…und da draußen… da tobt das Leben?

So saß sie nun auf der Couch, gegenüber vom Fenster, da saß sie nun schon einige Wochen. Nein, besser wir rechnen in Monaten! Die Zeit, ein stetiger Fluß, der draußen vorbei zog, da wo sie nicht mehr mit konnte… da wo sie auch so gerne dabei wäre… wenn da nicht…

Der Sommer war saftig grün vorm Fenster, die Bäume im vollen Laub. Vogelgesang! Die Sonne schien nachmittags herein… und sie saß geblendet auf der Couch. Dachte nach, haderte, träumte wenig, war oft traurig und manchmal, ganz selten, ein kleines bißchen glücklich.

Sie saß auf der Couch und wünschte sich so sehr endlich wieder … verzagte immer mehr, verzweifelte und die hellen Sonnentage erscheinen ihr gar nicht so strahlend. Die Schalusie ließ sie runter um all das schöne, strahlende, lebendige nicht sehen zu müssen.

..und fiel!

..und fiel… und nirgendwo ein Halt!

..und nirgendwo ein sicherer Boden!

Noch immer saß sie auf der Couch, inzwischen färbten sich die Blätter, nur unterbrochen von kurzen Alltäglichkeiten,  eingehüllt in dunkelgraue Watte. Eine tiefe Traurigkeit hielt sie umfangen.

Selbst der Herbst war in diesem Jahr nicht golden, so paßte er gut zu ihrer Seelenlage, trist, hoffnungslos, ohne ein Fünkchen Leichtigkeit.

Sie saß auf der Couch, sah in das wilde Herbstgestöber, hörte dem Wind zu der die nassen, braunen Blätter uns Haus wirbelte, sah Regentropfen  die Scheibe entlang laufen.. und fühlte nichts außer einer großen Leere.

… und WO war sie?

…und WER war sie… früher gewesen?

…wie hatte sie sich nur so verlieren können?

Sie saß auf der Couch, fühlte nur kalte Trauer, hatte sich selbst verloren, hatte kein Ziel mehr, keinen LebensMut.

Die Blätter von den Bäumen vorm Fenster waren inzwischen alle abgefallen, bedeckten als brauner, naßer Teppich die Erde, kein grün mehr, keine Vogelstimmen, es war Winter geworden.

Sie aber saß noch immer auf der Couch, schaute blicklos ins grau, aber langsam wurde ihr klar, daß nur sie den Kokon aus Starre, Mutlosigkeit, Schmerzen, Angst und Wut aufbrechen könnte.

Das allerdings würde ein langer Weg, nicht so einfach den versteinerten Panzer zu sprengen, den Kopf wieder frei zu bekommen  von all dem dunklen Gewölk, Schmerzen, immer noch… aber da.. ein Fünkchen Zuversicht?

..und sie versuchte…

… versuchte zu lächeln..

… wollte wieder einmal herzlich lachen!

Die Weihnachtszeit nahte, sie saß auf der Couch, dunkel wars draußen nun jeden Tag, die Nächte lang, aber in der Wohnstube, da brannten die Kerzen, da war es warm und gemütlich.

Zaghaft kam Vorfreude auf, erwärmte sie von innen und sie schüttelte die Erstarrung ab. Schmückte das Zimmer und fand ihre staunenden Kinderaugen wieder. Wußte auf einmal, das es Wunder gab, das sie wahr werden könnten… fühlte das Leben wieder … und zwar aufregend und wunderbar tief drinnen in ihr selbst.

Sie saß auf der Couch, übte das Lachen, versuchte sich an die Leichtigkeit des Lebens zu erinnern, kramt nach schönen Erinnerungen… war endlich wieder auf dem Weg.

Der Tag kam, an dem sie einfach aufstand und wieder in ihr Leben zurück ging.

 

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am sechsten Tag

Tag sieben

Am siebten Tag sollst du ruhen!

… und so lehnte sie sich zurück, nahm ein Schlückchen Tee und lächelte entspannt.

*

Tag sechs

„Ich möchte einen Unfall melden…. Ja, mir ist ein Mann vor den Wagen gelaufen…. nein, er bewegt sich nicht, ich weiß nicht, ich glaube er ist tot?…“

.

einige Minuten früher:

Da war er ja wieder, sie faßte das Lenkrad fester, ihre Knöchel traten weiß hervor. Sie trat auf die Bremse. Er stand mitten auf der  kleinen Straße, hatte wieder auf sie gewartet, drehte sich um und sah sie höhnisch an. “ Du Schlampe“, rief er. „… warte, bis ich dich da raushole…“

Sie trat das Gas bis zum Anschlag durch, der Motor heulte auf und der Wagen machte einen Satz nach vorn. Seine angstvoll aufgerissenen Augen sah sie noch, dann hatte sie ihn voll erwischt. Hörte seinen Schrei, der abrupt abbrach…

Nein, sie bremste nicht, sondern gab weiter Vollgas,  der Wagen drohte auszubrechen und sie kam erst an der nächsten Querstraße zum Stehen. Sie atmete aus, merkte erst jetzt, daß sie, seitdem der Wagen  ihn übergerollt hatte, sie die ganze Zeit die Luft angehalten hatte. Ihre verkrampften Hände wollten das Lenkrad nicht loslassen und sie saß eine oder zwei Minuten einfach nur da und versuchte wieder ruhig zu werden.

