Neulich unter der Kastanie

Es ist erst wenige Tage her, da saß ich unter der alten Kastanie, ich meine die, die hinten im Garten steht, die ganz alte.

Es gibt da noch die andere Kastanie, die Menschen so verstümmelt haben, daß sie über 10 Jahre nicht mehr blühen konnte und die leider immer hinfälliger wird.

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Meine Gedanken kreisten darum das ich irgendwo gelesen hatte: der Mensch der nicht immer nur versucht glücklich zu sein würde ein besseres Leben führen, denn er sei nicht aufs Glück programmiert. Im Gegenteil, diejenigen die immer aufs „schlimmste“ gefaßt wären würden mit den LebensProblemen besser fertig werden können.

???

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Wie lebte ich eigentlich? War ich glücklich, zufrieden und ganz im hier und jetzt?

So saß ich versunken da …

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…und hatte plötzlich fremde Gedanken in meinem Kopf.  Ja ich weiß schon, es hört sich merkwürdig an, aber anders kann ich es nicht beschreiben.

„Nicht die Jagd nach immer neuen Sensationen sind der Lebenszweck, sondern einfach zu leben und anzunehmen, zu erkennen was wirklich wichtig ist.

Zufrieden zu sein und auch dankbar… und verschließe nicht die Augen vor den Wundern um dich herum! … und vor allen Dingen verhärte niemals dein Herz !  ……“

Fremde Gedanken, die aber ganz vertraut sind… die ein Leuchten und eine Wärme in mir zurück lassen…  Geborgenheit und ein Gefühl von „angekommen sein!“

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Ich wache auf und fühle mich leer und einsam.

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Erst als ich die Hand ausstrecke und den Stamm der Kastanie berühre fühle ich mich getröstet und komplett.

Meine Hand wird warm, ich fühle die Kraft im ganzen Arm, die Wärme durchströmt meinen Körper und ich bin eins mit der Kastanie… bin ganz im JETZT und in der Ewigkeit.

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0102

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…Relikt

Die Sonne ging an diesem Morgen hinter den Nebeln auf. Nur ein ganz leichter Schein, ein wenig rosa, ein kleines bißchen rötlich, sie konnte es mehr ahnen, als das sie es sah.

Sie setzte sich in ihren Wagen, Musik kam aus dem Radio und fuhr in den Nebel. Die Straße wurde fast ganz verschluckt und die umgebende Landschaft schien ganz weg zu sein.  Hin und wieder ein leichter Schatten, das war einer der großen alten Bäumen  in der Allee.

Sehr vorsichtig fuhr sie und versuchte nicht die Orientierung zu verlieren. Mußte sie denn nicht längst an der Kreuzung sein?  Da wollte sie abbiegen um in die kleinen Feldwege zu kommen,  von dort hatte man freie Sicht und konnte in Ruhe fotografieren. Schon oft war sie dort gewesen.

Sie war wieder einmal auf der Jagd nach dem Sonnenaufgang, das liebte sie und versäumte ihn fast nie. Die Kamera lag griffbereit auf dem Sitz und sie hatte ihr Fenster heruntergekurbelt.

Plötzlich wurde die Straße uneben und sie rumpelte in Schlaglöcher. Das konnte doch nicht sein, sie war ja nirgendwo abgebogen. Sie versuchte zu erkennen, wo sie  war.

Weißer, milchiger Nebel, der immer dichter wurde, hatte sie eingeschlossen und als sie anhielt und ausstieg fühlte er sich feucht und kalt an. Verwirrt versuchte sie einen Anhaltspunkt zu finden, doch da war einfach nichts.

Zögernd ging sie einige Schritte, das war keine Straße, soviel konnte sie spüren, aber wo war sie nur? Schon konnte sie kaum noch die Scheinwerfer ihres  Wagens sehen, der Nebel umschloß sie immer dichter.

Ein unangenehmes Gefühl der Angst beschlich sie und sie stolperte zurück zum Auto in die vermeintliche Sicherheit. Ihr Herz schlug bis zum Hals und sie fühlte sich verloren und einsam, sie versuchte nicht die Fassung zu verlieren. Das Fenster kurbelte sie hoch, denn  nun kroch der Nebel sogar ins innere ihres Wagens und nahm ihr den Atem. Das Radio war verstummt, aber sie bemerkte es nicht.

