Die flotte Feder – Vol. 2 im Februar

Noch nie erschien ihr ein WinterTag so trostlos,

…leer und kalt. Sie stand mitten im Wohnzimmer, konnte sich nicht bewegen, die Tränen liefen über ihr Gesicht und sie zitterte vor Kälte.

Nach einer lagen Zeit konnte sie sich wenigstens hinsetzen und die Decke um die Schultern legen, doch das Zittern hörte nicht auf. Sie weinte  immer noch, doch jetzt war es ein hartes Schluchzen, daß sie fast zu zerreißen drohte.

Lange saß sie zusammengesunken da, konnte einfach nicht denken, nur weinen und weinen… so furchtbar alleine hatte sie sich noch nie gefühlt.

Viel später fand sie sich in der Küche wieder, kochte Tee, ihr war so kalt, die Zähnen schlugen aufeinander. Mit einer Wärmflasche und dem heißen Tee lag sie dann im Bett, doch die Kälte war bis in ihr Innerstes gekrochen und sie zitterte immer noch stark.

Irgendwann fiel sie in einen Schlaf, der allerdings mehr einer Bewußtlosigkeit glich, als sie erwachte fühlte sie sich elend und krank.

Dann setzte die Erinnerung ein und sie brach erneut zusammen. „WARUM??“ schrie sie … immer und immer wieder… „WARUM??“

Die Erinnerungen an den gestrigen Abend waren so schlimm und taten so weh, daß sie nur noch sterben wollte.

Sie sah die Scheinwerfer, sah das glitzernde Eis auf der Straße … sah.. „OH NEIN!!! …“

:

Sie hatten eine Einladung bei  Bekannten, fuhren gut gelaunt los und freuten sich auf einen netten Abend. Es hatte wieder geschneit, die Straßen teilweise tückisch glatt und so fuhr er sehr langsam und vorsichtig, aber sie hatten ja Zeit. Aus dem Radio kamen die alten Songs von Dean Martin & Frank Sinatra.. Oldies… so wie sie.

Sie sahen  einen Wagen in Graben liegen, natürlich hielten sie, Warnblinkanlage an, und leuchteten mit den Scheinwerfern direkt auf den verunglückten Wagen. Da bewegten sich doch noch Menschen?

Sie sagte: “ Ich rufe die Polizei…“ Er sagte: „Ich gucke mal ob ich helfen kann.“ „Zieh die Warnweste…,“ doch er war schon aus dem Wagen und lief los.

Versuchte die Türen zu öffnen, doch er bekam sie nicht auf. Sie sah jetzt auch ein Kind, es klopfte an die Rückscheibe und schrie.  Inzwischen hatte sie der Polizei alle Angaben gemacht, in wenigen Minuten würde Hilfe kommen.

Sie machte die BeifahrerTür auf, die Warnweste in der Hand und rief: „Die Polizei ist gleich da und die Rettungskräfte auch. Komm, zieh bitte erst die Weste an.“ Doch er hörte sie wohl nicht und versuchte weiterhin den anderen Wagen zu öffnen. „Bleiben Sie ruhig!“ hörte sie ihn rufen, „Hilfe kommt!“

Sie stieg nun aus und wollte zu dem verunglückten Auto…

Ein ohrenbetäubendes Krachen, Splittern, .. sie bekam einen Schlag, flog bis in den Acker.

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… dann beugte sich ein Mann über sie: “ Hallo, können Sie mich verstehen? Wie heißen Sie?“ Mühsam antwortet sie und fragte: „Wo ist mein Mann?“

Später lag sie in einem Krankenwagen, man kümmerte sich um sie. Ihr war zum Glück nicht viel passiert, nur Prellungen, eine kleinere Wunde am Arm und eine Gehirnerschütterung. „Wo ist mein Mann?“ aber niemand beantwortete ihre Frage.

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Bis ein älterer Polizist zu ihr kam und sie fragte was denn geschehen sei. Sie schilderte alles so gut sie konnte, „..aber bitte, wo ist denn mein Mann? Ist alles in Ordnung mit ihm?“

„Seien sie bitte ganz stark, ich habe eine schlimme Nachricht…“ erschrocken starrte sie ihn an. „Ich muß Ihnen leider sagen, daß ihr Mann tot ist. Ein LKW ist mit hoher Geschwindigkeit auf ihr Auto geprallt, der Fahrer hat nicht mehr rechtzeitig bremsen können.  So wurde ihr Auto  auf den verunglückten Wagen geschleudert und ihr Mann stand genau dazwischen. Wir konnten ihn nur noch tot bergen. Es tut mir so leid.“

Sie war wie betäubt, konnte und wollte nicht glauben was man ihr gerade gesagt hatte.

