und am Donnerstag geht die Welt unter

Sie wußte gar nicht mehr, wo sie es zuerst gehört hatte… oder hatte sie es in der Zeitung gelesen?.. am nächsten Donnerstag würde die Welt untergehen!

Sie hatte noch darüber gelacht, die Welt sollte schon so oft unter gehen… und sie drehte sich immer noch! Wieder und  wieder wurden Termine genannt, auch  alte Prophezeiungen  hervorgeholt… und immer erwiesen sich alle Ängste als unbegründet.

Doch schon einen Tag später sprach man überall vom bevorstehenden Weltuntergang. Konnte es denn vielleicht doch sein?

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Am nächsten Tag schon zeigte das Fernsehen Bilder von verstopften Autobahnen und Straßen, die Menschen waren auf der Flucht. Sie dachte noch, wie merkwürdig das war, flüchten, aber WOHIN?

In den Städten kam es zu Plünderungen.. die Armee versuchte zu sichern, doch das mißlang. Immer mehr zeigte sich die Gewaltbereitschaft der Menschen, ja, selbst vor Mord schreckten viele nicht mehr zurück.

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Sie war froh, so weit außerhalb zu leben, ihr Häuschen lag sehr abgeschieden,  fast versteckt. Schaltete sie den Fernseher oder das Radio ein wurde nur noch vom bevorstehenden Ende berichtet, von all den schlimmen Dingen die fast überall passierten. Hoffnung auf eine Rettung schien es nicht mehr zu geben,  sie bekam Angst.

Man hatte ja mit vielem gerechnet, daß die Menschen  selbst die Erde vernichten würden, daß die Ausbeutung schließlich zum Ende führen würde, Kriege, Naturkatastrophen… an all das hatte man gedacht, doch an einen Meteoriten, der die Erdbahn kreuzen würde, nicht. Dieser war gigantisch, die Menschheit hatten nichts womit sie ihn aus seiner zerstörerischen Bahn hätte bringen können.

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Panik beherrschte alle Menschen und es wurde schon von Selbstmorden berichtet. Die schwärzeste Verzweiflung zog sich rund um den ganzen Erdball.

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Sie lebte in diesen Tagen wie immer alleine mit ihrer alten Katze, sicher, sie saß öfter drinnen, hörte sich die Nachrichten an, was sollte sie sonst tun? Der Gedanke zu flüchten kam ihr nicht… der Gedanke ihr Leben zu beenden schließlich schon. Tabletten wären genug im Haus, aber was würde mit der Katze? Nein, sie konnte sie nicht töten, alleine zurück lassen aber auch nicht, ihre geliebte Mary!

So blieb sie einfach, saß draußen im Schatten der alten Kastanie, lauschte dem Wind und den Vögeln… so wie sie es immer getan hatte.

Überlegte, ob sie zufrieden sein könnte mit ihrem Leben? Nichts besonders hatte sie gemacht, war weder reich noch berühmt, hatte einfach nur ihr kleines AlltagsLeben gelebt… und doch fühlte es sich gut an.

Viele schöne Erinnerungen kamen und gingen, sie vermißte ihren verstorbenen Mann noch mehr als sonst. Dachte an Familie und Freunde von früher… und an Ereignisse die schon lange zurück lagen.

Die alte Mary lag wie immer schnurrend auf ihren Beinen, gedankenverloren streichelte sie das weiche Katzenfell. „Wir beiden Alten, wir werden einfach hier bleiben. Du hast es gut, du weißt nicht das die Welt bald nicht mehr existieren wird.“ sagte sie zur Katze und die schnurrte noch etwas lauter.

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Inzwischen  war schon der letzte Mittwoch auf Erden angebrochen, es gab kein Fernsehprogramm mehr und auch das Radio war verstummt. Seit gestern war auch der Strom ausgefallen, aber sie vermißte ihn nicht. Hatte sie doch alles vorbereitet, Wasser hochgepumpt, nur ein kleiner Vorrat, noch mal Brot gebacken und auch einige Thermoskannen mit Tee gekocht. Mehr brauchte sie wohl nicht mehr.

Es blieb nichts mehr zu tun… sie saß draußen, las ein bißchen, doch ihre Gedanken schweiften immer wieder ab. So würde es also wirklich kommen das Ende der Welt, ein Trost, es würde zum Schluß wohl alles sehr schnell gehen, zumindest hatte man das gesagt, warum also Angst haben.

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Sie hatte ihr Leben gelebt… und es war ein gutes Leben gewesen! Die Befürchtung alleine irgendwo dahin zu siechen mußte sie ja nun nicht länger haben, auch um ihre geliebte Mary brauchte sie sich nicht sorgen… sie würden nun zusammen gehen.

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Der letzte Donnerstag brach an, sie stand schnell auf, die Dämmerung und den  Sonnenaufgang wollte sie nicht versäumen und ein letztes Konzert der Vögel auch nicht.

Leichter Morgennebel lag auf dem Land, der Himmel färbte sich ganz eben rötlich, die Vögel sangen so schön wie niemals zuvor… und sie saß mit Mary auf der Bank vorm Haus. Eine Tasse Tee neben sich, leider war er nicht mehr warm, Mary bekam noch ein letztes Leckerchen und sie aß eine Scheibe vom selbst gebackenen Brot.

Sie saß einfach nur da und genoß mit allen Sinnen, bis Tränen ihre Wangen herunterliefen, so wunderschön war dieser letzte Morgen.