Da sah sie im Rückspiegel, das er sich taumelnd auf sie zu bewegte. Der Schreck lähmte sie nur eine Millisekunde, sie rammte den ersten Gang ein, fuhr an, drehte und rast mit großer Geschwindigkeit auf ihn zu. Er versuchte noch zu entkommen und sie sah seine Panik, zu spät! Schon hatte sie ihn ein zweites Mal überrollt. Sofort hielt sie an, nahm das große Messer  vom Beifahrersitz und sprang auf die Straße. Da lag er, rührte sich nicht mehr, Arme und Beine seltsam verdreht, in einer größer werden Blutlache die  in den Rinnstein rann.

Vorsichtig ging sie näher, er atmete noch und er erkannte sie. Doch nur noch wenige Atemzüge, dann war Ruhe. Noch wartete sie einen Moment, stieß ihn dann mit der Fußspitze an, nein, er rühte sich nicht mehr. Er war tot!

Sie sah die Straße rauf und runter, doch  um 4 Uhr war kein Mensch unterwegs und in den beiden Häusern da hinten war kein Licht angegangen, keiner hatte etwas gesehen oder gehört!

Das große Messer legte sie unter den Sitz, nahm ihr Handy aus der Jackentasche und rief die Polizei.

*

Tag fünf

Sie hatte Magenschmerzen, ihr war übel und am liebsten hätte sie alles hin geschmissen. Gleich mußte sie wieder ihre Tour fahren und die TodesAngst war zu ihrem Begleiter geworden. Er würde wieder auf sie warten, ob sie ihm noch einmal entkommen könnte? Fieberhaft überlegte sie, welchen Weg sie heute nehmen könnte, damit sie der Gefahr entgehen würde.

Sie zitterte unkontrolliert, aber es half nichts, sie mußte los. Es ging um Leben oder Tot. „Er oder ich“….dachte sie.

In dieser Nacht hatte sie Glück, eine Familie verstaute Koffer im Auto, sie liefen hin und her ins Haus, sie hörte fröhliche Stimmen, die fuhren in Urlaub.

Da hinten stand er halb verdeckt hinter Büschen und lauerte… doch heute konnte er ihr nichts anhaben. Für diese Nacht war sie gerettet.

*

Tag vier

Heute kam sie eine Stunde später als normal und aus der anderen Richtung, doch sah sie ihn schon von weitem. Er stand halb verborgen hinter dem Gebüsch und beobachte die Straße. Er wartete, er würde sie fertig machen… WAS würde er mit ihre machen? Die Angst schnürte ihr den Atem ab und sie fühlte sich schwach und schwindelig.

Sie bremste, verriegelte den Wagen und fuhr langsam weiter, da hatte er sie auch schon gesehen. Er schrie, sie verstand es nicht, sah nur noch wir er eine Eisenstange schwang und auf ihre Motorhaube drosch.

Irgendwie kam sie vorbei. Naßgeschwitzt saß sie später lange vor der Bäckerei in ihrem Auto. Tränen liefen über ihr Gesicht und sie hatte nicht die Kraft aufzusteigen. Menschen gingen vorbei, holten ihre Morgenbrötchen. Am liebsten hätte sie jemand angesprochen  und um Hilfe gebeten.

Doch sie wußte , niemand würde ihr helfen können… ihre Lage war verzweifelt und hoffnungslos!

*

Tag drei

Heute Nacht würde sie den Wagen nehmen und versuchen zu überleben.

Sollte sie sich einfach krank scheiben lassen, wäre das die Lösung? Doch sie ahnte, daß es nur ein Aufschub wäre, denn er würde nicht aufgeben. So ging sie auf ihre Tour, die Angst fuhr mit und sie fuhr dieses bestimmte Stadtviertel erst ganz zum Schluß an.

Immer wieder schaute sie sich um, erwartet ihn zu sehen, und richtig, wieder war er dort in der Nähe vom Friedhof. Zuerst hatte er sie in ihrem Wagen nicht erkannt, doch leider kam sie nicht unbemerkt vorbei. Er stand mitten auf der Straße und zwang sie zu bremsen. Er versuchte die Tür zu öffnen, doch die Verriegelung hielt. Er nahm einen Stein auf und schlug auf die Frontscheibe ein. Er schrie sie an und sie hatte Angst wir noch nie in ihrem Leben. Was hatte sie ihm getan, sie kannte den Mann doch gar nicht?

Sie gab Gas und fuhr los, er sprang gerade noch zur Seite und rief ihr Unflätigkeiten hinterher.

Später hielt sie an und konnte sich kaum wieder beruhigen, sie zitterte am ganzen Körper, so stark, das ihre Zähne aufeinander schlugen. Was sollte sie nur tun?

*

Tag zwei

Angstvoll sah sie um die Hausecke, sah die dunkle Straße runter … atmete auf und dachte: “ Er ist nicht da… ich hab mich umsonst geängstigt!“ Erleichtert machte sie sich wieder auf den Weg.

Als sie am Friedhof fast vorbei war, wurde sie vom Rad gerissen. Sie schrie und schlug hart auf den Asphalt auf. Schmerzen  schoßen durch ihr rechtes Knie und den linken Arm.

