ein FrauenLeben

…so müd geworden…

Sie war nicht nur körperlich müde, nein auch ihr Widerspruchsgeist wollte nicht mehr so recht, sie war verstummt. Alles kostete sie große Anstrengungen, es war so schwer immer wieder einen neuen Tag zu leben.

Viel Kraft und viel Energie … einfach so verpufft! So sah es zumindest meistens aus. Nur manchmal, ganz selten, bekam sie wieder etwas Auftrieb, wenn sie feststellte, es hatte doch alles einen Sinn. Sie hatte etwas verändert,  bewirkt, getan! Sie war als Beispiel genommen worden… oder ein Gedanke von ihr war aufgriffen und  weiter getragen worden.

(~~~ soweit ein Textentwurf , der schon mehrere Wochen alt ist. ~~~)

.. ihr ist als wenn es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt…

Sie fühlte sich immer mehr eingeengt, wie in einem Gefängnis. Ihre Gedanken waren träge und auch ihr Geist war schläfrig. Wiederholungen! Immer und immer wieder der gleiche Ablauf, keine Aussichten wirklich etwas zu verändern.

Erschöpfend und kräftezehrend der Alltag, der doch nur daraus bestand zu überleben. Einen Sinn sah sie schon lange nicht mehr. So trieb sie dahin im grauen Einerlei der Tage.

… sich im allerkleinstem Kreise dreht, … , in der betäubt ein großer Wille steht…

Alles nutzt sich ab, verliert den Glanz, wird stumpf und alt, so auch sie.

War es nicht erst gestern, als sie dachte die Welt gehöre ihr?

Wo waren die Tage der Jugend, als ihre Zeit unendlich war und nichts sie aufhalten konnte?

Voller Lebensmut und Kraft, angefüllt mit Ideen und Plänen, — fröhlich singend!

… dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille …

Illusionen… allesamt zerstoben, zerrieben, verloren, …

Selten noch erreicht etwas ihren Geist, noch seltener  ihr Herz, verschüttet unter den Ruinen eines Lebens, das nicht das ihre war.

Eine harte, alte Frau ist sie geworden und nur noch sie selber weiß manchmal, wie das junge Mädchen war, das sie einst gewesen. Verbittert und mutlos ist sie geworden, hat sie doch ihre Kämpfe nicht gewonnen.

Rar geworden die Momente der Erinnerung an große Ziele und Ideale, sie ermüden sie noch mehr und lassen sie ohne Hoffnung zurück.

…und hört im Herzen auf zu sein!

Die Tristesse hat sie ganz eingehüllt und wird ihr Leichentuch sein.

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(Eines meiner Lieblingsdichte hat mich hier geleitet.)

Leben lernen?

Sie fragte schon die Mutter: „Wie lerne ich wie das Leben ist?“

„Das wirst du schon von selber lernen.“

Sie fragte die Großmutter: „Leben, kann ich bei Dir lernen, wie das geht?“

„Ach Kind, noch jeder hat sein Leben gelebt, sowas muß man nicht lernen.“

Uns so wurde sie dreißig und noch immer war diese Frage unbeantwortet geblieben.

Sie wurde vierzig und dann fünfzig, wurde selber oft um Rat gefragt und hatte doch keine Ahnung vom Leben, niemand hatte es sie gelehrt.

Noch mit siebzig, wenn sie klare Momente hatte, stellte sie die so wichtige Frage: „Wo kann ich lernen, wie man sein Leben richtig lebt?“

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Bis dann ein Fremder Ihr die Antwort gab: „DU hast dein Leben längst gelebt und wenn es nicht gut war, ist das dein Pech. Nun hör schon auf zu fragen, es ist eh zu spät!“

Frau sein

TEIL eins:

„Sei edel, hilfreich und gut…“

Das hat man mir ins Poesiealbum geschrieben… vor ewigen Zeiten.