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„Sie hat einen Schock, wir nehmen sie mit in die Klinik.“ „Nein, ich will zu meinem Mann!“ wollte sie noch schreien… doch sie wurde bewußtos.

In der Klink kam sie wieder zu sich,  hatte starke Beruhigungsmittel bekommen, wollte aber nicht dort bleiben. Sie ging auf eigenen Wunsch, „…nach Hause!“  mehr konnte sie nicht denken.

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Als sie dann vor dem dunklen Haus stand, überfiel sie eine schreckliche Hoffnungslosigkeit, sie hörte noch das Taxi wegfahren, schloß auf und stand dann sehr lange Zeit einfach nur da, konnte sich nicht bewegen, war  wie versteinert.

:

Als sie am nächsten Morgen den ersten Schock überwunden hatte versuchte sie klar zu denken.  Jeder Atemzug war eine Qual, jeder Schlag ihres Herzens tat weh.. immer der Gedanke, daß er nicht mehr da war. Sein Herz würde nie mehr im Gleichtakt mit ihrem schlagen, sie war alleine und meinte nur noch sterben zu wollen. Die Trauer verschlang sie wie ein schwarzer Abgrund.

Undenkbar, ohne den geliebten Mann … alles sinnlos!

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Nach einem furchtbaren Tag und einer unendlich langen Nacht, regelte sie alles was man regeln muß, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist. Die Polizei war gekommen, der ältere Beamte hatte noch einmal alle Fakten abgefragt und sie merkte, wie schwer es ihm fiel.

Als er schon gehen wollte fragte sie nach dem Kind, ob es ihm gut gehe? Da konnte der Mann kaum die Tränen zurückhalten, denn das Kind, seine Mutter und das Baby, sie alle waren bei diesem furchtbaren Unfall auch gestorben. Der LKW Fahrer lag schwer verletzt in der Klinik, sein Zustand sei kritisch.

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Danach saß sie lange am Tisch, Tränen hatte sie keine mehr, aber eine eisige Kälte war in ihr. „Das ist die Einsamkeit, nun habe ich nichts mehr zu erwarten. Mein Leben ist vorbei. Was soll ich hier ohne ihn? “ Die Gedanken gingen ihr immer wieder durch den Kopf. Familie hatte sie keine mehr, Freunde auch nicht, zumindest keine guten, eher einige flüchtige Bekannte… sie war nun ganz allein. Wofür sollte sie noch leben?

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Die kommende Nacht verbrachte sie mit dem Aufräumen des Hauses. Einige Papiere verbrannte sie im Kamin, andere legte sie sichtbar auf den Eßtisch.

Spülte die letzte Tasse und räumte sie in den Schrank. Ging noch einmal durch alle Räume… Erinnerungen …viele gute… einige wenige nicht.

Stand  dann auf der Terrasse, es war viel Schnee in den letzten Tagen gefallen. Nur ihre Fußspur war zu sehen und diese einsame Spur ließ sie aufschluchzen. Sie wußte, daß sie sich richtig entschieden hatte.

Die Sonne ging auf, es würde ein schöner Wintertag werden, der unberührte Schnee glitzerte wie tausende Diamanten, einfach wunderschön. Wie sehr hatten sie das geliebt… wie oft standen sie hier, Hand in Hand,  und erlebten gemeinsam den Sonnenaufgang. Sie wandte sich um, noch ein Blick zurück,  dann ging sie ins Haus und schloß die Tür.

.

Den Schuß hörte niemand, denn ihr Haus stand sehr einsam, Nachbarn gab es nicht, aber es würde ein Brief bei der Polizei eingehen… morgen.

***

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Die flotte Feder im August

„Himmel und Hölle…

 

… hmmm? Keine Ahnung“, sagte der Mann ratlos. „Was soll das sein?“

„Das frag ich dich,“ antwortete ich entnervt.

 

Da grübelte ich schon wochenlang über „Himmel und Hölle“ nach, und fragte mich ernsthaft was ich damit anfangen könnte. Bisher leider nix.

 

Die allerersten Gedanken: „So flucht man doch nicht, das heiß doch >Himmel, Arsch & Zwirn<… ?“

 

Dann dachte ich an das Spiel als Kind, wir falteten Papier und konnten es dann so aufmachen, da stand dann was drin… das hieß „Himmel und Hölle“…. aber ich hatte nicht vor das genau zu beschreiben, denn diese Anleitungen finden sich mehrfach im Internet.

 

Gab es nicht auch ein Hinkelspiel, das so hieß? Weiß ich gar nicht mehr genau, irgendwo stand da „Hölle“…nee, ist einfach zu lange her.

 

Der Mann hatte mir also auch nicht weiterhelfen können und so überlege ich immer noch.