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018

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die Grauen… und wenn die Zukunft voller Wunder ist

Dieser lange Winter hat an ihren Reserven gezehrt. Die Speicher für gute Laune, Gesundheit und Kreativität sind leer.

Jeden Tag kamen die Grauen und wenn sie gingen  fehlte wieder ein Stückchen von ihr. Sie bemerkte es nicht sofort, aber die Energie Vampire waren überall um sie herum. Je länger der Winter dauerte, desto unverfrorener wurde sie angezapft.

Nachts in ihren Träumen erschien die blaue Frau, die eigentlich eine Göttin ist, sich aber lieber blaue Frau nennt, sie nahm sie bei der Hand und flog mit ihr zum Fenster hinaus. Höher und immer höher bis zu den Gipfeln des Weltenbaumes.

Da in den Wolken machten sie Rast und saßen Nacht für Nacht dort, schauten den Sternen zu und wenn sie erwachte fühlte sie sich erfrischt. Doch immer wieder aufs Neue kamen die Grauen, die Energie Vampire und sie fühlte sich schlechter und schwächer, bis sie meinte, nie mehr aufstehen zu können.

In dieser Nacht kam die blaue Frau und sagte ihr: “ Ich nehme dich nun mit, du bist alt und krank, bist du bereit mir zu folgen?“ Sie konnte nur noch nicken und schon fühlte sie sich empor getragen. Dieses Mal aber ging es noch höher bis zum Schloß über  den Wolken in dem die blaue Frau lebt.

Sie schlief und jedesmal wenn sie erwachte saß die blaue Frau bei ihr und schon schlief sie wieder ein. Doch irgendwann hatte sie ihre Energie und Kraft zurück und konnte aufstehen. Sie erkundete das riesengroße Schloß , alles war zauberhaft und überall gab es neue Wunder zu bestaunen.

Doch schon bald wurde sie immer stiller und mußte zugeben daß  ihr etwas fehlte. Die blaue Frau bemerkte es natürlich und fragte was denn los sei. Ob sie denn nicht glücklich hier oben im Wolkenschloß sei, ob sie denn nicht alles bekäme was sie sich wünsche?

Sie konnte nur nicken und fühlte sich undankbar, aber sie mußte zugeben, das sie nicht glücklich sein konnte.

Da oben im Schloß der blauen Frau gab es kein anderes Leben. Sei fragte: „Warum wachsen hier keine Blumen und wo sind die Bäume ? … und warum leben keine Tiere hier oben bei dir?“

„Weil ich mich um alles Leben sorgen muß, ich bin für die Lebenden da unten zuständig, hab einfach keine Zeit.“

„Warum hast Du mich denn mitgenommen?“

„Weil Du nicht mehr lebst, ich wollte dir nur eine Pause gönnen, bevor ich dich weiterbringe.“

„Wohin? Weiterbringen..?“ sie war zu neugierig  und löcherte die blaue Frau mit Fragen.

„Ich sehe schon, nun gibt es kein Halten mehr, “ sagte die blaue Frau lächelnd. „Du wirst mir keinen Frieden lassen bevor Du nicht alles weißt. Also gut… da du so erschöpft warst konntest du dir nicht mehr deinen Himmel aussuchen und deshalb habe ich dich mitgenommen.“

Sie schaute verwirrt, „…aussuchen?“

„Ganz recht, jeder Mensch kann sich seinen Himmel aussuchen, für den einen ist er so für den anderen ganz anderes, eben so wie der Mensch es sich wünscht. Überlege gut, es gibt nur eine Wahl.“

Sie senkte den Kopf, so viele Fragen… so vieles das sie wissen wollte. „Ob ich vielleicht meine Familie und einige meiner Freunde sehen könnte, die mir schon vorausgegangen sind? Wäre das möglich?“

Die blaue Frau nickte lächelnd, „Natürlich kannst du Besuche machen, aber erst einmal sollst du für dich ganz alleine entscheiden wie du hier sein möchtest.“

„Das ist doch ganz klar, ich möchte all meinen Tieren um mich haben, ich hoffe es geht ihnen allen jetzt gut. Ob sie mich wohl erkennen?“

„Wir können losfliegen, sobald du weißt was du willst.“ sprach sie blaue Frau. „Aha, du hast ja schon ganz genaue Vorstellungen, das erleichtert die Sache, also … los gehts!“

Sie nahm sie an der Hand und schon flogen sie über die verschiedensten Landschaften, sahen große Städte, die aber nichts glichen was sie von der Erde kannte.. sah so viel ungewohntes und unbekanntes, so daß sie oft nur staunen konnte. Weiter und immer weiter flogen sie… die verschiedenen Himmel wurden seltener.. es wurde immer einsamer…

Bis sie endlich in einem Tal landeten. Ein kleiner Fluß kam oben aus den Bergen. plätscherte munter über große Steine und floß in einen glasklaren See. Große, alte Bäume, bunte, üppige Blumenwiesen, die samtige Luft war erfühlt von wunderbaren Düften und… ja, und jetzt setzte ein vielstimmiger Vogelchor ein.

Staunend stand sie da, konnte nur immer wieder schauen, entdeckte schließlich ein kleines, altes, von Efeu überwuchertes, Haus, das beschützt unter einem riesigem Baum stand.

