die Grauen… und wenn die Zukunft voller Wunder ist

Dieser lange Winter hat an ihren Reserven gezehrt. Die Speicher für gute Laune, Gesundheit und Kreativität sind leer.

Jeden Tag kamen die Grauen und wenn sie gingen  fehlte wieder ein Stückchen von ihr. Sie bemerkte es nicht sofort, aber die Energie Vampire waren überall um sie herum. Je länger der Winter dauerte, desto unverfrorener wurde sie angezapft.

Nachts in ihren Träumen erschien die blaue Frau, die eigentlich eine Göttin ist, sich aber lieber blaue Frau nennt, sie nahm sie bei der Hand und flog mit ihr zum Fenster hinaus. Höher und immer höher bis zu den Gipfeln des Weltenbaumes.

Da in den Wolken machten sie Rast und saßen Nacht für Nacht dort, schauten den Sternen zu und wenn sie erwachte fühlte sie sich erfrischt. Doch immer wieder aufs Neue kamen die Grauen, die Energie Vampire und sie fühlte sich schlechter und schwächer, bis sie meinte, nie mehr aufstehen zu können.

In dieser Nacht kam die blaue Frau und sagte ihr: “ Ich nehme dich nun mit, du bist alt und krank, bist du bereit mir zu folgen?“ Sie konnte nur noch nicken und schon fühlte sie sich empor getragen. Dieses Mal aber ging es noch höher bis zum Schloß über  den Wolken in dem die blaue Frau lebt.

Sie schlief und jedesmal wenn sie erwachte saß die blaue Frau bei ihr und schon schlief sie wieder ein. Doch irgendwann hatte sie ihre Energie und Kraft zurück und konnte aufstehen. Sie erkundete das riesengroße Schloß , alles war zauberhaft und überall gab es neue Wunder zu bestaunen.

Doch schon bald wurde sie immer stiller und mußte zugeben daß  ihr etwas fehlte. Die blaue Frau bemerkte es natürlich und fragte was denn los sei. Ob sie denn nicht glücklich hier oben im Wolkenschloß sei, ob sie denn nicht alles bekäme was sie sich wünsche?

Sie konnte nur nicken und fühlte sich undankbar, aber sie mußte zugeben, das sie nicht glücklich sein konnte.

Da oben im Schloß der blauen Frau gab es kein anderes Leben. Sei fragte: „Warum wachsen hier keine Blumen und wo sind die Bäume ? … und warum leben keine Tiere hier oben bei dir?“

„Weil ich mich um alles Leben sorgen muß, ich bin für die Lebenden da unten zuständig, hab einfach keine Zeit.“

„Warum hast Du mich denn mitgenommen?“

„Weil Du nicht mehr lebst, ich wollte dir nur eine Pause gönnen, bevor ich dich weiterbringe.“

„Wohin? Weiterbringen..?“ sie war zu neugierig  und löcherte die blaue Frau mit Fragen.

„Ich sehe schon, nun gibt es kein Halten mehr, “ sagte die blaue Frau lächelnd. „Du wirst mir keinen Frieden lassen bevor Du nicht alles weißt. Also gut… da du so erschöpft warst konntest du dir nicht mehr deinen Himmel aussuchen und deshalb habe ich dich mitgenommen.“

Sie schaute verwirrt, „…aussuchen?“

„Ganz recht, jeder Mensch kann sich seinen Himmel aussuchen, für den einen ist er so für den anderen ganz anderes, eben so wie der Mensch es sich wünscht. Überlege gut, es gibt nur eine Wahl.“

Sie senkte den Kopf, so viele Fragen… so vieles das sie wissen wollte. „Ob ich vielleicht meine Familie und einige meiner Freunde sehen könnte, die mir schon vorausgegangen sind? Wäre das möglich?“

Die blaue Frau nickte lächelnd, „Natürlich kannst du Besuche machen, aber erst einmal sollst du für dich ganz alleine entscheiden wie du hier sein möchtest.“

