eine unglaubliche, aber wahre Geschichte

In eigener Sache eine Vorbemerkung (27-Juni-14)

DIES ist eine erfundene Geschichte, eine Art Märchen, man muß sie nicht lesen… und ich möchte bitten keine weitern blöden Kommentare dazu abzugeben.

Nachdem diese Gesichte nun immer wieder irgendwo veröffentlicht wird, ohne mein zutun, und ich immer wieder wirklich blöde Kommentare dazu erhalte, habe ich die Funktion nun geschlossen.

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Es gibt Geschichten, die möchte ich gerne erzählen, aber dann sind sie so unwahrscheinlich, daß ich denke, ich laß es lieber.

Doch die Geschichte von Herrn Engel aus dem ersten Stock muß ich nun doch erzählen.

Ich fange ganz von vorne an:

Nachts, wenn ich durch die Straße fahre sehe ich auch hin und wieder ein erleuchtete Fenster,  meistens gucke ich nicht rein, ich will ja  nicht neugierig sein. Doch ein Fenster im ersten Stock, an der Himmelreichallee, war immer etwas erhellt und ich schaute genauer hin. Da hing etwas an der Wand. Es schien ein Flur mit einer Garderobe  zu sein… was hing denn da nur?

Auch am nächsten Tag schaute ich hoch und sah es wieder… und so ging das eine ganze Zeit ohne das ich wirklich etwas erkennen konnte.

Ich fing an mir auch tagsüber Gedanken zu machen und wollte zu gerne das Rätsel lösen.

Eines Nachts war das Licht in dem Flur im ersten Stock etwas heller und ich dachte: „… da hängt ein Paar große Flügel.“ Im nächsten Moment rief ich mich zur Ordnung, denn das konnte ja gar nicht sein, mir spielte wohl meine Phantasie einen Streich. Schon war ich vorbeigefahren und überlegte noch lange, was ich gesehen hätte.

Es ergab sich, das ich eine alte Bekannte besuchte, die ganz in der Nähe der Himmelreichallee wohnt und auf dem Heimweg kam ich wieder an dem geheimnisvollen Fenster vorbei. Jetzt, im hellen Tageslicht sah ich, das es sich wirklich um die Garderobe in einem Flur handelte, aber sie war leider leer.

Da ging ein Mann vorbei und verschwand eilig in dem Haus. Ich hätte schwören können, das er irgendwas auf dem Rücken trug.

In der nächsten Nacht fuhr ich sehr langsam, denn ich wollte in aller Ruhe einmal schauen… da ging das Licht ganz hell in dem Fenster an. Ein Mann kam in den Flur ergriff das was dort hing und es sah so aus, als wenn er große Flügel auf den Rücken hätte.

Verwundert schaute ich noch einmal hin— doch da war das Licht erloschen. Einen kurzen Moment später ging die Haustür auf und der Mann traf heraus. Im Licht der Straßenlaterne konnte ich deutlich ein paar große Flügel auf seinem Rücken erkennen. Er wippte etwas in den Knien und plötzlich flog er hoch.

Sprachlos stand ich dort sah ihn  an. Er drehte eine kleine Runde, sah mich an und war verschwunden. Das konnte ja nicht sein, ich mußte mich fest kneifen, doch ich war wach.

Den  Rest der Nacht grübelte ich… und kam immer wieder zu dem Schluß, das ich mir da wohl etwas eingebildet hätte, anders konnte es ja nicht sein.

Es ließ mir keine Ruhe und so bezog ich Posten vor dem Haus in der Himmelreichallee, in der Hoffnung den Mann  zu sehen. Was ich dann allerdings machen wollte wußte ich nicht. Ich konnte ja schlecht zu einem fremden Mann gehen und fragen: “ Sagen Sie mal, haben Sie   Nachts Flügel und fliegen herum?“

Das ging nicht, er würde mich für verrückt halten. Leider stand ich lange vergeblich dort und fuhr schließlich nach Hause.

Zwei Nächte später sah ich über der Himmelreichallee einen großen Schatten kreisen… gab es so große Vögel überhaupt?

Der große Schatten flog eine weitere Runde und verschwand hinter den Dächern. Dafür kam mir der Mann entgegen und sprach mich an:“ Ich habe wohl bemerkt, das Sie mich beobachtet haben , was wollen Sie?“

Verlegen sah ich ihn an, er schien ein ganz normaler Mann zu sein, mittel alt, ein sympathisches Gesicht, was sollte ich nur antworten?

„Es tut mir leid, ich wollte nicht aufdringlich sein, aber…“ fing ich stotternd an. „….aber…,“ ich wußte nicht weiter.

„Passen Sie auf, ich hab jetzt dringend etwas zu erledigen, aber kommen Sie doch wieder hierher wenn Sie auch fertig sind. Ich lade Sie zum Frühstück ein.“  Zögernd  nahm ich die Einladung an.

So gegen 7 Uhr stand ich in der Himmelreichallee und wartete. Nicht lange, denn da kam er schon um die Ecke, vergnügt pfeifend und mit einer BrötchenTüte in der Hand. „Guten Morgen, kommen Sie, wir gehen hoch.“ begrüßte er mich. Er sah mein Zögern, „Keine Angst, ich erkläre Ihnen gleich alles.“

Normalerweise gehe ich nicht mit fremden  Männern in deren Wohnungen , aber in diesem Fall hatte ich komischerweise keine Bedenken.

