…und da draußen… da tobt das Leben?

So saß sie nun auf der Couch, gegenüber vom Fenster, da saß sie nun schon einige Wochen. Nein, besser wir rechnen in Monaten! Die Zeit, ein stetiger Fluß, der draußen vorbei zog, da wo sie nicht mehr mit konnte… da wo sie auch so gerne dabei wäre… wenn da nicht…

Der Sommer war saftig grün vorm Fenster, die Bäume im vollen Laub. Vogelgesang! Die Sonne schien nachmittags herein… und sie saß geblendet auf der Couch. Dachte nach, haderte, träumte wenig, war oft traurig und manchmal, ganz selten, ein kleines bißchen glücklich.

Sie saß auf der Couch und wünschte sich so sehr endlich wieder … verzagte immer mehr, verzweifelte und die hellen Sonnentage erscheinen ihr gar nicht so strahlend. Die Schalusie ließ sie runter um all das schöne, strahlende, lebendige nicht sehen zu müssen.

..und fiel!

..und fiel… und nirgendwo ein Halt!

..und nirgendwo ein sicherer Boden!

Noch immer saß sie auf der Couch, inzwischen färbten sich die Blätter, nur unterbrochen von kurzen Alltäglichkeiten,  eingehüllt in dunkelgraue Watte. Eine tiefe Traurigkeit hielt sie umfangen.

Selbst der Herbst war in diesem Jahr nicht golden, so paßte er gut zu ihrer Seelenlage, trist, hoffnungslos, ohne ein Fünkchen Leichtigkeit.

Sie saß auf der Couch, sah in das wilde Herbstgestöber, hörte dem Wind zu der die nassen, braunen Blätter uns Haus wirbelte, sah Regentropfen  die Scheibe entlang laufen.. und fühlte nichts außer einer großen Leere.

… und WO war sie?

…und WER war sie… früher gewesen?

…wie hatte sie sich nur so verlieren können?

Sie saß auf der Couch, fühlte nur kalte Trauer, hatte sich selbst verloren, hatte kein Ziel mehr, keinen LebensMut.

Die Blätter von den Bäumen vorm Fenster waren inzwischen alle abgefallen, bedeckten als brauner, naßer Teppich die Erde, kein grün mehr, keine Vogelstimmen, es war Winter geworden.

Sie aber saß noch immer auf der Couch, schaute blicklos ins grau, aber langsam wurde ihr klar, daß nur sie den Kokon aus Starre, Mutlosigkeit, Schmerzen, Angst und Wut aufbrechen könnte.

Das allerdings würde ein langer Weg, nicht so einfach den versteinerten Panzer zu sprengen, den Kopf wieder frei zu bekommen  von all dem dunklen Gewölk, Schmerzen, immer noch… aber da.. ein Fünkchen Zuversicht?

..und sie versuchte…

… versuchte zu lächeln..

… wollte wieder einmal herzlich lachen!

Die Weihnachtszeit nahte, sie saß auf der Couch, dunkel wars draußen nun jeden Tag, die Nächte lang, aber in der Wohnstube, da brannten die Kerzen, da war es warm und gemütlich.

Zaghaft kam Vorfreude auf, erwärmte sie von innen und sie schüttelte die Erstarrung ab. Schmückte das Zimmer und fand ihre staunenden Kinderaugen wieder. Wußte auf einmal, das es Wunder gab, das sie wahr werden könnten… fühlte das Leben wieder … und zwar aufregend und wunderbar tief drinnen in ihr selbst.

Sie saß auf der Couch, übte das Lachen, versuchte sich an die Leichtigkeit des Lebens zu erinnern, kramt nach schönen Erinnerungen… war endlich wieder auf dem Weg.

Der Tag kam, an dem sie einfach aufstand und wieder in ihr Leben zurück ging.

 

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die Welt wird immer kleiner

Heutzutage ist die Welt klein geworden, man kann fast überall hinfliegen… kann in Sekundenschnelle zu fast jedem Menschen Kontakt bekommen. Die Nachrichten verbreiten sich rasend schnell, die schlechten noch schneller…selten auch gute.

