am sechsten Tag

Tag sieben

Am siebten Tag sollst du ruhen!

… und so lehnte sie sich zurück, nahm ein Schlückchen Tee und lächelte entspannt.

*

Tag sechs

„Ich möchte einen Unfall melden…. Ja, mir ist ein Mann vor den Wagen gelaufen…. nein, er bewegt sich nicht, ich weiß nicht, ich glaube er ist tot?…“

.

einige Minuten früher:

Da war er ja wieder, sie faßte das Lenkrad fester, ihre Knöchel traten weiß hervor. Sie trat auf die Bremse. Er stand mitten auf der  kleinen Straße, hatte wieder auf sie gewartet, drehte sich um und sah sie höhnisch an. “ Du Schlampe“, rief er. „… warte, bis ich dich da raushole…“

Sie trat das Gas bis zum Anschlag durch, der Motor heulte auf und der Wagen machte einen Satz nach vorn. Seine angstvoll aufgerissenen Augen sah sie noch, dann hatte sie ihn voll erwischt. Hörte seinen Schrei, der abrupt abbrach…

Nein, sie bremste nicht, sondern gab weiter Vollgas,  der Wagen drohte auszubrechen und sie kam erst an der nächsten Querstraße zum Stehen. Sie atmete aus, merkte erst jetzt, daß sie, seitdem der Wagen  ihn übergerollt hatte, sie die ganze Zeit die Luft angehalten hatte. Ihre verkrampften Hände wollten das Lenkrad nicht loslassen und sie saß eine oder zwei Minuten einfach nur da und versuchte wieder ruhig zu werden.

Da sah sie im Rückspiegel, das er sich taumelnd auf sie zu bewegte. Der Schreck lähmte sie nur eine Millisekunde, sie rammte den ersten Gang ein, fuhr an, drehte und rast mit großer Geschwindigkeit auf ihn zu. Er versuchte noch zu entkommen und sie sah seine Panik, zu spät! Schon hatte sie ihn ein zweites Mal überrollt. Sofort hielt sie an, nahm das große Messer  vom Beifahrersitz und sprang auf die Straße. Da lag er, rührte sich nicht mehr, Arme und Beine seltsam verdreht, in einer größer werden Blutlache die  in den Rinnstein rann.

Vorsichtig ging sie näher, er atmete noch und er erkannte sie. Doch nur noch wenige Atemzüge, dann war Ruhe. Noch wartete sie einen Moment, stieß ihn dann mit der Fußspitze an, nein, er rühte sich nicht mehr. Er war tot!

Sie sah die Straße rauf und runter, doch  um 4 Uhr war kein Mensch unterwegs und in den beiden Häusern da hinten war kein Licht angegangen, keiner hatte etwas gesehen oder gehört!

Das große Messer legte sie unter den Sitz, nahm ihr Handy aus der Jackentasche und rief die Polizei.

*

Tag fünf

Sie hatte Magenschmerzen, ihr war übel und am liebsten hätte sie alles hin geschmissen. Gleich mußte sie wieder ihre Tour fahren und die TodesAngst war zu ihrem Begleiter geworden. Er würde wieder auf sie warten, ob sie ihm noch einmal entkommen könnte? Fieberhaft überlegte sie, welchen Weg sie heute nehmen könnte, damit sie der Gefahr entgehen würde.

Sie zitterte unkontrolliert, aber es half nichts, sie mußte los. Es ging um Leben oder Tot. „Er oder ich“….dachte sie.

In dieser Nacht hatte sie Glück, eine Familie verstaute Koffer im Auto, sie liefen hin und her ins Haus, sie hörte fröhliche Stimmen, die fuhren in Urlaub.

Da hinten stand er halb verdeckt hinter Büschen und lauerte… doch heute konnte er ihr nichts anhaben. Für diese Nacht war sie gerettet.

*

Tag vier

Heute kam sie eine Stunde später als normal und aus der anderen Richtung, doch sah sie ihn schon von weitem. Er stand halb verborgen hinter dem Gebüsch und beobachte die Straße. Er wartete, er würde sie fertig machen… WAS würde er mit ihre machen? Die Angst schnürte ihr den Atem ab und sie fühlte sich schwach und schwindelig.