Sie versuchte sich aufzurichten, doch schon war er da und schlug ihr ins Gesicht.  Irgendwie bekam sie den Elektroschocker aus der Tasche…… „wie geht der an?“ sie fummelte panisch an den kleinen Schaltern, da traf sie ein weiterer Schlag. Ihre Lippe platze auf, blutete und tat unerträglich weh… sie stöhnte auf.

Da, der knisternde Lichtbogen!  Er sah es zu spät und sie drückte den Schocker an seinen Brustkasten und hörte nicht auf. Er zuckte  und schrie und zuckte weiter, aber sie ließ dem Schalten nicht los und so floßen 38o ooo Volt durch seinen Körper.

Sie flüchtete, ließ ihn liegen…

Weg … nur weg !

*

Tag eins 

Wie immer war sie mit dem Rad unterwegs , es war mitten in der Nacht, die Straßen ruhig und sie dachte über einige Dinge nach. Die Luft war angenehm kühl und so fiel es ihr leicht ihre Tour zu fahren.

In Gedanken war sie schon bei dem kommenden Tag, hatte einiges zu erledigen  und plante wie sie alles schaffen könnte.

Nur noch eine viertel Stunde, dann wäre sie hier für heute auch fertig, dann noch die andere, kleinere Runde und…

Ein Krachen von Ästen, aus dem Gebüsch am Friedhof sprang  jemand. Sie erschrak sehr!

Schon wurde ihr Rad festgehalten und sie konnte nicht weiter. Der Ruck brachte sie zu Fall. Hilflos lag sie hab unter ihrem Rad und sah einen Mann auf sich zukommen. Sie bekam Angst.

„Na, du Schlampe…“ erschrocken sah sie ihn an, ein ihr vollkommen Unbekannter beschimpfte sie?

Ihr Bein lag verdreht unter dem Rad und sie kam einfach nicht wieder hoch. Er griff in ihre Haare und schlug ihr ins Gesicht. Es tat sehr weh und sie konnte sich nicht wehren, er riß  weiter an ihren langen Haaren, „Steh auf!“

Ein Tritt in ihre Rippen, ein weiter Schlag ins Gesicht, sie hatte TodesAngst.

Sie bekam das große Messer, das  immer am Lenkrad hing, zu fassen und hieb nach ihm. Ja, sie hatte ihn irgendwo erwischt, er schrie auf, ließ ihre Haare los und sie rappelte sich hoch. Er fluchte und hielt sich den Arm, sie versuchte ihr Rad aufzurichten, doch da er packte sie schon wieder. Sie stieß erneut mit dem Messer zu und rammte es in seine Hand. Schreiend ließ er sie los.

Sie rannte und rannte und sprang dann aufs Rad und fuhr um ihr Leben. „Das wirst du büßen du Schlampe, ich mache dich fertig!!!“

.

Noch Stunden später, als sie längst in der Sicherheit ihres Heims war, konnte sie sich nicht beruhigen. Unfaßbar das Ganze! Ein Mann hatte versucht, .. ja, was hatte er versucht? Wollte er sie vergewaltigen, wollte er sie töten?

Immer wieder drehte sich das GandankenKarsusell und sie kam einfach zu keiner Lösung. Die Polizei? Was konnte sie denen sagen, sie wußte nicht mal wie der aussah.

Wer würde ihr helfen? Verzweifelt saß sie da… und hatte Angst vor der nächsten Nacht.

…Relikt

Die Sonne ging an diesem Morgen hinter den Nebeln auf. Nur ein ganz leichter Schein, ein wenig rosa, ein kleines bißchen rötlich, sie konnte es mehr ahnen, als das sie es sah.

Sie setzte sich in ihren Wagen, Musik kam aus dem Radio und fuhr in den Nebel. Die Straße wurde fast ganz verschluckt und die umgebende Landschaft schien ganz weg zu sein.  Hin und wieder ein leichter Schatten, das war einer der großen alten Bäumen  in der Allee.

Sehr vorsichtig fuhr sie und versuchte nicht die Orientierung zu verlieren. Mußte sie denn nicht längst an der Kreuzung sein?  Da wollte sie abbiegen um in die kleinen Feldwege zu kommen,  von dort hatte man freie Sicht und konnte in Ruhe fotografieren. Schon oft war sie dort gewesen.

Sie war wieder einmal auf der Jagd nach dem Sonnenaufgang, das liebte sie und versäumte ihn fast nie. Die Kamera lag griffbereit auf dem Sitz und sie hatte ihr Fenster heruntergekurbelt.

Plötzlich wurde die Straße uneben und sie rumpelte in Schlaglöcher. Das konnte doch nicht sein, sie war ja nirgendwo abgebogen. Sie versuchte zu erkennen, wo sie  war.

Weißer, milchiger Nebel, der immer dichter wurde, hatte sie eingeschlossen und als sie anhielt und ausstieg fühlte er sich feucht und kalt an. Verwirrt versuchte sie einen Anhaltspunkt zu finden, doch da war einfach nichts.

Zögernd ging sie einige Schritte, das war keine Straße, soviel konnte sie spüren, aber wo war sie nur? Schon konnte sie kaum noch die Scheinwerfer ihres  Wagens sehen, der Nebel umschloß sie immer dichter.