„Das ist doch ganz klar, ich möchte all meinen Tieren um mich haben, ich hoffe es geht ihnen allen jetzt gut. Ob sie mich wohl erkennen?“

„Wir können losfliegen, sobald du weißt was du willst.“ sprach sie blaue Frau. „Aha, du hast ja schon ganz genaue Vorstellungen, das erleichtert die Sache, also … los gehts!“

Sie nahm sie an der Hand und schon flogen sie über die verschiedensten Landschaften, sahen große Städte, die aber nichts glichen was sie von der Erde kannte.. sah so viel ungewohntes und unbekanntes, so daß sie oft nur staunen konnte. Weiter und immer weiter flogen sie… die verschiedenen Himmel wurden seltener.. es wurde immer einsamer…

Bis sie endlich in einem Tal landeten. Ein kleiner Fluß kam oben aus den Bergen. plätscherte munter über große Steine und floß in einen glasklaren See. Große, alte Bäume, bunte, üppige Blumenwiesen, die samtige Luft war erfühlt von wunderbaren Düften und… ja, und jetzt setzte ein vielstimmiger Vogelchor ein.

Staunend stand sie da, konnte nur immer wieder schauen, entdeckte schließlich ein kleines, altes, von Efeu überwuchertes, Haus, das beschützt unter einem riesigem Baum stand.

„So hab ich es mir immer vorgestellt,“ sie konnte nicht weitersprechen, denn nun kamen die Tiere . All ihre Lieben die sie im Laufe der vielen Jahren verloren hatte…Hunderte! .. Alle waren sie da, jung,  gesund, voller Lebensfreude und auch von ihr waren die Jahre abgefallen. Vergessen all das Schwere, vergessen die Grauen  und all die unerfreulichen Begebenheiten eines langen Lebens

„Ich laß dich nun alleine. Adieu!“ sagte die blaue Frau.

„Ich hab aber noch so viele Fragen…“ doch die blaue Frau unterbrach sie : “ Stell sie doch den Menschen die schon länger hier sind. Sie haben auf dich gewartet und werden sicher bald vorbeischauen. Bis dahin lerne deinen Himmel erst einmal kennen.“

Sie bedankte sich sehr und machte sich auf ihre eigene neue Welt zu erkunden. Glücklich und voller Lebensfreunde lief sie und rannte laut lachend, begleitet von den Tieren, bis sie ans Ende des Tals kam. Dort war eine hohe, alte Mauer.

Ein kleines Tor das sie vorsichtig aufmachte und dahinter warteten noch viel mehr Tiere, elend, geschunden, und voller Pein. Tränen schoßen ihr in die Augen und sie machte das Tor weit auf: „Kommt! Kommt ALLE!“ rief sie.

Und die Tiere kamen, kaum aber schritten sie über die Schwelle, fielen alle Qualen von ihnen ab und auch sie waren wieder jung und voller Lebenskraft. Es war eine Freude zu sehen wie sie übermütig durch das saftige Gras sprangen. Es kamen nicht nur Hunde und Katzen, nein Ziegen, Esel, Kühe, Pferde, Schweine, auch Hühner und anderes Getier.

„Ja, ich bin wirklich in meinem Himmel!“ dachte sie dankbar.

Alles wofür sie ein Leben lang gekämpft hatte, oft leider vergebens, schien sich hier zu Erfüllen. Eine unendliche Dankbarkeit war in ihr, ein warmes Gefühl der Geborgenheit, ein Glücksgefühl und eine Zuversicht, die sie nie vorher empfunden  hatte.

Später als sie in ihrem kleinen Häuschen bei einer dampfenden Tasse Tee saß, viele ihrer geliebten Tiere um sich herum, konnte sie immer nur wieder nicken und denken:031 „Ich bin wirklich angekommen!“

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Zauberwesen

Sie holte sich ein Wesen ins Haus und sie hatte das Glück ein Zauberwesen gefunden zu haben.