„So hab ich es mir immer vorgestellt,“ sie konnte nicht weitersprechen, denn nun kamen die Tiere . All ihre Lieben die sie im Laufe der vielen Jahren verloren hatte…Hunderte! .. Alle waren sie da, jung,  gesund, voller Lebensfreude und auch von ihr waren die Jahre abgefallen. Vergessen all das Schwere, vergessen die Grauen  und all die unerfreulichen Begebenheiten eines langen Lebens

„Ich laß dich nun alleine. Adieu!“ sagte die blaue Frau.

„Ich hab aber noch so viele Fragen…“ doch die blaue Frau unterbrach sie : “ Stell sie doch den Menschen die schon länger hier sind. Sie haben auf dich gewartet und werden sicher bald vorbeischauen. Bis dahin lerne deinen Himmel erst einmal kennen.“

Sie bedankte sich sehr und machte sich auf ihre eigene neue Welt zu erkunden. Glücklich und voller Lebensfreunde lief sie und rannte laut lachend, begleitet von den Tieren, bis sie ans Ende des Tals kam. Dort war eine hohe, alte Mauer.

Ein kleines Tor das sie vorsichtig aufmachte und dahinter warteten noch viel mehr Tiere, elend, geschunden, und voller Pein. Tränen schoßen ihr in die Augen und sie machte das Tor weit auf: „Kommt! Kommt ALLE!“ rief sie.

Und die Tiere kamen, kaum aber schritten sie über die Schwelle, fielen alle Qualen von ihnen ab und auch sie waren wieder jung und voller Lebenskraft. Es war eine Freude zu sehen wie sie übermütig durch das saftige Gras sprangen. Es kamen nicht nur Hunde und Katzen, nein Ziegen, Esel, Kühe, Pferde, Schweine, auch Hühner und anderes Getier.

„Ja, ich bin wirklich in meinem Himmel!“ dachte sie dankbar.

Alles wofür sie ein Leben lang gekämpft hatte, oft leider vergebens, schien sich hier zu Erfüllen. Eine unendliche Dankbarkeit war in ihr, ein warmes Gefühl der Geborgenheit, ein Glücksgefühl und eine Zuversicht, die sie nie vorher empfunden  hatte.

Später als sie in ihrem kleinen Häuschen bei einer dampfenden Tasse Tee saß, viele ihrer geliebten Tiere um sich herum, konnte sie immer nur wieder nicken und denken:031 „Ich bin wirklich angekommen!“

stets…

Die Zeit tropft an mir vorbei, meistens sind das zähe Tropfen, die sich nur langsam lösen um dann im Nirgendwo zu zerschellen.

Manchmal sind das schnelle Tropfen, die fallen und fallen, irgendwann kann ich sie nur noch als ein leises Rauschen wahrnehmen.

Im Traum kann ich sie anhalten die Tropfen oder ich schwimme im See der Zeiten, dort wo alle Zeit unendlich ist und stille steht. Nur für uns Menschen scheint sie dort angehalten zu haben, doch in Wirklichkeit ist die Zeit stets und immer in Bewegung.

So wie auch Steine nicht stumm und bewegungslos sind, nur ist ihre Realität so langsam, das wir sie nicht wahrnehmen können. Wie so vieles was an uns vorbeigeht, da unsere Sinne eben kaum etwas aufnehmen, weil wir einfach nur Menschen sind.

Seh ich meine Katze an, weiß ich das sie so viel mehr sieht, daß ihre feinen Sinne Dinge aufnehmen können, von denen ich kaum etwas ahne.

Doch wenn wir gemeinsam träumen, dann nehmen sie mich mit die Tiere und dann explodiert eine Wirklichkeit so unendlich bunt, vielschichtig und groß, daß ich betäubt erwache, denn ich kann es kaum aushalten.

Wir rasen schwerelos durchs All, nur um im nächsten Moment in einem Tropfen Morgentau zu schwimmen, wir reiten auf Mondenstrahlen und legen und uns auf unbekannten Sternen zur Ruhe. Laufen über taufeuchte Wiesen, riechen zauberhafte Düfte, sehen Farben wie von nie zuvor. Wir verweilen kurz im Jetzt, im Übermorgen und auch im Gestern, denn die Zeit ist eine dehnbare und ich treffe mich immer wieder in der Vergangenheit und sehe mich in der Zukunft.

Und irgendwann hab ich alle Zeit der Welt, ach was, alle Zeit des Universums, dann wenn  ich eins werde mit der Unendlichkeit.

 

Tapsi

(geschrieben am 31-3-2009)

TAPSI

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Aus dem Leben einer behinderten Katze

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Ich bekam Tapsie vor ca 4 Jahren, sie war ein Abgabetier, weil sie „übrig“ war. Sie war zu dem Zeitpunkt ca 9 Jahre alt, und  ist schwerbehindert. (Wahrscheinlich durch einen Katzenschnupfen in frühster Kindheit ist eine Schädigung des Gehirns geblieben, die Motorik ist sehr stark eingeschränkt.)

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Diese Katze hat nun 9 Jahre an einem Hof gelebt, neben einer Straße, sie wurde geduldet, mehr nicht. Wahrscheinlich hat sie sogar Junge bekommen, genaues weiß ich nicht. Irgendwann hat sich jemand erbarmt und sie kastrieren lassen.

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Sie kam zu uns, weil inzwischen ein großer Hund im Nachbarhaus war, der Katzen jagte, da hatte sie keine Chance mehr.