Ein unangenehmes Gefühl der Angst beschlich sie und sie stolperte zurück zum Auto in die vermeintliche Sicherheit. Ihr Herz schlug bis zum Hals und sie fühlte sich verloren und einsam, sie versuchte nicht die Fassung zu verlieren. Das Fenster kurbelte sie hoch, denn  nun kroch der Nebel sogar ins innere ihres Wagens und nahm ihr den Atem. Das Radio war verstummt, aber sie bemerkte es nicht.

Er würde sich auch wieder heben und dann könnte sie sehen wohin sie geraten war! Ja, dieser Gedanke beruhigte sie etwas.

Sie mußte wohl eingeschlafen sein, als sie erwachte saß sie immer noch hinter dem Steuer, der Nebel schien noch dicker geworden zu sein, kein Lichtschein, nur milchiges, undurchdringliches  Weiß um sie herum… und STILLE! Die Angst kroch in ihr hoch.

Die Türe konnte sie nur mit Mühe ein Stückchen aufdrücken, es schien, als wenn der Nebel sie eingesperrt hatte. Lange saß sie einfach nur da und sah in die wallenden Nebelschwaden.

Was sollte sie tun? Weiterfahren? Warten?

Der Motor ließ sich nicht starten, so blieb ihr nichts als warten. Die Uhr am Armaturenbrett zeigte keine Zeit an und auch ihre Armbanduhr war stehen geblieben. So wußte sie nicht wie lange sie schon hier war, sie hatte jegliches Gefühl für Zeit und Raum verloren, nur die Angst , die hatte zugenommen. Die STILLE erdrückte sie und schnitt alle Gedanken ab.

Viel später wurden die Nebelschwaden etwas lichter…  sie meinte auch schon wieder Bäume zu sehen. Doch dann erkannte sie, daß das hohe Felsen waren, scharfkantige, schroffe Felsen.

Nun brach die Panik los —  und sie schrie, doch selbst ihre Schreie klangen gedämpft und hohl und machten ihr noch mehr Angst. Die STILLE war undurchdringlich!

Die Erkenntnis, daß sie sich nicht mehr in ihrer gewohnten Umgebung befand, sondern in einer unwirklichen Gegend raubte ihr den Atem. Als sie die Türe endlich öffnen konnte stürzte sie ins bodenlose…

.

…  als ihre Leiche nach vielen  Jahren vom Eis wieder freigegeben wurde,  gab es keine Menschen mehr auf diesem Planeten die sie hätten finden können.

.

012

…also bin ich!

Hm… ja, ja… schon gut!

Ich geb ja zu,  wer schreibt der ist… und wer fotografiert dokumentiert sein Dasein.

Hmmm…? und nun?

***

Unbegreiflich, wenn Leute nichts zu sagen haben, wenn sie keine Geschichten erzählen wollen/können…? WIE geht denn das?

Ich hab immer was zu reden mit mir und das innere ICH erzählt mir die tollsten Dinge. Wie sollte mein Leben wohl OHNE WORTE aussehen?

***

Unverständlich, wenn Leute nicht ihr Leben, ihre Umgebung ablichten wollen, einfach um zu bewahren was gerade ist. Wie sollte das gehen?

Ich seh so viel und ich möchte das aufbewahren und ich fotografiere fast ALLES! Wie sollte mein Leben wohl OHNE BILDER sein?

***

Unsäglich die Angst all das zu verlieren, wie sollte ich leben OHNE meine Worte und Bilder? Unsäglich die Angst vor dem unwillentlichen Vergeßen.

***

Der Versuch meine Realität/mein Leben zu bewahren, wenn das AltersDunkel mich zu verschlingen droht.

Der Versuch meine jetzt gelebte Vergangenheit ins Morgen mitzunehmen…

*

016

 

(dieser Text ist schon vor Wochen geschrieben worden.. und erst heute wußte ich, daß er meine Angst vor  Demenz und Alzheimer beschreibt und ich konnte endlich die Schlußsätze finden )

wenn…

Ja, wenn da nicht immer wieder, so ganz tief innen drin, so eine Unrast, man könnte es auch Unzufriedenheit nennen, zu spüren wäre. Nicht das sie an nichts anderes denken würde, aber so eine latente Unruhe sitzt da irgendwo in ihr.

Sie weiß es selbst in ihren besten Momenten. So manche Stunde sitzt sie einfach nur da, horcht in sich hinein, guckt aus dem Fenster, sagt nichts, denkt sich was und übt sich in Gelassenheit.

Was da wohl noch auf sie wartet, und wann wird es sie übernehmen? Kein angenehmer Gedanke, vielleicht sogar etwas beänstigend, aber sie ist sich sicher, das es irgendwann soweit sein wird.

All die Abgeklärtheit und das was sie der Welt von sich zeigt wird einfach zerbröseln und abfallen. Zurück wird nur SIE bleiben, ohne Panzer.

Schon einmal dachte sie, das sie die Lösung gefunden hätte, einfach ganz gut sein, immer nur positiv und hilfreich, doch schon bald wußte sie, das ist nicht der Weg.