Unbeschwert, ohne Arg, voller  Vertrauen und so lebendig  brachte sie den Sonnenschein wieder in ihre Seele.

In ihr Herz zog Liebe und neue Lebensfreude ein. Übersprühend vor Leben, so neugierig, alles ist neu, alles ist erst mal spannend.

Sie sieht durch Augen, die so vieles entdecken, sie hört plötzlich Töne und Geräusche, die sonst im Alltag untergingen.

Augen, aus denen der  Schalk  und Übermut blitzt, die aber auch voller Vertrauen und Liebe sind… Augen, die sie ansehen.

Das Zauberwesen wächst und gedeiht, und mit ihr hält das Glück wieder Einzug und wird größer und immer mehr.

Verspielt und voller Tatendrang entdeckt das Zauberwesen die Welt und nimmt sie dabei mit.

Das Zauberwesen fordert sie, fordert ihre Aufmerksamkeit und Zuwendung … und sie gibt all ihre Liebe.

GedankenKreisel

Zur Ruhe kommen… mal abschalten… einfach neue Dinge tun… oder gar nichts?

„Tja, wenn es doch so einfach wäre,“ dachte sie und ein kleines Teilchen ihres Gehirns war schon wieder mit anderen Dingen beschäftigt.

„RUHE!“ rief sie laut.

Was blieb war ein leichtes Rauschen in ihren Ohren  — und Stille.

Nach einiger Zeit unterbrochen von einem vorbeifahrenden Auto. Der Wind war jetzt auch wieder zu hören, er heulte im Kamin. Vögel zwitschtern und auch der alte Hund atmete etwas lauter…

„Es hat keinen Sinn, ich kann mich nicht zur Ruhe zwingen… so geht das nicht!“ dachte sie und trank noch einen Schluck Tee.

Schon waren ihre Gedanken wieder bei Dingen, die sie machen könnte, müßte, wollte…

Still saß sie da, guckte nach draußen in den verwilderten Garten. Vögel flogen vorbei, sie hörte ihre Stimmen und sah wie der Wind die Äste bog. Das weiße Kirschblütengestöber verzauberte den Garten und schon saß sie in Gedanken auf einem dieser zarten Blätter.

Flog schnell und hoch und jauchzte vor Freude, keine Höhenangst, wie sie verwundert feststellte… nur der Rausch der Geschwindigkeit, die reine Lebensfreude! Der Wind blies ihr ins Gesicht und schüttelte sie durch.

Doch sie saß immer noch still da, schaute aus dem Fenster und fragte sich ob das die Lösung sei, das die Lebensfreude ihr fehlte. Durch so viele Dinge hatte sie einfach vergessen zu leben und glücklich zu sein.

Eine Stimme fragte leise: „Hast du überhaupt ein Recht glücklich zu sein?“ „Ist es nicht deine Pflicht dich für all das Elend und das Unrecht in der Welt einzusetzen?“ raunte eine andere Stimme… viele Stimmen waren da und alle sagte ihr, was sie zu tun hätte.

„Ach seid still! ICH muss gar nichts. Ich hab doch immer getan was ich nur konnte, nun sind meine Reserven einfach leer. Ich kann nicht mehr!“ sie hatte laut gesprochen und der Kater neben ihr sah sie aufmerksam an.

„Willst du mir auch etwas sagen?“ fragte sie ihn. Er stupste sie mit seinem Kopf an und schnurrte laut. Natürlich wurde er dafür gestreichelt und ihre Gedanken kamen sofort zur Ruhe… sie bemerkte es erst nach einer kleinen Weile.

Ja, die Tiere hatte ihr schon so viel gegeben in ihrem Leben, so viel Glück und Liebe… war sie nicht alleine deswegen verpflichtet mehr zu tun?