Sie bremste, verriegelte den Wagen und fuhr langsam weiter, da hatte er sie auch schon gesehen. Er schrie, sie verstand es nicht, sah nur noch wir er eine Eisenstange schwang und auf ihre Motorhaube drosch.

Irgendwie kam sie vorbei. Naßgeschwitzt saß sie später lange vor der Bäckerei in ihrem Auto. Tränen liefen über ihr Gesicht und sie hatte nicht die Kraft aufzusteigen. Menschen gingen vorbei, holten ihre Morgenbrötchen. Am liebsten hätte sie jemand angesprochen  und um Hilfe gebeten.

Doch sie wußte , niemand würde ihr helfen können… ihre Lage war verzweifelt und hoffnungslos!

*

Tag drei

Heute Nacht würde sie den Wagen nehmen und versuchen zu überleben.

Sollte sie sich einfach krank scheiben lassen, wäre das die Lösung? Doch sie ahnte, daß es nur ein Aufschub wäre, denn er würde nicht aufgeben. So ging sie auf ihre Tour, die Angst fuhr mit und sie fuhr dieses bestimmte Stadtviertel erst ganz zum Schluß an.

Immer wieder schaute sie sich um, erwartet ihn zu sehen, und richtig, wieder war er dort in der Nähe vom Friedhof. Zuerst hatte er sie in ihrem Wagen nicht erkannt, doch leider kam sie nicht unbemerkt vorbei. Er stand mitten auf der Straße und zwang sie zu bremsen. Er versuchte die Tür zu öffnen, doch die Verriegelung hielt. Er nahm einen Stein auf und schlug auf die Frontscheibe ein. Er schrie sie an und sie hatte Angst wir noch nie in ihrem Leben. Was hatte sie ihm getan, sie kannte den Mann doch gar nicht?

Sie gab Gas und fuhr los, er sprang gerade noch zur Seite und rief ihr Unflätigkeiten hinterher.

Später hielt sie an und konnte sich kaum wieder beruhigen, sie zitterte am ganzen Körper, so stark, das ihre Zähne aufeinander schlugen. Was sollte sie nur tun?

*

Tag zwei

Angstvoll sah sie um die Hausecke, sah die dunkle Straße runter … atmete auf und dachte: “ Er ist nicht da… ich hab mich umsonst geängstigt!“ Erleichtert machte sie sich wieder auf den Weg.

Als sie am Friedhof fast vorbei war, wurde sie vom Rad gerissen. Sie schrie und schlug hart auf den Asphalt auf. Schmerzen  schoßen durch ihr rechtes Knie und den linken Arm.

Sie versuchte sich aufzurichten, doch schon war er da und schlug ihr ins Gesicht.  Irgendwie bekam sie den Elektroschocker aus der Tasche…… „wie geht der an?“ sie fummelte panisch an den kleinen Schaltern, da traf sie ein weiterer Schlag. Ihre Lippe platze auf, blutete und tat unerträglich weh… sie stöhnte auf.

Da, der knisternde Lichtbogen!  Er sah es zu spät und sie drückte den Schocker an seinen Brustkasten und hörte nicht auf. Er zuckte  und schrie und zuckte weiter, aber sie ließ dem Schalten nicht los und so floßen 38o ooo Volt durch seinen Körper.

Sie flüchtete, ließ ihn liegen…

Weg … nur weg !

*

Tag eins 

Wie immer war sie mit dem Rad unterwegs , es war mitten in der Nacht, die Straßen ruhig und sie dachte über einige Dinge nach. Die Luft war angenehm kühl und so fiel es ihr leicht ihre Tour zu fahren.

In Gedanken war sie schon bei dem kommenden Tag, hatte einiges zu erledigen  und plante wie sie alles schaffen könnte.

Nur noch eine viertel Stunde, dann wäre sie hier für heute auch fertig, dann noch die andere, kleinere Runde und…

Ein Krachen von Ästen, aus dem Gebüsch am Friedhof sprang  jemand. Sie erschrak sehr!