Wir gingen ins Haus, die Treppe herauf, er schloß die Wohnungstüre auf , legte die Tüte auf ein Schränkchen, griff sich auf den Rücken … und hängte große Flügel an den Wandhaken.

Stumm vor Staunen konnte ich ihn nur fragend ansehen. Er lächelte und sagte: „Ja, nun haben Sie es also genau gesehen, hier hängen eine paar große Flügel!“ Ich konnte ihn nur ansehen, eine Antwort brachte ich nicht raus.

„Setzen Sie sich doch,“ wir standen inzwischen in der Küche , “ … der Tee kommt gleich.“

Er machte sich in der Küche zu schaffen und kurze Zeit später saßen wir am gedeckten Frühstückstisch. „Ich weiß ja, Sie werden nichts essen, bevor ich Ihnen alles erklärt habe,“ wieder lachte er vergnügt. “ Sie müssen wissen, ich bin ein Engel und bin beruflich oft unterwegs… die Flügel gehören zur Berufskleidung,“

Ich schnappte nach Luft und starrte ihn ungläubig an.

“ Nein, weder Sie noch ich … keiner ist hier verrückt! Ich weiß ja, das ist erst mal schwer zu glauben, aber Sie haben die Flügel ja schon eine ganze Zeit gesehen und ich wußte, das Sie neugierig geworden sind. Es half nichts, das Sie sie nicht richtig erkennen konnten… denn die Menschen können unsere Flügel eigentlich nicht sehen. Erst als Sie mich haben wegfliegen sehen, wußte ich, das wir miteinander sprechen müssen.“

Wie benommen versuchte ich zu verstehen, was er mir sagte, aber ich gestehe, ich glaubte ihm kein Wort. Eher dachte ich daran, wie ich schnellstens wieder aus dieser Wohnung käme…

Er goß mir Tee ein und legte ein Brötchen auf meinen Teller, „Lassen Sie uns doch erst mal etwas essen,“  schlug er freundlich vor, “ Ich weiß, es ist schwer zu glauben…“

So saß ich mit einem fremden Mann, der dazu noch behauptete ein Engel zu sein, in seiner Wohnung   und schmierte mir Marmelade aufs Brötchen. Ich fing an zu kichern, ja ich lachte immer mehr, konnte einfach nicht  mehr aufhören.  Er stimmte mit ein und wir wischten uns die Lachtränen aus den Augen. Das war wirklich befreiend,  ich konnte danach mit gutem Appetit etwas essen.

Er erklärte mir dann, das er wirklich ein Engel sei und hier auf der Erde leben würde, er sei  sozusagen in ständiger Rufbereitschaft und  seine Aufgaben wären sehr vielfältig. Allerdings bedauerte er, das die Menschen kaum noch an Engel glaubten und sich auch für seine Hilfe  fast nie bedanken würden. “ Das macht es mir teilweise sehr schwer, denn wir Engel freuen uns auch über etwas Anerkennung.“ er klang traurig, als er das sagte.

Wie saßen noch lange beisammen und ich habe eine Menge von ihm erfahren, vieles darf ich leider nicht weitersagen, denn das ist streng geheim. Ich darf aber diese Geschichte erzählen und ich kann nur sagen, das mich das stolz macht.

Einen Freund hab ich gewonnen, und wir treffen uns oft, sprechen zusammen und manchmal hat er es eilig, dann winkt er mir nur kurz zu, bevor er seine Flügel ausbreitet und himmelwärts fliegt.

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der große Bär

Wenn sie in der Küchentüre steht und das Licht nach draußen fällt, erscheint ihr alles, was nicht in diesem Lichtkreis ist, fremd und bedrohlich. Guckt sie abends aus den Fenstern der warmen Stube, dann sieht sie vor  eine dunkle Wand. Nur ein kleiner Radius vor den Fenstern wird erhellt, dahinter nichts als Schwärze, angsteinflössend, die sie zu verschlingen droht.

Doch wenn sie Nachts mit dem Radel ihre Touren fährt, ist sie ein Teil der Nacht. Kennt jedes Geräusch, hat geschärfte Sinne und fühlt sich frei. Sie fühlt sich umarmt von der Dunkelheit und jedesmal wieder willkommen geheißen, denn sie sind verwandte Seelen.

Im Sternenlicht zieht sie ihre Runden und wartet auf Schwester Mond, in deren Mondenglanz sie sich erneuern und wiederfinden kann. Klarheit, Frieden und Kraft bekommt sie als Geschenk und hat  stets treue Begleitung zur Seite.

Die Winde, die sie umschmeicheln, sie foppen, an ihrer Kleidung zerren und gegen die sie jede Wettfahrt verliert. Sie fühlt sich so lebendig und so voller Kraft in diesen Momenten,

Der große Bär, der vom Himmel steigt, nur um neben ihr her zu traben. Ohne Worte versteht sie ihn  und er erklärt ihr den Zeitenlauf. Erzählt von den Sternen und den Jahrhunderten, läßt sie teilhaben an seiner großen Bärenseele, die so unendlich und voller Liebe ist.

Später, wenn Bruder Sonne am Himmel aufgeht, macht sie sich auf den Heimweg, der Bär ist wieder oben am Firmament, die Winde begleiten sie noch manchmal  und sie ist erfüllt von tiefer Dankbarkeit und voller Lebensfreude.