Ja, die Welt der jungen, mobilen, gesunden und finanziell gut gestellten Menschen ist wirklich klein, fast schon ein Dorf… da existieren kaum noch Grenzen.

Doch je älter man wird, oder je ärmer man ist,  sieht es anders aus, da kann man vielleicht noch vom Rand zusehen – oft nicht einmal mehr das.

Der Satz: „Man kann auch ohne Geld glücklich sein.“ stimmt nicht so ganz. Der Mensch möchte ein Dach über dem Kopf, er möchte sich satt essen können… und darüber hinaus hat er auch noch andere Wünsche. Nur Asketen können vom NICHTS leben und mit NICHTS glücklich werden,  alle anderen Dinge kosten eben Geld.

„Jeder ist seines Glückes Schmied.“ ist auch einer dieser Sätze die nicht so ganz stimmen. – Oder wie erklärt man dem Schwerkranken warum ausgerechnet er nun leiden  und sterben wird? –  Oder wie erklärt man dem verhungernden Kind, das es leider im falschen Land geboren wurde? – Wie macht man es der allein erziehenden Mutter klar, das sie sich zwar ihr ganzes Leben abstrampeln muß, aber im Alter nicht mal mehr ihr Auskommen haben wird? – Wie kann man den geschändeten und geschlagene Frauen begreiflich machen warum ihnen das angetan wurde? –  Wie den Opfern erklären warum sie getötet wurden in sinnlosen Kriegen und durch Terror auf den Straßen?

Ja, die Welt, unsere Welt, ist klein… viel zu klein für all den Müll denn wir hinterlassen.

Unsere schöne Welt ist nicht schön, zumindest nicht für die geschundene und ausgebeutete Kreatur die wir „Nutztier“ nennen. Der Mensch hat nicht mal Mitleid mit seiner eigenen Art, wie kann man erwarten er hätte Erbarmen mit den hilflosen und wehrlosen Geschöpfen?

Welt, die du unsere Mutter bist, wie lange wirst du uns noch (er)tragen können, wie lange wird es dauern bis wir dich zerstört und vollständig ausgebeutet haben werden?

Die Welt der alten und siechen Menschen wird klein, besteht zum Schluß nur noch aus einem Bett, einer Wand, vielleicht einem Fenster…

..und was ist mit der Challenge?

Ja, was ist damit?

Es mangelte nicht an guten Vorsätzen, aber es wollte einfach nichts geschrieben werden.

Dafür innen drin mit mir selber viel gesprochen.. nur eben nichts aufgeschrieben, denn Gedanken sind schnell und sprunghaft, da komme ich mit dem Schreiben nicht nach.

So horte ich Wörter und Sätze, Geschichten und Gedanken, so viel Buntes und Fröhliches, doch auch Schmerz und Angst, liebenswertes und spannendes, Wünsche und Hoffnungen… möchte nicht ein Quäntchen davon hergeben.

Ich bin nicht gut darin mich selber unter Druck zu setzten, so laß ich sie einfach laufen meine Gedanken… ich muß mir nichts beweisen.

Nicht mehr.

 

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Challenge – Tag 1

Der alte Mann und seine Hunde

 

Als die Frau krank wurde ging es ganz schnell, nur wenige Wochen und sie war tot. Das war nun auch schon bald 16 Jahre her und er dachte noch jeden Tag an sie.

So eine lange Zeit und noch immer fehlte sie ihm. Nur schwer hatte er damals in sein Leben zurück gefunden, am liebsten wäre er ihr nachgefolgt. WO immer sie auch sein mochte, er war sich sicher das sie auf ihn wartete. Aber da war ja noch das Julchen, ihre geliebte Hündin, die sich vor Trauer verzehrte, die nicht mehr fressen wollte… die auch nur zu ihr wollte.

Behutsam, jeden Tag ein bißchen mehr, hatte er  versucht Julchen aus ihrer Trauer zu holen… mit ganz viel Liebe und Geduld. Sie tat ihm gut und so  trösteten sie sich gegenseitig.