Schon wurde ihr Rad festgehalten und sie konnte nicht weiter. Der Ruck brachte sie zu Fall. Hilflos lag sie hab unter ihrem Rad und sah einen Mann auf sich zukommen. Sie bekam Angst.

„Na, du Schlampe…“ erschrocken sah sie ihn an, ein ihr vollkommen Unbekannter beschimpfte sie?

Ihr Bein lag verdreht unter dem Rad und sie kam einfach nicht wieder hoch. Er griff in ihre Haare und schlug ihr ins Gesicht. Es tat sehr weh und sie konnte sich nicht wehren, er riß  weiter an ihren langen Haaren, „Steh auf!“

Ein Tritt in ihre Rippen, ein weiter Schlag ins Gesicht, sie hatte TodesAngst.

Sie bekam das große Messer, das  immer am Lenkrad hing, zu fassen und hieb nach ihm. Ja, sie hatte ihn irgendwo erwischt, er schrie auf, ließ ihre Haare los und sie rappelte sich hoch. Er fluchte und hielt sich den Arm, sie versuchte ihr Rad aufzurichten, doch da er packte sie schon wieder. Sie stieß erneut mit dem Messer zu und rammte es in seine Hand. Schreiend ließ er sie los.

Sie rannte und rannte und sprang dann aufs Rad und fuhr um ihr Leben. „Das wirst du büßen du Schlampe, ich mache dich fertig!!!“

.

Noch Stunden später, als sie längst in der Sicherheit ihres Heims war, konnte sie sich nicht beruhigen. Unfaßbar das Ganze! Ein Mann hatte versucht, .. ja, was hatte er versucht? Wollte er sie vergewaltigen, wollte er sie töten?

Immer wieder drehte sich das GandankenKarsusell und sie kam einfach zu keiner Lösung. Die Polizei? Was konnte sie denen sagen, sie wußte nicht mal wie der aussah.

Wer würde ihr helfen? Verzweifelt saß sie da… und hatte Angst vor der nächsten Nacht.

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Schleier

Manchmal denke ich, daß ich hintern dichten Schleiern durchs Leben gehe.  Das ist so ein Gefühl der Einsamkeit, ich bin abgeschirmt vom Außen, lebe in meinem eigen Kokon aus Hoffen und Lieben.

Manchmal denke ich, daß es schön wäre auch mal hinter die Schleier zu sehen. Dann trifft mich die Brutalität des Lebens mit voller Wucht, die Gleichgültigkeit und Kälte läßt mich erfrieren.

Manchmal denke ich, daß ich gut aufgehoben bin und ziehe die Schleier ganz dicht um mich. Dort fühle ich mich sicher und geborgen, nichts kann mir etwas anhaben und ich lebe mein glückliches Leben.

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verstehen…

Das ist so eine Sache … VERSTEHEN .

Verstehen wir Worte alle gleich oder haben sie für mich einen anderen Sinn als für dich?

Interpretiere ich etwas in einen Text hinein, das dort gar nicht geschrieben steht. Suche ich einen Sinn, wo vielleicht keiner ist?

Bisher dachte ich, Worte, die mit Bedacht gewählt wurden, werden auch sorgsam aufgenommen. Doch stelle ich fest, meine Worte haben einen ganz anderen Sinn für dich. So werden wir niemals auf einen Nenner kommen, zu verschieden sind unsere Seelenwelten.

Soll mich das nun abhalten meine Gedanken in Worte zu kleiden, nur weil du sie nicht verstehen kannst? Soll ich verstummen, weil mir Gewalt angetan wird, indem du meine Worte versuchst zu verbiegen? Soll ich mich soweit reglementieren lassen, das ich mich nicht mehr äußere?

 

Ich denke nicht.

… sehen

Sie sieht anders… immer sofort weiter und mehr…

 

… das Kalb auf der Weide sieht sie als geschlagenes Tier in Todesangst, dem der Töter den BlozenSchuß versetzt.