Gewappnet und gestärkt um  einen weiteren Tag zu leben.

GedankenKreisel

Zur Ruhe kommen… mal abschalten… einfach neue Dinge tun… oder gar nichts?

„Tja, wenn es doch so einfach wäre,“ dachte sie und ein kleines Teilchen ihres Gehirns war schon wieder mit anderen Dingen beschäftigt.

„RUHE!“ rief sie laut.

Was blieb war ein leichtes Rauschen in ihren Ohren  — und Stille.

Nach einiger Zeit unterbrochen von einem vorbeifahrenden Auto. Der Wind war jetzt auch wieder zu hören, er heulte im Kamin. Vögel zwitschtern und auch der alte Hund atmete etwas lauter…

„Es hat keinen Sinn, ich kann mich nicht zur Ruhe zwingen… so geht das nicht!“ dachte sie und trank noch einen Schluck Tee.

Schon waren ihre Gedanken wieder bei Dingen, die sie machen könnte, müßte, wollte…

Still saß sie da, guckte nach draußen in den verwilderten Garten. Vögel flogen vorbei, sie hörte ihre Stimmen und sah wie der Wind die Äste bog. Das weiße Kirschblütengestöber verzauberte den Garten und schon saß sie in Gedanken auf einem dieser zarten Blätter.

Flog schnell und hoch und jauchzte vor Freude, keine Höhenangst, wie sie verwundert feststellte… nur der Rausch der Geschwindigkeit, die reine Lebensfreude! Der Wind blies ihr ins Gesicht und schüttelte sie durch.

Doch sie saß immer noch still da, schaute aus dem Fenster und fragte sich ob das die Lösung sei, das die Lebensfreude ihr fehlte. Durch so viele Dinge hatte sie einfach vergessen zu leben und glücklich zu sein.

Eine Stimme fragte leise: „Hast du überhaupt ein Recht glücklich zu sein?“ „Ist es nicht deine Pflicht dich für all das Elend und das Unrecht in der Welt einzusetzen?“ raunte eine andere Stimme… viele Stimmen waren da und alle sagte ihr, was sie zu tun hätte.

„Ach seid still! ICH muss gar nichts. Ich hab doch immer getan was ich nur konnte, nun sind meine Reserven einfach leer. Ich kann nicht mehr!“ sie hatte laut gesprochen und der Kater neben ihr sah sie aufmerksam an.

„Willst du mir auch etwas sagen?“ fragte sie ihn. Er stupste sie mit seinem Kopf an und schnurrte laut. Natürlich wurde er dafür gestreichelt und ihre Gedanken kamen sofort zur Ruhe… sie bemerkte es erst nach einer kleinen Weile.

Ja, die Tiere hatte ihr schon so viel gegeben in ihrem Leben, so viel Glück und Liebe… war sie nicht alleine deswegen verpflichtet mehr zu tun?

„Gedankenkreisel,“ dachte sie . „immer wieder komme ich da an, das ich helfen muß, das ich nie genug getan habe… oder darf ich egoistisch sein… will ich das überhaupt?– Ich habe einfach keine Lust mehr!– Warum kann ich nicht in Ruhe leben?“

Der Wind war stärker geworden und sie sah noch immer aus dem Fenster, der Himmel grau und es würde bald wieder Regen geben.

Sie ging nach draußen um den andern alten Hund herein zu holen, er sollte nicht naß werden. Ihm taten seine alten Knochen weh. Ihre Knochen taten ihr auch weh, dabei war sie noch gar nicht so alt. Überhaupt war sie in keinem guten Zustand, fühlte sich ausgelaugt und schwach.

Ihr Verstand sagte ihr, sie müsse kürzer treten, sie müsse jetzt mal an sich denken… doch irgendwie schaffte sie es nicht.

„Ja, ich weiß,“ dachte sie, „ich mache es mir nicht leicht. Hätte ich weniger Zeit könnte ich wie alle anderen in der Tretmühle laufen und wärs vielleicht zufrieden. Würde einfach nur so für mich leben, ohne große Ansprüche zu stellen und …“ schon da fing sie an zu lachen…

Nein!!! Das war nicht ihr Weg und das wußte sie.

Ein Gedanke, fast wie ein leiser Windhauch nur: “ Hör nur auf deine Gefühle. DAS ist der richtige Weg für dich! Hör auf dein Herz!“

Ja, vielleicht…?

Der Regen hatte eingesetzt, ein gleichmäßiges Rauschen und das Prasseln vom Vordach waren zu hören, noch immer waren die Vögel nicht verstummt und sie saß wieder still da, sah nach draußen und sah zu wie der Regen fiel.

reicht das?

Mir reicht so vieles… mehr muß ich davon nicht haben.

 

Was mir meistens nicht reicht, ist das was ich mache. Nee, so stimmt es auch nicht.

Fange mal neu an:

Wenn ich was mache, reichts mir dann auch, meistens! Okay, ja schon besser.

Ich glaube, wenn das WENN nicht wäre, wäre ich ganz zufrieden mit mir… doch ich WENNsche herum und bin faul! Jawohl, ich bin und bleibe ein faules Stück. Alles muß einfach sein und ohne große Mühe gehen… STOP- so stimmts doch wieder nicht!