Viele Jahre ging er mit Julchen durchs Leben, ein gutes Team waren sie geworden und er war dankbar für ihre Gesellschaft. Doch irgendwann war auch Julchen am Ende ihres Lebens angekommen und er mußte sie gehen lassen. „Nein, sie soll  nicht leiden!“ sagte er zu dem Tierarzt und hielt sie bis zum Schluß ganz fest in seinen Armen.

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Wir leer war das Haus, wie unendlich verlassen kam er sich vor. Er dachte ernsthaft darüber nach seinem Leben ein Ende zu setzen.

Nur wenige Tage später hörte er zufällig, das Frau Lehmann, zwei Straßen weiter, verstorben sei und das die Erben ihren Hund nicht behalten hatten. Das Haus und das Geld JA, den Hund aber nicht, er war ins Tierheim abgeschoben worden. Die Nachbarin die ihm das erzählte sagte noch: “ Er kommt da gar nicht zurecht, er trauert so sehr der arme Kerl…“

Am Abend dachte er immer wieder über den Hund nach. Einsam, ohne sein Frauchen… ja…  er war wirklich ein armer Kerl. Er hatte Mitleid, kannte er Devil doch gut. Er hatte so gar nicht teuflisches an sich, im Gegenteil er war ein wirklich lieber, gutmütiger Hund der es sicher nicht verdient hatte in einem Heim dahin zu vegetieren.

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Früh am nächsten Morgen schon machte er sich auf den Weg… er wollte Devil zu sich holen. In dem Tierheim allerdings waren sie nicht begeistert, ein alter Mann wollte den Hund haben? Was wäre wenn er stürbe.. was wäre dann? Er sagte: „Der Devil ist auch alt, wir passen doch gut zusammen… und er kennt mich …“ Schließlich gaben  sie ihm Devil, denn sie wußten so alte, schwarze Hunde bekommt man nur schwer vermittelt.

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So gingen nun sie nun gemeinsam durchs Leben, der alte Mann und der Devil, der gar keiner war und er war so dankbar,einfach ein Traumhund. So lebten sie noch mehrere Jahre glücklich und zufrieden zusammen… bis auch Devils LebensUhr abgelaufen war, er starb einfach im Schlaf.

Der Mann trauerte sehr, aber dann dachte er: vielleicht gibt es doch noch einen Hund der mit mir leben könnte? Die Leute vom Tierheim wollten ihm keinen Hund mehr geben, er sei nun wirklich viel zu alt …

Das Haus war so leer und er überlegte was er denn eigentlich noch vom Leben hätte, am besten wäre er doch nun bei seiner Frau aufgehoben… aber trotz aller Trauer wollte er doch noch nicht den letzten Schritt machen.

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Man sagt es gäbe keine Zufälle… und es dauerte nur wenige Wochen, da sprach ein Nachbar ihn an,  ob er nicht vielleicht einen kleinen Hund nehmen könnte, jetzt da Devil nicht mehr sei. Er wäre auch schon älter, leider nicht besonders hübsch, leider auch herzkrank… und niemand wolle ihn aufnehmen. Er solle nun wohl eingeschläfert werden.. wenn nicht..

„JA!“ sagte er da schnell.

So kam Hildchen in sein Leben, sie freundeten sich rasch an. Hildchen war kurzbeinig, eher breit als lang, ja, sie war wirklich keine Schönheit, aber sie war sehr liebenswert.

Nun sah man den großen alten Mann mit dem kleinen, dicken Hildchen jeden Tag munter spazieren gehen. Je mehr sie draußen waren, desto schlanker wurde das Hildchen, es hatte ihr einfach die Bewegung gefehlt.

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Manchmal dachte er, was er doch für ein Glück gehabt hätte, seine geliebten Hunde gaben ihm so viel… doch immer öfter machte er sich nun Sorgen was aus Hildchen würde wenn er nicht mehr da wäre?