 

Nachgeschaut ob es ein Lied gibt, ja gibt es:

       http://www.youtube.com/watch?v=Bc_Z2XnJCMQ

ist aber nicht mein Fall, so daß ich keine Lust hab, mich damit zu beschäftigen.

 

Okay, ich suche weiter: Oh… da gibt es eine „Himmel und Hölle Bar in Münster“, das ist ja mal interessant…im „Kuhviertel“, mein altes Jagdrevier… na egal, das ist lange her… und Schwänke
aus der Jugend gehören nicht hierher…

http://www.stadtpilot.de/ausgehen-in-muenster/profil/himmel-hoelle

 

„Was machen die anderen wohl daraus?“ fragte ich mich, „… hoffentlich keine Beziehungskiste – das würde sich ja anbieten…“ seufzen und Augendreher: „—sei mal nicht so gehässig, Frauen lieben es über Paargeschichten zu schreiben… komisch, ich nun weniger… also laß es!“ rief ich mich zur Ordnung.

 

Auf diese Weise komme ich mit der geforderten Geschichte wohl auch nicht weiter. „Himmel und Hölle“… das ist so, als wenn man einen abgenagten Knochen hinwirft… ist nix dran, was soll ich also damit… ist doch kein Satzanfang sowas…?

 

Über meine ganz persönlichen Einstellungen zum Himmel und zur Hölle möchte ich mich in dieser Form auch nicht auslassen…

 

Was bleibt also?

 

OKAY…ich guck mal in fremdem Zungen. Aha, es gibt eine Band und über die auch ein Film mit dem Titel: „Heaven and Hell“

           http://heavenandhelllive.com/

Will ich mich jetzt damit befassen…? Ich glaube nicht.

 

Weiter…. da gabs doch mal einen Song? Ich glaube von Black Sabbath… gefunden— ich stell auch den Link mal ein:

http://www.youtube.com/watch?v=NUJH7y1yK_E

Sicher die hab ich früher echt viel gehört… aber das war früher… na, wir können es uns ja mal anhören… ganz ehrlich, da bevorzuge ich von denen ganz andere Songs.

 

DAS hört sich gut an:

                                  „Ciel et l’enfer“

Leider habe ich nur so einen Namen von den Altvorderen mitbekommen, die Sprache nicht…

…und wie klingts ganz woanders?

天堂與地獄 – Chinesisch

הימל און גענע   – Jiddisch

천국과 지옥   – Koreanisch

السماء والجحيم – Arabisch

Mbinguni na kuzimu  – Suaheli

Рай і пекла  – Weißrussisch

جنت اور جہنم  – Urdu

Nee… bringt mich  auch nicht weiter! Nix blitzt, schon gar keine Gedanken.

 

 

Ich glaube, so komme ich nicht recht voran… bin also genauso weit wie vorher, habe jetzt aber wenigstens guten Willen gezeigt und mit diesen mageren Wörtern „Himmel und Hölle“ sogar einige Sätze gebildet.

 

Mehr ist von mit heute nicht zu erwarten…

 

 

 

 

 

 

Die flotte Feder im Juli

„Ihr Geburtstag mit der berüchtigten Null rückt immer näher…“

 

 

…nur noch eine kurze Zeit und sie überlegt, was daran so besonders sein soll? Freundinnen und Bekannte machen ein riesen Bohei, Partys, große Einladungen mit Essen und anschließendem Tanz… Gästelisten so lang wie ein Arm…. und das alles wegen einer Null?

Sie lacht, schüttelt den Kopf und denkt „Meine Güte, wenn ich wegen jeder Null in meinem Leben so ein Theater gemacht hätte!“ Nun muß sie wirklich lachen, denn selbst im Gespräch mit sich selbst kann sie es nicht lassen… immer so ein wenig sarkastisch, immer etwas spöttisch…

Ja, das hat sie gut drauf, das Bild, das sie von sich selbst hat, stimmt mit dem Bild das andere Menschen von ihr sehen nicht überein. Sie gestattet es sich nicht Schwäche zu zeigen, sie will auf keinen Fall  bemitleidet werden… nein, ihr Privatleben gehört ihr.

Er hätte in diesem Jahr auch einen runden Geburtstag gefeiert, doch er hatte es nicht geschafft. Er war nun schon so lange tot, er hatte sie alleine zurückgelassen.

Ein Schmerz, der niemals kleiner wurde, der ständig in ihr präsent war. Es verging noch immer kein Tag, ohne das sie ihn vermißte oder dachte „Er würde jetzt aber…“ sich dann meistens
unterbrach, denn es tat ihr einfach immer noch zu weh.

Sie sitzt alleine auf der Couch, so wie jeden Abend. Eine kleine Flasche Sekt  steht schon bereit, zwei Gläser auch.

