es gibt Nächte, da ist alles möglich

Ja…

Wieder eine VollmondNacht und ich bin unterwegs. Schaue hoch zu Schwester Mond, bedanke mich und bitte um ihre Kraft, ihre Ruhe und daß sie bitte auf mich achten soll.

Wie immer bin ich mit dem Rad unterwegs, die Straßen sind leer, die Häuser liegen im Dunkeln. Ich hänge wie so oft einigen Überlegungen nach, als ich ein Geräusch höre. Es ist nichts, was ich schon mal gehört habe, aber es bedeutet sofort GEFAHR. Was ist das?

Ich halte an, lausche, nur ein oder zwei Sekunden, es wird so laut, es dröhnt in meinen Ohren… WAS ist DAS? Versuche zu erkennen von wo es kommt.. von hinten, von oben???

„LAUF!!!“ Ganz laut und deutlich. „Lauf, SOFORT!!!“

Ich renne los, springe im Laufen aufs Rad und strampele so schnell ich eben kann. „Schnell, nur weg.. schnell!“ wieder diese Stimme in meinem Kopf.

Keine Zeit um nachzudenken, einfach nur weg!

Mein Atem geht keuchend und stoßweise, der Schweiß läuft in meine Augen und ich kann das Tempo nicht mehr lange durchhalten. Inzwischen ist das Geräusch so laut und so übermächtig, das es mich fast lähmt. „Rette dich! Nach rechts!“ wieder die Stimme, die ich trotz des HöllenLärms hören kann.

Ich erreiche eine Querstraße und rase in die Kurve, das Geräusch ist so laut, ich kann nicht mehr denken…

Ein Knall, ein Bersten, kreischen von Metall auf Stein und ich werde hoch geschleudert. Ich finde mich mit schmerzenden Knochen an einem Baum wieder, die tief hängenden Zweige haben meinen Flug abgefangen.

Der Geruch nach Benzin, jetzt ein weiterer Knall und ich krieche hinter den Baum. Explosion erschüttern die Luft und ich rieche Feuer, ich kann es auch prasseln hören.

Ein Feuermeer, Hitze … unerträglich!

Ich höre den Baum knacken, noch schützt er mich, wie lange noch?

„Ich muß weiter, ich muß hier weg!“ mein Denken setzt wieder ein und ich versuche mich aufzurichten. Kann nicht stehen, mein Bein schmerzt höllisch. So krieche ich los, die FeuersHitze greift nach mir.

Da, ein anderer alter Baum, hinter ihm ein kleiner Moment Schutz, doch ich muß weiter, nur ein Gedanke: „…weg …rette dich!!!“

Ich krieche weiter und krieche, meine Hände und meine Knie sind aufgeschürft. Und ich krieche immer noch, auf den Wald zu, in Sicherheit? Da die ersten Bäume… ich verliere den Halt und rolle einen Abhang runter, unten bleibe ich in einer nassen Kuhle liegen.

Ja…?

Man fand mich Stunden später, das rechte Bein mehrfach gebrochen, Verbrennungen am Körper und viele andere Wunden. Niemand hatte gewußt, daß ich da Nachts unterwegs war und so blieb ich lange in meiner Kuhle liegen, doch die feuchte Erde kühlte meine Wunden und ich dämmerte so dahin.

Und immer wieder war da diese große, strahlende Frau, sie sprach beruhigend mit mir, sie machte mir Mut und wenn die Schmerzen zu schlimm wurden legte sie ihre kühlenden Hände darauf.

Ein langer Zeitraum fehlt in meinem Gedächtnis, doch ich weiß nur eins, die Frau war immer bei mir …

Ja…!

Ich hatte überlebt, ich hatte wie durch ein Wunder überlebt!

Soviel verstand ich … daß da ein Flugzeug abgestürzt war in der Nacht und das mehrere Menschen dabei getötet wurden. Viele Häuser wurden ganz zerstört und von dem Flugzeug fand man nur noch Einzelteile.