Wieder sitzt sie da und horcht, tief drinnen, da rührt sich die Unzufriedenheit, sie will nicht mehr eingesperrt sein, sie will raus, sie will alles zerstören… erst dann wäre sie zufrieden.

Gerade heute ist sie kurz davor zu kapitulieren, es wäre so leicht, doch was bliebe ihr dann?

Ein mir wichtige Geschichte…

… bringe ich auch noch hierher–

—–

Niemand hatte damit gerechnet…

.

— das sie ihre Drohung wirklich wahr machen würde.

Sie lebte nur für den Moment der Rache, des Triumphes den man ihr nicht zutraute.

Zäh verfolgte sie ihre Ziele, Geld und Einfluß… keine Arbeit war zu schwer, fast nichts war ihr unmöglich…

Ja, einige wenige Männer gehörten auch zu ihren Plänen. Geliebt hatte sie keinen, nur ihre Macht und ihre Position, ihr Geld. Aber Männer sind so simple Wesen, so leicht zu durchschauen, zu sehr ihren Trieben verhaftet… es war so leicht, das sie lachen mußte sobald sie an diese Männer dachte, die sie verachtete.

Von Bedeutung waren sie nie, aber sie gehörten eben dazu. Wenn sie so zurückdachte, hatten ihr Menschen seit jenen Vorfällen nichts mehr bedeutet. So eine Art Mauer hatte sich um ihr Herz gelegt, ja sie wußte es wohl. Aber ohne diesen Schutzwall hätte sie nicht überleben können.

Auch heute noch, so viele Jahre später, hatte sie nichts vergessen. Nicht die brutalen Mißhandlungen, die sie als Kind erleiden mußte, nicht die erzwungenen Übergriffe… die sie für ihr ganzes Leben geprägt hatten.

Nein, sie vergaß nichts. Vergaß vor allem nicht, das man ihr jede Hilfe verweigert hatte.  Nicht die Eltern hatten sie beschützt, schon gar nicht die Lehrer in der Schule, kein Nachbar oder sonst ein Mensch. Sie hatte all das über viele Jahre irgendwie überlebt, schwer traumatisiert und fast untauglich fürs Leben.

Wenn da nicht der Haß gewesen wäre. Dieser hatte sie am Leben erhalten,  hatte ihr immer wieder die Kraft gegeben um weiteratmen zu können. Der Haß, der es ihrer geschundenen Kinderseele ermöglicht hatte durchzuhalten.

Zäh hatte sie sich an ihre Zukunft geklammert, an die Vorstellung, was sie machen würde, wenn sie erst den Mut dazu hätte.

Heute nun ging es ihr gut, soweit es einem Menschen mit ihrer Vergangenheit gutgehen konnte. Doch immer noch wachte sie in den Nächten schweißnaß und laut schreiend auf. Weinte all die Tränen in den Albträumen, die sie sich tagsüber nicht gestattete.

Lange hatte sie überlegt, wie Rache aussieht. Die Frage, ob sie ihr überhaupt Genugtuung bringen würde, hatte sie auch erwogen.

Ja, sie hatte sehr lange überlegt, denn es würde sehr schwer werden, wenn sie erst einmal begonnen hätte.

Und dann kaufte sie sich einen Laptop, ließ sich zeigen wie man damit umgehen muß und wie man damit öffentlich schreiben kann…

Und damit begann sie ihre Rache. Jetzt arbeitete sie jedes Unrecht auf, Tag für Tag, Woche für Woche. Kaum gönnte sie sich Pausen, getrieben von all dem Grauen das ihr widerfahren war.

Zu Beginn schrieb sie unbemerkt, doch täglich lasen mehr Menschen ihren Lebensbericht. Und weiter schrieb sie sich das Leid und die Verzweifelung von der Seele.

Sie nannte jeden beim Namen, nannte Taten, nannte Zeiten und Orte.

Ein Reporter wurde auf sie aufmerksam. Er fing an nachzuforschen und konnte all ihre Angaben ohne Probleme überprüfen. Ihre früheren Peiniger lebten ihr „unbescholtenes“ Leben, gutbürgerlich und angesehen.

Da sie ihren Namen nicht benutze, sondern anonym schrieb, dauerte es lange, bis er sie fand. Aber da hatte sie sich all das Böse schon vom Herzen geschrieben, da fing sie langsam an wieder freier zu atmen und konnte sogar schon hin und wieder ohne Albträume schlafen.

Und ja, nun brach ein Damm, noch viele Menschen meldeten sich zu Wort. Das Schweigen war gebrochen, viele faßten neuen Lebensmut. Ungeheuerliches wurde endlich publik.

In ihr wuchs das Bewußtsein, das diese Art der Rache sie wirklich befriedigte und befreite.

Sie las von einem Selbstmord: einer der Peiniger war von eigener Hand einen feigen Tod gestorben. Doch das war nicht ihr Ziel. Vielmehr wollte sie, das diese Männer öffentlich zur Verantwortung gezogen, das sie für ihre Taten geächtet würden.

Ehen zerbrachen, als Frauen erfuhren mit welchen Bestien sie verheiratet waren.

Geschäfte  mußten schließen, denn niemand wollte dort mehr kaufen.

Karrieren endeten, als man erfuhr, welche Geheimnisse sich unter Anzug und weißem Hemden verbargen.