Er versuchte es in der Nachbarschaft, alle mochten ihn und seinen Hund, aber den womöglich übernehmen?.. NEIN, dafür fehle leider die Zeit. Immer häufiger dachte er nun an die Zukunft, oder besser gesagt an sein Ende, denn er merkte wie ihn die Kräfte verließen, er war nicht krank, aber doch sehr alt. Den Alltag zu bewältigen wurde für ihn immer schwerer und auch die täglichen Spaziergänge fielen nun kürzer aus.

Oft wachte er Nachts auf weil er sich um Hildchen sorgte.

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Und dann kam der letzte Tag im August, ein sehr heißer Tag. Er war wieder mit Hildchen auf dem Weg zum Park. Ob er nicht aufgepaßt hatte … oder ob es die Schuld des LKW Fahrers war, das ließ sich später nicht genau klären.

Für ihn war das nicht mehr wichtig… er würde endlich seine Frau wiedersehen und  all die Hunde.

Sie standen da am Ende der Straße, warteten schon und begrüßten ihn und das Hildchen voller Freude.
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altes Weib

Da liegt sie nun mitten am Tag im Bett. Das Wort Mittagsschlaf wird nicht benutzt.. das macht sie nur noch älter.

Es ist schon eine kleine Niederlage, so empfindet sie es. Der Tag zieht sich immer mehr in die Länge, den kann sie ohne eine kleine Pause nicht mehr überstehen. Lange hat sie sich gesträubt… sie doch nicht… niemals… kommt ja gar nicht in Frage.

Dabei hat sie doch alle Zeit der Welt, kann sich ihre Tage frei einteilen, kann schlafen und aufstehen wie es ihr gefällt. Steht aber immer noch ganz früh auf, begrüßt den neuen Tag, den Abend aber verbringt sie jetzt oft schon früh schlafend  im Bett

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Sie liegt also um die Mittagszeit in ihrem Bett,  gemütlich ist es, sehr gemütlich! Es dauert einen Moment, bis ihr Kopf wirklich „richtig“ liegt. Auch die Decke muß überall eingeschlagen und „dicht“ sein, sonst macht sie das einfach wahnsinnig.

Ein bißchen abgedunkelt die Schlafstube, nicht ganz, sie guckt sich gerne noch etwas um. Nicht das sie wirklich etwas erkennen kann, ohne Brille ist das  nicht der Fall. Da verändern sich die Dinge wenn man nur verschwommene Schatten, schlierige Farben und Flecken sehen kann, manchmal ist es spannend, meistens fallen ihr die Augen nach wenigen Augenblicken zu.

Heute mal wieder ein Hörbuch, ein neuer Versuch, nur wenige Sätze  hört sie und schläft tief und fest. Noch nie hat sie es geschafft einem ganzen Hörbuch zu folgen. Egal was für ein Thema, egal wie spannend, sie schläft sofort ein. So werden Geschichten in winzige Portionen zerhackt und ergeben keinen Sinn, machen keinen Spaß.

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Plötzlich stupst der Hund mit seiner kalten Nase an ihre Hand und  sie murmelt verschlafen: „Ist ja gut, laß mich ..“ irgendwie paßt das gerade genau in ihren Traum. Der Hund versteht aber wohl: „Komm, hopp!“ und springt voller Begeisterung aufs Bett, mitten auf sie drauf. Erschrocken flieht die alte Katze von ihren Beinen, möchte  nicht gestört werden. Der Hund leckt ihr mitten durchs Gesicht, das ist nicht so angenehm, macht sie aber schnell munter.

Sie steht  also auf, angelt mit den Füßen nach ihren Schuhen, blickt zur Uhr, wundert sich wo die letzten 2 Stunden geblieben sind… müde ist sie eigentlich immer noch.

„Ach, das ist das Alter!“ denkt sie und geht mit dem Hund nach unten.

und am Donnerstag geht die Welt unter

Sie wußte gar nicht mehr, wo sie es zuerst gehört hatte… oder hatte sie es in der Zeitung gelesen?.. am nächsten Donnerstag würde die Welt untergehen!