Nur noch wenige Minuten, sie schenkt beide Gläser ein… ihre Gedanken wandern zu vergangenen Geburtstagen mit und ohne Nullen.  Viele fröhliche Geburtstage, mit viel Lachen, mit ganz viel Lebensfreude… und immer waren sie zusammen, wünschten sich Glück und stießen auf das neue Lebensjahr an.

Dann aber kamen die Geburtstage ohne ihn, es gab keinen Grund mehr zu feiern und sie hatte immer nur den einen Wunsch: “Ich möchte wieder mit ihm zusammen sein.“

„Noch drei Minuten,“ denkt sie. „Gleich ist es soweit, dann bin ich 70 Jahre… und ich bin noch immer da.“

„Du hast mich wohl ganz vergessen? Hast Du nicht versprochen, mich niemals zu verlassen? WO bist du jetzt? WO warst Du nur all die langen Jahre?“ ruft sie laut in den leeren und stillen
Raum.

Noch eine Minute, sie wischt sich die Tränen ab, versucht ein kleines Lächeln, denn so traurig möchte sie dann doch nicht in ihren Geburtstag gehen.

Die alte Kaminuhr schlägt Mitternacht, sie ergreift ihr Glas, erhebt es …

der letzte Schlag verklingt …

…und er stößt mit ihr an. Wünscht ihr ganz viel Glück und versichert, das er sie nun niemals wieder verlassen wird.

Glücklich trinkt sie den Sekt, sie fühlt seine Hand in der ihren, so vertraut und so unendlich lange vermißt.

Sie sinkt langsam nach hinten, ein warmes Glücksgefühl durchströmt sie, noch einmal schaut sie ihn an, noch einmal atmet sie aus, ein kleines Lächeln um den Mund—

….und das leere Glas entfällt ihrer Hand, rollt auf den Boden.

Die flotter Feder -Juni- (2)

„Wie aus heiterem Himmel…“

… gab plötzlich der Boden nach. Verzweifelt versuchte sie sich irgendwo festzuhalten, doch sie rutschte immer schneller nach unten.

Nun fiel sie und schlug hart auf den Boden auf. Benommen rappelte sie sich wieder hoch, das Knie und das Handgelenk taten sehr weh.

Es war fast dunkel und sie konnte kaum etwas in dem spärlich einfallenden Licht erkennen. Tastend streckte sie ihre Arme aus… nein sie konnte keine Wand spüren. Vorsichtig schob sie einen Fuß nach dem anderen vorwärts, der Boden war nicht glatt, immer wieder blieb sie mit dem Schuh hängen.

Sie hatte keine Ahnung, wo sie eigentlich war, denn das Haus hatte keinen Keller. Trotzdem war sie im Erdgeschoß eingebrochen.

Angst kroch in ihr hoch und sie wollte um Hilfe rufen, doch da fiel ihr ein, das sie niemand hören würde. Das Haus stand zu einsam, unmittelbare Nachbarn gab es hier nicht. Mike war vor einigen Stunden abgefahren, er würde frühesten in 10 Tagen von der Reise zurück sein.

Sie stieß an ein Hindernis, es fühlte sich wie ein Tisch an, davor stand ein Stuhl. Vorsichtig setzte sie sich, denn das Knie schmerzte sehr. Mit größter Anstrengung versuchte sie ruhig zu bleiben, doch das gelang ihr nicht.

Als ihr bewußt wurde, das sie niemand in den nächsten Tagen vermissen würde, schlug die Panik über ihr zusammen.

Die Kollegen würden sie nicht vermissen, denn sie hatte drei Wochen Urlaub genommen, sie wollte ihr neu erworbenes Häuschen etwas renovieren und verschönern. Familie, die hatte sie schon lange nicht mehr und der Freund befand sich auf Geschäftsreise. Sie legte den Kopf auf die Arme und schluchzte laut auf. Verzweifelung durchdrang sie.

Nach einer Weile beruhigte sie sich, ihr war klar, das sie sich selber helfen mußte, also wäre es gut, gleich damit zu beginnen, außerdem war es empfindlich kalt hier unten. Sie untersuchte ihre Umgebung noch einmal, und fand die Wände, aber keine Türe.

Sie mußte versuchen nach oben zu kommen. So schob sie den Tisch unter das Loch in der Decke und darauf stellte sie den Stuhl. Vorsichtig kletterte sie auf den Tisch, der stark wackelte und dann auf den Stuhl, richtete sich langsam auf und versuchte den Rand der Decke zu erreichen. Trotz mehrerer Versuche, gelang es ihr nicht so hoch zu greifen. So sprang hoch, dabei kam der Stuhl ins rutschen und sie stürzte schwer auf den Boden.