Wie verträgt sich das mit meiner Wut? … mit meiner Frustration? … mit meiner Ungeduld?

Als Schreiberling denkt man, oder sollte es zumindest immer mal wieder versuchen. Ja, ich bemühe mich. Irgendwie komme ich immer schnell auf die Schwachstelle, den wunden Punkt oder auch das Wort des Anstoßes!

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Das ist auch ein Talent, nicht unbedingt macht es mich zur beliebtsten Person überhaupt, aber ich mag das. Immer gerade drauf zu und nicht gefackelt.

Nun läuft mir die Zeit immer schneller davon und ich hab immer weniger Lust mich zu plagen und zu mühen. Denn es ist anstrengend immer und überall gleich glasklar die Fehler zu sehen… und dann muß ich reagieren… also muß ich mich abmühen.

Nun frage ich mich immer öfter WOFÜR? und WARUM?

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TEIL zwei:

Ansprüche, ja, die gibt es viele, von außen, von den anderen.. von mir?

Die Ansprüche von den anderen Leuten erfülle ich nicht. PUNKT! Ja, das kann man sich einfach vornehmen und dann danach leben. Das ist so, wie ich das mache.

Meine eigenen Ansprüche an mich sind einfach, aber vielleicht gerade deshalb so schwer zu verwirklichen. Doch je älter ich werde, desto mehr Geduld habe ich mit mir und lebe friedlich mit meiner Unzulänglichkeit.

die Ferne ist in mir

Da trafen wir alten Schulfreundinnen uns nach so langen Jahren wieder einmal. Es war schon aufregend und ich fragte mich, was wohl aus den beiden anderen geworden sei.

Im ersten Moment war ich erschrocken, die Babsi erkannte ich nur an ihrer Stimme, ihr Gesicht war entstellt durch unzählige Operationen, die Margo war zwar sehr vertraut, aber sie war sehr alt geworden.

Wie die beiden anderen mich wohl sehen würden? Man selber schätzt sich ja meistens ganz anders ein, als es das Umfeld tut. Ich dachte, noch bin ich einigermaßen gut beieinander, zum Glück relativ gesund und auch einigermaßen fit.

Wir begrüßten uns herzlich und als wir dann gemütlich bei Kaffee und Kuchen saßen kam gleich ein Gespräch in Gang. Natürlich waren wir alle neugierig, zuerst fing Margo an zu erzählen. Sie hatte ja relativ früh geheiratet, das wußten wir ja noch. Bekam dann gleich ihren Sohn und war darüber sehr glücklich. Nach einigen Jahren begannen sie  ein Haus zu bauen, bis ein Unglück ihr ganzen Leben aus der Bahn warf. Mann und Sohn starben bei einem Autounfall, sie selber überlebte  schwer verletzt. Viele Operationen mußte sie durchstehen und auch ihre Seele hatte Schaden genommen. Sie hatte keinen Lebensmut mehr und wollte eigentlich nur sterben. Dazu kamen erdrückende Schulden.

Betroffen sahen wir sie an, das hatten wir nicht geahnt. Sie sagte, das sie jetzt nach so vielen Jahren fast ihren Frieden wieder gefunden hätte, wir sollten uns keine Sorgen machen. Heute habe sie ein kleines Geschäft für Handarbeiten und sein ganz zufrieden. Sie lebe in einer Wohngemeinschaft mit vier anderen Frauen. Dort sei sich sicher und fühle sich geborgen. Eine neue Liebe habe es aber nicht mehr gegeben in ihrem Leben.

Nach einer Weile fragte ich Babsi, wie es ihr ergangen wäre. Sie hatte studiert und schon während des Studiums ihren ersten Mann kennengelernt. Er war reich, erbte dann eine gutgehende Firma und sie lernte den Luxus kennen. Sie lebten wirklich gut, gehörten zu den Glücklichen, die sich fast alles leisten konnten, aber nach einigen Jahren kam es doch zur Trennung. Sie hatten sich nichts mehr zu sagen, blieben sich aber wohlgesonnen. Sie bekam eine großzügige Abfindung und konnte auch danach immer noch sehr gut leben.