Er würde sich auch wieder heben und dann könnte sie sehen wohin sie geraten war! Ja, dieser Gedanke beruhigte sie etwas.

Sie mußte wohl eingeschlafen sein, als sie erwachte saß sie immer noch hinter dem Steuer, der Nebel schien noch dicker geworden zu sein, kein Lichtschein, nur milchiges, undurchdringliches  Weiß um sie herum… und STILLE! Die Angst kroch in ihr hoch.

Die Türe konnte sie nur mit Mühe ein Stückchen aufdrücken, es schien, als wenn der Nebel sie eingesperrt hatte. Lange saß sie einfach nur da und sah in die wallenden Nebelschwaden.

Was sollte sie tun? Weiterfahren? Warten?

Der Motor ließ sich nicht starten, so blieb ihr nichts als warten. Die Uhr am Armaturenbrett zeigte keine Zeit an und auch ihre Armbanduhr war stehen geblieben. So wußte sie nicht wie lange sie schon hier war, sie hatte jegliches Gefühl für Zeit und Raum verloren, nur die Angst , die hatte zugenommen. Die STILLE erdrückte sie und schnitt alle Gedanken ab.

Viel später wurden die Nebelschwaden etwas lichter…  sie meinte auch schon wieder Bäume zu sehen. Doch dann erkannte sie, daß das hohe Felsen waren, scharfkantige, schroffe Felsen.

Nun brach die Panik los —  und sie schrie, doch selbst ihre Schreie klangen gedämpft und hohl und machten ihr noch mehr Angst. Die STILLE war undurchdringlich!

Die Erkenntnis, daß sie sich nicht mehr in ihrer gewohnten Umgebung befand, sondern in einer unwirklichen Gegend raubte ihr den Atem. Als sie die Türe endlich öffnen konnte stürzte sie ins bodenlose…

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…  als ihre Leiche nach vielen  Jahren vom Eis wieder freigegeben wurde,  gab es keine Menschen mehr auf diesem Planeten die sie hätten finden können.

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012

Heute vor 25 Jahren…

Heute vor 25 Jahren, am Rosenmontag, den 2. März 1987 gab es im Kreis Gütersloh einen Eisregen. Das wird heute als ein Jahrhundert Ereignis bezeichnet.

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Wir wohnten gerade einige Monate in Herzebrock und hatten unseren großen Katzenauslauf fertig. Im Garten ein großer Baumbestand, sehr hohe, alte Eichen, einige Buchen. Der Regen gefror und in kürzester Zeit war alles eisüberkrustet, teilweise mehrere Zentimeter dick. Im Sonnenschein sah das später zauberhauft aus.

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Doch die schwere Eislast brachte die großen Bäume in Gefahr. Die Äste brachen ab, sogar ganz dicke, teilweise wurden die Stämme regelrecht gespalten.

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Man hörte das schon vorher, berstende Geräusche, teilweise sehr laut, auch manchmal ein Knallen. Zuerst wußten wir nicht woher das kam, bis wir merkten, das die Bäume unter der Eislast stöhnten.

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Das war unheimlich und auch beängstigend! Dann brachen die Äste. Mit sehr lauten Getöse fielen sie zur Erde, wo sich schnell eine regelrechte Schicht bildete. Teilweise mehr als anderthalb Meter hoch, Eis und Äste. Es gab kein durchkommen mehr.

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Wir hatten auch Angst, das die großen Äste aufs Haus fallen könnten, denn die Bäume standen nahe.

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Etwas später, als es sich beruhigt hatte, und keine Äste mehr herunterbrachen gingen wir raus. Der Schaden war sehr groß. Die Baumkronen stark ausgelichtet, allerdings waren viele der dicken Äste nicht glatt abgebrochen, sondern hatten tiefe lange Wunden in die Bäume gerissen. Das sah nicht gut aus.