Doch, ich bin eigentlich ein sehr fleissiger Mensch, kann Stunden, Tage, Wochen… ewig an was festhalten, mich festhalten, mich beschäftigen … kann mich mühen und plagen… ES MUSS MICH NUR WIRKLICH INTERESSIEREN!!!

Alles andere mache ich nicht! PUNKT!

Tja, ich glaube ich bin auf dem richtigen Wege, meinem Weg… Ballast wegwerfen, einfach nicht etwas tun nur weil sie es alle machen  und weil es erwartet wird.

Doch ich möchte gerne mehr können, mehr wissen, witziger und spritziger sein… aber da steht wieder dieses geWENNsche im Weg… und meine Faulheit.

Wobei ich, wie schon gesagt, gar nicht faul bin, sondern ich arbeite nur sehr effektiv, möglichst wenig und möglichst einfach.

Einfachheit ist dabei aber keine schlechte Sache, denn ich habe festgestellt, eigentlich ist alles sehr EINFACH… Je mehr man weiß und kann, desto mehr kann man vereinfachen. ICH kann das wunderbar…

Vielleicht bin ich ein Genie?

die Ferne ist in mir

Da trafen wir alten Schulfreundinnen uns nach so langen Jahren wieder einmal. Es war schon aufregend und ich fragte mich, was wohl aus den beiden anderen geworden sei.

Im ersten Moment war ich erschrocken, die Babsi erkannte ich nur an ihrer Stimme, ihr Gesicht war entstellt durch unzählige Operationen, die Margo war zwar sehr vertraut, aber sie war sehr alt geworden.

Wie die beiden anderen mich wohl sehen würden? Man selber schätzt sich ja meistens ganz anders ein, als es das Umfeld tut. Ich dachte, noch bin ich einigermaßen gut beieinander, zum Glück relativ gesund und auch einigermaßen fit.

Wir begrüßten uns herzlich und als wir dann gemütlich bei Kaffee und Kuchen saßen kam gleich ein Gespräch in Gang. Natürlich waren wir alle neugierig, zuerst fing Margo an zu erzählen. Sie hatte ja relativ früh geheiratet, das wußten wir ja noch. Bekam dann gleich ihren Sohn und war darüber sehr glücklich. Nach einigen Jahren begannen sie  ein Haus zu bauen, bis ein Unglück ihr ganzen Leben aus der Bahn warf. Mann und Sohn starben bei einem Autounfall, sie selber überlebte  schwer verletzt. Viele Operationen mußte sie durchstehen und auch ihre Seele hatte Schaden genommen. Sie hatte keinen Lebensmut mehr und wollte eigentlich nur sterben. Dazu kamen erdrückende Schulden.

Betroffen sahen wir sie an, das hatten wir nicht geahnt. Sie sagte, das sie jetzt nach so vielen Jahren fast ihren Frieden wieder gefunden hätte, wir sollten uns keine Sorgen machen. Heute habe sie ein kleines Geschäft für Handarbeiten und sein ganz zufrieden. Sie lebe in einer Wohngemeinschaft mit vier anderen Frauen. Dort sei sich sicher und fühle sich geborgen. Eine neue Liebe habe es aber nicht mehr gegeben in ihrem Leben.

Nach einer Weile fragte ich Babsi, wie es ihr ergangen wäre. Sie hatte studiert und schon während des Studiums ihren ersten Mann kennengelernt. Er war reich, erbte dann eine gutgehende Firma und sie lernte den Luxus kennen. Sie lebten wirklich gut, gehörten zu den Glücklichen, die sich fast alles leisten konnten, aber nach einigen Jahren kam es doch zur Trennung. Sie hatten sich nichts mehr zu sagen, blieben sich aber wohlgesonnen. Sie bekam eine großzügige Abfindung und konnte auch danach immer noch sehr gut leben.

Ihr zweiter Mann gehörte auch zu diesen Kreisen, er hatte eine Modefirma und legte sehr viel wert auf ihr Aussehen. Sie sei sein Aushängeschild sagte er immer. Er legte ihr nahe ihre Nase etwas korrigieren zu lassen, dann war es ihr Busen und später kamen immer mehr Operationen die sie machen ließ. Sie wollte ihren Mann nicht verlieren und so beugte sie sich seinen Wünschen. Das er sie allerdings vor einigen Jahren verließ, um mit einem jungen Model zu leben, hatte sie schwer getroffen. Geldsorgen hatte sie nicht, dafür hatte wieder eine große Abfindung gesorgt, aber sie hatte kaum noch Freude in ihrem Leben.

Dazu kamen Schmerzen und auch Komplikationen, die durch die vielen Operationen  entstanden waren. Sie war in ständiger Behandlung, aber es ging ihr nicht gut, auch zweifelte sie, ob sie das alles hätte mit  machen lassen sollen.. doch für diese Überlegungen war es leider zu spät.

Ich fragte ich, warum sie denn nicht einfach so geblieben sei, wirklich gutaussehend? In ihren Kreisen herrsche da ein anderes Ideal, sagte sie, welches sie allerdings heute auch nicht mehr verstehen könne. Am schlimmsten wären die Schmerzen, ihr waren Brustimplantate geplatzt und giftige Substanzen hatten sich in ihrem Körper eingelagert. Damit würd sie nun leben müssen.