Ihr zweiter Mann gehörte auch zu diesen Kreisen, er hatte eine Modefirma und legte sehr viel wert auf ihr Aussehen. Sie sei sein Aushängeschild sagte er immer. Er legte ihr nahe ihre Nase etwas korrigieren zu lassen, dann war es ihr Busen und später kamen immer mehr Operationen die sie machen ließ. Sie wollte ihren Mann nicht verlieren und so beugte sie sich seinen Wünschen. Das er sie allerdings vor einigen Jahren verließ, um mit einem jungen Model zu leben, hatte sie schwer getroffen. Geldsorgen hatte sie nicht, dafür hatte wieder eine große Abfindung gesorgt, aber sie hatte kaum noch Freude in ihrem Leben.

Dazu kamen Schmerzen und auch Komplikationen, die durch die vielen Operationen  entstanden waren. Sie war in ständiger Behandlung, aber es ging ihr nicht gut, auch zweifelte sie, ob sie das alles hätte mit  machen lassen sollen.. doch für diese Überlegungen war es leider zu spät.

Ich fragte ich, warum sie denn nicht einfach so geblieben sei, wirklich gutaussehend? In ihren Kreisen herrsche da ein anderes Ideal, sagte sie, welches sie allerdings heute auch nicht mehr verstehen könne. Am schlimmsten wären die Schmerzen, ihr waren Brustimplantate geplatzt und giftige Substanzen hatten sich in ihrem Körper eingelagert. Damit würd sie nun leben müssen.

Margo war, genau wie ich, doch sehr erschrocken, besonders als Babsi sagte, das sie wohl nicht mehr sehr lange leben würde, denn seit kurzen wußte sie, das sie auch unheilbar Krebs habe.

Wir saßen eine Weile stumm da, jede hing ihren Gedanken nach und ich dachte an unsere gemeinsame Jugendzeit, wie unbeschwert sie doch gewesen war. Drei gute Freundinnen, die viel Blödsinn gemacht und immer zusammengehalten hatten…

Als sie mich dann fragten, wie mein Leben gewesen sei, wußte ich zuerst nicht, wie ich beginnen sollte. Meinen Mann kannten sie ja fast genau so lange wie ich und meine Ehe hatte bis heute gehalten. Wir waren von schlimmen Schicksalsschlägen fast verschont geblieben und waren dafür sehr dankbar. Als ich allerdings erzählte, das ich schon ganz früh aus dem Beruf ausgestiegen sei… konnten die beiden das nicht verstehen. Geld sollte nicht so wichtig sein? fragten sie.

Ich bemühte mich zu erklären, was mir wirklich sinnvoll erschienen war und verschwieg auch nicht, wie schwer das oft gewesen war. Sie schüttelten den Kopf und verstanden es nicht. Ob ich denn viel herum gekommen sei, denn ich habe mich ja schon immer überall sofort zurecht gefunden. Auch das mußte ich verneinen, im Gegenteil ich bin ja nicht einmal im Urlaub gewesen in den letzten 35 Jahren.

Schnell merkte ich, das ließ sich nicht überbrücken, wir waren zu verschieden. Sicher jede bemühte sich und wir mochten uns, weil wir uns schon so lange kannten, aber eine gemeinsame Basis hatten wir nicht mehr.

Etwas wehmütig dachte ich auf dem Heimweg darüber nach. Mußte es aber so akzeptieren und hoffte, das wir uns beim nächsten Treffen in einem Jahr alle drei wieder sehen würden.

nix da!

***

Eigentlich habe ich immer gedacht,

ich würde später eine liebe, freundliche, alte Dame werden…

nun muß ich feststellen, daraus wird wohl nichts!