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Die Aufräumarbeiten waren sehr mühsam und ich erinnere mich noch heute, wie anstrengend das war. Das entsprechende Gerät hatte wir nicht, nur Handsäge und unsere Kraft. Die dicken, meterlangen Äste war unheimlich schwer, man konnte sie nur zersägen und Stück für Stück wegbringen.

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Und es blieb kalt, das Eis schmolz  nicht und wir lebten im glitzernden EisLand.

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Das Holz konnte wir gut gebrauchen, denn wir hatten auch dort nur einen Ofen. Die ganz großen Stämme kamen in den Katzenauslauf, als Kletterstämme und auch einfach zum Sitzen. Zum Glück waren die Äste nur außen am Zaun heruntergefallen und der Auslauf war unbeschädigt geblieben.

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Die Wälder sahen schlimm aus, die Schäden sah man noch Jahre später. Wir haben sehr viel Glück gehabt, denn viele Menschen hatten keinen Strom und das dauerte oft tagelang.

………….

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beim Spaziergang

Vor einigen Tagen machte ich einen Waldspaziergang, die Sonne war schon fast untergegangen und ich fotografierte die großen Bäume, das Licht und die verzauberte Abendstimmung.

Durch den Sucher der Kamera machte ich eine wunderbare Entdeckung, ich sah eine WaldFee, die mit den letzten Sonnenstrahlen ausgelassen über einem Weiher tanzte. Ich meinte  sogar ein ganz feines, leises Lachen zu hören.

Das Erlebnis dauerte nur wenige Sekunden, denn als sie bemerkten, das ich ihren Tanz sehen konnte verschwanden sie vor meinen Augen. Doch an meinem Ohr vorbei fühlte ich einen leichten Luftzug und hörte: „Wir sehen uns wieder Erdenkind, bis bald!“

Es ging alles sehr schnell und ich habe doch noch ein Foto gemacht, eigentlich ohne es zu bemerken… und ja, man kann die grüne WaldFee und die goldenen Sonnenstrahlen ganz genau erkennen.

…und ich? Ich bin natürlich schon wieder dort im Wald gewesen, aber ich habe sie leider nicht getroffen die grüne WaldFee, vielleicht beim nächsten Mal?

 

 

Eine Weihnachtsbaum Geschichte

(aus dem Adventskalender 2009, ich bring sie mal mit hierher)

Noch nie hatten wir einen Baum, das erschien uns mit den Katzen nicht so sehr sinnvoll. Später dann, als immer mehr Tiere bei uns wohnten, dachten wir auch nicht mehr daran einen Baum aufzustellen.

Hinzu kam, ich konnte mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, einen sterbenden Baum extra ins Haus zu bringen. Schon vor ungefähr 30 Jahren dachte ich so. Inzwischen hat sich bei mir vieles geändert, vor allem im Kopf…

Geblieben sind  ( die Gedanken an den besten aller Ehemänner),  die Tierliebe, die Liebe zur Natur ist wesentlich stärker geworden und der Gedanke, daß ich keinen echten Weihnachtsbaum haben möchte. So gab es wohl mal einen Adventskranz aus Zweigen oder größere Zweige in der Vase und das hat uns auch gut gefallen.

  Vor ungefähr 10 Jahren fand ich in einem Sperrguthaufen einen kleinen künstlichen Baum. So einen, der schon seinen Fuß zum Hinstellen dabei hat, ca 60 Centimenter hoch, seine Zweige schon arg zerrupft und eingestaubt.

Achtlos auf den Müll geworfen, wie so vieles in unserer Zeit. Ja, wir leben im Überfluß, eine Wegwerfgesellschaft eben.

Gut, jetzt habe ich erst mal zuzgegeben, an keinem einigermaßen passabelen Sperrguthaufen vorbei gehen zu können… aber wißt Ihr was? das ist mir egal. Denn dort habe ich schon so manches brauchbare gefunden. Oft nicht mal für mich, sondern ich habe es dann weitergeben und so wurde wieder etwas Müll vermieden.

   Zum Bäumchen zurück, das sah schon ein bißchen erbärmlich aus, morgens früh im hellen Lichte. Die Zweige ganz verbogen und ich wollte es schon wieder zurücklegen. Doch auf einmal sah ich es in voller Weihnachtspracht vor mir….und wußte, JETZT haben wir auch unseren Baum gefunden.