Sie konnte das Krachen ihres Armes hören als er brach.

Jetzt hatte sie keine Chance mehr, sich selbst aus dieser Lage zu befreien. Die Schmerzen waren so stark, das sie zeitweise das Bewußtsein verlor.

Als sie wieder zu sich kam zog sie Bilanz: sie hatte einen gebrochenen Arm, das Knie pochte schmerzhaft, ebenso ihr Kopf, ihr war schwindelig, sie wurde nicht vermißt, niemand würde nach ihr suchen. Sie konnte nicht auf Rettung hoffen, ihre Lage war mehr als hoffnungslos.

Inzwischen war es ganz dunkel, von oben fiel kein Licht mehr ein. Nun war sie schon mehrere Stunden hier unten und hatte jedes Zeitgefühl verloren. Zweimal hatte sie oben ihr Handy klingeln gehört… das lag unerreichbar in ihrer Tasche neben der Eingangstür im Flur.

Für einen weiteren Versuch sich zu befreien fehlte ihr die Kraft, die Schmerzen ließen das auch nicht mehr zu. Sie hatte Durst und auch Hunger, außerdem fror sie sehr. Jetzt verspürte sie auch noch ein wirklich dringendes Bedürfnis, ihre Lage wurde immer unangenehmer.

 

Sie saß am Tisch und nickte trotz der Schmerzen immer wieder ein. Irgendwann fiel ihr Kopf auf die Tischplatte… unruhige Träume verfolgten sie. Als sie erwachte lag sie auf dem Boden, fühlte sich elend und zerschlagen.

Nur schwer kam sie hoch, der Arm und auch das Knie schmerzten unerträglich und Tränen liefen ihr übers Gesicht. Die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung hüllten sie ein, doch irgendwann war sie zu erschöpft zum Weinen.

Sie dämmerte immer wieder ein, aber zur Ruhe kam sie nicht. Wieder konnte sie ihr Handy hören, es klang wie Hohn und zeigte ihr überdeutlich, das sie nichts mehr erwarten konnte. Resignation hatte sich ihrer bemächtigt und sie hatte jeden Mut verloren.

Einmal dachte sie, das sie oben im Haus etwas gehört hätte und schrie so laut sie nur konnte um Hilfe. Doch bekam sie keine Antwort.

Sie saß am Tisch und fragte sich, was das für ein Raum sei? In den Plänen war er nicht verzeichnet gewesen und es gab auch keinen Zugang, den hätte sie ja nicht übersehen können. Erst jetzt ging ihr auf, wie merkwürdig das doch war, ein Raum, ohne Treppe, den man nicht betreten konnte, in dem aber ein Tisch und ein Stuhl stand. Was hatte das nur zu bedeuten?

Immer wieder dämmerte sie ein, vergaß für kurze Zeit die Schmerzen, den Durst und die Kälte, aber jedesmal kam ihr ihre Situation anschließend noch auswegloser vor.

Inzwischen fragte sie sich, warum sie denn ausgerechnet dieses Haus hatten kaufen müssen, jetzt wurde es ihr zum Verhängnis das es so einsam stand. Dabei hatte alles so gut begonnen, als sie das Haus das erste Mal sah, hatte sie sich sofort darin verliebt. Blühende Rosen überwucherten den Eingang, der Garten war wie verzaubert und das Haus war ihr Traumhaus.

Sie lächelte, als sie daran dachte, wie glatt und einfach dann alles gegangen war, als wenn es gar nicht hätte anders sein können. In ihrer Fantasie hatte sie gleich die Räume fertig gesehen, neue Farben, alles bunt und fröhlich, ein Heim zum Wohlfühlen sollte es werden.

 

So verging der nächste Tag, mittlerweile war ihr Durst schon sehr quälend, schlimmer noch als der Hunger. Wieder war es stockdunkel da unten und sie bekam immer größere Angst. Tränen hatte sie nicht mehr, aber sie schluchzte immer wieder trocken auf. In dieser Nacht konnte sie nicht schlafen, sondern schreckte immer wieder hoch.

Als es wieder etwas heller wurde in ihrem Gefängnis, hatte sie kaum noch Kraft, sie saß auf dem Boden und es war ihr schon zu mühsam sich auf den Stuhl zu setzen, so blieb sie auf der Erde. Sie war inzwischen so durchgefroren, daß ihre Hände und Füße schmerzten, sie zitterte und die Zähne klapperten. Sie rollte sich zusammen und hatte sich aufgegeben.

 

Nach unendlich langer Zeit meinte sie etwas gehört zu haben… sie lauschte, richtete sich auf und ja, da rief jemand. Sie versuchte zu antworten, doch ihre Kehle war zu ausgetrocknet, kein Laut kam heraus.