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Als ich sie bekam, war sie total verstört, und verängstigt. Ein Zustand der die ersten langen Wochen fast unverändert anhielt. Sie war ihr ganzes Leben nur gejagt und verfolgt worden , das saß einfach zu tief. Besonders die Angst vor dem Menschen…ein fast unüberwindliches Hindernis.

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Tapsie konnte kaum einen Schritt gehen, dann verlor sie schon die Richtung, sie überschlug sich beim Laufen, knallte an Wände und Möbel. Es war furchtbar anzusehen. Anfangs überlegte ich ernsthaft, ob ich sie nicht einschläfern lassen sollte.

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Dazu kam, daß sie sofort zuschlug, wenn man nur in ihre Nähe kam, auch biß  sie, wenn sie mich erwischte. Trotz aller Bemühungen, hielt dieser Zustand lange Zeit an. Ich sah aus, als wenn ich täglich zerfleischt würde. Meine Hände hatten tiefe Wunden, die Arme auch.–Aber trotzdem habe ich sie mir jeden Tag genommen, immer etwas länger und etwas mehr. Sie sollte lernen, das ich keine Gefahr für sie bin. –So etwas dauert eben, da brauchst Geduld.

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Mit viel Zeit, Ruhe und Liebe, unterstützt durch eine entsprechende Bachblütenmischung wurde aus diesem armen Katzentier wieder eine „glückliche“ Katze. Sie ist noch immer behindert, kann aber, da sie keine Panik mehr hat, besser laufen. Noch immer geht sie unkontrolliert und schwankt, fällt auch manchmal noch um, aber sie meistert alles ganz wunderbar.

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Ich schrieb ja schon, daß ich von ihr viel lernen konnte. Sie ist eine wirklich liebenswerte Katze.  Vor ca drei Jahren haben wir erlebt, wie besonders sie ist.  Selbst so eingeschränkt, hat sie sich die letzten Wochen um  unsere geliebten Jule (eine Tonkanesin)  gekümmert. Als diese immer kränker wurde, wollte von den anderen  Katzen eigentlich niemand mehr gerne bei ihr liegen. Sie hatte aber immer gerne Gesellschaft und da hat Tapsie sich ganz wunderbar um sie gekümmert. Sie haben den Napf geteilt und Tapsie hat sie stundenlang geputzt und blieb bei ihr liegen. Auch sonst habe ich nie gesehen, daß Tapsie aggressiv auf Tiere  reagiert hat. Selbst die Hunde, damals noch zu viert, hat sie nie versucht zu schlagen. Als sie begriff, die tun mir nichts, blieb sie einfach stehen, und ließ die Riesen über sich hinweglaufen.

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In der ersten Zeit hat sie alleine in der Küche gelebt. Aber nun ist sie sogar in unsere Katzengruppe voll integriert. Alle haben sie akzeptiert, trotz ihres „merkwürdigen “ Ganges und ihrer „komischen“ Bewegungen. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich sie hier entspannt und friedlich auf dem Sofa liegen sehe.

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Erwähnen möchte ich, daß sie natürlich kein Katzenklo kannte! Das ist dann immer eine Geduldsprobe, da sie ja von draußen kam, war ein Klo ihr unbekannt. Es hat sehr lange  gedauert, bis sie das verstanden hat.  Aber als Tierfreund, steht man solche Probleme eben durch, das gehört dazu. Heute nun hat sie es begriffen und geht auch (fast immer) ins Kistchen.

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Bisher habe ich es noch gar nicht erzählt, sie ist meine aller-schmusigste und anhänglichste Katze geworden. Sie schläft sehr oft sogar bei mir, laut schnaufend und ich kann dann  gar nicht schlafen. Aber da ich sie sehr liebe, nehme ich auch das in Kauf. Ich freue mich über jeden Tag mit ihr.

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Ach, ich höre sie gerade über mir, laut „stampfend“ kommt sie aus dem Schlafzimmer, da will ich mal nach ihr sehen…

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(sie wurde am 28-6-09 eingeschläfert)

1.15 Uhr

Ich schlug die Augen auf, Dunkelheit und Stille!

Setzte mich auf und griff nach der Uhr, machte Licht und sah, das es wieder 1.15 Uhr war.

Jede Nacht wurde ich seit einiger Zeit um 1.15 Uhr wach. Sehr ärgerlich, denn um 2 Uhr ist sowieso meine Weckzeit.

So stand ich wieder einmal zu früh auf, ging nach unten, wusch mich und bereite den Morgenbrei zu. Noch in der Küche dachte ich, wie blöd das doch ist, wenn man immer zu früh wach wird.  Es gibt keinen Grund, kein Geräusch oder sonst eine Störung, die mich immer wieder erwachen läßt.

Manchmal dachte ich, ob es vielleicht ein Zeichen wäre, das es eine Bedeutung haben könnte für mich. Aber welche?

Auch in dieser Nacht wurde ich um 1.15 Uhr wach, der Griff zur Uhr,  dachte noch, „…und wenn ich einfach liegen bleibe?“

Ging aber dann doch nach unten  und dann stand in der Küche , die im Haus  weit hinten liegt. Ein Quitschen, ein Brechen und Bersten, ein sehr lautes Aufprallgeräusch, Erschütterungen, Geräusche wie Donner, das ganze Haus bebte und die Tassen fielen aus dem Regal. Tellerstapel kippten aus dem Schrank, der Boden schwankte und ich klammerte mich an die Arbeitsplatte.