Der beste aller Ehemänner, der nicht über ganz so viel Phantasie verfügt, guckte doch ein wenige skeptisch, aber er hatte auch den gleichen Gedanken. „Es scheint, jetzt haben selbst wir in diesem Jahr einen Baum.“

Der kleine Baum wurde also mitgenommen und erst mal auf dem Dachboden verstaut, immerhin hatten wir ja noch Hochsommer. Doch wie in jedem Jahr, der Dezember kommt, die Vorweihnachtszeit und dann natürlich der 24.

  Wir hatten den Baum schon einige Tage vorher heruntergeholt und gründlich abgebraust. Nun war er wieder trocken und die Zweige waren gerade gebogen. Er war bereit zum Schmücken. Es hat uns so viel Spaß gemacht, ich kann es Euch nicht sagen. Einige kleine Strohsterne, nostalgische Anhänger, kleine Figuren und Kugeln (nicht aus Glas…Bruchgefahr) und eben so alles, was zu so einem kleinen Bäumchen passen könnte, das hatten wir schon im Vorfeld besorgt.

Zum Schluß stand unser altes Bäumchen im vollem weihnachtlichen Gewand da und sah einfach prächtig aus. Nie haben sie Menschen mehr über ihren Weihnachtsbaum gefreut, das kann ich Euch wohl sagen.

Natürlich hätten wir uns sicherlich immer schon einen Baum kaufen können, aber irgendwie kam es nie dazu… jetzt hatte ein Bäumchen uns gefunden und das war so viel schöner…

   Ich könnte mir denken, das jetzt einige Lesende den  Kopf schütteln und sich fragen, wieso jemand so viel über einen alten Baum schreiben muß… Ja, ich kanns sogar verstehen…aber die Geschichte vom Weihnachtsbaum ist für uns eine sehr typische…

Als wir erstmal einen Baum hatten, fanden wir es einfach so richtig schön gemütlich und hatten sogar einmal den Gedanken, jetzt vielleicht doch einen größeren  Baum zu holen (nein immer noch keinen echten!). Doch haben wir das nicht gemacht. Zu uns paßt gerade dieser kleine Baum und wenn ihn jetzt mal die Katzen umwerfen…auch nicht so schlimm. Er wird einfach wieder hingestellt, der unzerbrechliche Schmuck wieder angehängt und gut ist es.

Ob MIT Baum oder OHNE auf jeden Fall wünsche ich ALLEN, die hier so nett sind in die Türchen zu schauen, einen gemütlichen heiligen Abend.

solche und andere

Herbst – Laub – Ägernis – Unrat …

So sehen sich die Menschen gezwungen jedes noch so kleine Blättchen akribisch zu beseitigen. Alles was ihre Ordnung und Sauberkeit stört muß weg!

Schimpfend fegen und blasen sie die Blätter zusammen und geben sie in den Müll.

„Jeden Herbst der gleiche Ärger, am besten man hackt diese Bäume ab!“

 

Herbst – wunderschöne Farben – Zeit zum Träumen …

Ich sehe goldene Wege, rotgoldene Bäume, eine berauschende Welt der Farben und Wunder.

Sonne die durch buntleuchtendes Laub scheint, Sonnenstrahlen die mit den Farben spielen.

Wind, der die bunten Blätter mit sich nimmt, sie spielerisch hoch und höher bläst, um sie dann wieder zur Erde gleiten zu lassen.

Ich stehe im Laub, jedes noch so kleine Blatt ein Wunder, einmalig und einzigartig. Kann mich gar nicht sattsehen und sattfühlen an all der leuchtenden Pracht um mich herum.

Schätze aus purem Gold in der Hand und einen warmen Schein im Herzen…

Sehe schon die Igel ihre Winternester bauen, sehe all die Tiere und die Vögel, die auch Schutz und Wärme finden können.

Sehe wie das bunte Laub verblasst, wie es langsam wieder zerfällt, nur um von neuem in den Kreislauf von Wachsen, Vergehen und Erneuerung zu gelangen.

