Leben lernen?

Sie fragte schon die Mutter: „Wie lerne ich wie das Leben ist?“

„Das wirst du schon von selber lernen.“

Sie fragte die Großmutter: „Leben, kann ich bei Dir lernen, wie das geht?“

„Ach Kind, noch jeder hat sein Leben gelebt, sowas muß man nicht lernen.“

Uns so wurde sie dreißig und noch immer war diese Frage unbeantwortet geblieben.

Sie wurde vierzig und dann fünfzig, wurde selber oft um Rat gefragt und hatte doch keine Ahnung vom Leben, niemand hatte es sie gelehrt.

Noch mit siebzig, wenn sie klare Momente hatte, stellte sie die so wichtige Frage: „Wo kann ich lernen, wie man sein Leben richtig lebt?“

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Bis dann ein Fremder Ihr die Antwort gab: „DU hast dein Leben längst gelebt und wenn es nicht gut war, ist das dein Pech. Nun hör schon auf zu fragen, es ist eh zu spät!“

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„Darf ich Sie küssen Fräulein Rose?“

Erinnerungen:

Oh, ich weiß es noch wie heute, das Buch machte die Runde, von der Oma zur Mutter, der Opa hat es gelesen und ich auch.

Gefallen hat es uns , mir ganz besonders, ich war vielleicht 10 Jahre. War das nicht eigentlich ein „Erwachsenen-Buch“? Das machte es natürlich noch mal so interessant.

Eine Familiengeschichte, eine schöne heile Welt mit ganz kleinen Alltagsproblemen, nichts wirklich weltbewegenedes, aber nett zu lesen. Ja den Gaylord haben wir alle gemocht oder die flotte Tante Becky.

Es gab einige Bücher, die reihum durch die Familie kursierten und  es gab keine Bücher, die ich nicht lesen durfte. Das war meine Lesewelt, fast täglich verschlang ich ein Buch. Bäuchlings auf dem Bett liegend, nur hin und wieder umdrehen, wenns unbequem wurde. Dazu dann möglichst Schokolade oder Chips… ein Paradies!

Nachts dann die Decke über den Kopf gezogen, mit der Nachtischlampe gings weiter, das wurde allerdings schnell sehr warm. Da mußte das Licht dann erst mal gelöscht und gelüftet werden und weiter gings.

Für ganz viele Jahre waren Bücher mein allerliebstes, dicht gefolgt vom Fernsehen. Ein häusliches Kind also, das in seiner eigenen Welt lebte und immer wieder in neue Geschichten eintauchte.

Die Bücherschränke der Eltern und der Großelteren reichten da natürlich nicht und so war ich Stammkunde der StadtBücherei. Ganz früher kam ein Bus, der Büchereibus, der stand dann jeweils für 2 Stunden am Ende unserer Straße, später dann gab es eine richtige Bücherei.

Es gibt Sätze aus Büchern, die erkenne ich noch nach so vielen Jahren sofort wieder. So wie auch: „Darf ich Sie küssen Fräulein Rose?“ Ich denke wenn ich den Buchtitel genannt hätte, wäre das einfacher gewesen?

Na gut, „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“…jetzt wird es aber sicher jeder erkannt haben? Der Satz war und ist doch Kult…

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Wir komme ich heute darauf? Ganz einfach ich gucke mir gerade mit einem Auge den Film an.. und so viele Erinnerungen wollten dann aufgeschrieben werden…

rot/weiß karierte Zeit

Sie zog die Wäsche aus dem Trockner und hielt plötzlich ein Stückchen Kindheit in Händen. Ein fast verschlissenes rot/weiß kariertes Küchenhandtuch, vom langen Gebrauch ganz fadenscheinig und weich geworden, eine Ecke ausgefranst.

Solche Tücher hatten in den Küchen ihrer Kindheit gehangen, vor über 50 Jahren. Bei der Mutter, in der kleinen Küche, oben in der Mansardenwohnung, bei der Oma in der lichtdurchfluteten Wohnküche. Winzig kleine Staubteichchen tanzten dort manchmal im Sonnenlicht. Die Küche der Oma war immer voller Leben, roch nach frisch gemahlenem Kaffee, Essen und auch Zigarettenrauch.