… die vorbeiziehende Schafherde, ist für sie nicht idyllisch, denn viele haben schmerzhafte Probleme mit den Hufen und sie gehen einem grausamen Schicksal entgegen.

… die Gänse, die hundertfach im Grün stehen, sieht sie gerupft und gebraten, genauso wie die Hühner, die nur ihrem elenden Dasein entkommen, wenn man sie köpft.

… die Pferde, die dort am Horizont stehen, sieht sie geschlagen, verschachert und hört ihr schrilles Wiehern auf den langen Wegen in den Tod.

… die Kühen, denen man die gerade geborenen Babies entreißt und die jahrelang Höchstleitungen bringen müssen, die sieht sie auf ihrem blutigen letzten Wegen.

.. die Schweine, die man ihr ganzes Leben lang quält und in ihrem eigenen Kot hält, sieht sie noch lebend aufgehängt, nicht betäubt in der Schlachtstraße.

 

… sie sieht all das Leid und Elend und schweigt nicht, aber es frißt sie immer mehr und mehr auf, bis nur noch die Tränen bleiben, aber keine Hoffnung.

 

… die Menschen, denen sie oft ansieht, wie es mit ihnen weitergeht… da schweigt sie still, denn da hat sie keine Tränen und die Hoffnung haben sie selber aufgefressen.

Hat so alles einen Sinn?

Sie las vor einigen Tagen den Satz: „Das Leben schickt dir immer genau die Menschen, die Du für deine Entwicklung brauchst.“

So im vorübereilen gelesen mußte sie doch immer wieder daran denken… „Blödsinn!“… „kann das stimmen?“ …“ein kleines bißchen wenigstens?“… „…vielleicht..?“

Am Abend im Bett, kurz vor dem Einschlafen war der Satz immer noch präsent und sie sah viele Gesichter  in schneller Folge, aber keines kam ihr bekannt vor. Plötzlich war sie wieder hellwach und stand wieder auf, da waren sie wieder die Geister der Vergangenheit.

Mit einer Tasse Tee kuschelte sie sich etwas später in die Couchecke, die weiche Decke über den Beinen.

„Mir war das Leben wohl nicht sehr wohlgesonnen, wenn ich an die Menschen in meinem Leben denke.“ sie sagte das laut. Überhaupt sprach sie gerne mit sich, wenn sie es laut aussprach klärten sich viele Dinge wie von selbst.

Und das Gespräch mit sich selbst hatte den Vorteil, sie konnte schonungslos offen und ehrlich sein, machte es doch keinen Sinn sich selber etwas vorzumachen.

“  …die ich für meine Entwicklung brauchte?“ zuerst hörte es sich Hohn an, brauchte sie es, das man sie schlug? Für was brauchte sie Gewalt und Hass in ihrer Entwicklung?

Das war eines der Themen, die sie nur selten heute noch hervorholte, Tatsache aber, sie waren immer noch präsent. Sie hatte es überlebt, im wahrsten Sinne des Wortes, und es hatte sie stark gemacht im nachhinein. Doch als sie all das erleben mußte, konnte sie es kaum aushalten…

„…was also hat es mir gebracht?“ fragte sie. Nach einigem Nachdenken wurde ihr bewußt, das es sie wirklich gestärkt hatte, es hatte sie unabhänging gemacht und frei von den Menschen.

Sicher, ihr war klar, das der Satz so ganz sicher nicht gemeint gewesen war, aber für sie stimmte es eben nur so.

Durch ihre Erfahrungen hatte sie auf den Kontakt mit den Menschen weitgehendst verzichtet. Nein, es war nicht mal ein Verzicht, es gab kein Verlangen mehr nach menschlicher Gesellschaft. Zu tief waren die Abgründe der menschlichen Existenz in die sie sah… und so  hatte sie sich ganz bewußt abgewandt.

Auf diese Weise konnte sie ihren Seelenfrieden wieder finden und sich in ihrer ganz eigenen Welt einrichten. Sicher, es gab kurze Begegnungen, der Postmann kam und brachte etwas, die Verkäuferinnen in den Läden… sie plauderte anscheinend leicht und unverfänglich, heiter und locker… das fiel ihr nicht schwer.