Betriebe meldeten Insolvenzen an, nachdem niemand mehr Geschäfte mit diesen Männern machen wollte.

Einmal ins Rollen gebracht, verschlang ihre Rache jeden. Die Menschen erfuhren so von ihrem Martyrium, von den unfaßbaren Taten und Qualen, den unsäglichen Verbrechen an den vielen Kindern. Unverzeihliche Taten gegen die Menschlichkeit, gegen jede sittliche Empfindung.

Für eine Verurteilung durch ein Gericht war es zu spät, verjährt waren die brutalen Mißbräuche.  

Doch der Reporter griff ihren Bericht auf, veröffentlichte die Tatsachen und brachte nun endgültig alles in die Öffentlichkeit.

Und Aussage türmte sich auf Aussage, ein alles verschlingender Reinigungprozeß war in Gang gebracht. So viele Menschen, die ihr ganzes Leben im Schweigen verbracht hatten, machten ihre Schicksale nun auch bekannt.

Ein Woge des Entsetzens spülte über das ganze Land, traf in jeder Schicht und nannte die Männer beim Namen.

Ja, sie hatte ihre Drohung wahr gemacht.

Jetzt begann ihr neues Leben, ihre Zukunft fing gerade erst an, sie war endlich frei—

Nachsatz:
Diese Geschichte ist im Rahmen von Donnas Schreibprojektes  entstanden. Es ist eine rein fiktive Geschichte — sie setzt sich aus mehreren Vorfällen der letzten Jahre zusammen, die man in Zeitungen lesen konnte.

SIE— oder fällt Weihnachten diesmal aus?

 

 In diesem Jahr war schon so vieles anders… so auch ihre liebste, ja ihre allerliebste Zeit, die im Dezember, die Vorweihnachtszeit.

Normalerweise konnte sie es nicht erwarten alle Dekorationen hervorzuholen und so nach und nach wurde dann bis Weihnachten alles aufgebaut. Sie hatte immer sehr viel Freude daran und konnte wie ein Kind staunend vor den vielen Weihnachtsmännern stehen.

Die hatte sie lange gesammelt, und es gab noch immer recht viele von ihnen. Die Katzen hatten leider den einen oder anderen von der Fensterbank geworfen und die Anzahl dezimiert.

Doch in diesem Jahr lagen sie noch wohlverpackt in den Kartons oben auf dem Dachboden.

Es wurde zwar darüber gesprochen, das man jetzt endlich mal die Kisten herunterholen müßte… aber dabei blieb es in diesem speziellen Winter auch.

Draußen hatte ein sehr früher Schneefall schon die rechte Winterstimmung gezaubert, aber im Haus, dort wo es sonst immer so heimelig und gemütlich war, konnte sie sich nicht zu irgendwelchen Aktivitäten aufraffen.

Auch keinen Adventskranz, keine Tannenzweige, nicht die Schneemänner und beleuchteten Häuser… nichts!

Sie saß da, schaute in den Wintertag, hing ihren Gedanken nach… und versuchte gerade wieder heil und ganz zu werden. Eine große unerwartete Operation hatte sie überstanden und  merkte nun, wie schwach und angegriffen sie noch war.

Überhaupt war die letzte Zeit wie ein Albtraum gewesen und sie dachte mit Schrecken daran.

Menschenscheu, wie sie war, war der Aufenthalt in einem Krankenhaus schon eine  ungeheure Strapaze gewesen, dazu kam ihre Angst vor großen Gebäuden… nein…nicht Angst, sondern Panik! Sie mied nicht umsonst alles was eng und voll und bedrohlich für sie war. Sie brauchte ganz viel (Frei-)Raum, ganz viel leeren Platz um sich herum um atmen zu können.

Schwer war ihr die Zeit in der Enge des Krankenhauses geworden und in den schlimmen Tagen, wo sie wirklich fast am Ende ihrer Kräfte war, hatte sie nur noch mit geschlossenen Augen dagelegen und gewartet, das sie das endlich irgendwie überstehen würde.

Schon sehr früh drängte sie wieder nach Hause, sie hatte Glück und man entließ sie sehr zeitig…

Doch nun wieder im eigenen Heim, fehlte ihr der Antrieb und die Kraft für eine vorweihnachtliche Dekoration und auch die passende Stimmung wollte sich nicht einstellen. Zwar stand ein kleines Laternchen Abends mit einem Teelicht auf dem Tisch, aber das sah zu kümmerlich aus.  In den vergangenen Jahren erstrahlte die kleine Wohnstube sonst schon in vollem Weihnachtsglanz und sie freuten sich auf den heiligen Abend.

Dann wurde die Krippe aufgestellt und das kleine Bäumchen geschmückt. Doch ob sie in diesem Jahr überhaupt noch etwas vom Dachboden holen würden?

Sicher, es war ja kein MUSS, aber früher sie hatte ja immer sehr viel Freude daran gehabt… aber irgendwo hatte sie in den letzten Wochen ihre kindliche Begeisterung und die Fähigkeit sich zu freuen verloren. Das empfand sie ganz deutlich und das machte sie traurig. Ein Verlust, ein Gefühl der Leere hatte sich in ihr eingenistet.