Sie sah den alten, großen Tisch, nach dem Essen standen jetzt die dampfenden Kaffeetassen darauf und die Oma saß mit einem ihrer fast erwachsenen Söhne da. Man sagte ein „guter Bohnenkaffee“, der wurde jedesmal frisch gemahlen, der Geruch durchströmte die ganze Wohnung. Die beiden unterhielten sich, rauchten gemütlich und sie saß still dabei. Gut aufgehoben und zufrieden, zuhören zu dürfen. Was hatte sie als Kind eigentlich getrunken?

Sie stand da, hielt das rot/weiß karierte Tuch in der Hand und auf einmal verspürte sie die unstillbare Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Unbeschwertheit, ja, nach den nie mehr wiederkehrenden Tagen der frühen Kindheit. Sie sah sich auf einen Küchenstuhl stehend das Geschirr spülen, es machte ihr Spaß, sie wollte gern helfen.

Überhaupt war sie ein stilles Kind, spielte immer alleine, da es keine anderen Kinder gab. Lebte ihr Kinderleben in der Welt der Großen.

Rot/weiß kartierte Küchentücher,  sie hatte sie auch zum Spielen bekommen, um Verbände um Elefants Bein machen zu können, oder auch um den Arm der großen Puppe zu verbinden. Wo war eigentlich ihr Spielzeug geblieben? Irgendwann war es nicht mehr ihres, sondern ging an die jüngeren über, die nach ihr geborenen.

An die Küche der Mutter hatte sie andere Erinnerungen, dort stand ein riesiger Topf auf dem Herd,  darin wurde die Wäsche gekocht. Sie mochte  den Geruch nach Seife und den Dampf, ja, irgendwie war es spannend.

Bei der Oma gab es einen Waschkeller mit großem Bottich, der wurde angeheizt und dann konnte man darin waschen. Es dampfte und war naß und feucht. Die Oma stand mit einem Rubbelbrett an einem Zuber und schrubbelte die Wäsche. Sie war gern bei diesen Tätigkeiten dabei und bekam auch ein Eimerchen um etwas zu waschen. Erst viel später begriff sie, welch eine Mühe und Arbeit das früher war mit der Wäsche.

Als Kind hatte sie die größte Freude, wenn bei der Oma die Wäsche draußen auf den Leinen flatterte. Man mußte dann immer sehr gut aufpassen, das sie nicht gestohlen wurde. Ja, daran erinnerte sie sich noch gut.

Vor allem, wenn der Zirkus auf dem Schloßplatz war, oder die Sendleute, man schaute immer wieder aus dem Fenster, ob noch alles auf den Leinen hing.

Jetzt fiel ihr auch wieder das Geschirr der Mutter ein, es war irgendwie verblasst und hatte Streubümchen darauf, es gab aber auch noch andere Teller, aber wie hatten die nur ausgesehen? Nein, daran konnte sie sich nicht erinnern.

Sie lächelte und war noch ganz versunken in ihre Erinnerungen, ja das waren schöne Tage.

Und dann fiel ihr die Küche von Tante Maria ein. Dort durfte sie alles! Mitten auf dem Tisch sitzen, mit den Händen im Kartoffeltopf, sie mußte Bescheid sagen, wenn genug geschält waren. Tante Maria, die eigentlich nicht ihre Tante war, erlaubte ihr sogar mit Blumenerde in der Küche zu spielen! Ja, sie sah sich  auf dem kleinen Bügelarm sitzen, (der einen rot/weiß karierten Bezug aus einem alten Tuch hatte), mit Teddy und „Tetö“ und…

Ja, darauf hatte sie immer wieder aufbauen können, eine schöne Kindheit hatte sie erleben dürfen.

Sie legte das alte rot/weiß karierte Küchentuch behutsam zusammen und gab es in den Schrank.