Wie kommt der Löwe in die Krippe?

Da liegt ein kleiner abgeliebter Stofflöwe in diesem Jahr bei der Krippe in der Kirche.  Mit Erstaunen sah ich ihn und fragte mich, woher er wohl gekommen sei …

In der Kirche saß eine ältere Frau, eine von denen die ihre Zeit dafür hergeben unsere Kirchen zu bewachen. Deshalb kann man sie noch offen halten tagsüber, leider wird sonst immer wieder vieles zerstört dort.

„Sie wundern sich sicher über den kleinen Löwen? Wie ich sehe Sie fotografieren sie ihn gerade.“ sprach sie mich an.

„Ja, so einen habe ich hier noch nie gesehen,“ antwortete ich. „Er fällt schon auf, etwas ungewöhnlich.“

„Nun, es steckt eine Geschichte dahinter, wenn es Sie interessiert kann ich sie Ihnen gerne erzählen… haben Sie Zeit?“

Natürlich hatte ich Zeit und wir setzten uns in  eine der hinteren Kirchenbänke.

„Dieser kleine Stofflöwe gehörte der kleinen Rebecca und ihre Eltern haben ihn in der Christmette zur Krippe gelegt. Die ganze Gemeinde hatte für das kleine Mädchen gebetet, aber sie verstarb am heiligen Abend.“

„Ach, das ist sehr traurig, war die Kleine krank?“ fragte ich

„Rebecca wurde eine Woche vor Weihnachten angefahren und lag bis zu ihrem Tod im Koma. Ein betrunkener Autofahrer hat sie auf dem Weg zum Kindergarten angefahren und verletzt liegen gelassen. Als man sie dann fand war sie schon sehr schwach, ohne Bewußtsein und stark unterkühlt. Mehrere Operationen brachten sie leider nicht wieder zurück, ihr Zustand verschlechterte sich immer weiter.

Wir alle haben für dieses kleine Mädchen gebetet und haben so sehr gehofft, das sie wieder gesunden würde. Die Eltern erzählten, daß sie immer ganz besonders die Krippe in dieser Kirche geliebt hätte und sie war im letzten Jahr kaum zu halten, weil sie sich alles ganz genau ansehen wollte. Besonders das Jesuskind hat sie ganz genau sehen wollen. Sie war ganz begeistert, als dann das stehende Jesuskind aufgestellt wurde.

In diesem Jahr hat sie die Krippe leider nicht mehr sehen können.

Und so legten die Eltern den kleinen Löwen in diesem Jahr zur Krippe und …“

Mir standen die Tränen in den Augen, „Das ist aber wirklich eine schlimme Geschichte.“

Ja, auch die nette ältere Dame hatte ein Taschentuch in der Hand und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. „Mir setzt das jetzt wieder sehr zu, ich kannte die Kleine und ihre Familie… es ist ein wirkliches Drama. Die Eltern sind ganz verzweifelt und deshalb hat es ihnen einen kleinen Trost gegeben, Rebeccas Lieblingslöwen zum Christkind zu legen.“

Wir unterhielten uns noch eine Weile und ich bedankte mich zum Abschied.

Sehr nachdenklich fuhr ich nach Hause und mußte die Geschichte unbedingt aufschreiben.

In Erinnerung an Rebecca.

(Diese Geschichte ist rein fiktiv und ist im Rahmen des täglichen Schreibens entstanden. Die Krippe gibt es und den kleinen Löwen dort auch.)
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