Sie sah dem Schneetreiben zu und den vielen Vögeln an den Futterplätzen und dachte eigentlich an nichts—

Ganz plötzlich aber waren die Gedanken da…. „Soll es das nun gewesen sein? Bist Du jetzt auch alt und mutlos und ohne Freude? Das wolltest du doch nie. Du wolltest doch jeden Tag, jeden Moment genießen und das beste daraus machen… Du wolltest ein glückliches, zufriedenes Leben führen. Und sei mal ehrlich, es geht dir doch wirklich gut, du hast doch ein beneidenswertes Leben. Hab noch etwas Geduld, und es wird dir wieder besser gehen. Freue dich schon jetzt auf die guten Tage, die noch kommen.!“

Verwundert schaute sie sich um, wer hatte das gesagt…  woher kamen diese Worte? Aber es stimmte ja, sie hatte ein gutes Leben, war bisher auch immer mit allem fertig geworden und hatte aus fast jeder Situation etwas positives für sich gewinnen können.

Aber was nun positiv? Sie überlegte— schwer zu sagen…  wirklich sehr schwer…

Sollte sie sich wieder bewußter werden, wie schön das Leben doch war? Sollte sie wieder ganz bewußt Dankbarkeit empfinden? Oder was konnte sie sonst lernen?

Auch einige Tage später wußte sie noch immer nicht genau, wie sie das Geschehene hätte positiv sehen können. Sie erlebte ganz bewußt jeden neuen Tag,  verbrachte auch immer etwas Zeit draußen und nahm die Winterstimmung in sich auf, erfreute sich an den vielen Tieren, die Schutz und Nahrung im Garten fanden, mußte über die Kapriolen der Baby-Katze lachen… und da plötzlich wußte sie es…

Sie hatte in der letzten Zeit das Lachen vergessen, irgendwie war es ihr abhanden gekommen. Der Alltag hatte es verschlungen und nun hatte sie es wieder gefunden!

Das war es —  die Leichtigkeit des Seins… die Fröhlichkeit und die Ausgelassenheit…. das unbeschwerte Lachen… das hatte sie wieder entdecken müssen.

Und ganz plötzlich erschien der graue Wintertag gar nicht mehr so triste, und sie lächelte, als sie in Gedanken die vielen Kartons mit Weihnachstdekorationen durchging . Ja, heute würden sie nun doch noch alles vom Dachboden holen…

Sie lachte als der Mann heimkam, und er bemerkte gleich die Veränderung und stimmte mit ein. Lachend fingen sie an die Stube zu schmücken …

… und der Engel der Weihnacht sah ihnen lächelnd dabei zu.

Das macht der Herbst

 

     

Draußen heult der Wind um die Hausecke und treibt die bunten Blätter vor sich her. In ihr kommen Gedanken auf, und sie merkt, wie sie immer trauriger wird. Dieses graue, triste Wetter belastet sie. 

 Früher, als sie noch jung war, kannte sie das nicht. Jedes Wetter war ihr recht und ihre Stimmung war immer gut. Aber nun macht es sie traurig zu sehen, wie der Wind die letzten Blätter von den Bäumen und Sträuchern holt… Dass hat so etwas endgültiges. Zeigt es ihr, das alles Leben limitiert ist, also endlich.

Endlich, auch so ein Wort, das traurig stimmt. Sie wird sich ihrer immer kürzer werdenden Lebensspanne bewußt. Wie unendlich erschien ihr als Kind die Zeit. Je älter sie wurde schien sie zu schrumpfen… bis jetzt nur noch ein kleiner Rest übrig blieb.

Eine Träne tropft ihr auf die Hand und sie wischt sie weg. Noch mehr Tränen und plötzlich schluchzt sie … ist einfach so unendlich traurig und alleine… fühlt sich verlassen und ohne Sinn… 

Nach einer Weile beruhigt sie sich, kommt zur Ruhe, ist leergeweint. Fängt an zu überlegen wie das nun ist mit ihrem Leben. Stellt fest, das es ein gutes Leben war bisher. Kann gedanklich wieder anknüpfen an ihr gelebtes Leben, das ihr noch vor wenigen Minuten zu fad und leer erschien. Erkennt dankbar, das es ein erfülltes Leben war, oft schwierig, aber letztendlich glücklich. 

Sie bemerkt, wie sich ein Lächeln in ihrem Mundwinkel einnistet. 

Da sie immer ehrlich mit sich selbst ist, weiß sie, daß auch das Weinen und auch mal die Traurigkeit zum Leben gehören. Etwas, das sie als sie jung war kaum zuließ. Heute aber im Herbst ihres Lebens und viele Schritte weiter, kann sie das zulassen ohne in Melancholie zu versinken. 

Ja, es hat auch Vorteile, wenn man älter wird, man hat eine Menge gelebte Zeit und viele Lebenserfahrungen… Sie sieht das als Pluspunkt fürs Altwerden. Innerlich sozusagen sammelt sie Pluspunkte für sich selbst. 

Äußerlich… ja, da ist das etwas schwieriger, denn die Zeichen der Zeit sind auch bei ihr zu sehen. Nicht das sie davor Angst hätte, das ist eben so, das gehört dazu, daß man auch sichtbar altert. 