Sie hatte noch darüber gelacht, die Welt sollte schon so oft unter gehen… und sie drehte sich immer noch! Wieder und  wieder wurden Termine genannt, auch  alte Prophezeiungen  hervorgeholt… und immer erwiesen sich alle Ängste als unbegründet.

Doch schon einen Tag später sprach man überall vom bevorstehenden Weltuntergang. Konnte es denn vielleicht doch sein?

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Am nächsten Tag schon zeigte das Fernsehen Bilder von verstopften Autobahnen und Straßen, die Menschen waren auf der Flucht. Sie dachte noch, wie merkwürdig das war, flüchten, aber WOHIN?

In den Städten kam es zu Plünderungen.. die Armee versuchte zu sichern, doch das mißlang. Immer mehr zeigte sich die Gewaltbereitschaft der Menschen, ja, selbst vor Mord schreckten viele nicht mehr zurück.

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Sie war froh, so weit außerhalb zu leben, ihr Häuschen lag sehr abgeschieden,  fast versteckt. Schaltete sie den Fernseher oder das Radio ein wurde nur noch vom bevorstehenden Ende berichtet, von all den schlimmen Dingen die fast überall passierten. Hoffnung auf eine Rettung schien es nicht mehr zu geben,  sie bekam Angst.

Man hatte ja mit vielem gerechnet, daß die Menschen  selbst die Erde vernichten würden, daß die Ausbeutung schließlich zum Ende führen würde, Kriege, Naturkatastrophen… an all das hatte man gedacht, doch an einen Meteoriten, der die Erdbahn kreuzen würde, nicht. Dieser war gigantisch, die Menschheit hatten nichts womit sie ihn aus seiner zerstörerischen Bahn hätte bringen können.

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Panik beherrschte alle Menschen und es wurde schon von Selbstmorden berichtet. Die schwärzeste Verzweiflung zog sich rund um den ganzen Erdball.

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Sie lebte in diesen Tagen wie immer alleine mit ihrer alten Katze, sicher, sie saß öfter drinnen, hörte sich die Nachrichten an, was sollte sie sonst tun? Der Gedanke zu flüchten kam ihr nicht… der Gedanke ihr Leben zu beenden schließlich schon. Tabletten wären genug im Haus, aber was würde mit der Katze? Nein, sie konnte sie nicht töten, alleine zurück lassen aber auch nicht, ihre geliebte Mary!

So blieb sie einfach, saß draußen im Schatten der alten Kastanie, lauschte dem Wind und den Vögeln… so wie sie es immer getan hatte.

Überlegte, ob sie zufrieden sein könnte mit ihrem Leben? Nichts besonders hatte sie gemacht, war weder reich noch berühmt, hatte einfach nur ihr kleines AlltagsLeben gelebt… und doch fühlte es sich gut an.

Viele schöne Erinnerungen kamen und gingen, sie vermißte ihren verstorbenen Mann noch mehr als sonst. Dachte an Familie und Freunde von früher… und an Ereignisse die schon lange zurück lagen.

Die alte Mary lag wie immer schnurrend auf ihren Beinen, gedankenverloren streichelte sie das weiche Katzenfell. „Wir beiden Alten, wir werden einfach hier bleiben. Du hast es gut, du weißt nicht das die Welt bald nicht mehr existieren wird.“ sagte sie zur Katze und die schnurrte noch etwas lauter.

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Inzwischen  war schon der letzte Mittwoch auf Erden angebrochen, es gab kein Fernsehprogramm mehr und auch das Radio war verstummt. Seit gestern war auch der Strom ausgefallen, aber sie vermißte ihn nicht. Hatte sie doch alles vorbereitet, Wasser hochgepumpt, nur ein kleiner Vorrat, noch mal Brot gebacken und auch einige Thermoskannen mit Tee gekocht. Mehr brauchte sie wohl nicht mehr.

Es blieb nichts mehr zu tun… sie saß draußen, las ein bißchen, doch ihre Gedanken schweiften immer wieder ab. So würde es also wirklich kommen das Ende der Welt, ein Trost, es würde zum Schluß wohl alles sehr schnell gehen, zumindest hatte man das gesagt, warum also Angst haben.