Nur, das war sie nicht, das machte sie, weil der Umgang einfach leichter dadurch wurde. Das erwarteten die Menschen, nettes, oberflächliches Geplänkel. Sie persönlich brauchte das nicht.

„Ja, man trifft wohl die Menschen, die einen in der Entwicklung weiterbringen,“ dachte sie. „Mich hat es autark und ohne falsche Vorstellungen gemacht.“

Mit diesen Gedanken schlief sie ein. Sie träumte, vergaß die Träume aber wieder und erwachte mit einem leisen Hauch von Bedauern.

Wie kommt der Löwe in die Krippe?

Da liegt ein kleiner abgeliebter Stofflöwe in diesem Jahr bei der Krippe in der Kirche.  Mit Erstaunen sah ich ihn und fragte mich, woher er wohl gekommen sei …

In der Kirche saß eine ältere Frau, eine von denen die ihre Zeit dafür hergeben unsere Kirchen zu bewachen. Deshalb kann man sie noch offen halten tagsüber, leider wird sonst immer wieder vieles zerstört dort.

„Sie wundern sich sicher über den kleinen Löwen? Wie ich sehe Sie fotografieren sie ihn gerade.“ sprach sie mich an.

„Ja, so einen habe ich hier noch nie gesehen,“ antwortete ich. „Er fällt schon auf, etwas ungewöhnlich.“

„Nun, es steckt eine Geschichte dahinter, wenn es Sie interessiert kann ich sie Ihnen gerne erzählen… haben Sie Zeit?“

Natürlich hatte ich Zeit und wir setzten uns in  eine der hinteren Kirchenbänke.

„Dieser kleine Stofflöwe gehörte der kleinen Rebecca und ihre Eltern haben ihn in der Christmette zur Krippe gelegt. Die ganze Gemeinde hatte für das kleine Mädchen gebetet, aber sie verstarb am heiligen Abend.“

„Ach, das ist sehr traurig, war die Kleine krank?“ fragte ich

„Rebecca wurde eine Woche vor Weihnachten angefahren und lag bis zu ihrem Tod im Koma. Ein betrunkener Autofahrer hat sie auf dem Weg zum Kindergarten angefahren und verletzt liegen gelassen. Als man sie dann fand war sie schon sehr schwach, ohne Bewußtsein und stark unterkühlt. Mehrere Operationen brachten sie leider nicht wieder zurück, ihr Zustand verschlechterte sich immer weiter.

Wir alle haben für dieses kleine Mädchen gebetet und haben so sehr gehofft, das sie wieder gesunden würde. Die Eltern erzählten, daß sie immer ganz besonders die Krippe in dieser Kirche geliebt hätte und sie war im letzten Jahr kaum zu halten, weil sie sich alles ganz genau ansehen wollte. Besonders das Jesuskind hat sie ganz genau sehen wollen. Sie war ganz begeistert, als dann das stehende Jesuskind aufgestellt wurde.

In diesem Jahr hat sie die Krippe leider nicht mehr sehen können.

Und so legten die Eltern den kleinen Löwen in diesem Jahr zur Krippe und …“

Mir standen die Tränen in den Augen, „Das ist aber wirklich eine schlimme Geschichte.“

Ja, auch die nette ältere Dame hatte ein Taschentuch in der Hand und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. „Mir setzt das jetzt wieder sehr zu, ich kannte die Kleine und ihre Familie… es ist ein wirkliches Drama. Die Eltern sind ganz verzweifelt und deshalb hat es ihnen einen kleinen Trost gegeben, Rebeccas Lieblingslöwen zum Christkind zu legen.“

Wir unterhielten uns noch eine Weile und ich bedankte mich zum Abschied.

Sehr nachdenklich fuhr ich nach Hause und mußte die Geschichte unbedingt aufschreiben.

In Erinnerung an Rebecca.

(Diese Geschichte ist rein fiktiv und ist im Rahmen des täglichen Schreibens entstanden. Die Krippe gibt es und den kleinen Löwen dort auch.)