Margo war, genau wie ich, doch sehr erschrocken, besonders als Babsi sagte, das sie wohl nicht mehr sehr lange leben würde, denn seit kurzen wußte sie, das sie auch unheilbar Krebs habe.

Wir saßen eine Weile stumm da, jede hing ihren Gedanken nach und ich dachte an unsere gemeinsame Jugendzeit, wie unbeschwert sie doch gewesen war. Drei gute Freundinnen, die viel Blödsinn gemacht und immer zusammengehalten hatten…

Als sie mich dann fragten, wie mein Leben gewesen sei, wußte ich zuerst nicht, wie ich beginnen sollte. Meinen Mann kannten sie ja fast genau so lange wie ich und meine Ehe hatte bis heute gehalten. Wir waren von schlimmen Schicksalsschlägen fast verschont geblieben und waren dafür sehr dankbar. Als ich allerdings erzählte, das ich schon ganz früh aus dem Beruf ausgestiegen sei… konnten die beiden das nicht verstehen. Geld sollte nicht so wichtig sein? fragten sie.

Ich bemühte mich zu erklären, was mir wirklich sinnvoll erschienen war und verschwieg auch nicht, wie schwer das oft gewesen war. Sie schüttelten den Kopf und verstanden es nicht. Ob ich denn viel herum gekommen sei, denn ich habe mich ja schon immer überall sofort zurecht gefunden. Auch das mußte ich verneinen, im Gegenteil ich bin ja nicht einmal im Urlaub gewesen in den letzten 35 Jahren.

Schnell merkte ich, das ließ sich nicht überbrücken, wir waren zu verschieden. Sicher jede bemühte sich und wir mochten uns, weil wir uns schon so lange kannten, aber eine gemeinsame Basis hatten wir nicht mehr.

Etwas wehmütig dachte ich auf dem Heimweg darüber nach. Mußte es aber so akzeptieren und hoffte, das wir uns beim nächsten Treffen in einem Jahr alle drei wieder sehen würden.

Heute vor 25 Jahren…

Heute vor 25 Jahren, am Rosenmontag, den 2. März 1987 gab es im Kreis Gütersloh einen Eisregen. Das wird heute als ein Jahrhundert Ereignis bezeichnet.

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Wir wohnten gerade einige Monate in Herzebrock und hatten unseren großen Katzenauslauf fertig. Im Garten ein großer Baumbestand, sehr hohe, alte Eichen, einige Buchen. Der Regen gefror und in kürzester Zeit war alles eisüberkrustet, teilweise mehrere Zentimeter dick. Im Sonnenschein sah das später zauberhauft aus.

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Doch die schwere Eislast brachte die großen Bäume in Gefahr. Die Äste brachen ab, sogar ganz dicke, teilweise wurden die Stämme regelrecht gespalten.

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Man hörte das schon vorher, berstende Geräusche, teilweise sehr laut, auch manchmal ein Knallen. Zuerst wußten wir nicht woher das kam, bis wir merkten, das die Bäume unter der Eislast stöhnten.

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Das war unheimlich und auch beängstigend! Dann brachen die Äste. Mit sehr lauten Getöse fielen sie zur Erde, wo sich schnell eine regelrechte Schicht bildete. Teilweise mehr als anderthalb Meter hoch, Eis und Äste. Es gab kein durchkommen mehr.

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Wir hatten auch Angst, das die großen Äste aufs Haus fallen könnten, denn die Bäume standen nahe.

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Etwas später, als es sich beruhigt hatte, und keine Äste mehr herunterbrachen gingen wir raus. Der Schaden war sehr groß. Die Baumkronen stark ausgelichtet, allerdings waren viele der dicken Äste nicht glatt abgebrochen, sondern hatten tiefe lange Wunden in die Bäume gerissen. Das sah nicht gut aus.

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Die Aufräumarbeiten waren sehr mühsam und ich erinnere mich noch heute, wie anstrengend das war. Das entsprechende Gerät hatte wir nicht, nur Handsäge und unsere Kraft. Die dicken, meterlangen Äste war unheimlich schwer, man konnte sie nur zersägen und Stück für Stück wegbringen.

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Und es blieb kalt, das Eis schmolz  nicht und wir lebten im glitzernden EisLand.

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Das Holz konnte wir gut gebrauchen, denn wir hatten auch dort nur einen Ofen. Die ganz großen Stämme kamen in den Katzenauslauf, als Kletterstämme und auch einfach zum Sitzen. Zum Glück waren die Äste nur außen am Zaun heruntergefallen und der Auslauf war unbeschädigt geblieben.

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Die Wälder sahen schlimm aus, die Schäden sah man noch Jahre später. Wir haben sehr viel Glück gehabt, denn viele Menschen hatten keinen Strom und das dauerte oft tagelang.

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Wünsche & Erwartungen

Ja, wer kennt das nicht, man möchte zu und zu gerne… der eine will ein Haus,…  der andere viel Geld… oder Erfolg… oder Talent … oder einen Lebenspartner… oder….

Da machte sie keine Ausnahme, bei ihr war das ganz einfach, sie wollte immer ALLES!

Etwas halbes oder gar minderes, nein, daran hatte sie kein Interesse. Entweder alles oder eben nichts, ihre Erwartungen waren sehr hoch.