„Gedankenkreisel,“ dachte sie . „immer wieder komme ich da an, das ich helfen muß, das ich nie genug getan habe… oder darf ich egoistisch sein… will ich das überhaupt?– Ich habe einfach keine Lust mehr!– Warum kann ich nicht in Ruhe leben?“

Der Wind war stärker geworden und sie sah noch immer aus dem Fenster, der Himmel grau und es würde bald wieder Regen geben.

Sie ging nach draußen um den andern alten Hund herein zu holen, er sollte nicht naß werden. Ihm taten seine alten Knochen weh. Ihre Knochen taten ihr auch weh, dabei war sie noch gar nicht so alt. Überhaupt war sie in keinem guten Zustand, fühlte sich ausgelaugt und schwach.

Ihr Verstand sagte ihr, sie müsse kürzer treten, sie müsse jetzt mal an sich denken… doch irgendwie schaffte sie es nicht.

„Ja, ich weiß,“ dachte sie, „ich mache es mir nicht leicht. Hätte ich weniger Zeit könnte ich wie alle anderen in der Tretmühle laufen und wärs vielleicht zufrieden. Würde einfach nur so für mich leben, ohne große Ansprüche zu stellen und …“ schon da fing sie an zu lachen…

Nein!!! Das war nicht ihr Weg und das wußte sie.

Ein Gedanke, fast wie ein leiser Windhauch nur: “ Hör nur auf deine Gefühle. DAS ist der richtige Weg für dich! Hör auf dein Herz!“

Ja, vielleicht…?

Der Regen hatte eingesetzt, ein gleichmäßiges Rauschen und das Prasseln vom Vordach waren zu hören, noch immer waren die Vögel nicht verstummt und sie saß wieder still da, sah nach draußen und sah zu wie der Regen fiel.

ein guter Freund

Ungestüm war er, machte viel kaputt, lieb war er und er hatte immer seine ganz speziellen Freunde.

Als er zu uns kam war er noch ein Baby, hatte einfach viel zu viel Kraft und wußte vor lauter Übermut nicht, was er als erstes zerlegen sollte. Die drei älteren, die schon bei uns lebten, sahen dem Treiben des Jungspunds mehr als erstaunt zu. Nahm er doch ganze Böden hoch, zernagt Holztüren und war ansonsten ein Schwerenöter.

Wilde Verfolgungsjagden waren seine Passion, er brachte die älteren Weiber ganz schön auf Trapp. Gelehrig war er, aber er behielt nur Dinge die er für wichtig hielt.

Je älter er wurde, je eigener wurde er. Nein, er wollte nicht immer mit den anderen zusammen sein. Er brauchte seine ganz privaten Freiräume. Er entschied, das ein zuviel an Geselligkeit nicht seinen Vorstellungen vom Leben entsprach.

Es war seine Wiese, da wollte er ganz alleine in der Sonne liegen, buddeln und übers Leben nachdenken. Die anderen drei waren erst erstaunt, aber überließen ihm seine Wiese.

Genauso bestand er auf seinem eigenen kleinen Raum, er wollte unbedingt einmal am Tag da rein, allein, ohne jeden Komfort. Alle Versuche ihn davon abzubringen scheiterten. Gemütlichkeit ließ er nicht zu, alles wurde sofort zerlegt.

Bei den Katzen hatte er von Anfang an ganz spezielle Freunde, die mochte er wirklich und die durften immer zu ihm kommen. Ganz besonders hatte er Birdy in sein Herz geschlossen. Der liebte seinen großen Freund mindestens ebenso. Nun sah man diese beiden fast nur zusammen, da wurde geschmust und gekuschelt. Der kleine Kater lag ganz dicht bei ihm, beschützt vom großen Freund. Turnte auf ihm herum, wurde abgeleckt und geliebt.

Die Freundschaft hält schon das ganze Leben.

Nun hat er noch eine neue Freundin, allerdings eine Beziehung mit etwas Abstand. Luna hat seinen Korb mit der weichen Decke entdeckt. Er steht dann davor, guckt überrascht und legt sich daneben. Ja, im Alter ist er jetzt immer bei uns und liegt jetzt auch gerne weich und gemütlich.

