und Gott schickte…

… noch einmal eine kleine weiße Taube.

Er sah die Kriege, er sah den Zwist, den Neid, die Habgier und die Mißgunst. Es sah, das die Menschen sich die Welt untertan gemacht hatten, auf eine Art, die er nicht gutheißen konnte.

Lange hatte er zugesehen, so manches Mal wäre er am liebsten dazwischen gefahren, aber dann dachte er: „Sie werden sich doch irgendwann vertragen, werden sich selbst, die Natur und vor allem auch die Tiere respektieren und lieben. Ich werde ihnen da unten noch etwas Zeit geben müssen.“

Es vergingen Jahrhunderte, aber er sah, das die Menschen sich immer  weiter von dem entfernten, was er einmal für sie gedacht hatte. Die Kriege wurden brutaler, die Ausbeutung der Tiere war über alle Maßen unerträglich und die Zerstörung der Natur hatte solche Ausmaße angenommen, das er fast keine Zukunftschancen mehr für den schönen blauen Planeten sah.

Nach einigem Überlegen beschloß er den Menschen ein Zeichen zu schicken, und seine Wahl war auf eine kleine weiße Taube gefallen. Sicher würden sie das Symbol des Friedens und der Liebe erkennen, würden innehalten und über ihre Taten nachdenken…

So flog die Taube los, sie wußte, wie wichtig ihre Mission war und sie flog zuerst in ein Kriegsgebiet. Dorthin, wo sich die Menschen gegenseitig umbrachten. Allerdings nahm niemand Notiz von ihr und sie flog vergeblich zu den Menschen. Ja, sie kam so gerade mit dem Leben davon, als man auf sie schoß.

Die Taube flog in ein anderes Land, wo die Menschen in großer Not lebten  und viele von ihnen verhungerten. Vergebens flog sie zu denen, die sie gar nicht wahrnahmen, außer einem  Mann, der sie töten wollte um sie zu essen.

Die Taube war ratlos, wohin sollte sie sich wenden? Ein großes weites Land lag vor ihr und sie hoffte dort auf Menschen zu treffen die ihre Botschaft verstehen würden. Leider kam sie wieder vergebens, die Menschen hatten verlernt eine kleine Taube zu sehen. Sie waren zu sehr mit sich um ihren Leben beschäftigt. Hartherzig, kalt und berechnend waren sie geworden, nur auf ihren Vorteil und ihr Vergnügen bedacht.

Immer wieder versuchte die kleine weiße Taube Kontakt zu einem Menschen herzustellen, sie flog um sie herum, sie setzte sich auf ihre Autos, sie flog dicht über die Straßen, immer und immer wieder. Aber niemand sah sie auch nur genauer an. Schließlich war die kleine Taube so erschöpft, das sie einfach auf einer Straße landete, in der Hoffnung, das man jetzt auf sie aufmerksam würde.

Die Autos fuhren sehr dicht vorbei, wurden nicht langsamer und die Taube hatte große Angst. Doch sie hatte eine Mission, sie sollte die Menschen doch erreichen… so blieb sie mitten auf der Straße und hoffte…

Da überfuhr ein Autofahrer sie mit voller Absicht, er hatte ein gemeines Grinsen im Gesicht. Die schwer verletzte Taube versuchte noch einmal in den Himmel aufzusteigen, doch sie hatte gebrochene Flügel und kam nicht mehr hoch. Ein weiteres Auto fuhr über sie hinweg und noch immer lebte die kleine blutige, verletzte Taube.

Eine Mutter stand am Straßenrand, mit zwei kleinen Kindern, die zeigten auf sie, doch die Frau wandte sich ab und zog die Kinder mit sich. Was ging sie eine sterbende Taube an? Genauso mitleidlos sahen auch andere Menschen der Taube in ihrem Todeskampf zu.

Noch immer versuchte sie sich zu erheben, ihre Bewegungen waren krampfhaft und dann sie zuckte nur noch. Aber noch war Leben im ihrem geschundenen kleinen Körper, immer noch hatte sie ein Bewußtsein und durchlitt sie unerträgliche Schmerzen.

Da hielt ein Auto, sie sah eine Frau auf sich zukommen, doch ein überholender Wagen überfuhr sie ein weiters Mal. Die Taube sah nicht mehr, die Tränen der Frau, der einzigen auf der Erde die ihr hatte helfen wollen, denn sie war endlich erlöst.

Und Gott sah das alles und wandte sich endgültig ab…

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