Relationen…?

Ich seh das geschundene Pferd auf dem langen Transport… seh die Peiniger, die es mit Elektroschockern wieder auf die Beine bringen… die doch gebrochen sind… sehe diese Fratzen.

Ich seh die Kinder verhungern… dicke Bäuche… Ärmchen und Beinchen wie Stöcke so dürr… sehe die übervollen Mülleimer, in die wir Lebensmittel werfen… sehe die Banker, deren Bestreben der Hunger der Welt ist… damit sie mit jedem Tag noch mehr Gewinne einstreichen können.

Ich höre das Vieh schreien, wenn es auf die Transporter geknüppelt wird… in mir hallen die Todesschreie, derer die  lebendig durch Schlachtstraßen gehen… kein Mitleid auf den Henkergesichtern.

 

 

Ich könnte die Schreie der Kinder und Frauen hören, die man vergewaltigt und demütigt, ich könnte das Leid der Menschen sehen… müßte nur hinhören und meine Hand austrecken….

Ich wäre in der Lage hinzusehen, wenn die Tiere mißhandelt und gequält werden… müßte sie schützen und mich vor sie stellen…

 

Ich könnte handeln, ich könnte UMDENKEN, ich könnte aktiv werden, ich könnte mein Herz öffnen, ich könnte …, ich müßte…?

 

Doch ich habe zu tun… man kann sich ja schließlich nicht um alles kümmern.

Was lange (g)währt


 

Was lange währt…
Die Nacht vor heute
Der Regen prasselte aufs Autodach, das war die reinste Sinnflut. Aussteigen, Zeitung zum Haus bringen, einsteigen. Die Brille immer wieder naß, keine Sicht, die Scheibenwischer schafften diese Wassermaßen kaum..
Nein, heute Nacht war das kein Traumjob.

Wenn sie daran dachte, das gleich sicherlich wieder dieser Mann ihr auflauern würde… am liebsten wäre sie einfach durchgefahren. Aber noch brauchte sie den Job, noch konnte sie nicht einfach hinschmeißen.

Unmißverständlich hatte man ihr von der Vertriebsleitung gedroht, schon mehrfach. Sie sah keinen Grund dafür, denn sie kam immer pünktlich. Nicht für einige Leser, die am liebsten schon um 4 Uhr ihre Zeitung haben wollten, das sie ihre Arbeit bis 6 Uhr zu erledigen hatte… das interessierte keinen.

Da stand er schon, das Geragentor hell erleuchtet, und wartete… „Können Sie nicht grüßen?“ blaffte er sie an. „-und wieder ist es nach halb sechs, Sie brauchen gar nicht mehr zu kommen!“
Grußlos, denn sie hatte diesem Man nichts zu sagen reichte sie die Zeitung. Sie war älter, sie war eine Frau, sie sah nicht ein, das sie nach all dem auch noch nett grüßen sollte.

Er beschimpfte sie noch weiter, da saß sie längst wieder im Auto.

Vor 8 Jahren
Da hatte sie einen Neuen im Bezirk, schon am zweiten Tag hatte er sich über sie beschwert, das konnte ja heiter werden. Er verlangte schon um 5 Uhr seine Zeitung, Das sie das nicht schaffen würde hatte sie ihm mitgeteilt.

Daraufhin belauerte er jeden Tag ihr Kommen und beschwerte sich auch fast täglich. Die Vertriebsleitung drohte ihr, weil er drohte zu kündigen. Daß das ein unhaltbarer Zustand war, wurde dann durch den Betriebsrat gekärt. Die Arbeit hatte bis um 6 Uhr in der Früh fertig zu sein, und diese Zeit hielt sie immer ein.

Vor 7 einhalb Jahren
Auf einer anderen Tour hatte sie sich eine Frau zur Feindin gemacht. Womit, das war ihr nie klargeworden. Nur, das sie diese Frau jede Nacht lauthals auf der Straße beschimpfte und es fast zu Handgreiflichkeiten gekommen war.