Möchte mich legen ins rote-orange-goldene Blätterwerk, möchte den Wind bitten mein Bett aufzuschütteln, möchte einfach nur sein und all diese Pracht genießen, auftanken…

„Ich möchte vor allem DANKE sagen!“

Ein letztes Aufflammen der Natur, bevor der Winter mit seinem Schnee alles bedeckt und zur Ruhe geleitet.

April 2009, die zweite Baumgeschichte

Noch eine Baumgeschichte

Ich möchte einer meiner (erlebten) Baumgeschichten erzählen. Dabei bin ich
mir der Gefahr bewußt, nun endgültig zu den Spinnern zu zählen. Sei es drum…

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Auf meiner morgendlichen Runde kam ich auch immer unter einer großen
Zierkirsche her. Sie war wirklich auffallend groß, sehr ausladend und man konnte
unter ihren Zweigen stehen bleiben. Sie überdeckte den Gehweg, aber man konnte
ganz bequem darunter her gehen.

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Nun gehörten diese Art der Gehölze nicht unbedingt zu meinen Favoriten,
alleine schon diese intensive rosa Farbe der Blüten… Außerdem glaube ich
nicht, daß sie so sehr viel Sinn für die Insekten machen?

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Und so fuhr ich viele Jahre immer unter ihren Zweigen durch. Stand sie in der
Blüte, fühlte ich mich wie in einer rosaroten Umarmung. Ja ich kann es nicht
anders nennen. Von oben schienen zwei Straßenlaternen durch diese dichte
rosafarbene Blütenwolke…. es war unbeschreiblich.

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In den ersten Jahren war es nur ein gutes Gefühl, ich fühlte mich einfach
wohl und gut aufgehoben dort. So stieg ich meistens kurz ab, blieb stehen und
genoß einfach diese intensive Ausstrahlung ….

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Mit jedem Jahr wurde meine Freundschaft zu dieser Zierkirsche enger. (Ich
weiß wie es sich liest… aber so war es nun mal). Ich wartete schon immer auf
das Frühjahr, und wenn sich dann endlich die Blühten wieder öffneten, genoß es
es sehr.

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Die Farbe ROSA steht ja in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Herzen. Mich
machten diese Begegnungen wieder ganz heil und froh. Die Jahre hatten doch sehr
viel meiner Kraft gefordert und es war mir oft noch schwer ums Herz…

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Einige Jahre nun konnte ich mit „meiner“ Zierkirsche“ in enger Zwiesprache
verbringen. Sie hat mir sehr viel gegeben. Dann vor drei Jahren hat man sie
einfach so in ihrer allerschönsten Blüte  gefällt. Das war für mich sehr
schlimm!

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Jede Nacht kam ich an der Stelle vorbei… und war einfach nur traurig. Der
Grund diesen wunderschönen Baum zu fällen??? Wahrscheinlich machten diese vielen
Blütenblätter zu viel Mühe…Denn anstatt diesen rosa Teppich einfach mal liegen
zu lassen, der Wind hätte sicherlich auch geholfen, war jede Nacht dort alles
aufgekehrt. Typisch, spießig DEUTSCH!

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Mir grauste vor dem nächsten Frühling, ohne meinen „Herzensbaum“. Den Weg
vermeiden konnte ich  leider nicht. —Wie soll ich es beschreiben? Zur Zeit der
nächsten Blüte,—sah ich einen Schatten der einstigen Pracht. Wie eine Art
Luftspiegelung. Es war sehr eigenartig.

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Auch als ich „unter“ dieser imaginären Zierkirsche durchfuhr, fühlte es sich
sehr echt an. Nur war die einstige liebevolle Heiterkeit verschwunden, ich
fühlte mich nun sehr traurig  und schwer dort.

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Irgendwann dachte ich, das ist der Geist des Baumes… und dann spontan meine
Einladung: „Komm mit mir, bei uns ist viel Platz. Überall wachsen junge
Bäume…“ Als wenn ein Gewicht auf meiner Schulter saß, so fühlte es sich den
ganzen Heimweg an. Mir wurde erst leichter, als ich unser Grundstück erreicht
hatte.

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Seitdem ist dort kein Schatten mehr und auch keine Traurigkeit, der Geist des
Baumes wohnt jetzt hier irgendwo bei uns.