Verzweifelt stand sie auf, nahm den Stuhl und schlug mit ihm auf den Tisch. Das klang in ihrem Verließ sehr laut, aber ob man das oben hören würde?

Sie schlug immer weiter: SOS-SOS-SOS… ohne Überlegung hatte sich der Rhythmus eingestellt. Der Stuhl wurde immer schwer, und sie wußte, das sie ihn nur noch ein oder zwei mal heben könnte.

„Hallo! Wo sind Sie?“ eine Stimme, ein Mensch! Sie schlug immer fester, der Stuhl zerbrach, und oben erschien das Gesicht eines Mannes in der Deckenöffnung. „Du lieber Gott, was machen Sie da unten?“ rief er.

Nun brach sie zusammen, jede Kraftreserve hatte sie verbraucht.

 

Viel später kam sie wieder zu sich, ein Arzt untersuchte sie, fragte…?  Sie sah Feuerwehrmänner und das allerwichtigste und schönste, sie sah den blauen Himmel über sich. Ein schwaches Lächeln lag auf ihrem Gesicht und sie hatte die Gewißheit noch einmal mit dem Leben davon gekommen zu sein … dann wurde sie erneut ohnmächtig.

Im Krankenhaus schiente man den gebrochenen Arm, ihre Wunden wurden versorgt und sie schlief sehr lange. Nur kurze Wachzeiten, in denen sie etwas trank und aß. Dann saß Mike an ihrem Bett, hielt ihre Hand, hatte Tränen in den Augen und sagte immer wieder wie froh er doch sein das sie gerettet worden war. .

 

Schon bald fühlte sie sich besser, konnte schließlich entlassen werden. Die erste Fahrt führte sie zu ihrem Retter, sie wollte sich persönlich bedanken. Er war ihr nächster Nachbar, der sich gewundert hatte, daß ihr Auto so lange in der Einfahrt stand. Wäre er nicht so aufmerksam gewesen, sie wäre dort unten gestorben.

Er berichtete auch, das in diesem geheimen Raum in der Nazizeit Juden versteckt worden waren,  für sie war er ein Zufluchtsort, die Rettung gewesen und sie hatten dort überlebt.

 

Einige Monate später:  sie war vollständig genesen, das Häuschen war renoviert, der unterirdische Raum hatte eine Treppe und einen Zugang bekommen, war jetzt ein Vorratskeller geworden. Und sie und Mike feierten mit den neuen Nachbarn eine Einweihungsfeier.

Sie feierte aber vor allem ihre Rettung und war unendlich dankbar – nie war ihr vorher so bewußt gewesen, wie kostbar und schön das Leben doch ist!

 

Die flotte Feder im Juni

„Wie aus heiterem Himmel schoss der Blitz in meine Richtung…“

… und schlug in meinen Kopf ein, floß durch meinen Körper,
verschmorte dort auf seinem Weg alles, und endete im Erdboden. Ich fiel tot
um.


oder die kürzeste Geschichte der Welt


oder von der Schwierigkeit eine Geschichte zu schreiben

 

„Wie aus heiterem Himmel …“

… schlug die Liebe ein.

 — schmalz… schluchzt…  schnief… seufzzzzz…

— och nee, ich will keine Liebesschnulzen schreiben!

 

„Wie aus heiterem Himmel …“

… traf sie die Erkenntnis, das sie mit diesem Satz einfach nichts anfangen konnte.

Sie hatte ihn nun schon seit zwei Wochen hin- und hergedreht. Hatte ihn immer wieder im Kopf gewälzt und hatte jetzt kein Problem zu schreiben, das ihr nichts dazu einfiel.

Aber komisch, sonst reichte ein Wort, ein Gedanke und die Geschichten schrieben sich von praktisch von selbst, wollten erzählt werden, so in einem Rutsch sozusagen.

Schon als „der Satz“ das erste Mal auftauchte, wußte sie, der ist nichts für mich… auch ihn zu kürzen, ihm also das „dicke Ende“ zu nehmen, half da nicht weiter.

Sicher, sie hatte mit dem Gedanken gespielt, jetzt auf Biegen und Brechen eine Geschichte zu erfinden… aber das entsprach so ganz und gar nicht ihr.

Sollte sie sich jetzt verbiegen?

Nein, sie wollte sich treu bleiben.

Die flotte Feder im Mai

Und plötzlich war da nur noch Stille….

 

…es war wie ein Schlag ins Gesicht. Nach dem Lärm, der Hetze und dem Trubel, jetzt plötzlich nur noch Ruhe und Stille.