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Sie hatte ihr Leben gelebt… und es war ein gutes Leben gewesen! Die Befürchtung alleine irgendwo dahin zu siechen mußte sie ja nun nicht länger haben, auch um ihre geliebte Mary brauchte sie sich nicht sorgen… sie würden nun zusammen gehen.

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Der letzte Donnerstag brach an, sie stand schnell auf, die Dämmerung und den  Sonnenaufgang wollte sie nicht versäumen und ein letztes Konzert der Vögel auch nicht.

Leichter Morgennebel lag auf dem Land, der Himmel färbte sich ganz eben rötlich, die Vögel sangen so schön wie niemals zuvor… und sie saß mit Mary auf der Bank vorm Haus. Eine Tasse Tee neben sich, leider war er nicht mehr warm, Mary bekam noch ein letztes Leckerchen und sie aß eine Scheibe vom selbst gebackenen Brot.

Sie saß einfach nur da und genoß mit allen Sinnen, bis Tränen ihre Wangen herunterliefen, so wunderschön war dieser letzte Morgen.

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018

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drei perfekte Momente

„Wenn ein Mensch von sich sagen kann, das er DREI perfekte Momente in seinem Leben erlebt hat… dann ist er reich!“

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Ich lese oft, daß Frauen ihren Hochzeitstag als den perfekten Tag erleben oder die Geburt ihres Kindes. Da ich keine Kinder habe, fällt das schon mal weg bei mir. Und mein Hochzeitstag? Tja…?  Der war weder perfekt noch sonstwas, das war einfach nur der Tag an dem wir JA gesagt haben – ganz alleine – und fertig!

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Vor einiger Zeit wurde ich  nach meinem perfekten Moment gefragt. Mir fiel sofort ein Moment ein, doch ich dachte, der kanns doch nicht gewesen sein und auch ein zweiter Gedanke war so unspektakulär, das ich ihn nicht aussprach.

So blieb die Frage nach meinem perfekten Moment unbeantwortet, aber ich dachte doch immer wieder darüber nach.  Eines Nachts träumte ich sogar davon und bekam eine Antwort. Den Anfangssatz hatte ich beim Aufwachen im Kopf … und je länger ich darüber nachdachte, desto wahrer wurde er für mich.

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Hatte ich meine perfekten Momente schon erlebt, es vielleicht nicht mitbekommen weil ich unaufmerksam oder abgelenkt war? Oder waren sie gar so unbedeutend, das ich sie gar nicht wahrgenommen habe? Auch fragte ich mich, was ist, wenn man seine persönlichen drei perfekten Momente erlebt hat, ist das Leben dann vorbei?

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Auf der Suche nach meinen perfekten Momenten hab ich allerhandlei aus meinem Leben noch einmal gedanklich durchlebt, viel schönes und gutes, viel schlimmes und trauriges… aber war fühlte sich wirklich perfekt an?

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Erlebt überhaupt jeder Mensch solche Momente? Oder muß man erst danach suchen? Muß man erst danach gefragt werden, um sie überhaupt zu vermissen?

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Ich kann nun sagen, daß ich bei meinen allerersten Gedanken geblieben bin, ich habe nichts besseres finden können in meinen Erinnerungen. Zwei habe ich und ich hoffe ich werde den dritten auch noch erleben und vor allem erkennen als solchen.

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Falls jemand gerne wissen möchte was meine perfekten Momente waren, will ich gerne antworten:

Den ersten perfekten Moment erlebte ich als Jugendliche, ich war von zu Hause abgehauen und lebte einige Tage in einem Wald. Die Nächte waren kalt und das Essen sehr knapp. So saß ich beim Sonnenaufgang auf einer kleinen Anhöhe, die Sonnenstrahlen fielen schräg durch die Bäume und wärmten mich, die Luft roch wunderbar nach Wald und Frische. Um mich herum  war es ganz ruhig, nur der Wind bewegte einige Blätter hoch oben in den Bäumen und von unten hörte ich den Fluß rauschen. DAS war einfach PERFEKT!  Ich war frei! Ich wünschte das dieser kurze Moment nie vergeht,  zu gerne wäre ich für immer dort sitzen geblieben!