***

vollkommen

So bin ich im Laufe meines Lebens zum MomenteSammler geworden.

*

Als junger Mensch wollte ich nichts gelten lassen, was nicht perfekt ist. Das erwies sich als sehr schwierig, denn über kurz oder lang war es vorbei mit dem schönen Ideal. Enttäuschungen blieben nicht aus.

Nein, so wollte ich das alles nicht…

Ich trieb eine Weile ziellos durchs Leben, so ohne rechten Halt und Sinn, ja, es war mir nichts mehr wert.

Das Grau umhüllte mich und erstickte meine Gedanken.

 

Hin und wieder, ganz selten, stahl sich ein kurzer Moment zu mir, ein Wimpernschlag nur, aber er machte mich frei und meine Gedanken hell. Es gab es noch das Schöne, das, worüber ich mich freuen konnte, wundersamen Begebenheiten warteten auf mich.

Ich tauchte empor ins Helle und ich machte meinen Geist weit auf, nichts mehr wollte ich versäumen. Und da beschloß ich ein MomenteSammler zu werden. Seitdem reihe ich sie auf meine Gedankenkette und erfreue mich an ihnen, wann immer ich es möchte.

Sollte das Grau doch noch wieder versuchen mich einzuholen, hat es keine Chance, ich habe meine gesammelten, wunderbaren Momente, sie geben mir Kraft und Lebensfreude, sie strahlen hell und rein, sie sind eben vollkommen!

 

 

 

AltersWeisheit?

Zu so vielem möchte ich gern etwas sagen… mache den Mund auf… oder fange an zu schreiben… möchte mich ganz klar positionieren… ???

… UND …?

Schweige still! Immer öfter! Denke dann zwar weiter, äußere mich aber nicht mehr.

 

Früher, als ich jung war, hab ich immer sofort meine Meinug gesagt, habe mich eingesetzt und hab nie meinen Mund gehalten.

 

Ist das jetzt schon die Altersweisheit?

Oder habe ich einfach nur resigniert?

 

Ja, ein bißchen von beidem, aber ich glaube einfach ich bins müde geworden. So unendlich müde manchmal, das es mir zu anstrengend ist etwas zu sagen.

 

Werde ich auch das Denken irgendwann ganz aufgeben, weil es mir mühsam und lästig wird?

 

 

 

 

 

Wünsche & Erwartungen

Ja, wer kennt das nicht, man möchte zu und zu gerne… der eine will ein Haus,…  der andere viel Geld… oder Erfolg… oder Talent … oder einen Lebenspartner… oder….

Da machte sie keine Ausnahme, bei ihr war das ganz einfach, sie wollte immer ALLES!

Etwas halbes oder gar minderes, nein, daran hatte sie kein Interesse. Entweder alles oder eben nichts, ihre Erwartungen waren sehr hoch.

Manches Mal stand sie vor Entscheidungen: „…  bin ich damit schon zufrieden oder soll ich lieber warten, bis alles meinen Vorstellungen entspricht?“

Meistens wartete sie.

… und wartete…

… und plötzlich hatte sie fast ihr ganzes Leben nur gewartet, auf ein Ideal, das sie nie erleben würde. Sie begriff, das sie sich vielleicht doch auch mit etwas weniger zufrieden geben könnte…?

„Ab heute werde ich leben, ich werde es genießen mit all seinen Unvollkommenheiten und ich werde ganz viel Spaß dabei haben!“ Diesen Vorsatz faßte sie an ihrem 50 Geburtstag, den sie alleine mit einem Gläschen Sekt feierte.