Nun hat Luna ein kleines Körbchen genau neben den großen Korb hingestellt bekommen, beide liegen jetzt entspannt auf ihren Decken, schauen dem Treiben hier im Haus zu, gucken  wo der andere ist und sind gute Freunde auf etwas Abstand.

Ja, er ist schon ein toller Junge unser Lutz.

 hier mit seiner alten Freundin Ronja

kostbare Momente

(im April 2009)

Jetzt, für diesen Moment ist sie wieder da, die alte Ronja, die lebhafte, die überschwengliche, die verrückte, die so liebenswerte…, die junge…?

Ich werde geweckt, weil sie wie ein kleines Wildpferd immer wieder auf und ab, hin und her, vor meinem Bett herumspringt. Sie geht nicht, nein, sie springt und trippelt und das ist laut, sehr laut auf dem PVC, ihrer Krallen schlagen Trommelwirbel.

Zwischendurch ein kurzes innehalten, warten ob ich schon reagiere, ein Schnauben, weil sie ungeduldig ist, es dauert ihr alles zu lange.

Mir wird bewußt, das da die alte Ronja für einen Moment wieder zum Vorschein gekommen ist, schnell richte ich mich auf, sie springt auf der Stelle herum wie ein kleiner Gummiball.

Ich hänge die Beine über den hohen Rand, sofort ist sie da, läuft immer wieder unter meinen Füßen durch, ich klopfe ganz vorsichtig auf ihren Rücken. Das hat sie früher schon geliebt.

Heute bin ich aber ganz besonders sachte, weiß ich doch, das ihre Knochen zerbrechlicher geworden sind und sie sicher oft auch Schmerzen hat.

Ja, so ist sie immer gewesen, eine liebe, kleine, überschwengliche, verrückte Hundedame, der das Fell „juckte“, die sich schubbern wollte, und die immer nur nett und freundlich war.

Ich denke an all das zurück, denke auch, das sie ja jetzt  sonst fast immer nur noch liegt, weiß, das sie uns manchmal nicht mehr sofort erkennt und gar nicht mehr weiß wo sie ist. Oft muß ich nun wecken, aus ganz tiefem Schlaf, verwirrt kommt sie dann zu sich, rappelt sich auf, taumelt, ist gar nicht mehr richtig hier.

Doch diesen kurzen Moment haben wir, sie ist wieder ganz die Alte. Auch jetzt geht ihr alles nicht schnell genug, der alte Lutz wird auch angesteckt und geschwind stürmen beide Seite an Seite die Treppe runter. Unten wird gewartet, ungeduldig und  schwanzwedelnd, weil sie sich freuen das es rausgeht.

Schnell durch die Flure und die Küche und beide Hunde laufen in den Garten. Es ist kalt, windig , aber trocken, ich laß sie noch etwas draußen. Bin mir sehr bewußt, wie kurz doch so ein kleines Hundeleben ist, um so mehr freue ich mich, das es Ronja gerade jetzt noch einmal so gut geht.

Einen ganz winzigen Augenblick meine ich auch unsere anderen Hunde zu sehen, Mirka und Laura, den alten Sam… alle, die mit Ronja bei uns gelebt haben, und auch Henry, ihren KaterFreund… ach ja, ….

Meine Gedanken gehen nicht zum ersten Mal weiter und ich überlege wieder, wann wohl der rechte Moment gekommen ist, sie zu erlösen.

Noch schmeckt das Futter, viel besser das Erbettelte, am allerbesten aber das geklaute Katzenfutter. Vieles lassen wir durchgehen, das sehen wir dann einfach nicht.

Aber ich bin mir sehr bewußt, das ihr Leben zu ende geht. „Vielleicht erleben wir alle ja noch Weihnachten zusammen? …oder sogar noch das neue Jahr?“ denke ich.

