später  sprach dann jemand mit mir? Doch ich flog wieder davon, leicht und unbeschwert.

**

Mit tat alles weh, ich konnte nicht einen Körperteil finden der nicht schmerzte. Ich stöhnte und versuchte mich anders hinzulegen. Das ging nicht und die Schmerzen zerrissen mich.  Benommen fühlte ich mich und mir war übel.

**

Später, viele Wochen später, als ich endlich wieder zu Hause war, kam mir das alles wie ein Albtraum vor. Es würde noch lange dauern und mich noch viel Kraft kosten bis ich wieder gesund wäre, aber ich hatte den Willen dazu.

Immer wieder kam mir der Satz in den Sinn: „Aber denke daran, auch eine Katze hat nur 9 Leben und du hast schon mehr als einmal damit gespielt… viel mehr wird dir nicht gewährt!“

Ich würde sie nutzen meine letzte Chance, soviel stand fest!

***

154-pola

.

Schleier

Manchmal denke ich, daß ich hintern dichten Schleiern durchs Leben gehe.  Das ist so ein Gefühl der Einsamkeit, ich bin abgeschirmt vom Außen, lebe in meinem eigen Kokon aus Hoffen und Lieben.

Manchmal denke ich, daß es schön wäre auch mal hinter die Schleier zu sehen. Dann trifft mich die Brutalität des Lebens mit voller Wucht, die Gleichgültigkeit und Kälte läßt mich erfrieren.

Manchmal denke ich, daß ich gut aufgehoben bin und ziehe die Schleier ganz dicht um mich. Dort fühle ich mich sicher und geborgen, nichts kann mir etwas anhaben und ich lebe mein glückliches Leben.

026_Pinhole_1

ach ja, morgen geht ja die Welt unter…

Überall kann man es lesen, morgen soll die Welt untergehen.

Geht mich das was an?

Ich weiß  nicht… denn eigentlich wäre es um diese Welt nicht schade, das hab ich schon immer gesagt.

Wäre es schade um all die gleichgültigen Menschen, denen weder Mensch noch Tier etwas bedeuten?

Um die, die zusehen, wie Kinder verhungern?  Oder die, die Wehrlose schänden?  Die, die Krieg machen um Profite einzufahren?

Die, die ungerührt ihr Steak fressen, wohl wissend das dahinter eine unendliche Hölle des Leids und des Elends steht.

Um all die Gerechten, die zulassen das diese Welt so ist wie sie jetzt eben nun mal ist?

Und ich?

Wärs um mich schade?

Ich weiß nicht, ich glaub fast nicht. Hab wohl nie genug getan, hab wohl zu lange zugesehen… hab mich eben nicht genügend bemüht.

Täts mir leid, wenn es morgen alles vorbei wär?

Wenn ich ehrlich bin, NEIN!

Schade wärs um die schönen Landschaften, die Sonnenauf- und  -untergänge., schade wärs um all die Tiere und die Pflanzen… das wär wirklich blöd.

Doch je länger ich nun darüber nachdenke, vielleicht werden nur die Menschen ausgelöscht. Ein Fingerschnippen und weg damit. Der Rest unserer schönen Mutter Erde würde unberührt davon bleiben. Der blaue wunderschöne Planet würde weiter in seiner Bahn bleiben.

In den ersten Tagen würden sich alle Energiequellen abschalten, Stauseen würden überlaufen, Überschwemmungen wären die Folge. Haustiere würden nur sehr bedingt überleben können, wahrscheinlich elend sterben.

Nach kurzer Zeit würde die Natur  Straßen und Städte zurück erobern… alles würde grün und wild, darin die Tiere, die es geschafft haben zu überleben.

Eisen wird rosten und vergehen, Mörtel, Steine und Beton werden verwittern und zerbersten… all das was der Mensch erschaffen hat, wird nicht mehr sein.

Könnte das dann ein Paradies auf Erden werden.

Na, wer weiß… kommt immer drauf an, wer dann das Sagen haben wird.

 

013-pola04

 

 

 

.

Ich tanz keinen Blues

.

November, grau, mit Regenwolken und Nebelschleiern.

Grünes Laub verfärbt sich bunt, wird dunkel und vergeht.