Schon am nächsten Tag rief sie alte Schulfreunde an, die sie Jahrzehnte nicht gesehen hatte, sie organisierte ein Treffen. Es wurde sehr fröhlich, sie waren ausgelassen zusammen. Dann lud man sie ein, hier ein Geburtstag, da einen kleinen Ausflug, eine Verabredung zum Schwatzen…

Auch mit den Nachbarn kam sie in Kontakt und sie stellte fest, das die gar nicht so übel waren, nein, auch das waren ganz normale Menschen. Im Kollegenkreis bemerkte man, das sie offener und herzlicher war und so ergaben sich auch hier nette Kontakte. Eine Pizza in großer Runde nach Feierabend, ein freundliches Gespräch in der Pause

Sie kam unter die Leute, wie sie sagte und sie begann zu Leben, nix aufregendes, aber das hatte sie ja vorher gewußt. Erstaunlicherweise fand sie gefallen an diesen kleinen Alltäglichkeiten. Jeder Tag war auf einmal angefüllt mit Terminen und Begegnungen, ja sie freute sich schon morgens wenn sie aufstand. Die einsame Zeit lag hinter ihr, ihr Leben hatte endlich begonnen.

Ein Café Besuch mit Freundinnen, einen Einkaufsbummel, einen Kinobesuch mit Freunden… sie wurde gesellig und das gefiel ihr immer besser.

Ihren nächsten Geburtstag feierte sie in einer großen Runde, Freunde, Nachbarn, einige Kollegen… ihre einsamen Zeiten waren endgültig vorbei.

„Ich bin ein Mensch wie alle anderen auch, habe meine Schwächen, habe meine Stärken und ich bin so froh, das ich mich noch rechtzeitig besonnen habe!“ das waren ihre Gedanken, als sie abends zufrieden einschlief.

Verluste

Vierundfünfzig! Immerhin!

Tja, für jemanden der vor kurzem noch dachte, ich will kein 20 werden, ist das schon mal was. Obs gut oder schlecht ist? Ich weiß es nicht.

Gut, das ich so einigermaßen gesund bis dahin gekommen bin. Na gut, nicht ganz aber immer noch besser dran als viele Altersgenossen.

Sehr gut, die lange Partnerschaft die ich leben darf, die Zweisamkeit

Schlecht, weil ich merke, wie jetzt das Alter immer mehr nach mir greift und ich meine Begeisterung, meinen Überschwang, meine kindliche Freude verloren habe.

DAS ist dann wohl alt!

Nicht die Falten oder das Gewicht, welches ich mehr mitschleppe, sondern einfach der Mangel an Enthusiasmus macht das Alter aus.

Noch nicht lang ists her, da konnte ich mich so richtig begeistern und von Herzen freuen, doch das hab ich in den letzten Jahren verloren. Wo eigentlich? Wo hab ich meine Lebensfreude verloren?

War es bei den immer wiederkehrenden Greulnachrichten, die aus aller Welt auf mich einstürmen?

War es, als ich immer und immer wieder hingesehen und mitgelitten habe mit all den Tieren?

War es, weil ich machtlos zusehen muß wie die Gier die schöne Mutter Erde immer mehr zerstört?

Oder war es, als ich begriffen habe, das der Mensch, meine Mitmenschen, nicht mal Mitleid mit der eigenen Art empfinden.

So sitze ich nun da, bar aller Illusionen und sehe in den grauen Tag hinaus. Der Wind heult im Kamin, der Regen fällt, trübe, dunkle Stimmung nicht nur draußen.

Die Stimmung in mir ist viel bedrückender. Macht die Glieder schwer und den Geist träge und hoffnungslos.

Vierundfünfzig! Immerhin!

Was habe ich erreicht?

NICHTS!

Mit einem Wort kann  ich das beantworten. Meine Ideale sind irgendwo in den Zeitfalten meines Lebens hängen geblieben. Manchmal vermisse ich sie, meistens merke ich nicht mal, das sie nicht mehr da sind.

Geht das Menschen mit hohen Idealen so, wenn sie merken, das sie gescheitert sind? Alles oder nichts? Keine Kompromisse? Kein sich selber was vormachen?