April 2009, die erste Baumgeschichte überhaupt

Eine Baumgeschichte

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„Baumbart, er ist ein Ent, ein Baumhirte, ein Schäfer des Waldes.“

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Ich möchte heute von meiner Freundschaft zu einer Eiche erzählen. Der Hof,
den wir vorher bewohnten, war umstanden von riesigen Eichen und Buchen. Es lebte
sich einfach besonders gut in der Gesellschaft der Bäume. Kam jemand zu uns,
fühlten sich die Leute gleich gut aufgehoben. Ich weiß, daß das die
Ausstrahlung  und Kraft der Bäume war.

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Eine Eiche hat ganz besonders Einlaß in mein Herz gefunden. Es gab sehr viele
harte, schlimme Zeiten für mich. (das hatte mit den vielen mißhandelten Tieren
zu tun, die bei uns Aufnahme fanden). Wir hatten auch fünf Hunde, die natürlich
mehrmals am Tag nach draußen kamen. (Es gab auch eine sicher eingezäunte große
Hundewiese, aber Hunde wollen ja nicht immer allein raus)

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Also ging ich mit der Hundebande raus, stand dann meistens neben der gleichen
Eiche und sah ihnen zu. Irgendwann lehnte ich mich an den Baum, es durchfuhr
mich ein Schlag. Ich habe mich richtig erschrocken. Machte sogar einen Schritt
zurück. Legte dann eine Hand  wieder auf den Stamm— Wieder durchfuhr mich ein
Schlag.— Es tat nicht weh, war nur zuerst ungewohnt. Als ich dann beide Hände
an den Baum legte, durchströmte mich so eine mächtige Kraft, das mir die Tränen
in die Augen traten.

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So fing meine Freundschaft mit der mächtigen Eiche an. Sie gab mir neue Kraft
und neuen Mut, wenn ich es so sehr nötig hatte. — Ich bin mir  darüber
im  Klaren, das es sich schon etwas seltsam anhört, aber ich habe es so
erlebt.— Lange Zeit habe ich das niemandem erzählt, dann  später  doch. Einige
Leute konnten auch eine besonders Kraft spüren, aber ich glaube nicht so stark
wie ich.

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Dieser Baum hat mir so sehr viel gegeben, ich kann es nicht  ausreichend
beschreiben. Über viele Jahre war er mein Freund und Wegbegleiter. Als wir dann
umziehen wollten konnte ich es kaum über mich bringen von dort wegzugehen. Es es
mir so schwer gefallen, ich kann es nicht sagen. Es gibt leider nicht die
Möglichkeit die Eiche zu besuchen, noch nach 11 Jahren denke ich oft an sie.

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Dieser Kontakt, der von dem Baum ausging, um mir weiterzuhelfen, war eines
meiner schönsten Erlebnisse in meinem Leben. Ich habe gelernt mit Bäumen „zu
reden“, bin einfach sensibel für die Austrahlung der Bäume geworden. Eine
Fähigkeit, die ich nur dem Umgang mit meinem Freund der Eiche zu verdanken habe.

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So, nun habe ich sie erzählt, meine erste Baumgeschichte! Übrigens der
Anfangssatz kommt aus „Herr der Ringe“ (haben aber bestimmt alle gleich
erkannt…)

Die alte Kastanie

Schon als sie das erste Mal von weitem die alte Kastanie sah, kam sie ihr seltsam vertraut vor, fast wie ein langjähriger Freund.

Sie wurde so stark von dem Baum angezogen, daß sie durch den strömenden Regen den kleinen Hügel hinauflief. Durch die Nässe, war das Gras allerdings rutschig geworden und sie fiel zweimal auf die Knie. Egal, ob ihre Sachen schmutzig wurden, sie mußte jetzt sofort zu dem Baum.

Oben angekommen legte sie tastend eine Hand auf den alten Stamm… eine große Wärme durchzog ihren Arm und als sie auch die zweite Hand auf die alte Kastanie legte, schoß eine große Kraft durch ihren ganzen Körper. Noch nie hatte sie so etwas gefühlt. Energie durchdrang sie, sie sah den Baum durch die geschlossenen Augen in einem sehr hellen Licht.