Alles stürmte zugleich auf mich ein,  ich wußte nicht was geschah, wußte nur, das ich sofort raus mußte. Ich versuchte zur Küchentüre zu gelangen, aber der Weg war durch umgestürzte Möbel und ein großes Stück aus der Decke versperrt. Ich kletterte rüber und sah, das die Tür aus den Angeln war denn die Wand hatte sich stark verformt.

Als ich endlich draußen im Küchengarten stand, konnte ich mir immer noch nicht erklären, was da eigentlich geschehen war. Erst der Gang ums Haus, oder besser gesagt die Reste von meinem Haus, brachten die Lösung. Ein riesiger LKW war von der Straße abgekommen, hatte Tenne, Flur und Wohnzimmer weggerissen und alle Wände vorne im Haus waren eingestürzt oder weg. Der LKW steckte zur Hälfte in meinem kleinen Fachwerkhaus. Ich konnte nicht glauben was ich sah.

Mir wurde ganz schlecht als ich an die Katzen dachte, wo waren sie? Benommen stand ich da, unfähig mich zu bewegen. Ich sah Lichter von Taschenlampen, das waren die Bauersleute von gegenüber und nebenan. Sie fragten mich etwas, aber ich konnte nicht antworten, sondern setzte mich einfach ins feuchte Gras.

Nach einer Weile hörte ich Sirenen und sah Blaulichter, erst da kam ich wieder etwas zu mir, stand mühsam auf und ging zurück zum Hintereingang.

„Der Katzenauslauf,“  dachte ich die ganze Zeit, „vielleicht sind sie ja alle dort?“ Ein wenig Hoffnung und tatsächlich ich sah wirklich einige Katzen dort sitzen. Sie kauerten verstört unter den Büschen und waren vollständig still.

Ich ging zu ihnen, sah, das der Zaun und die Hauswand unbeschädigt waren und sprach sie an, sah in große, verängstigte Augen. Hoffentlich waren sie alle dort?

Man sprach mich an und ich wurde zu den Sanitätern gebracht, einen Schock sagten diese…

….

Bilanz:

Mein Haus wurde als unbewohnbar eingestuft, taugte später nur noch zum Abriß.

Meine Katzen waren tatsächlich alle gesund und unversehrt im Auslauf.

Ich selber war unverletzt.

Der Fahrer des LKW’s hatte wohl die Kontrolle verloren , als er am Steuer einschlief, er hatte schon 15 Stunden Fahrzeit hinter sich, als er mein Haus zerstörte. Er wurde schwer verletzt bei diesem Unglück.

Die Versicherung mußte meine Schäden abdecken, doch es war eine harte Zeit bis hier wieder Ruhe einkehrte. Da ich die Tiere nicht verlassen wollte, lebten wir Übergangsweise alle in einem großen Wohnwagen, den ich hinten beim Katzenauslauf aufstellen ließ.

Es dauerte lange, bis mein Leben wird normal war, bis ich wieder im eigenen Heim leben konnte. Leider verlor ich auch viele Dinge, die mir lieb und teuer waren. Sie waren nicht so sehr wertvoll, aber es hingen Erinnerungen daran und das ließ sich nicht ersetzten.

Und immer wieder hatte ich nur einen Gedanken: „Um genau 1.20 Uhr war der LKW ins Haus gerast, wäre ich im Bett gewesen wäre ich heute tot, denn mein Schlafzimmer war vollkommen zerstört worden. Da hab ich wohl einen Schutzengel gehabt!“

Weil ich aber um 1.15 Uhr aufstand, rettete mir das mein Leben. Wieso aber die Katzen alle Nachts im Auslauf waren, weiß ich bis heute nicht… ich nenne das mein persönliches Wunder und bin sehr dankbar.

Übrigens, ich bin nie mehr um 1.15 Uhr aufgewacht seitdem.

GedankenKreisel

Zur Ruhe kommen… mal abschalten… einfach neue Dinge tun… oder gar nichts?

„Tja, wenn es doch so einfach wäre,“ dachte sie und ein kleines Teilchen ihres Gehirns war schon wieder mit anderen Dingen beschäftigt.

„RUHE!“ rief sie laut.

Was blieb war ein leichtes Rauschen in ihren Ohren  — und Stille.

Nach einiger Zeit unterbrochen von einem vorbeifahrenden Auto. Der Wind war jetzt auch wieder zu hören, er heulte im Kamin. Vögel zwitschtern und auch der alte Hund atmete etwas lauter…

„Es hat keinen Sinn, ich kann mich nicht zur Ruhe zwingen… so geht das nicht!“ dachte sie und trank noch einen Schluck Tee.

Schon waren ihre Gedanken wieder bei Dingen, die sie machen könnte, müßte, wollte…

Still saß sie da, guckte nach draußen in den verwilderten Garten. Vögel flogen vorbei, sie hörte ihre Stimmen und sah wie der Wind die Äste bog. Das weiße Kirschblütengestöber verzauberte den Garten und schon saß sie in Gedanken auf einem dieser zarten Blätter.

Flog schnell und hoch und jauchzte vor Freude, keine Höhenangst, wie sie verwundert feststellte… nur der Rausch der Geschwindigkeit, die reine Lebensfreude! Der Wind blies ihr ins Gesicht und schüttelte sie durch.

Doch sie saß immer noch still da, schaute aus dem Fenster und fragte sich ob das die Lösung sei, das die Lebensfreude ihr fehlte. Durch so viele Dinge hatte sie einfach vergessen zu leben und glücklich zu sein.