Als ich wieder auf dem Weg der Besserung war, fragte ich nach der Frau, doch niemand hatte sie gesehen. Ich war ihr so viel Dank schuldig… sie hatte mich gerettet, das wußte ich. Doch wer war sie und wo war sie?

Ja… JA!!!

Monate später in einer schönen Vollmond Nacht war ich wieder mit meinem Rad unterwegs. Ich konnte mich inzwischen ganz gut bewegen, auch wenn  ich schnell ermüdete und auch noch einige Schmerzen hatte. Doch ich wollte raus, endlich wieder nach draußen, endlich wieder Schwester Mond sehen… endlich all das vergessen!

Und da stand sie, die große strahlende Frau, als hätte sie auf mich gewartet. „Ich muß mich unbedingt bedanken…“ dachte ich, doch da hörte ich ihre Stimme: “ Ich beschütze dich doch immer, du hast mich ja selber darum gebeten!“

Nein, es kam mir nicht merkwürdig vor eine Stimme in meinem Kopf zu hören und auch nicht, das sie meine Gedanken  lesen konnte. Es was so vertraut, so selbstverständlich… so normal!

JA!!!

008

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Vollmond

Heute Nacht war es wieder soweit, Schwester Mond stand voll und wunderbar am Himmel. Sie liebte diese Nächte und fühlte sich immer ganz berauscht.

Lebendig und froh, losgelöst und frei… ja, ihre Begegnungen mit Schwester Mond  waren immer etwas ganz besonders für sie.

Sie schöpfte Kraft und Lebensmut, bekam Gelassenheit und Stärke als Geschenk.

Und als sie heute Nacht im Mondenlicht stand, ganz still und ruhig, da fühlte sie, wie die Erde sich unter ihr drehte. Sie fühlte es so stark, daß sie fast ein bißchen Angst hatte einfach herunter zu fallen.

Sie stellte sich die Erdenkugel vor, mit sich selber im Mondenlicht und immer wenn sie „unten“ war, hatte sie für einen kurzen Moment so ein bitzeln im Bauch, so als würde sie jetzt fallen.

Aber nein, sie stand sicher und fest verankert auf Mutter Erde und sah den vorbeifliegenden Stern mit weit offenen Augen und einem frohen Herzen zu. Hörte SphärenGesänge und erlebte unendlich glückliche Momente.

Ein Erdenkind der Nacht, die sich vor nichts fürchtet.

006

der große Bär

Wenn sie in der Küchentüre steht und das Licht nach draußen fällt, erscheint ihr alles, was nicht in diesem Lichtkreis ist, fremd und bedrohlich. Guckt sie abends aus den Fenstern der warmen Stube, dann sieht sie vor  eine dunkle Wand. Nur ein kleiner Radius vor den Fenstern wird erhellt, dahinter nichts als Schwärze, angsteinflössend, die sie zu verschlingen droht.

Doch wenn sie Nachts mit dem Radel ihre Touren fährt, ist sie ein Teil der Nacht. Kennt jedes Geräusch, hat geschärfte Sinne und fühlt sich frei. Sie fühlt sich umarmt von der Dunkelheit und jedesmal wieder willkommen geheißen, denn sie sind verwandte Seelen.

Im Sternenlicht zieht sie ihre Runden und wartet auf Schwester Mond, in deren Mondenglanz sie sich erneuern und wiederfinden kann. Klarheit, Frieden und Kraft bekommt sie als Geschenk und hat  stets treue Begleitung zur Seite.

Die Winde, die sie umschmeicheln, sie foppen, an ihrer Kleidung zerren und gegen die sie jede Wettfahrt verliert. Sie fühlt sich so lebendig und so voller Kraft in diesen Momenten,

Der große Bär, der vom Himmel steigt, nur um neben ihr her zu traben. Ohne Worte versteht sie ihn  und er erklärt ihr den Zeitenlauf. Erzählt von den Sternen und den Jahrhunderten, läßt sie teilhaben an seiner großen Bärenseele, die so unendlich und voller Liebe ist.