Verwirrt wollte sie ihre Hände zurückziehen, doch das konnte sie nicht, zu stark war die Anziehung. So stand sie da und erlebte so unglaubliches, das sie es auch später nie in Worte fassen konnte.

Irgendwann fand sie sich mit dem Rücken an den alten Stamm gelehnt auf der nassen Erde sitzend wieder. Erstaunt stellt sie fest, das sie fast drei Stunden hier oben verbracht hatte… in der Hand hielt sie eine Kastanie vom letzten Herbst und einen kleinen verdorrten Ast.

Sie machte sich auf dem Heimweg, durchnäßt wie sie war, fror sie jetzt auch und zitternd kam sie schließlich in ihrem zuhause an. Eine Tasse Tee und eine heiße Wanne gönnte sie sich noch und fiel dann ins Bett. Die Kastanie und das Ästchen verwahrte sie sorgsam in einem Kästchen, warum das wußte sie selber nicht.

Am nächsten Tag, dachte sie noch über die Erlebnisse oben bei der alten Kastanie nach, konnte sich aber so recht keinen Reim darauf machen. Doch fuhr sie extra einen Umweg, um noch einmal den Baum zu besuchen.

Ganz vertraut fühlte sie sich, sobald sie ihre Hände auf den Stamm legte, ein Gefühl, als wenn sie endlich ihr Ziel erreicht hätte, als wenn hier und jetzt ihre Suche beendet wäre.

Vor allem vermittelte die alte Kastanie ihr eine tiefe Ruhe… und das was sie oft so dringend vermißte, Gelassenheit und inneren Frieden.

Es wurde zu einem täglichen Ritual, der Besuch der alten Kastanie. Sie sah wie die dicken klebrigen Knospen aufsprangen, die hellgrünen Blätter sich entrollten und die weißen Kerzen erblühten. Sie genoß das Bienengesumm, die warme Sonne und war einfach nur fröhlich und glücklich.

Nachts hatte sie angefangen zu träumen, erst sehr verworren und sie vergaß die Träume recht schnell. Bis sie sich ein Notizbuch auf den Nachtisch legte und ihre Traumerinnerungen sofort aufschrieb. Schnell bemerkte sie, das sie eine ganze Geschichte träumte, es ging immer weiter, jede Nacht. Immer die gleiche Person… und nach einer Weile wußte sie, das sie diese Person war.

Das war zuerst etwas erschreckend, denn diese Frau lebte vor einigen hundert Jahren, hatte ein sehr schweres Leben und hatte aber auch immer wieder die Ruhe und Kraft der Kastanie gesucht. Sie war eine sogenannte weise Frau, eine, die sich mit den Kräutern auskannte, die zu dem Vieh gerufen wurde, wenn dort Krankheiten  waren. Aber auch den Frauen stand sie bei, überhaupt war ihr Rat gefragt.

Als sie ihre Notizen immer wieder durchlas und immer tiefer in das längst vergangene Leben dieser anderen Frau drang, die sie aber auch irgendwie war, tauchten immer mehr Fragen auf.

War es möglich, das diese andere Frau eine reale Person gewesen war, konnte sie vielleicht irgendwo etwas über das Leben dieser Heilerin finden?

Es ließ ihr keine Ruhe, die Besuche der alten Kastanie, gaben ihr immer neue Rätzel auf und die nächtlichen Träume verwirrten sie zunehmend. Sie hatte fast schon Angst sich in all den vielen Eindrücken und TraumBildern zu verstricken.

Eines Tages sprach ein alter Mann sie an, er hätte sie jetzt so oft bei dem Baum stehen oder sitzen sehen, das er sich fragte, warum sie so oft dort wäre. Sie fand ihn gleich vertrauenswürdig und fing nach anfänglichem Zögern an zu erzählen. Erstaunt sah er sie an, hörte aber schweigend zu. Er könne ihr vielleicht einige Informationen geben, denn er befasse sich schon immer mit der Heimatgeschichte.