Zerfall an allen Orten, Monat der Trauer und Tristesse.

.

November, blauer Himmel, Sonnenlicht und Frostgefunkel

Die letzten Blumen erblühen zur üppigen Pracht.

Die Vorfreude auf Weihnachten liegt schon in der Luft.

.

November, gemütlich und heimelig, voller Kerzenglanz.

Erstes Tannengrün, in warmen Stuben helles Lachen.

Wie ist das Leben doch schön in dieser Zeit der Erwartung.

.

Das macht der Herbst

 

     

Draußen heult der Wind um die Hausecke und treibt die bunten Blätter vor sich her. In ihr kommen Gedanken auf, und sie merkt, wie sie immer trauriger wird. Dieses graue, triste Wetter belastet sie. 

 Früher, als sie noch jung war, kannte sie das nicht. Jedes Wetter war ihr recht und ihre Stimmung war immer gut. Aber nun macht es sie traurig zu sehen, wie der Wind die letzten Blätter von den Bäumen und Sträuchern holt… Dass hat so etwas endgültiges. Zeigt es ihr, das alles Leben limitiert ist, also endlich.

Endlich, auch so ein Wort, das traurig stimmt. Sie wird sich ihrer immer kürzer werdenden Lebensspanne bewußt. Wie unendlich erschien ihr als Kind die Zeit. Je älter sie wurde schien sie zu schrumpfen… bis jetzt nur noch ein kleiner Rest übrig blieb.

Eine Träne tropft ihr auf die Hand und sie wischt sie weg. Noch mehr Tränen und plötzlich schluchzt sie … ist einfach so unendlich traurig und alleine… fühlt sich verlassen und ohne Sinn… 

Nach einer Weile beruhigt sie sich, kommt zur Ruhe, ist leergeweint. Fängt an zu überlegen wie das nun ist mit ihrem Leben. Stellt fest, das es ein gutes Leben war bisher. Kann gedanklich wieder anknüpfen an ihr gelebtes Leben, das ihr noch vor wenigen Minuten zu fad und leer erschien. Erkennt dankbar, das es ein erfülltes Leben war, oft schwierig, aber letztendlich glücklich. 

Sie bemerkt, wie sich ein Lächeln in ihrem Mundwinkel einnistet. 

Da sie immer ehrlich mit sich selbst ist, weiß sie, daß auch das Weinen und auch mal die Traurigkeit zum Leben gehören. Etwas, das sie als sie jung war kaum zuließ. Heute aber im Herbst ihres Lebens und viele Schritte weiter, kann sie das zulassen ohne in Melancholie zu versinken. 

Ja, es hat auch Vorteile, wenn man älter wird, man hat eine Menge gelebte Zeit und viele Lebenserfahrungen… Sie sieht das als Pluspunkt fürs Altwerden. Innerlich sozusagen sammelt sie Pluspunkte für sich selbst. 

Äußerlich… ja, da ist das etwas schwieriger, denn die Zeichen der Zeit sind auch bei ihr zu sehen. Nicht das sie davor Angst hätte, das ist eben so, das gehört dazu, daß man auch sichtbar altert. 

Wie sie so da sitzt, versonnen lächelt, kommt ein Sonnenstrahl durch die grauen Wolken…

(viele Herbstfotos sind in der Photoworld und im Reserveblog zu finden)

Die Schneefee

 

 

Ein anderes Wintermärchen

Nun habe ich ja schon von den DiamtenNächten erzählt, da hatte ich leider nicht das Glück die Eisfee zu sehen, nur noch ihren Schlitten, der um eine Ecke fuhr.
Heute nun ist es mir gelungen die Schneefee zu sehen. Ja, ich weiß, das ist eigentlich nicht möglich, aber manchmal gibt es so Glücksfälle und so einen durfte ich erleben.

Die ganze Nacht über hatte es leicht geschneit und ich sah immer wieder besorgt vor die Türe. Die zarten Schneeflocken im Lichte der Außenbeleuchtung hatten es mir angetan. Ein unendlicher Tanz, immer und immer wieder durch den Wind verwirbelt.
Doch darunter verborgen war alles vereist, es war spiegelglatt.
Keine guten Voraussetzungen für uns …
Ich stand also da und hoffte, dass es bald aufhören würde zu schneien.