Bleibe noch einen Augenblick in der offenen Tür stehen und sehe den beiden Hunden zu, jetzt kommen auch die drei Hühnerdamen und wollen endlich ihr Futter … der Tag hat begonnen.

Ein warmes Gefühl der Freude und der Dankbarkeit hab ich in mir und mit einem Lächeln gehe ich rein.

(im Februar 2010) 

Der Weg

„Was machen Sie denn mit meinen Sachen? Wohin gehen Sie…?“ rief sie empört. Doch der Mann ging einfach an ihr vorbei und ließ sie wortlos zurück.

Aus der Küche erklang ein lautes Klirren, „…hört sich nach meinen Tassen an!“ dachte sie und lief sofort los.

Richtig, der Boden war bedeckt mit Geschirr, Töpfen, Besteckteilen und auch ihre teuren Sammeltassen lagen zerschlagen dort.  Fassungslos blickte sie auf dieses Chaos.

„Hören Sie sofort damit auf!“ schrie sie den Mann an. „Was fällt Ihnen ein, meine ganze Küche zu verwüsten?“ Sie wollte ihn am Arm fassen, denn er riß jetzt einen Oberschrank von der Wand, doch sie griff ins Leere.

Sie konnte es nicht verstehen und stellte sich ihm in den Weg. Er sah durch sie hindurch, ja, er trat die Rückwand aus dem Schrank und trat dabei durch ihr Bein.

Sie konnte es nicht fassen, was geschah nur hier und was war mit ihr passiert? Entsetzt und erschrocken wich sie zurück in Richtung Wohnzimmer. Die Tränen liefen über ihr Gesicht und sie sank auf das alte Sofa. Eine Hundeschnauze stieß sie an und sie streichelte automatisch den Kopf…

„Benji!“ rief sie… „mein Gott Benji, wie ist das möglich?“

Der Hund stand wedelnd neben ihr, groß stark und gesund, so wie in seinen besten Jahren. Sie stutzte, das konnte doch nicht wahr sein?

Aus dem Flur erklang eine Männerstimme: „Wie lange brauchst du noch in der Küche? Ich könnte deine Hilfe gleich bei dem großem Schrank gebrauchen. Den müssen wir vors Haus bringen, der wird bald abgeholt.“

Schnell sprang sie auf und lief auf den Mann zu. Der hatte schon wieder beide Arme voller Sachen, die er rausbrachte. „Lassen Sie meine Sachen in Ruhe, ich verbiete ihnen….“ rief sie nachdem sie ihre Kleidung erkannt hatte und wollte ihn vergeblich festhalten. Auch durch ihn griff sie hindurch. Er sah sie nicht an und ging einfach weiter.

Das alles machte ihr Angst und  sie ging zurück ins Wohnzimmer. Benji stand dort, wartete auf sie und leckte ihre Hand, so als wenn er ihr Mut machen wollte.

Als sie wieder saß und sich genauer umschaute, fielen ihr jetzt die leeren Regale auf, die Schränke die offen standen und ebenfalls leer waren. In einer Ecke türmten sich Papiere, zerfledderte Bücher, Kissen und andere Dinge.

Ganz verzweifelt schluchzte sie auf, es war einfach unbegreiflich, was geschah hier nur? Ermüdet legte sie den Kopf an die Lehne, sie war immer so müde in der letzten Zeit, der Hund hatte sich dicht neben sie gelegt…

Es war dunkel und still als sie wieder zu sich kam. Benjis Kopf lag immer noch auf ihren Beinen und sie streichelte ihn.
„Mein Junge, mein guter Junge…“, murmelte sie. Ja, sie fühlte sich besser als seit langem, hatte wieder neue Kräfte, das spürte sie gleich.

Sie schaute in die Küche, in ihr Schlafzimmer, fast alle Möbel waren weg. Die  Bücher, ihre geliebten Sammlerbären, die Bilder, all die Kleinigkeiten die sie so mochte, alles verschwunden. Der Hund blieb an ihrer Seite, als wenn er sie beschützen wollte.