Manches Mal stand sie vor Entscheidungen: „…  bin ich damit schon zufrieden oder soll ich lieber warten, bis alles meinen Vorstellungen entspricht?“

Meistens wartete sie.

… und wartete…

… und plötzlich hatte sie fast ihr ganzes Leben nur gewartet, auf ein Ideal, das sie nie erleben würde. Sie begriff, das sie sich vielleicht doch auch mit etwas weniger zufrieden geben könnte…?

„Ab heute werde ich leben, ich werde es genießen mit all seinen Unvollkommenheiten und ich werde ganz viel Spaß dabei haben!“ Diesen Vorsatz faßte sie an ihrem 50 Geburtstag, den sie alleine mit einem Gläschen Sekt feierte.

Schon am nächsten Tag rief sie alte Schulfreunde an, die sie Jahrzehnte nicht gesehen hatte, sie organisierte ein Treffen. Es wurde sehr fröhlich, sie waren ausgelassen zusammen. Dann lud man sie ein, hier ein Geburtstag, da einen kleinen Ausflug, eine Verabredung zum Schwatzen…

Auch mit den Nachbarn kam sie in Kontakt und sie stellte fest, das die gar nicht so übel waren, nein, auch das waren ganz normale Menschen. Im Kollegenkreis bemerkte man, das sie offener und herzlicher war und so ergaben sich auch hier nette Kontakte. Eine Pizza in großer Runde nach Feierabend, ein freundliches Gespräch in der Pause

Sie kam unter die Leute, wie sie sagte und sie begann zu Leben, nix aufregendes, aber das hatte sie ja vorher gewußt. Erstaunlicherweise fand sie gefallen an diesen kleinen Alltäglichkeiten. Jeder Tag war auf einmal angefüllt mit Terminen und Begegnungen, ja sie freute sich schon morgens wenn sie aufstand. Die einsame Zeit lag hinter ihr, ihr Leben hatte endlich begonnen.

Ein Café Besuch mit Freundinnen, einen Einkaufsbummel, einen Kinobesuch mit Freunden… sie wurde gesellig und das gefiel ihr immer besser.

Ihren nächsten Geburtstag feierte sie in einer großen Runde, Freunde, Nachbarn, einige Kollegen… ihre einsamen Zeiten waren endgültig vorbei.

„Ich bin ein Mensch wie alle anderen auch, habe meine Schwächen, habe meine Stärken und ich bin so froh, das ich mich noch rechtzeitig besonnen habe!“ das waren ihre Gedanken, als sie abends zufrieden einschlief.

TeeTrinker

Früher, als ich noch ein Kind war, erfüllte immer wieder der Duft von frisch gebrühtem Kaffee die Wohnung. Ich erinnere mich, das ich dann manchmal „Muckefuck“ bekam, keinen Bohnenkaffee, sondern den korngesunden Landkaffee.

Ganz früher war echter Bohnenkaffee etwas besonderes  und nicht jeden Tag wurde er  getrunken. Da mahlte die Hausfrau die Bohnen jedesmal frisch, eine mühsame Beschäftigung.

Als ich erwachsen wurde gehörte Kaffee natürlich auch zu meinem Frühstück, auch bei der Arbeit stand immer eine große Tasse griffbereit.

Aber ganz ehrlich… so richtig gerne mochte ich ihn nie, schon gar nicht mit Milch, sondern mit ganz viel Zucker, damit ich nichts von dem bitteren Geschmack mitbekam.

Ja, ich war nie ein überzeugter KaffeeTrinker.

Tee habe ich immer gern getrunken, in allen Variationen. Schon als junges Mädchen machte ich mir nachmittags eine Kanne Tee und nahm diese mit in meine Zimmer. Dort stand ein Stövchen, gemütlich und heimelig.

Es kam die Zeit, da trank ich sehr wenig Tee, dann keinen mehr, die KaffeeZeit hatte begonnen, kannenweise… und dazu wirklich sehr viele Zigaretten.

Je älter ich wurde, desto weniger vertrug ich aber den Kaffee, es ging mir schlecht. Es dauerte aber noch eine ganze Weile, bis ich mir das auch eingestand.

Schwindel, Magenschmerzen und allerhand mehr Übel hatte ich zu erleiden… und meinte immer noch, „Ohne Kaffee gehts gar nicht!“

Doch es kam der Tag, da beschloß ich: „Jetzt ist Schluß mit diesem Unsinn, ich vertrags einfach nicht!“

Leckere Teesorten kamen wieder ins Regal  natürlich auch in die Tassen… und siehe da, mir ging es sofort gut! Keine Malessen, kein Schwindel, nichts dergleichen.

Etwas später gab ich auch die Raucherei auf, und den Alkohol mochte ich auch nicht mehr.

Da merkte ich erst, wie elend ich mich doch Jahrzehnte lang gefühlt hatte und dachte doch immer das sei normal. Normal ist das Leben heute für mich, mit freien Lungen, gutem Geschmacksinn und relativ intaktem Immunsystem.

(JA, es ging einfach so und JA, es hat sich wirklich gelohnt aufzuhören!)

Doch eigentlich wollte ich heute nur über Tee schreiben, darüber, das wir mehr als 20 verschiedene Sorten im ständigen Wechsel trinken, oder wie gesund und lecker Grün- und RoibushTees doch sind…

…und wie viel Freude ich an meiner großen BecherSammlung aus Fine Bone China habe aus denen der Tee so richtig lecker schmeckt.