Eine Stimme fragte leise: „Hast du überhaupt ein Recht glücklich zu sein?“ „Ist es nicht deine Pflicht dich für all das Elend und das Unrecht in der Welt einzusetzen?“ raunte eine andere Stimme… viele Stimmen waren da und alle sagte ihr, was sie zu tun hätte.

„Ach seid still! ICH muss gar nichts. Ich hab doch immer getan was ich nur konnte, nun sind meine Reserven einfach leer. Ich kann nicht mehr!“ sie hatte laut gesprochen und der Kater neben ihr sah sie aufmerksam an.

„Willst du mir auch etwas sagen?“ fragte sie ihn. Er stupste sie mit seinem Kopf an und schnurrte laut. Natürlich wurde er dafür gestreichelt und ihre Gedanken kamen sofort zur Ruhe… sie bemerkte es erst nach einer kleinen Weile.

Ja, die Tiere hatte ihr schon so viel gegeben in ihrem Leben, so viel Glück und Liebe… war sie nicht alleine deswegen verpflichtet mehr zu tun?

„Gedankenkreisel,“ dachte sie . „immer wieder komme ich da an, das ich helfen muß, das ich nie genug getan habe… oder darf ich egoistisch sein… will ich das überhaupt?– Ich habe einfach keine Lust mehr!– Warum kann ich nicht in Ruhe leben?“

Der Wind war stärker geworden und sie sah noch immer aus dem Fenster, der Himmel grau und es würde bald wieder Regen geben.

Sie ging nach draußen um den andern alten Hund herein zu holen, er sollte nicht naß werden. Ihm taten seine alten Knochen weh. Ihre Knochen taten ihr auch weh, dabei war sie noch gar nicht so alt. Überhaupt war sie in keinem guten Zustand, fühlte sich ausgelaugt und schwach.

Ihr Verstand sagte ihr, sie müsse kürzer treten, sie müsse jetzt mal an sich denken… doch irgendwie schaffte sie es nicht.

„Ja, ich weiß,“ dachte sie, „ich mache es mir nicht leicht. Hätte ich weniger Zeit könnte ich wie alle anderen in der Tretmühle laufen und wärs vielleicht zufrieden. Würde einfach nur so für mich leben, ohne große Ansprüche zu stellen und …“ schon da fing sie an zu lachen…

Nein!!! Das war nicht ihr Weg und das wußte sie.

Ein Gedanke, fast wie ein leiser Windhauch nur: “ Hör nur auf deine Gefühle. DAS ist der richtige Weg für dich! Hör auf dein Herz!“

Ja, vielleicht…?

Der Regen hatte eingesetzt, ein gleichmäßiges Rauschen und das Prasseln vom Vordach waren zu hören, noch immer waren die Vögel nicht verstummt und sie saß wieder still da, sah nach draußen und sah zu wie der Regen fiel.

drei Frauen

Sie trafen sich auf einer Bärenmesse, drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein konnten.

Es fing mit einem Schmuckstück an: „Oh, das muß ich mir aber mal genauer ansehen, wenn ich darf?“ fragte die Ausstellerin eine Besucherin.

Die Ausstellerin, selber eine auffallende, sehr schlanke Erscheinung, hatte ihren eigenen Stil wie man sofort sah und den Hang zum mädchenhaften, verspieltem. Sie hatte diese ungewöhnliche Brosche sofort wahrgenommen und so entspann sich ein kurzes, aber freundliches Gespräch eben über diesen Schmuck.

Sie trennten sich und die Besucherin schaute sich in aller Ruhe all die wunderschönen Bären an, wechselte hier einige Worte, guckte da mal genauer hin, traf einige Bekannte … kurz und gut, ihr gefiel was sie sah.

Kurz bevor sie die Messe wieder verlassen wollte kam sie an einen letzten Stand, außergewöhnliche Bären saßen da und sie schaute sich interessiert um. Blickte auf und sah sich der Ausstellerin gegenüber, die sie schon kurz kennengelernt hatte. „Ach, SIE sind das?“ fragten beiden fast wie aus einem Munde.

Lachten und gleich waren sie in ein neues Gespräch vertieft.  Es ging ums Bärenmachen und ums Verkaufen, später auch um Kunst und wie schwer es doch ist heute… sie kamen immer weiter in die Details, fanden Gemeínsamkeiten und immer neue Themen.

Die Besucherin bot sich an, etwas Werbung für die Bären zu machen. Fragte, ob sie die Bären fotografiern dürfe und dann im Internet in einigen Blogs vorstellen solle. Die Ausstellerin freute sich darüber und war sofort damit einverstanden.

Als eine dritte Frau an den Stand trat und sich neugierig die Bären ansah, sie hatte eine der beliebten Kameras in der Hand, winzig kein, ganz  neu und sehr teuer! Das sah die erste Besucherin sofort, dann erst sah sie die Frau, eine Asiatin.

Sie alle lächelten sich freundlich an, die Asiatin wollte auch einige Fotos schießen. „Aber ja, gerne!“ ermunterte die Ausstellerin sie. So fing sie an und fotografierte und auch die erste Besucherin hatte ihre Kamera in der Hand, so daß sie bald in ein Gespräch übers Fotografieren und die Bären vertieft waren.

„Sie sprechen wirklich sehr gut Deutsch“, sagte sie. Die Asiatin  erklärte, sie wohne nun schon 11 Jahre mit ihrem Mann hier in Deutschland, in dieser Stadt. Die erste Besucherin lächelte, ja genau in dieser Stadt wäre sie geboren, es wäre ihre Heimatstadt und sie hätte vor vielen Jahren auch dort ganz in der Nähe gewohnt.