Später, wenn Bruder Sonne am Himmel aufgeht, macht sie sich auf den Heimweg, der Bär ist wieder oben am Firmament, die Winde begleiten sie noch manchmal  und sie ist erfüllt von tiefer Dankbarkeit und voller Lebensfreude.

Gewappnet und gestärkt um  einen weiteren Tag zu leben.

einfach weg

Sie trat in den kleinen Lichtkreis zwischen den Bäumen. Die Luft war warm und sanft auf ihrer Haut. Es regte sich kein Lüftchen und kleine Insekten summten im Sonnenlicht.

Ruhig, mit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen stand sie da. Atmete Sonnenwärme und konnte durch die geschlossenen Augenlider roter Feuerbälle sehen.

Nach einer Weile setzte sie sich und wunderte sich, das die Sonnenstrahlen nicht weiter gewandert waren.

Noch etwas später saß sie noch immer dort, Rehe beäugten sie neugierig, Vögel zwitscherten und Kaninchen hoppelten um sie herum.

Sie dachte an nichts mehr, wußte nur, das sie glücklich war. Ein süßes Glück, eines, wie sie es noch nie zuvor empfunden hatte.

Später dann legte sie sich in das weiche Moos auf dem Waldboden, schaute in das kleine Stückchen Himmel über sich, sah Schwester Mond aufgehen. Ein Weg aus Mondenstrahlen tat sich vor ihr auf und sie beschritt ihn.

Ging, und ging noch ein wenig höher, und sah sich dort unten auf der Erde liegen. Sah die Sterne neben sich und wurde ganz leicht und froh.

Eine Nachtgeschichte

     

 
 
Der Himmel war bedeckt von Wolken, ganz selten strahlte ein fast vollendeter Mond durch die Wolkenlücken zur Erde.
 
Gewaltige Wolkentürme, ja ganze Wolkengebirge jagten über den Nachthimmel. Ein faszinierendes Schauspiel, dass ich gebannt verfolgte. Wartete ich doch auf den Mond, um mir etwas von seiner Ruhe und Kraft mitzunehmen.
 
Doch halt, was war da auf dem Weg? Ich hielt an und schaute genauer hin. Mehrere dicke Kröten saßen da und starrten mich an.
 
Die Wanderzeit hatte wieder begonnen, gut, dass ich sie noch rechtzeitig gesehen hatte.
Vorsichtig umrundete ich die einzelnen Tiere und setzte meinen Weg fort.
 
Das Geschehen am Himmel konnte ich nur noch am Rande verfolgen, denn gerade hier waren wirklich viele Kröten unterwegs und ich wollte auf keinen Fall eine von ihnen überfahren.
 
Etwas blitzte kurz auf, flackerte und schien zu erlöschen. Ich konnte nicht erkennen, was es sein könnte, also bückte ich mich, sah genauer ins Gras und sah eine verletzte Kröte. Man hatte sie angefahren und sie sah sehr schlimm verletzt aus. Pumpende Atemzüge, die mir selber wehtaten … wurden seltener… und hörten schließlich ganz auf. Beide Hinterbeine waren überfahren worden, sie musste große Schmerzen gelitten haben.
 
Sie war tot. Da, eine winzige schnelle Bewegung, ein Lichtstrahl huschte über meinen Jackenärmel.
Verblüfft sah ich, wie er immer höher wanderte.
 
Gedanken, so fein und fremd erklangen in meinen Kopf. „Hilf mir bitte!“
Ich sah niemanden und wusste nicht, ob ich mir das nur eingebildet hatte.
 