… oder auch von den ganz besonderen Teerosen, die wir uns manchmal gönnen…

Aber für heute will ichs mal gut sein lassen, der beste aller Ehemänner bringt gerade die vierte Kanne Tee des Tages rein… und den wollen wir in Ruhe genießen!

Zersplittert

 

„Kann es das denn geben?“ fragte sie sich… als sie versuchte ihre Gedanken zu Papier zu bringen?

„Wie ist es möglich… mir fällt beim besten Willen NICHTS ein!“ kopfschüttelnd stand sie auf und verließ den Schreibtisch.

Bei einem Spaziergang in der kühlen Winterluft allerdings dröhnte ihr der Kopf —so viele Gedanken, Gesprächsfetzen, Informationen und  andere wichtige Neuigkeiten wirbelten durcheinander.

„…und wenn ich solange gehe, bis ich wieder Klarheit in mir habe?“ schoß eine Idee durch ihren Kopf. So ging sie frohes Mutes weiter… und sie ging noch viel weiter  — und war bald eine sehr weite  Strecke gegangen.

„Oh, ich muß aufpassen, so lang ist der Rückweg schon jetzt, wie soll ich den bloß schaffen?“ ängstliche Gedanken kamen noch hinzu. Doch noch immer wirbelten viel zu viele Gedanken in ihr herum und so ging sie trotzdem weiter. Durch den großen Wald, hinaus auf die Landstraße, durch das nächste Dorf bis zum kleinen See dahinter.

Da verließen sie ihre Kräfte und sie saß auf einem umgestürzten Baum. „Meine Güte, was habe ich mir nur dabei gedacht? Wie soll ich jetzt wieder heim kommen?“

Die Sonne spiegelte sich auf dem ruhigen Wasser, nur hin und wieder durchbrach ein Fisch die Oberfläche, der dann konzentrische Kreise hinterließ. Vögel hüpften in den Bäumen und Sträuchern und ganz zaghaft erhoben sie schon ihre Stimmen. Ein winziger Frühlingshauch erreichte auch sie.

Tief atmete sie ein. Ein Wohlgefühl und eine langersehnte Ruhe durchströmte sie… sie lebte! „So einfach ist das,“ dachte sie. „Wieso hab ich mich nur so zuschütten lassen? Wie konnte ich vergessen wie schön das Leben ist und wie wundervoll die Natur?“

Still saß sie da, genoß den Moment und war einfach glücklich. Ein Lächeln umspielte ihre Mundwinkel und sie war wieder ganz bei sich angekommen. Sie verstand, das es nicht der Sinn ihres Daseins war, sich zu sorgen, sich vereinamen zu lassen, zu hetzen und fremd bestimmt zu sein.

Lange saß sie so, bis es doch zu kühl wurde. Die Sonne war schon untergegangen und sie machte sich wieder auf den Weg.

Noch vor kurzem war sie ängstlich und hatte Bedenken, wie sie wieder nach Hause kommen würde, doch jetzt war eine ganz neue Ruhe und Zuversicht in ihr.

Im Dorf war noch ein kleiner Laden geöffnet und plötzlich hatte sie großen Hunger. So kaufte sie sich dort ein Brötchen und bat, ob sie telefonieren dürfe.

Ihr Mann hatte sich schon Sorgen um sie gemacht, natürlich war er bereit sie abzuholen.

 Er machte ihr Vorwürfe, doch sie lächelte und saß ganz ruhig und entspannt da. „Ich habe heute vieles gelernt über mich und über mein Leben. Habe erkannt, das ich so wie bisher nicht mehr weitermachen kann.“

Erstaunt wollte er etwas sagen, doch sie sprach schon weiter: „ Es wird sich vieles ändern in meinem Leben, es ist zu kostbar um es weiter zu verschwenden. Ich will mich nicht mehr zersplittern lassen, sondern ganz und heil mein Leben genießen. Du bist ein wichtiger Teil davon. Laß uns zu Hause in Ruhe darüber reden,  zusammen werden wir sicher Lösungen finden.“

Was lange (g)währt


 

Was lange währt…
Die Nacht vor heute
Der Regen prasselte aufs Autodach, das war die reinste Sinnflut. Aussteigen, Zeitung zum Haus bringen, einsteigen. Die Brille immer wieder naß, keine Sicht, die Scheibenwischer schafften diese Wassermaßen kaum..
Nein, heute Nacht war das kein Traumjob.

Wenn sie daran dachte, das gleich sicherlich wieder dieser Mann ihr auflauern würde… am liebsten wäre sie einfach durchgefahren. Aber noch brauchte sie den Job, noch konnte sie nicht einfach hinschmeißen.

Unmißverständlich hatte man ihr von der Vertriebsleitung gedroht, schon mehrfach. Sie sah keinen Grund dafür, denn sie kam immer pünktlich. Nicht für einige Leser, die am liebsten schon um 4 Uhr ihre Zeitung haben wollten, das sie ihre Arbeit bis 6 Uhr zu erledigen hatte… das interessierte keinen.

Da stand er schon, das Geragentor hell erleuchtet, und wartete… „Können Sie nicht grüßen?“ blaffte er sie an. „-und wieder ist es nach halb sechs, Sie brauchen gar nicht mehr zu kommen!“
Grußlos, denn sie hatte diesem Man nichts zu sagen reichte sie die Zeitung. Sie war älter, sie war eine Frau, sie sah nicht ein, das sie nach all dem auch noch nett grüßen sollte.