Das Gespräch drehte sich dann um Tiere, Katzen, um es ganz genau zu sagen. Die Asiatin sagte: „Ich habe zwei Katzen, zwei braungetiegerte …“

„Ich habe auch Katzen, ich liebe sie sehr!“ rief die Ausstellerin.

„Nun ja, ich habe auch Katzen, nur noch sieben, aber früher hatte ich viele Jahre einen Gnadenhof speziell für Katzen…“ sprach die erste Besucherin.

Alle drei Frauen sahen sich an und lachten, die Gemeinsamkeiten schufen eine Verbundenheit, ein Gefühl der Herzlichkeit und des gegenseitigen Verstehens, ein schöner Moment.

Die Frauen waren sich dessen bewußt, das sie gerade etwas besonders erlebten und ein bißchen wehmütig trennten sie sich schließlich.

(Samt & Roses Teddybears by Ika)

meine Nächte…

Tja, nix aufregendes, oder gar schlüpfriges… wer das sucht ist hier fehl am Platze.

Was ich bieten kann sind nächtliche Fahrten, viele gedachte Gedanken, Geschichten, die ich mir erzähle und wundersame Mondnächte. Zu anderen Jahrezeiten erlebe ich ganz herrliche Sonnenaufgänge… und immer die Stille, die ich so sehr liebe.

Die Nächte, sind meine Zuflucht, da komme ich zur Ruhe, bin eins mit der Natur, bin mit mir alleine, aber niemals einsam.  Treffe höchstens die Katzen in den Straßen, sehe kaum mal einen Menschen, bin Teil der Nacht und lebe mit ihr.

Lebe wieder auf, liebe die hellen Nächte, wenn Schwester Mond mir den Weg und den Geist erleuchtet. Oder wenn dann Bruder Sonne langsam empor steigt und neue Lebenskraft in die Welt bringt.

Für mich sind das Wunder die ich erleben darf und von denen ich ein Teil bin…

 

 

 

 

Der Weg

„Was machen Sie denn mit meinen Sachen? Wohin gehen Sie…?“ rief sie empört. Doch der Mann ging einfach an ihr vorbei und ließ sie wortlos zurück.

Aus der Küche erklang ein lautes Klirren, „…hört sich nach meinen Tassen an!“ dachte sie und lief sofort los.

Richtig, der Boden war bedeckt mit Geschirr, Töpfen, Besteckteilen und auch ihre teuren Sammeltassen lagen zerschlagen dort.  Fassungslos blickte sie auf dieses Chaos.

„Hören Sie sofort damit auf!“ schrie sie den Mann an. „Was fällt Ihnen ein, meine ganze Küche zu verwüsten?“ Sie wollte ihn am Arm fassen, denn er riß jetzt einen Oberschrank von der Wand, doch sie griff ins Leere.

Sie konnte es nicht verstehen und stellte sich ihm in den Weg. Er sah durch sie hindurch, ja, er trat die Rückwand aus dem Schrank und trat dabei durch ihr Bein.

Sie konnte es nicht fassen, was geschah nur hier und was war mit ihr passiert? Entsetzt und erschrocken wich sie zurück in Richtung Wohnzimmer. Die Tränen liefen über ihr Gesicht und sie sank auf das alte Sofa. Eine Hundeschnauze stieß sie an und sie streichelte automatisch den Kopf…

„Benji!“ rief sie… „mein Gott Benji, wie ist das möglich?“

Der Hund stand wedelnd neben ihr, groß stark und gesund, so wie in seinen besten Jahren. Sie stutzte, das konnte doch nicht wahr sein?

Aus dem Flur erklang eine Männerstimme: „Wie lange brauchst du noch in der Küche? Ich könnte deine Hilfe gleich bei dem großem Schrank gebrauchen. Den müssen wir vors Haus bringen, der wird bald abgeholt.“

Schnell sprang sie auf und lief auf den Mann zu. Der hatte schon wieder beide Arme voller Sachen, die er rausbrachte. „Lassen Sie meine Sachen in Ruhe, ich verbiete ihnen….“ rief sie nachdem sie ihre Kleidung erkannt hatte und wollte ihn vergeblich festhalten. Auch durch ihn griff sie hindurch. Er sah sie nicht an und ging einfach weiter.

Das alles machte ihr Angst und  sie ging zurück ins Wohnzimmer. Benji stand dort, wartete auf sie und leckte ihre Hand, so als wenn er ihr Mut machen wollte.

Als sie wieder saß und sich genauer umschaute, fielen ihr jetzt die leeren Regale auf, die Schränke die offen standen und ebenfalls leer waren. In einer Ecke türmten sich Papiere, zerfledderte Bücher, Kissen und andere Dinge.

Ganz verzweifelt schluchzte sie auf, es war einfach unbegreiflich, was geschah hier nur? Ermüdet legte sie den Kopf an die Lehne, sie war immer so müde in der letzten Zeit, der Hund hatte sich dicht neben sie gelegt…

Es war dunkel und still als sie wieder zu sich kam. Benjis Kopf lag immer noch auf ihren Beinen und sie streichelte ihn.
„Mein Junge, mein guter Junge…“, murmelte sie. Ja, sie fühlte sich besser als seit langem, hatte wieder neue Kräfte, das spürte sie gleich.