Doch es dauerte nur einen Moment bis sie fragte sich, was geschehen wäre? Wo war sie?Sehen konnte sie nichts, hören auch nicht, nein, auch sonst hatte sie keine Möglichkeit sich zu orientieren.

Es war ein sehr ungewohntes Gefühl, unsicher und auch etwas ängstlich, dann aber war sie dankbar, das endlich einmal Ruhe war. Eine tiefe Stille hüllte sie ein.

Alles was  sonst so dringend war, Termine, Ansprüche von Kindern, dem Mann und dem Chef… das alles war bedeutungslos geworden. Es dauerte eine Weile bis sie begriff, das nur sie jetzt noch wichtig war.

Es ging nicht mehr darum, was sie alles tun müßte, was sie zu erledigen hätte oder wie schnell sie ihre Aufgaben bewältigen könnte, nein, das alles versank in der Bedeutungslosigkeit.

Ein Gefühl der Leere blieb in ihr und sie fühlte sich sehr einsam und verlassen. Gedankenfetzen kamen und gingen, ergaben aber keinen Sinn, Fragen wurden nicht mehr beantwortet, und sie fühlte sich losgelöst.

Eine Art Schwebezustand in dem sie dahin trieb…

Alles was ihr bisher so wichtig erschienen war, verlor zunehmend an Bedeutung, zurück blieb ein großes Bedauern. Ja, sie wußte auf einmal, das sie so vieles versäumt und immer nur gehetzt ihre Tage abgespult hatte, aber die wirklich sinnvollen Dinge hatte sie leider fast immer vergessen.

Sie verlor immer mehr den Kontakt…

„Todeszeitpunkt 13,21 Uhr,“ sagte der Notarzt und wandte sich der nächsten Verletzten zu.

 

„Die flotte Feder“ im April

(... Eine ganz und gar erfundene Geschichte ...)

  Aufatmend ließ ich mich auf das Sofa fallen, was war das für ein verrückter Tag gewesen, und griff…

 

…nach der Tasse mit dem Roibuschtee. Ich kuschelte mich in meine Decke, überdachte den Tag und ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht.

 

 

Der Morgen hatte wunderbar ruhig und entspannt begonnen, mit spätem Aufstehen, Grüntee für die Lebensgeister und einer Folge „Mick Brisgau“ …  alles so Dinge die Frau eben braucht.

So einen Mann, der wirklich noch ein Mann war, den wünschten sich sicher viele Frauen, kein lackierter, parfümierter, kahlgeschorener Laffe, der meinte die Frauen zu verstehen.

So einer wie er, der mit seiner alten Lewis auf seinem „Bock“ auf den Hof geritten kam… einer der die Selbstgedrehte lässig zwischen den Fingern hielt und der auch mal ein Bierchen trank. Keiner, der bunte Cocktails mit Schirmchen und Strohhalm bestellte…

 

„Schön, schön, meine Liebe, nun reiß dich mal zusammen… wie war das heute noch?“ rief ich mich zur Ordnung.

 

 

Da ich einen freien Tag hatte, wollte ich nur einen Stadtbummel machen, einige Kleinigkeiten einkaufen und ansonsten relaxen. Der Job war schon stressig genug im Moment, da hatte ich mir etwas Ruhe verdient.

 

Bald schon saß ich im Auto und fuhr in Richtung „Großstadt“, oder besser gesagt mein Ziel war Gütersloh. „Born to be wild“ wurde im Radio gespielt und ich drehte voll auf.

Ach ja, die Jugendzeit… wo war sie nur geblieben, die wilde Zeit, damals als alles noch aufregend und easy war? Ein bißchen wehmütig wurde mir doch und ich sang aus voller Kehle mit… „…mir doch egal was die Leute denken.“

 

Da gab es einen fürchterlichen Knall, mein Wagen kam ins Trudeln, brach aus, schleuderte, überschlug sich… „WAS IST PASSIERT?“ dachte ich noch… oder schrie ich es laut?

Trümmerteile lagen auf der Fahrbahn, ich hing kopfüber im Gurt und konnte ihn nicht öffnen… Panik stieg in mir auf, „… wenn sie oben ankommt, dann muß ich schreien…!“

 

„Hallo! Blieben Sie ganz ruhig! Ich versuche jetzt Sie da rauszuholen.“  Eine Männerstimme drang zu mit durch,  ein Gesicht erschien vor mir und ich sah Mick Brisgau in die Augen. Jetzt hörte ich auch die Schreie von anderen Menschen, bekam die Hektik rundherum wieder mit. „Mein Gott, ich habe einen Unfall gehabt, wieso???… „ dachte ich. „….bin ich heile… kann ich mich bewegen? – Mick ist hier???“

 

 

Kurze Zeit später hatte mein Retter mich wirklich aus dem Gurt befreit und sicher an den Straßenrand gebracht,  mir war schwindelig und ich wunderte mich noch, was Mick Brisgau eigentlich hier machte…

 

 

Im Krankenwagen kam ich zu mir. „Bitte blieben Sie liegen, wie bringen Sie in die Klinik, dort werden wir Sie erst einmal durchchecken. Sie haben ja eine ganz schöne Schleuderpartie gemacht.“ sagte der Mann neben mir.