Er beschimpfte sie noch weiter, da saß sie längst wieder im Auto.

Vor 8 Jahren
Da hatte sie einen Neuen im Bezirk, schon am zweiten Tag hatte er sich über sie beschwert, das konnte ja heiter werden. Er verlangte schon um 5 Uhr seine Zeitung, Das sie das nicht schaffen würde hatte sie ihm mitgeteilt.

Daraufhin belauerte er jeden Tag ihr Kommen und beschwerte sich auch fast täglich. Die Vertriebsleitung drohte ihr, weil er drohte zu kündigen. Daß das ein unhaltbarer Zustand war, wurde dann durch den Betriebsrat gekärt. Die Arbeit hatte bis um 6 Uhr in der Früh fertig zu sein, und diese Zeit hielt sie immer ein.

Vor 7 einhalb Jahren
Auf einer anderen Tour hatte sie sich eine Frau zur Feindin gemacht. Womit, das war ihr nie klargeworden. Nur, das sie diese Frau jede Nacht lauthals auf der Straße beschimpfte und es fast zu Handgreiflichkeiten gekommen war.

Daraufhin änderte sie ihrne gesamten Tourenablauf.

Der Querulant meinte nun, er hätte gewonnen. Da kam er sich sehr groß und stark vor, dieser blöden Zeitungsfrau hatte er es aber so richtig gezeigt! Sie kam jetzt schon sehr früh in der Nacht, man mußte eben nur Druck machen bei solchen Leuten. Ja, sie erfuhr von seinen Prahlreden und mußte heimlich lachen.

Vor einem Monat
Nachts wurden die Straßen immer unsicherer. Zum Wochenende waren randadierende Bertunkene keine Seltenheit, aber auch an den normalen Wochentagen war sie nicht immer sicher.
Da gab es diesen Mann der ihr auflauerte, um sich vor ihr zu entblößen. Keine so angenehme Sache, alleine in der Dunkelheit.
Da gab es einen anderen, der sie beschimpfte und aufs übelste beleidigte, nur weil er meinte, sie käme zu spät und die Zeitung wäre nicht richtig gefaltet.

Sie änderte daraufhin ihre Touren, um dem allem zu entgehen. Kam dann allerdings beim Querulaten wieder viel später. Da ging das Theather wieder los. Drohungen, er würde kündigen, Druck von der Vertriebsleitung, trotzdem die genau wußten sie eigentlich im Recht war.

Der Job machte unter solchen Umständen kaum noch Spaß. Wenn man je hatte von Spaß reden können. Für einen Hungerlohn, mußte sie sich abhetzten. Der Lohn war im Laufe der Jahre immer weniger geworden, dafür mußte sie mehr in kürzerer Zeit leisten. Man könne ja aufhören, war die Antwort…

Heute
Kaum zu glauben, auch heute Nacht regnte es. Sie hörte im Radio von Katstrophenalarm und Überschwemmungen. Die ersten Runden fuhr sie wie immer mit dem Rad, war innerhalb weniger Minuten bis auf die Haut naß wünschte sich nur nach Hause in die warme Wanne.
Da fuhr sie in Glas, bekam einen platten Reifen,  mußte den Rest schieben und kam in Zeitverzug. Der Regen peitschte ihr ins Gesicht und sie mußte sich teilweise gegen den Wind stemmen.  Die Tasche war schon innen ganz naß und somit auch die Zeitungen. Dafür wurde sie von einem ärgerlichen Leser auch gleich zur Rede gestellt…

Als sie antworten wollte, fuhr er ihr über den Mund und beschimpfte sie. Ja, wir sind Freiwild für alle Idioten der Welt, dachte sie und ließ ihn stehen.

Als sie schließlich auf der letzten  Runde beim Querulanten ankam, schrie er sie schon von Weitem an. Was ihr einfiele, das wäre eine Unverschämtheit und überhaupt wäre sie das allerletzte.

In ihr explodierte was, ein Knoten löste sich und sie schrie zurück . Egal, ob es sie den Job kosten würde, sie sagte diesem Großkotz die Meinug. Er wurde erst weiß, dann rot und ging dann auf sie los.

Sie sah noch den Holzscheid auf sich zukommen, dann wurde alles schwarz vor ihren Augen, ein Schmerz zerriß sie und ihr letzte Gedanke war: Ich bin doch sogar immer noch pünktlich…

Im Polizeibericht stand zu lesen:
Gegen 5.55 griff der Täter die Botin an. Er schlug mit einem Hozscheid zu und tötete sie. – Die Ermittlungen ergaben, das er diese Frau schon über Jahre immer wieder beschimpft und ihr übel mitgespielt hatte. –
 Die Zuständigen in der  Vertriebsleitung wurden befragt, und gaben zu, davon gewußt zu haben. Allerdings hatte man gefürchtet, einen Leser zu verlieren… und hatte deshalb der Botin nicht  beigestanden, im Gegenteil ihr mit Kündigung gedroht, falls der Leser sein Abbo kündigen würde. Außerdem gäbe es genügend Leute, die gerne so einen Job übernehmen würden.

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Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen sind natürlich rein zufällig und ungewollt.