Wie sie so da sitzt, versonnen lächelt, kommt ein Sonnenstrahl durch die grauen Wolken…

(viele Herbstfotos sind in der Photoworld und im Reserveblog zu finden)

Schreibprojekt Januar 2010

Diesmal bitte ich schon vorher um Entschuldigung…ich habe den „Anfangssatz“ als Schlußsatz verwendet.

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 Müßiggang ist aller Albträume Anfang

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Oder warum ein alter Gaul nicht aus seinem gewohnten Trott kommen sollte….

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„Wo ist meine blaue Tasche?“ Verzweifelt versuchte ich meine Tasche zu finden. Besser gesagt, den blauen Stoffbeutel, den ich heute mitgenommen hatte.

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Es entwickelte sich zu einem Albtraum… in der Tasche war mein Portemonnaie, nicht nur etwas Bargeld, nein viel schlimmer ALLE meine Papiere waren darin!

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Ich hatte noch nie ein Brieftasche besessen, dafür immer ein sehr großes Geldtäschchen… so eines, wo man eben all seinen Papierkram rein bekam.

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Vor meinem inneren Auge sah ich den Ausweis und den Führerschein, die Masterkarte die EC-Card, Krankenkassen- und viele andere Kärtchen….oh mein Gott die Papiere fürs Auto,  auch alles da drinnen! Die Schlüssel, mein Gott meine Hausschlüssel, die Wagenschlüssel und alle anderen auch…

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Mir brach der Schweiß aus… mein ganzes Leben war in diesem Stoffbeutel.  Ich sah schon meine geplünderten Konten, das Haus ausgeräumt und das Auto gestohlen.

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„Bitte, hat jemand vielleicht meinen blauen Stoffbeutel gesehen?“ meine  Stimme hatte einen leicht hysterischen Unterton, als ich versuchte mir Gehör zu verschaffen. Das Ergebnis war gleich null. Nicht ein Kopf drehte sich in meine Richtung… anscheinend hatte mich niemand der Anwesenden gehört.

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„Hallo!!! Ich bitte um Ihre Hilfe!“ schrie ich jetzt. „Bitte , hat jemand meine blaue Tasche gesehen?“

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Irritiert sahen mich einige Menschen kurz an,  ansonsten bekam ich keine Antwort. Ich machte mich auf den Weg, um an jedem Tisch selber nach zu sehen.

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„Verzeihung, darf ich einmal kurz gucken, ich suche meine blaue Tasche.“ Widerwillig rückte die Frau ein winziges Stückchen und bedachte mich bösen Blicken.  „Sie stören!“

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Ich schob mich weiter, die Menschen standen mittlerweile dichtgedrängt. Ich leide unter Panik wenn ich mehr als drei oder vier Leute auch nur sehe — mich durch ein dichtes Menschengedränge schieben zu müssen, dafür hatte ich nicht mal einen Begriff.

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Die Luft blieb mir weg, es fing an sich alles zu drehen, ich wusste, gleich würde ich ohnmächtig.  Die Menschenmassen würden mich einfach tottreten…

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Der Schweiß ran in Strömen, die Kleidung klebt an mir und mit allerletzter Kraft zog ich mich an einem anderen Tisch hoch. „Hilfe, bitte helfen sie mir! Ich suche meine blaue Tasche!“  Angeekelt musterten mich die Leute, und wandten sich von mir ab. Ja, man versuchte mir auszuweichen so gut das bei diesem Gedränge möglich war.

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„Was da jetzt schon für ein Pack reinkommt! Einfach unglaublich!“ Rotlackierte Krallen zeigten auf mich, und der grellgeschminkte Mund verzog sich voller Abscheu. Die botoxgespritze Stirn allerdings ließ kein Runzeln mehr zu…

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„Hilfe! Ich brauche Hilfe!“  versuchte ich es noch einmal. „Ich suche meinen blauen Stoffbeutel, er ist sehr wichtig für mich!“

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Ich merkte noch, wie mir endgültig der Boden wegsackte, ich konnte mich nicht mehr festhalten, alles drehte sich… ich fiel…

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…und fiel….und…

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Zitternd und scheißgebadet erwachte ich. „Oh mein Gott!“  war mein erster Gedanke, so langsam kam ich richtig zu mir.

Ich lag in meinem total zerwühlten Bett, ich war in Sicherheit!

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Das ganze war ein Albtraum! Aber so real…ich hätte schwören können, ich habs gerade erlebt.

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Ein Blick auf den Wecker … meine Güte, ich hatte fast 10 Stunden am Stück geschlafen! Kein Wunder, das ich einen Albtraum hatte. Meine normale Schlafzeit beträgt einmal ca 2.5-3 Stunden und im zweiten Teil noch mal etwas 2- 2.5 Stunden.

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Ich komme mir vor wie so ein alter Gaul, die waren auch immer am Montagmorgen krank, wenn sie am Wochenende im Stall ohne Arbeit standen… konnten dann nicht mehr laufen, hatten allerlei Wehwehchen… brauchten dann den Doktor…

Mühsam kam ich aus dem Bett. Alles tat mir weh, die Muskeln, der Rücken, ganz besonders der Rücken… na, das würde ja ein toller Tag werden…

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Ne, Müßiggang  ist nix für alte Leute, wird Zeit das ich wieder arbeite… so würde sich bei mir

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         ein richtiges Januargefühl nicht einstellen…

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