 

Es stellte sich heraus, das ich sehr viel Glück gehabt hatte, nur ein Schleudertrauma und eine leichte Gehirnerschütterung, also wollte ich unbedingt nach Hause. Doch vorher wartete noch ein Polizist auf mich und fragte nach dem Unfallhergang. Ich konnte ihm kaum etwas sagen, denn es passierte einfach zu schnell.

 Er erklärte mir dann, das da ein Mann mit extrem überhöhter Geschwindigkeit auf dem Stadtring gefahren sei, er habe die Gewalt über seinen Wagen verloren und hätte unter anderem auch mich erwischt. 

 

 

Erst jetzt bemerkte ich, das ich meine Handtasche nicht bei mir hatte. Ich fragte danach, und er sagte mir, das mein Begleiter sie hätte. „Mein Begleiter?“ ich muß wohl sehr überrascht geguckt haben, denn der Polizist rief dann nach draußen auf den Flur, …er könne jetzt reinkommen.

Und da war er wieder, Mick Brisgau, alte Lewis, noch ältere Jeansjacke, Lachfalten um die Augen, riesengroß… Ach nein, das war nicht Mick Brisgau, aber er sah ihm verdammt ähnlich.

 

„Also  spinne ich noch nicht ganz,“ dachte ich mir…

Er stellte sich als  „Lutz ….“ vor, aber ich sah nur seine Augen und konnte mich irgendwie so gar nicht konzentrieren. „Erkennen Sie mich, ich habe Sie aus dem Wagen geholt?“ fragte er mich. „Ihre Tasche hab ich hier, wollte ich ihnen gerne persönlich übergeben.“

 

 

Ich bedankte mich, aber er winkte nur ab, „Das war doch selbstverständlich. Aber sagen Sie, wie kommen Sie jetzt nach Hause? Kann ich Sie vielleicht fahren?“

Sein Angebot nahm ich gerne an, denn so hatte ich die Chance ihn etwas näher kennenzulernen, und kennenlernen wollte ich ihn auf jeden Fall.

 

Wir unterhielten uns schon nach kurzer Zeit wie alte Freunde, stellten fest, das wir viele Gemeinsamkeiten hatten und er war mir wirklich sehr sympathisch. Als ich ihm erzählte, das ich ihn für Mick Brisgau gehalten hätte, konnten wir herzlich darüber lachen. Überhaupt mochte ich sein Lachen… ja, der Mann gefiel mir immer besser.

 

Zu schnell kamen wir am Ziel an und ich lud Lutz noch auf eine Tasse Tee ein. „Nicht sehr Lady like…“ schalt ich mich selbst, aber ich wollte ihn einfach nicht so schnell wieder ziehen lassen.

Beim Tee und Kuchen platzte er dann heraus: „Wie ist das, bist du frei? Oder hast du einen Mann?“ Etwas überraschte mich die Frage, aber warum denn nicht, er war ehrlich… und das mochte ich. So klärten wir, das wir beide ungebunden waren, uns gegenseitig sehr sympathisch fanden… und… ja, da machten wir erst mal eine Pause.

 

 

„Wenn Du Lust hast, hole ich dich am Samstag zu einem kleinen Ausflug ab,“ sagte er. „Vorausgesetzt du fühlst dich fit genug und hast überhaupt Lust Motorrad zu fahren.“  Ich muß ihn wohl sehr entgeistert angesehen haben, denn er fügte noch an:“ Wir müssen nicht mit dem Motorrad fahren, ich kann dich auch mit dem Auto abholen…“ „Ach, das ist ja wirklich witzig, ich bin früher so gerne Moped gefahren, hat mir immer viel Spaß gemacht. Na klar, da bin ich dabei.“

 

 

So saß ich abends auf meiner Couch, eingemummelt in meine Decke, hatte ein breites Lachen im Gesicht, träumte von einem Mann, der wohl ganz schnell zum Traummann für mich werden könnte, und der am Samstag auf seinem Bock auf den Hof reiten würde…

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INFOS:

(muß man nicht ansehen, aber für die, die ihre Erinnerungen auffrischen möchten…  oder die, die gar nicht wissen von wem ich hier schreibe… )

>>> Mick Brisgau  und  >>> im Bilde    und  >>> der Song (gleich mit einem tollen Film)