Was bleibt also?

 

Ich wechsel die Brille und kann jetzt sehen, wieviele Vögel auch in diesem Jahr in unsere Futterhäuser kommen. Ein reger Flugverkehr ist da vor meinem Fenster. Ganz viel Leben…

Die verschiedenen kleinen Singvögel, die Spatzen und auch die Fasanen sind wieder da, und auch einige Tauben haben sich eingefunden.

Sie lassen sich vom stürmischen Wind treiben, haben aber trotz grauer Wolken und Regen Hunger und besuchen uns. Da kommen auch die windzerzausten Hühner und scharren unter den Futterhäusern, es fällt immer etwas ab für sie.

Auf der Fensterbank sitzen zwei der Katzen und sehen zu. Katzenfernsehen! Je nach Temperament, etwas ruhiger oder aufgeregt schnatternd.

Umringt von den Tieren, drinnen, aber auch draußen fühle ich, wie reich ich doch bin. Wird mir bewußt, das DANKBARKEIT jetzt zu meinen Leben gehört.

Wird sie mich über die nächsten Jahre tragen?

Der Weg

„Was machen Sie denn mit meinen Sachen? Wohin gehen Sie…?“ rief sie empört. Doch der Mann ging einfach an ihr vorbei und ließ sie wortlos zurück.

Aus der Küche erklang ein lautes Klirren, „…hört sich nach meinen Tassen an!“ dachte sie und lief sofort los.

Richtig, der Boden war bedeckt mit Geschirr, Töpfen, Besteckteilen und auch ihre teuren Sammeltassen lagen zerschlagen dort.  Fassungslos blickte sie auf dieses Chaos.

„Hören Sie sofort damit auf!“ schrie sie den Mann an. „Was fällt Ihnen ein, meine ganze Küche zu verwüsten?“ Sie wollte ihn am Arm fassen, denn er riß jetzt einen Oberschrank von der Wand, doch sie griff ins Leere.

Sie konnte es nicht verstehen und stellte sich ihm in den Weg. Er sah durch sie hindurch, ja, er trat die Rückwand aus dem Schrank und trat dabei durch ihr Bein.

Sie konnte es nicht fassen, was geschah nur hier und was war mit ihr passiert? Entsetzt und erschrocken wich sie zurück in Richtung Wohnzimmer. Die Tränen liefen über ihr Gesicht und sie sank auf das alte Sofa. Eine Hundeschnauze stieß sie an und sie streichelte automatisch den Kopf…

„Benji!“ rief sie… „mein Gott Benji, wie ist das möglich?“

Der Hund stand wedelnd neben ihr, groß stark und gesund, so wie in seinen besten Jahren. Sie stutzte, das konnte doch nicht wahr sein?

Aus dem Flur erklang eine Männerstimme: „Wie lange brauchst du noch in der Küche? Ich könnte deine Hilfe gleich bei dem großem Schrank gebrauchen. Den müssen wir vors Haus bringen, der wird bald abgeholt.“

Schnell sprang sie auf und lief auf den Mann zu. Der hatte schon wieder beide Arme voller Sachen, die er rausbrachte. „Lassen Sie meine Sachen in Ruhe, ich verbiete ihnen….“ rief sie nachdem sie ihre Kleidung erkannt hatte und wollte ihn vergeblich festhalten. Auch durch ihn griff sie hindurch. Er sah sie nicht an und ging einfach weiter.

Das alles machte ihr Angst und  sie ging zurück ins Wohnzimmer. Benji stand dort, wartete auf sie und leckte ihre Hand, so als wenn er ihr Mut machen wollte.

Als sie wieder saß und sich genauer umschaute, fielen ihr jetzt die leeren Regale auf, die Schränke die offen standen und ebenfalls leer waren. In einer Ecke türmten sich Papiere, zerfledderte Bücher, Kissen und andere Dinge.