Sie schaute in die Küche, in ihr Schlafzimmer, fast alle Möbel waren weg. Die  Bücher, ihre geliebten Sammlerbären, die Bilder, all die Kleinigkeiten die sie so mochte, alles verschwunden. Der Hund blieb an ihrer Seite, als wenn er sie beschützen wollte.

Immer wieder schüttelte sie verwirrt den Kopf, sie versuchte zu überlegen was gesehen war, aber die letzte Zeit war nur sehr verschwommen in ihrem Gedächtnis. Da war ein fremdes Bett, in dem sie lag, große Schmerzen die sie unablässig quälten und… ja, mehr erinnerte sie nicht. Wie durch eine Milchglasscheibe sah sie einige Menschen um sich — und dann nichts mehr.

Sie schritt nach draußen, und bemerkte erst hinterher, das sie und der Hund durch die großen Glasscheiben geglitten waren, ohne diese erst zu öffnen.

Sie wunderte sich nur kurz darüber, denn sie spürte eine Bewegung an ihrem Bein, sah hinunter und erkannte Mischa, ihren ersten Kater. Schnell bückte sie sich und streichelte ihn, als auch Minka auf einmal neben ihr war. Auch diese beiden waren gesund und sahen ganz jung aus.

Wie konnte das nur  sein, genau erinnerte sie sich an die schweren Gänge mit den Tieren, wenn sie alt und krank schließlich eingeschläfert werden mußten, aber das war viele Jahrzehnte her… und nun waren sie hier?

Lange Zeit zum überlegen blieb ihr nicht, denn plötzlich tauchten von überall Tiere auf, ihre Tiere wie sie sofort sah. Es waren hunderte, Katzen, Hunde, Vögel, Kaninchen, und andere, sie wußte sofort all ihre Namen wieder, ihre Geschichten und konnte sich an jeden einzelnen erinnern.

„Schneeweißchen, Knickelchen, Friedel… mein Gott, wie hab ich euch alle vermißt… Laura, Mirka… meine Lieben… und du Tom-Tom und Pupadu… “

Lächelnd saß sie auf der Wiese, umringt von den Tieren, die sie so geliebt hatte. Sie alle waren jung, gesund und sahen wunderschön aus. Viele von ihnen hatten Male von Mißhandlungen, Verkrüppelungen oder andere Krankheitszeichen früher gehabt, all das war  verschwunden. Ja, jetzt verstand sie es und erschrak im ersten Moment, dann aber war es gut so, und sie nickte wie zur Bestätigung.

Der Mond kam hinter einem Wolkenberg hervor und ein heller Weg aus Mondenstrahlen leuchtete vor ihr auf. Benji und auch die anderen Tiere standen auf und langsam gingen sie ins Helle.

Inmitten der Schar war sie, ganz selbstverständlich, ohne jedes Zögern,  höher und höher
hinauf, noch einmal warf sie einen Blick auf ihr Häuschen, schon war es nicht mehr wichtig.

Vorbei an den Sternen und durch die Wolken, sie sah Menschen und Tiere und grüßte und winkte ihnen zu. Doch sie gingen immer weiter, bis sie in einem Tal ankamen, dort wurden sie von noch mehr Tieren und einigen wenigen Menschen erwartet.

Froh und laut lachend begrüßte sie alle und…

einfach LEBEN

Sie war traurig.

Warum nun ganz genau, das konnte sie nicht sagen.

So eine allgemeine Traurigkeit, die sich schleichend einstellt, und plötzlich überall ist. In den Armen und Beinen und im Kopf natürlich, einfach überall.

Das Gefühl, dem Leben und all seinen Anforderungen nicht gewachsen zu sein… nicht zu genügen… nie genug zu können… niemals genug getan zu haben…

Ja, das machte sie traurig, ihre Unzulänglichkeit.

Das Herz wurde ihr schwer, so als wenn es einfach keine Kraft mehr hätte um weiter zu schlagen… jeder Atemzug wurde zur Anstrengung. Wie sollte sie nur weiterleben?

Sie war traurig, sehr traurig.

Sie wußte auch manchmal, warum, weil man ihr unrecht getan hatte… früher… weil man ihrer Seele Schaden zugefügt hatte… ja, weil man sie gehaßt hatte.

Das Gefühl, sich nie mehr bewegen zu können lähmte sie.

Ja, das machte sie traurig, all das Unrecht, das man ihr angetan hatte.

Ihr Herz schlug schmerzhaft bis hinauf zum Hals… schnürrte ihr den Atem ab. Ihre Hoffnung schwand…

Sie war… nur SIE…

Und plötzlich durchströmte neue Kraft sie, all das Schwere und all die schwarzen Erinnerungen verblaßten. Sie fühlte sich leichter. Sie fühlte sich sicher und sie wußte, das sie ein erfülltes Leben hatte.

Dankbar bückte sie sich, hob die kleine Katze auf, drückte ihr Gesicht in ihr warmes, weiches Fell … lauschte dem Schnurren und war einfach glücklich.

JA, DAS ist Leben. Randvoll mit Liebe und Glück schlug ihr Herz leicht und mit einem Lachen fing sie an zu tanzen. Das Kätzchen im Arm, drehte sie sich zu ihrer eigenen, fröhlichen Lebensmelodie.

Nichts konnte ihr etwas anhaben, nur sie lebte ihr Leben… unbeschwert, voller Liebe und Hoffnung.