So verabredeten sie sich für den nächsten Nachmittag in dem kleinen Café im Dorf. In dieser Nacht träumte sie besonders schlimm, wachte auf und weinte ganz schrecklich, irgendetwas furchtbares war der Frau in der Vergangenheit geschehen, was das wußte sie nicht. Die restlichen Stunden der Nacht lag sie wach, an Schlaf war nicht zu denken.

Der alte Herr Lehmeier erwartete sie schon, als sie das Café betrat, kaum das sie sich hinsetzen konnte fing er schon an zu erzählen. Er hätte in den alten Schriften und Urkunden eine Frau gefunden, alles paßte und er wäre sich sehr sicher, das sie die Gesuchte sei.

Er konnte einige Einzelheiten berichten, wie und wo sie gelebt hätte und natürlich zu welcher Zeit. Da er sich bestens in der Heimatgeschichte auskannte, konnte er ihr auch erzählen, wie die Menschen ihr Alltagsleben bewältigt hatten. Ja, das alles stimmte mit ihren Träumen genau überein.

Sehr aufregt unterhielten sie sich und waren beide erstaunt, das alles so gut zusammen paßte. Nun stellten sie auch fest, das die Heilerin eine weit zurückliegende Vorfahrin von ihr gewesen sein mußte. Das war wirklich eine spannende Entdeckung.

Sie trafen sie noch einige Male, es wurden immer neue Dokumente, alte Schriften gesichtet und schließlich hatte man das Leben dieser Frau rekonstruiert. Erstaunliche Details konnte sie aus ihren Träumen beisteuern, die standen in keinem Register. Das Ende der weisen Frau war allerdings ein sehr schlimmes. Man bezichtigte sie der Hexerei, sie wurde gefoltert und später zum Tode durch den Strang verurteilt. All die Menschen, denen sie immer geholfen hatten, forderten ihren Tod.

Ein Grab konnten sie nicht finden, weder in den alten Kirchenbüchern noch in anderen Verzeichnissen. Sie waren darüber enttäuscht, denn vielleicht hätte eine Grabstelle noch mehr Aufklärung gebracht.

In dieser Nacht träumte sie den qualvollen Tod der Heilerin, sie hörte die Menge schreien und mußte all das Schreckliche miterleben, auch das die Leiche einfach dort in der Kastanie hängen gelassen worden war. Es hatte kein Grab für diese Frau gegeben.

Als sie erwachte, fühlte sie sich wie zerschlagen,  wieder war das Kopfkissen naß von ihren Tränen.

An diesem Morgen fuhr sie gleich zu der alten Kastanie und versuchte ganz bewußt dort etwas zu spüren. Es war nicht einfach, denn sie war sehr aufgewühlt.

Endlich kam sie innerlich zur Ruhe, konnte sich mit den Energien des Baumes verbinden, spürte wieder, das da noch mehr war und wußte endlich, das sie die weise Frau erspüren konnte. Über all die Jahrhunderte bekamen sie Kontakt, hatten diese beiden Frauen eine Brücke des Verstehens geschlagen und es war ein so schönes Erlebnis, wie sie es sich nie gedacht hatte.

Die Heilerin, der so ein großes Unrecht geschehen war, war nicht verbittert, sondern voller Liebe und Verzeihen, das teilte sie ihr auch mit.

Viele Bilder, großes Wissen wurden ihr übermittelt und bei jeden Besuch des alten Baumes verstand sie mehr. Kannte irgendwann alle Pflanzen, wußte was sie bewirkten und wie man mit ihnen heilen konnte. Das wertvolle Wissen, was mit den weisen Frauen untergegangen war, wurde ihr übermittelt.

Sie schrieb all das auf, später wurde daraus ein Büchlein und für viele Menschen war es ein hilfreicher Segen. Ihr Leben hatte sich in nur einem Jahr sehr geändert, sie hatte ihre Bestimmung gefunden, sie wußte wie man Mensch und Tier heilen konnte. Das sprach sich herum und immer öfter wurde sie nun um Rat gefragt.

Ihre Kraft, Lebensfreude und ihre innere Stärke bekam sie immer wieder von der alten Kastanie und auch von der weisen Frau, deren Geist sich vor Jahrhunderten mit dem Baum verbunden hatte.