…Relikt

Die Sonne ging an diesem Morgen hinter den Nebeln auf. Nur ein ganz leichter Schein, ein wenig rosa, ein kleines bißchen rötlich, sie konnte es mehr ahnen, als das sie es sah.

Sie setzte sich in ihren Wagen, Musik kam aus dem Radio und fuhr in den Nebel. Die Straße wurde fast ganz verschluckt und die umgebende Landschaft schien ganz weg zu sein.  Hin und wieder ein leichter Schatten, das war einer der großen alten Bäumen  in der Allee.

Sehr vorsichtig fuhr sie und versuchte nicht die Orientierung zu verlieren. Mußte sie denn nicht längst an der Kreuzung sein?  Da wollte sie abbiegen um in die kleinen Feldwege zu kommen,  von dort hatte man freie Sicht und konnte in Ruhe fotografieren. Schon oft war sie dort gewesen.

Sie war wieder einmal auf der Jagd nach dem Sonnenaufgang, das liebte sie und versäumte ihn fast nie. Die Kamera lag griffbereit auf dem Sitz und sie hatte ihr Fenster heruntergekurbelt.

Plötzlich wurde die Straße uneben und sie rumpelte in Schlaglöcher. Das konnte doch nicht sein, sie war ja nirgendwo abgebogen. Sie versuchte zu erkennen, wo sie  war.

Weißer, milchiger Nebel, der immer dichter wurde, hatte sie eingeschlossen und als sie anhielt und ausstieg fühlte er sich feucht und kalt an. Verwirrt versuchte sie einen Anhaltspunkt zu finden, doch da war einfach nichts.

Zögernd ging sie einige Schritte, das war keine Straße, soviel konnte sie spüren, aber wo war sie nur? Schon konnte sie kaum noch die Scheinwerfer ihres  Wagens sehen, der Nebel umschloß sie immer dichter.

Ein unangenehmes Gefühl der Angst beschlich sie und sie stolperte zurück zum Auto in die vermeintliche Sicherheit. Ihr Herz schlug bis zum Hals und sie fühlte sich verloren und einsam, sie versuchte nicht die Fassung zu verlieren. Das Fenster kurbelte sie hoch, denn  nun kroch der Nebel sogar ins innere ihres Wagens und nahm ihr den Atem. Das Radio war verstummt, aber sie bemerkte es nicht.

Er würde sich auch wieder heben und dann könnte sie sehen wohin sie geraten war! Ja, dieser Gedanke beruhigte sie etwas.

Sie mußte wohl eingeschlafen sein, als sie erwachte saß sie immer noch hinter dem Steuer, der Nebel schien noch dicker geworden zu sein, kein Lichtschein, nur milchiges, undurchdringliches  Weiß um sie herum… und STILLE! Die Angst kroch in ihr hoch.

Die Türe konnte sie nur mit Mühe ein Stückchen aufdrücken, es schien, als wenn der Nebel sie eingesperrt hatte. Lange saß sie einfach nur da und sah in die wallenden Nebelschwaden.

Was sollte sie tun? Weiterfahren? Warten?

Der Motor ließ sich nicht starten, so blieb ihr nichts als warten. Die Uhr am Armaturenbrett zeigte keine Zeit an und auch ihre Armbanduhr war stehen geblieben. So wußte sie nicht wie lange sie schon hier war, sie hatte jegliches Gefühl für Zeit und Raum verloren, nur die Angst , die hatte zugenommen. Die STILLE erdrückte sie und schnitt alle Gedanken ab.

Viel später wurden die Nebelschwaden etwas lichter…  sie meinte auch schon wieder Bäume zu sehen. Doch dann erkannte sie, daß das hohe Felsen waren, scharfkantige, schroffe Felsen.

Nun brach die Panik los —  und sie schrie, doch selbst ihre Schreie klangen gedämpft und hohl und machten ihr noch mehr Angst. Die STILLE war undurchdringlich!

Die Erkenntnis, daß sie sich nicht mehr in ihrer gewohnten Umgebung befand, sondern in einer unwirklichen Gegend raubte ihr den Atem. Als sie die Türe endlich öffnen konnte stürzte sie ins bodenlose…

.

…  als ihre Leiche nach vielen  Jahren vom Eis wieder freigegeben wurde,  gab es keine Menschen mehr auf diesem Planeten die sie hätten finden können.

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012

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versunken…

Da startet ein neues  Jahr, man ist beschwingt und guter Dinge … stößt vielleicht auf gutes Gelingen in der Zukunft an… schmiedet Pläne… Vorsätze,  nur gute werden gefaßt…

–und dann macht man am 1. Januar die Augen auf … und es ist GRAU vorm Fenster.

Der Tag vergeht, der nächste auch… grau in Grau!

Alles was an guter Laune vorhanden bröckelt  mit jedem Regenschauer weiter  ab. Jeder Blick aus dem Fenster demotiviert mehr, Trübsal macht sich breit.

So steigert sich das Grau, wird dunkler und erstickt alles Fröhliche und Beschwingte… und es geht weiter und weiter bergab, laß fahren alle guten Vorsätze, vergiß die Hoffnungen und Pläne… versuche einfach nur das GRAU zu überleben.

Fühlt es sich so an, wenn man im Treibsand versinkt? Man wird tiefer und tiefer gezogen, … und schließlich ist man versunken, verschlungen?

Man strampelt, versucht sich zu befreien, doch das Grau ist überall, selbst im Kopf sind graue NebelRegenWolken!

Oder springt hoch und versucht einen Zipfel vom Glück zu erhaschen, doch das GRAU ist zäh und gibt nichts wieder her, was es einmal hat.

Gerne würde man Lachen und damit das Grau in seine Schranken weisen, doch das bleibt im Halse stecken.

Gibt es eine Rettung?

Öffne Dein Herz, laß Liebe herein!

Die Sonne wird wieder scheinen… die Gedanken werden frei und froh sein… und neue Hoffnung wird den Horizont erhellen.

018

dem Himmel näher

Oben auf dem Berg,

auf der Aussichtsplattform,

fühlte ich mich dem Himmel näher.

Da oben, zwischen den Nebeln

kamen meine Gedanken zur Ruhe.

Oben, in der Morgen Frühe,

erlebte ich das Wunder des neuen Tages

und die Sonne gab mir Kraft und Lebensmut.

Da oben, nahe dem Himmel

verlor ich mich

und habe mich schließlich wieder gefunden.