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Meinen zweiten perfekten Moment erlebte ich als junge Frau, ich saß alleine in einer leeren Küche. Das Haus hatten wir gemietet, wohnten aber noch nicht dort. Ich saß also in der Küche, sah hinaus in den kleinen Garten, es war ganz still. Staubpartikel tanzten in den Sonnenstrahlen und ich fühlte mich einfach glücklich, so behütet und angenommen.  Eine wunderbare Ruhe, ein wirklich gutes Gefühl zu sein –  sonst nichts. Noch heute kann ich den ganz leichten Staubgeruch riechen.

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Ich hab noch einen dritten perfekten Moment, aber ich bin mir nicht ganz sicher ob er das schon war – oder ob ich vielleicht noch einen anderen erleben werde.

Womöglich kann man doch mehr als nur drei perfekte Momente erleben, wenn man ganz viel Glück hat… wer weiß?

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011

die Kunst der ersten Schritte

Stolpern, hinfallen, erneut versuchen… wieder aufrichten und weiter gehts!

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Eigentlich müßte man nichts mehr schreiben, denn so geht es nun das ganze Leben weiter. Die Kunst ist eben immer wieder aufzustehen, immer wieder einen ersten neuen Schritt zu tun. Hoffen wir mal, er geht in die richtige Richtung. Hoffen wir mal, wir bewegen uns überhaupt.

Der schwerste Schritt ist immer der ERSTE! Man überlegt und zaudert und zögert und oft traut man sich nicht. Einfach einen anderen Menschen ansprechen? Einfach das  zu sagen was man wirklich denkt? Einfach tun und lassen was man möchte? Einfach Entscheidungen treffen und damit den Rest seines Lebens glücklich sein? Einfach nur auf sich selber vertrauen? Einfach…?

Es gibt so viele erste Schritte im Leben … die man nie macht … und in stillen Momenten denkt man wehmütig: „Warum bloß nicht?“  Doch erste Schritte lassen sich nicht nachholen, nur einen kleinen Augenblick kann man sie tun… wenn man den versäumt ist diese Chance vorbei.

Manch einer hat es schwer zu entschieden welcher erste Schritt nun der richtige ist … so viele Möglichkeiten liegen vor ihm.

Andere sehen ihre Bestimmung nicht, verharren und versäumen so ihr Leben.

Allen ersten Schritten gemeinsam ist, man muß sie tun!

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Und mein erster Schritt war diese Gedanken aufzuschreiben und nun denke ich über einen anderen ersten Schritt nach… und wer weiß vielleicht wird das der aller-beste-aller-tollste-erste-Schritt überhaupt in meinem Leben?

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Alles ist möglich… geh!

0372

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Zweisamkeit eben

Wütend ist sie… so wütend, daß sie kaum sprechen kann, also schreit sie und spektakelt… und er steht stumm daneben.

Nicht auszuhalten das – immer und immer wieder das gleiche! Hört das denn nie auf? Warum sagt er nichts? Er macht sie rasend mit seiner Ruhe!

Und er steht da und überlegt was sie wohl haben könnte, warum sie sich so aufregt? Er weiß es nicht, versteht es nicht.  Wie so oft bleibt ihm verborgen was sie umtreibt und wie so oft ist er ratlos.

Irgendwann  verstummt sie und irgendwann gehen sie zum alltäglichen Ton über, für dieses Mal ist es ausgestanden, für dieses Mal sind sie gerettet.

 

 

 

ein FrauenLeben

054

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Sie saß mitten auf dem Tisch und wühlte mit den Händen im Kochtopf. „Sind das schon genug Kartoffeln?“ fragte Tante Maria… und schälte fleißig weiter.