Daraufhin änderte sie ihrne gesamten Tourenablauf.

Der Querulant meinte nun, er hätte gewonnen. Da kam er sich sehr groß und stark vor, dieser blöden Zeitungsfrau hatte er es aber so richtig gezeigt! Sie kam jetzt schon sehr früh in der Nacht, man mußte eben nur Druck machen bei solchen Leuten. Ja, sie erfuhr von seinen Prahlreden und mußte heimlich lachen.

Vor einem Monat
Nachts wurden die Straßen immer unsicherer. Zum Wochenende waren randadierende Bertunkene keine Seltenheit, aber auch an den normalen Wochentagen war sie nicht immer sicher.
Da gab es diesen Mann der ihr auflauerte, um sich vor ihr zu entblößen. Keine so angenehme Sache, alleine in der Dunkelheit.
Da gab es einen anderen, der sie beschimpfte und aufs übelste beleidigte, nur weil er meinte, sie käme zu spät und die Zeitung wäre nicht richtig gefaltet.

Sie änderte daraufhin ihre Touren, um dem allem zu entgehen. Kam dann allerdings beim Querulaten wieder viel später. Da ging das Theather wieder los. Drohungen, er würde kündigen, Druck von der Vertriebsleitung, trotzdem die genau wußten sie eigentlich im Recht war.

Der Job machte unter solchen Umständen kaum noch Spaß. Wenn man je hatte von Spaß reden können. Für einen Hungerlohn, mußte sie sich abhetzten. Der Lohn war im Laufe der Jahre immer weniger geworden, dafür mußte sie mehr in kürzerer Zeit leisten. Man könne ja aufhören, war die Antwort…

Heute
Kaum zu glauben, auch heute Nacht regnte es. Sie hörte im Radio von Katstrophenalarm und Überschwemmungen. Die ersten Runden fuhr sie wie immer mit dem Rad, war innerhalb weniger Minuten bis auf die Haut naß wünschte sich nur nach Hause in die warme Wanne.
Da fuhr sie in Glas, bekam einen platten Reifen,  mußte den Rest schieben und kam in Zeitverzug. Der Regen peitschte ihr ins Gesicht und sie mußte sich teilweise gegen den Wind stemmen.  Die Tasche war schon innen ganz naß und somit auch die Zeitungen. Dafür wurde sie von einem ärgerlichen Leser auch gleich zur Rede gestellt…

Als sie antworten wollte, fuhr er ihr über den Mund und beschimpfte sie. Ja, wir sind Freiwild für alle Idioten der Welt, dachte sie und ließ ihn stehen.

Als sie schließlich auf der letzten  Runde beim Querulanten ankam, schrie er sie schon von Weitem an. Was ihr einfiele, das wäre eine Unverschämtheit und überhaupt wäre sie das allerletzte.

In ihr explodierte was, ein Knoten löste sich und sie schrie zurück . Egal, ob es sie den Job kosten würde, sie sagte diesem Großkotz die Meinug. Er wurde erst weiß, dann rot und ging dann auf sie los.

Sie sah noch den Holzscheid auf sich zukommen, dann wurde alles schwarz vor ihren Augen, ein Schmerz zerriß sie und ihr letzte Gedanke war: Ich bin doch sogar immer noch pünktlich…

Im Polizeibericht stand zu lesen:
Gegen 5.55 griff der Täter die Botin an. Er schlug mit einem Hozscheid zu und tötete sie. – Die Ermittlungen ergaben, das er diese Frau schon über Jahre immer wieder beschimpft und ihr übel mitgespielt hatte. –
 Die Zuständigen in der  Vertriebsleitung wurden befragt, und gaben zu, davon gewußt zu haben. Allerdings hatte man gefürchtet, einen Leser zu verlieren… und hatte deshalb der Botin nicht  beigestanden, im Gegenteil ihr mit Kündigung gedroht, falls der Leser sein Abbo kündigen würde. Außerdem gäbe es genügend Leute, die gerne so einen Job übernehmen würden.

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Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen sind natürlich rein zufällig und ungewollt.