Ganz verzweifelt schluchzte sie auf, es war einfach unbegreiflich, was geschah hier nur? Ermüdet legte sie den Kopf an die Lehne, sie war immer so müde in der letzten Zeit, der Hund hatte sich dicht neben sie gelegt…

Es war dunkel und still als sie wieder zu sich kam. Benjis Kopf lag immer noch auf ihren Beinen und sie streichelte ihn.
„Mein Junge, mein guter Junge…“, murmelte sie. Ja, sie fühlte sich besser als seit langem, hatte wieder neue Kräfte, das spürte sie gleich.

Sie schaute in die Küche, in ihr Schlafzimmer, fast alle Möbel waren weg. Die  Bücher, ihre geliebten Sammlerbären, die Bilder, all die Kleinigkeiten die sie so mochte, alles verschwunden. Der Hund blieb an ihrer Seite, als wenn er sie beschützen wollte.

Immer wieder schüttelte sie verwirrt den Kopf, sie versuchte zu überlegen was gesehen war, aber die letzte Zeit war nur sehr verschwommen in ihrem Gedächtnis. Da war ein fremdes Bett, in dem sie lag, große Schmerzen die sie unablässig quälten und… ja, mehr erinnerte sie nicht. Wie durch eine Milchglasscheibe sah sie einige Menschen um sich — und dann nichts mehr.

Sie schritt nach draußen, und bemerkte erst hinterher, das sie und der Hund durch die großen Glasscheiben geglitten waren, ohne diese erst zu öffnen.

Sie wunderte sich nur kurz darüber, denn sie spürte eine Bewegung an ihrem Bein, sah hinunter und erkannte Mischa, ihren ersten Kater. Schnell bückte sie sich und streichelte ihn, als auch Minka auf einmal neben ihr war. Auch diese beiden waren gesund und sahen ganz jung aus.

Wie konnte das nur  sein, genau erinnerte sie sich an die schweren Gänge mit den Tieren, wenn sie alt und krank schließlich eingeschläfert werden mußten, aber das war viele Jahrzehnte her… und nun waren sie hier?

Lange Zeit zum überlegen blieb ihr nicht, denn plötzlich tauchten von überall Tiere auf, ihre Tiere wie sie sofort sah. Es waren hunderte, Katzen, Hunde, Vögel, Kaninchen, und andere, sie wußte sofort all ihre Namen wieder, ihre Geschichten und konnte sich an jeden einzelnen erinnern.

„Schneeweißchen, Knickelchen, Friedel… mein Gott, wie hab ich euch alle vermißt… Laura, Mirka… meine Lieben… und du Tom-Tom und Pupadu… “

Lächelnd saß sie auf der Wiese, umringt von den Tieren, die sie so geliebt hatte. Sie alle waren jung, gesund und sahen wunderschön aus. Viele von ihnen hatten Male von Mißhandlungen, Verkrüppelungen oder andere Krankheitszeichen früher gehabt, all das war  verschwunden. Ja, jetzt verstand sie es und erschrak im ersten Moment, dann aber war es gut so, und sie nickte wie zur Bestätigung.

Der Mond kam hinter einem Wolkenberg hervor und ein heller Weg aus Mondenstrahlen leuchtete vor ihr auf. Benji und auch die anderen Tiere standen auf und langsam gingen sie ins Helle.

Inmitten der Schar war sie, ganz selbstverständlich, ohne jedes Zögern,  höher und höher
hinauf, noch einmal warf sie einen Blick auf ihr Häuschen, schon war es nicht mehr wichtig.

Vorbei an den Sternen und durch die Wolken, sie sah Menschen und Tiere und grüßte und winkte ihnen zu. Doch sie gingen immer weiter, bis sie in einem Tal ankamen, dort wurden sie von noch mehr Tieren und einigen wenigen Menschen erwartet.

Froh und laut lachend begrüßte sie alle und…