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Die kleine Küche war voller heißer Schwaden, sie saß am Tisch und die Mutter war mit der Wäsche beschäftigt. Mühevolle Arbeit, im Kochtopf auf dem Herd… dann ins Badezimmer und in der Wanne wurde ausgespült und ausgewrungen.

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Gemütlich saß sie neben Opa auf dem Küchendiwan, die große gehäkelten Nackenrolle unter ihren Popo.  Opa las wieder einmal von Max und Moritz und dem Huckebein vor, geliebtes… bekanntes… immer wiederholtes!

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Die Mutter nähte, die Maschine stand auf dem Küchentisch, die Sonne schien und sie saß still daneben.

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Auf dem Küchenstuhl mitten in der Küche, die Mutter schnitt ihr die Haare, ganz kurz wie immer und im Nacken kitzelte das.

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Die Familie beim Abendbrot, sie und ihre Schwestern, die Mutter noch am Herd, der Vater schmierte Brote… und plötzlich endete das in Schlägen, Geschrei und Verwüstung.

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Immer mußte sofort nach den Mahlzeiten abgewaschen werden…  entweder spülen oder abtrocknen, aber helfen mußte sie fast immer… nicht sehr gerne.

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Bei der Oma saß sie oft in der Küche, sie tranken Kaffee und es wurde geraucht. Sie durfte das eigentlich nicht… Sie sprachen über so vieles, nie ging ihnen der Gesprächsstoff aus.

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Sie saß in der Küche und schminkte sich bei Frühstück, nur rasch, der Bus wartet nicht. Die übrige Familie aß im Wohnzimmer, man unterhielt sich hin und wieder durch die Durchreiche.

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Ihre eigene kleine Küche, himmelblau… wie ihr Leben in jenen Tagen als sie noch nicht mal zwanzig war.

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Die zweite eigene Küche, die war nicht schön, die war schon in der Wohnung drin gewesen und dort lag auch der Hund tagsüber. Sie spielte die eifrige Hausfrau und backte Weihnachtsplätzchen, einmal in ihren Leben!

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Noch eine Küche, die nur notdürftig möbliert war, aber es reichte aus für das eine Jahr… und sie kochte und spülte… und die Katzen leisteten ihr Gesellschaft. Und noch immer war sie ganz jung und glaubte an ihr Glück.

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Eine eingebaute Küche, nicht so schön, aber in blau und sie war nach hinten gelegen zum Garten. Als sie das allererste Mal in dem noch leeren Haus  dort saß, tanzten die Staubteilchen in den Sonnenstrahlen und es fühlte sich gemütlich und heimelig  an.

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Eine Küche, die einer Fehlentscheidung entsprang und in der sie sich nie wohlgefühlt hatte… eine schlimme Erfahrung, viel Not und Leid.. und wenig Essen.

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Ein Loch, wo ihr Herd stand… so leben Menschen nicht! Dort kochte sie, manchmal.. freudlos… geldlos…  ohne Hoffnung!

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Eine alte Melkküche, riesig, häßlich, dunkel und kalt… eine abgeteilte Ecke, das war ihr Reich. Katzen, Hunde und noch mehr Katzen und Verzweiflung! Schmalhans war der Küchenmeister.

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Eine neue Küche, auch nicht so schön,  in einem alten Hof, dort kochte sie wieder gerne, schaute aus dem Fenster in die Felder und fand kleine Stückchen von sich wieder.

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Das eigene Haus, die eigene Küche, riesengroß und nicht sehr praktisch, aber egal, endlich… ENDLICH  in Sicherheit.

Viel und gerne kochte sie dort, fühlte sich wohl! Auch genäht wurde manchmal am kleinen Tisch und der große Tisch war voller Bastelzeugs. Frieden und Zufriedenheit… und durch die offene Tür kamen die Hunde aus dem Garten rein.

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So vergingen die Jahre und sie kochte immer noch… nur ging alles nicht mehr so schnell.. es dauerte länger und alles fiel ihr schwerer.

Die große Küche unbenutzt, sie kann nun nicht mehr. Der Mann kocht Tee… sie muß Abschied nehmen.

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