Aus dem Augenwinkel meinte ich eine  Bewegung auszumachen, als ich aber genauer hinsah wirbelten nur große Schneeflocken um die Scheune.
Der Gedanke, den Fotoapparat zu holen war plötzlich in meinem Kopf, vielleicht gelang mir ja ein Schneeflockenbild?
Also gut, schnell stand ich im Schneegestöber und machte die kleine Kamera an, stellte sie ein und wollte loslegen, da kam ich an den Auslöser. Das passierte ganz ungewollt. Dann versuchte ich die schwebenden Flocken auf eine Bild zu bekommen. Leider war das nicht so einfach wie ich später feststellte, die Bilder waren nichts geworden.

Allerdings hatte ich zwei sehr unscheinbare, verschwomme Bilder und wollte sie auch schon löschen. Da erst erkannte ich, dass ich da doch irgendwas fotografiert hatte. Durch einige BildbearbeitungsTricks gelang es mir, das Verborgene sichtbar zu machen.

 Wütend heulte auf einmal der Wind ums Haus, die Flocken prallten an die Scheiben und eine Stimme rief meinen Namen. Erschrocken ging ich ans Fenster und sah eine hohe Gestalt. Sehr undeutlich, aber sie stand da. Neben sich ein Geschöpf, auch das kaum zu erkennen im Schneegestöber.

„Du hast es gewagt ein Bild von mir zu machen?“ wütend drang die Stimme zu mir. Ängstlich wollte ich zurückweichen, doch ich konnte mich nicht bewegen.
„Das war nicht meine Absicht, ich wollte eigentlich nur Schneeflockenbilder machen. Ich bin selber überrascht, was ich da aufgenommen habe.“
„Mich, die SchneeFee dürfen nur ganz wenige Menschen sehen.“ mit einer schnellen Bewegung stand sie direkt vor der Scheibe.
Ich muß es gestehen, ich bekam es mit der Angst zu tun. Zu wild und fremd erschien sie mir, ihren  Begleiter  konnte ich immer noch nicht klarer sehen.

Sie musste meine Neugier gespürt haben. „Das ist Blau, einer meiner Wächter. Er findet die Menschen, die in Schnee oder Eis umkommen und bringt sie dann zu mir.“
„Aber warum seid Ihr hier?“ fragte ich.
„Fürchte Dich doch nicht, wir sind nicht zu Dir und den Deinen gekommen. Ich wollte mir mein heutiges Werk einmal ansehen, man könnte sagen, wir machen einen Ausflug zur Erde.“ Ich konnte hören, dass die SchneeFee mit  dem was sie sah, zufrieden war.

„Ich muß sagen, wenn ein schönes weißes Tuch aus Schnee alles bedeckt, ja das gefällt mir auch.“ antwortete ich. „Alles sieht so still und friedlich aus, wie im WinterZauberland. Das hat mir schon immer gefallen.“
„Das weiß ich, denn ich kenne ich Dich genau.“ Die Stimme der SchneeFee war viel freundlicher geworden. „Und weil ich dich kenne, erhälst du auch meine Erlaubnis von dieser Begegnung zu erzählen und du darfst die Bilder zeigen, wenn du möchtest.“

Im ersten Moment war ich sprachlos. “Vielen Dank! Das werde ich gleich heute noch tun. Es gibt jetzt immer mehr Menschen, die unzufrieden mit dem langen Winter sind. Vielleicht verstehen sie es besser, wenn sie dich einmal sehen dürfen.“

„Ach früher, als die Winter selbst hier sehr lang waren, da haben mich die Menschen gekannt. Sie wussten, das ich zum Jahresablauf gehöre, und haben sich nicht ständig beschwert.“ Das Gesicht der SchneeFee war traurig. „Aber heute, da geht nichts schnell genug. Alles will der Mensch verändern, die Natur wird zerstört und es wird diese Welt nicht mehr lange geben.“

Ich konnte ihr nur zustimmen. „Aber es gibt doch auch Menschen, die versuchen zu retten, die sich bemühen umzudenken….“
„Zu spät, leider viel zu spät.“ Die Gestalten verwehten langsam im Wind und die Stimme wurde nur noch zu einem Windhauch.