Immer wieder schüttelte sie verwirrt den Kopf, sie versuchte zu überlegen was gesehen war, aber die letzte Zeit war nur sehr verschwommen in ihrem Gedächtnis. Da war ein fremdes Bett, in dem sie lag, große Schmerzen die sie unablässig quälten und… ja, mehr erinnerte sie nicht. Wie durch eine Milchglasscheibe sah sie einige Menschen um sich — und dann nichts mehr.

Sie schritt nach draußen, und bemerkte erst hinterher, das sie und der Hund durch die großen Glasscheiben geglitten waren, ohne diese erst zu öffnen.

Sie wunderte sich nur kurz darüber, denn sie spürte eine Bewegung an ihrem Bein, sah hinunter und erkannte Mischa, ihren ersten Kater. Schnell bückte sie sich und streichelte ihn, als auch Minka auf einmal neben ihr war. Auch diese beiden waren gesund und sahen ganz jung aus.

Wie konnte das nur  sein, genau erinnerte sie sich an die schweren Gänge mit den Tieren, wenn sie alt und krank schließlich eingeschläfert werden mußten, aber das war viele Jahrzehnte her… und nun waren sie hier?

Lange Zeit zum überlegen blieb ihr nicht, denn plötzlich tauchten von überall Tiere auf, ihre Tiere wie sie sofort sah. Es waren hunderte, Katzen, Hunde, Vögel, Kaninchen, und andere, sie wußte sofort all ihre Namen wieder, ihre Geschichten und konnte sich an jeden einzelnen erinnern.

„Schneeweißchen, Knickelchen, Friedel… mein Gott, wie hab ich euch alle vermißt… Laura, Mirka… meine Lieben… und du Tom-Tom und Pupadu… “

Lächelnd saß sie auf der Wiese, umringt von den Tieren, die sie so geliebt hatte. Sie alle waren jung, gesund und sahen wunderschön aus. Viele von ihnen hatten Male von Mißhandlungen, Verkrüppelungen oder andere Krankheitszeichen früher gehabt, all das war  verschwunden. Ja, jetzt verstand sie es und erschrak im ersten Moment, dann aber war es gut so, und sie nickte wie zur Bestätigung.

Der Mond kam hinter einem Wolkenberg hervor und ein heller Weg aus Mondenstrahlen leuchtete vor ihr auf. Benji und auch die anderen Tiere standen auf und langsam gingen sie ins Helle.

Inmitten der Schar war sie, ganz selbstverständlich, ohne jedes Zögern,  höher und höher
hinauf, noch einmal warf sie einen Blick auf ihr Häuschen, schon war es nicht mehr wichtig.

Vorbei an den Sternen und durch die Wolken, sie sah Menschen und Tiere und grüßte und winkte ihnen zu. Doch sie gingen immer weiter, bis sie in einem Tal ankamen, dort wurden sie von noch mehr Tieren und einigen wenigen Menschen erwartet.

Froh und laut lachend begrüßte sie alle und…

Unsere Hunde

Heute mal etwas mehr von unseren Hunden…

Sie sind beide sehr alt geworden, ganz besonders aber Ronja. Sie kann ja schon lange nichts mehr hören, mit dem Sehen klappt es ja auch nicht mehr… und jetzt muß ich sagen, lassen ihre Kräfte doch sehr nach.

Manchmal hat sie noch „lebhafte“ Momente, aber die werden immer seltener. Spazieren gehen können wir mir ihr nicht mehr, sie schafft nur noch ganz kurze Stückchen.

Nun ist das nicht ganz so schlimm, kann sie ja bei ums Haus herum gehen und hat das große Gelände. Da ist sie jeden Tag noch unterwegs,  das Schnüffeln klappt noch und sie liest immer noch „Zeitung“ draußen… viele kleine Wildtiere hinterlassen ja ihre Spuren bei uns.