„Bitte, hilf mir, sonst werde ich im Tageslicht vergehen. Es ist für heute zu spät, um zum Mond zurückzukehren.“
 
„Ich möchte ja helfen, aber ich kann dich nicht sehen. Was kann ich denn tun?“
 
Die Antwort kam wieder in meinem Kopf: „Ich bin Mondenstrahl, einer von ganz vielen, die heute Nacht zur  Erde kamen, um den Hochzeitstanz  der Kröten mitzutanzen. Wir kommen jedes Jahr, und feiern mit ihnen und begleiten sie zu ihren Hochzeitsplätzen. Doch die Kröte, der ich heute den Weg erleuchten sollte, ist tot. Ich bin bei ihr geblieben, den sie fürchtete sich und hatte große Schmerzen.“
 
„Ich habe sie ja gesehen, ganz schlimm, diese Verletzungen.“ Antwortete ich. „So viele der Kröten sterben auf den Straßen. Ja, viele Menschen machen sich einen Spaß daraus, so verroht sind sie.“
 
„Ich habe gesehen, wie achtsam du um die Kröten gefahren bist, und sogar einige auf die Seite gebracht hast… du scheinst mir anders zu sein.“ Erklang Mondenstrahl in meinen Gedanken. „Deshalb sei so freundlich und hilf mir, denn bei Tageslicht vergehe ich. Kannst du mich bis heute Abend in deine Tasche stecken? Da wäre ich sicher, bis ich wieder zum Mond zurück kann.“  
Inzwischen hatte ich den Mondenstrahl auf meiner Hand; es kritzelte ein wenig und ich war richtig geblendet.
 
  
 
“Erzähle mir doch noch etwas von deiner Welt, sie scheint mir sehr interessant zu sein.“ bat ich den Mondenstrahl.
„Ich zeige dir einige Bilder.“
 
Ich erlebte den ausgelassenen Hochzeitstanz der Kröten, sah aber auch wie die Mondenstrahlen mit anderen Tieren feierten. Sie besuchten des Nachts die Vögel in ihren Nestern und trafen sich auf den Wiesen mit den Hasen und Rehen…
Wunderschöne, zauberhafte Bilder durfte ich sehen, Bilder aus einer ganz anderen Welt, ja fast wie in einem Märchen.
 
„So war es früher immer!“
 
Neue Bilder sah ich, tote Tiere, die elend gestorben waren, überfahrene und abgeknallte Tiere. Ich sah, wie die Wiesen und Wälder sich veränderten, wie alles grau und trostlos wurde. Sah verschmutze Seen und Flüsse, Landschaften, die im Müll erstickten, wo es keinen Baum und kein Grün mehr gab.
 
„Ich zeige es dir, denn so wird es sein. Dann kommen keine Mondenstrahlen mehr zur Erde, denn wir  werden die Wolken dann nicht mehr durchdringen. Zu Dicht und unüberwindlich wird der Smog alles einhüllen.“
 
Ungläubig wollte ich mit dem Kopf schütteln, doch ich wusste, das Mondenstrahl mir die Zukunft gezeigt hatte. Traurig und sehr nachdenklich sagte ich: „Es gibt aber doch Menschen, die versuchen so zu leben, dass möglichst wenig wenig zerstört wird. Vielleicht können wir es doch noch aufhalten?“
 
„Leider glaube ich das nicht.“ Unruhig flackerte Mondenstrahl auf meine Hand. „Die meisten Menschen sind nur auf den eigenen Vorteil bedacht, egal zu welchem Preis. Wir Naturgeschöpfe glauben, das es für euch und die Erde wie ihr sie kennt schon jetzt zu spät ist.“
 
Wir unterhielten uns noch eine Weile, und schließlich huschte Mondenstrahl in meine Tasche. „Bis heute Abend,“ sie klang müde und ich machte den Reißverschluß der Brusttasche zu.
 
„Bis heute Abend, dann  bringe ich dich wieder raus.“
Ich hatte ein kleines Wunder erlebt, — aber wer würde es mir schon glauben?