Manchmal allerdings ist sie ganz verwirrt… dann steht sie vor mir und ich merke, das sie irgendwie vergessen hat, was jetzt gerade anliegt. Ja, ansonsten liegt sie natürlich ganz viel und schläft in ihrem Körbchen im Wohnzimmer. Einen guten Appetit hat sie noch, ganz besonders die Reste vom Katzenfutter sind ihr Favorit.

Seit einiger Zeit fällt es ihr auch schwer die Treppe nach oben zu bewältigen. Ging sie doch Nachts immer mit rauf… jetzt steht sie manchmal unten und guckt hoch … und geht wieder ins Wohnzimmer. Getragen werden möchte sie nicht gerne, sonst würden wir sie ja auch hochtragen.

               

Von Lutz kann ich berichten, das der harte Naturbursche jetzt auch einen großen Korb mit einem weichen Kissen hat! Früher hat er ja alles, was weich und bequem war zerfetzt. Nichts hielt bei ihm länger als einige Tage. Dann hatte er immer die Eigenart, er wollte in „sein Schapp“, ein Gang  in der Tenne, wo er nur ein Liegebrett  und sein Spielzeug heile ließ. Dort kam er in unserer (kurzen!) Abwesenheit rein, nachdem er als junger Hund fast unser Haus zerlegt hatte.

Seine Ecke gefiel ihm aber und er bestand immer darauf da reinzugehen. Gingen wir aus dem Haus, stand er schon wartend vor der Tür zur Tenne, wenn wir sagten, er brauche doch nicht mehr dort rein, bellte er und kratzte an der Tür…

Er war immer ein Einzelgänger und mußte seine Freiräume haben, die vielen Hundedamen mochte er, aber nicht immer so ganz nah.

Nun geht er auch schon lange nicht mehr in sein Schapp, sondern er bleibt oben im Flur, dort ist sein Stammplatz. Der Korb steht jetzt auch dort und wir sehen ihn nur noch auf seinem dicken Schmusekissen liegen. Er knufft es sich immer unter den Kopf und liegt tief schlafend da.

Neuerdings ist er aber auch etwas wunderlich, läuft nur noch mit einem Spielzeug im Maul herum, am liebsten mit seinem alter PlüschBall. (ja, das ist sein Welpenspielzeug, seine Sachen hat er immer geschont!). Jahrelang hat er das immer nur neben sich liegen haben wollen, jetzt ist er ganz verrückt damit, er muß immer ein Teil mitschleppen…

Auch bei ihm kann man sehen, das er alt geworden ist,  zwar noch nicht so hinfällig wie Ronja, aber er ist eben auch alt.

So liegt jeder Hund auf seinem Stammplatz und wenn es raus geht ist es rührend zu sehen, das sie aufeinander warten. Fehlt der andere, warten sie… alleine will keiner gerne raus. Früher war Lutz eher ein Rüpel, der rausstürmte und alles über den Haufen rannte, die Zeiten sind lange vorbei…

Ronja orientiert sich  sehr an ihm, wenn er reinläuft, kommt sie mit. Sonst muß ich immer hinterher laufen und ganz doll mit den Armen winken, damit sie was mitbekommt. Wenn sie mich dann da stehen sieht, freut sich und wedelt begeistert mit dem Schwanz. Zum Glück kann Lutz noch ganz gut sehen und vor allem auch noch besser hören.

Ihr größtes Vergnügen sind die vielen Leckerchen, die ich ihnen natürlich gerne gönne…

Jeder Tag mit ihnen ist schon jetzt ein Extra-Gesschenk.

~~~ Doch wenn ich so an früher denke, als wir noch fünf junge, gesunde, kräftige Hunde hatten, da war wirklich viel mehr Leben bei uns… tja, leider vergeht die Zeit immer so schnell… leider leben die Tiere einfach nicht lange genug –oder wir leben zu lange… ~~~