die verflixte 13

„Ich bin nicht abergläubisch, mir ist jeder Tag recht,“ sagte sie und vereinbarte das Vorstellungsgespräch für Freitag den 13. .

Noch am Abend des 12. machte sie sich beim „Weiberstammtisch“ über Aberglauben  lustig. Ja, sie wischte lachend alle Bedenken ihrer Freundinnen vom Tisch.

Um 0.17. kam sie heim. Um 0.18 lag sie auf dem Boden und ihr Fuß sandte unerträgliche Schmerzen aus, als sie versuchte aufzustehen. Sie war über die kleine Brücke im Flur gestolpert und hatte sich dabei an der Kommode ganz bös den Fuß gestoßen.

Später saß sie auf der Couch, hatte Kühlpacks auf den wirklich schlimm schmerzenden Zehen und trank einen kleinen Schnaps zur Beruhigung.

Der Wecker schelte ungewohnt früh, ach ja,  heute war ja ihr Vorstellungsgespräch. Nur eine Tasse Kaffee im Stehen, nachdem ihr der Teller mit den Broten aus der Hand gerutscht war, es deshalb also kein Frühstück gab,—  und schon war sie aus dem Haus.

Allerdings kam sie leider nicht so schnell wie geplant los, denn als sie ihren Wagen aufschließen wollte fiel ihr Schlüsselbund in den Gulli. Erst nachdem ein netter Nachbar ihr zu Hilfe kam konnten sie die Schlüssel heraus fischen und sie in ihren Wagen steigen.

Der Fuß pochte in den engen High Heels, doch sie hatte einen sehr wichtigen Termin und so biß sie die Zähne zusammen und fuhr endlich los.

Doch die Fahrt wurde schon nach wenigen Minuten unterbrochen, ein LKW blockierte die Straße und sie kam einfach nicht vorbei. Wertvolle Zeit verging, bis der Fahrer endlich erschien und den Weg freigab.

So langsam wurde sie nervös und gab etwas mehr Gas als gewohnt, noch konnte sie es schaffen. Jetzt ertönte hinter ihr eine Sirene und sie sah das gefürchtete Blaulicht im Rückspiegel. Das hatte ihr noch gefehlt, fluchend fuhr sie an den Straßenrand und hielt an.

Ihre Bitte, sich zu beeilen wurde natürlich ignoriert und sie hatte das Gefühl, das die beiden Beamten sie nun extra genau überprüften, die Gebühr für zu schnelles Fahren mußte sie gleich an Ort und Stelle bezahlen.

Als sie endlich, nach gefühlten Ewigkeiten, weiterfahren durfte, war sie verärgert und schimpfte laut vor sich hin. Sie konnte es nicht mehr schaffen, welchen Eindruck würde es machen zu einem Vorstellungsgespräch unpünktlich zu erscheinen? Eigentlich konnte sie sich die Weiterfahrt sparen, trotzdem wollte sie noch nicht aufgeben.

Nervös und unkonzentriert übersah sie die Vorfahrt und krachte in einen blauen Lieferwagen. Ihr kamen die Tränen, der Fuß schmerzte sehr, sie hatte sich durch den Aufprall auch den Nacken verrenkt und  all ihre Hoffnungen auf die Stelle konnte sie nun wirklich vergessen.

Nachdem die Polizei den Unfall aufgenommen hatte, die Abschleppwagen die beiden Autos aufgeladen hatten, stand sie am Straßenrand und wartete auf ein Taxi.

Der Fahrer des blauen Lieferwagens kam auf sie zu und fragte, ob er sie zu einer Tasse Kaffee einladen dürfe, denn sie sähe gar nicht gut aus. Nachdem sie sich noch einmal entschuldigt  hatte, wollte sie schon ablehnen, doch dann sagte sie ja.

Gemeinsam fuhren sie in die Stadt zurück und saßen schon kurze Zeit später in einem Café. Schon bald unterhielten sie sich ganz vertraut und stellten einige Gemeinsamkeiten fest.  Ja, je länger sie dort saßen, um so sympathischer wurde er ihr.

Zum Abschied verabredeten sie sich ganz selbstverständlich und sie fuhr mit einem kleinen Lächeln nach Hause.

Auch das nächste Treffen verlief sehr harmonisch, ja sie konnten über ihren Zusammenstoß schon lachen. Zum Glück war ja kein großer Schaden entstanden und niemand war ernsthaft verletzt worden.

Sie trafen sich nun öfter und es dauerte nicht allzu lange, bis sie zusammenzogen, ja eine gemeinsame Zukunft schien beiden sehr erstrebenswert.

Viel später las sie in der Zeitung, das die Firma, bei der sie ihr Bewerbungsgespräch verpaßt hatte Insolvenz angemeldet hatte. Da hatte sie trotz allem Glück gehabt, denn sie hätte ja ihre gute und sichere Stelle kündigen müssen, um dort arbeiten zu können.

Als wieder einmal beim „Weiberstammtisch“ über Aberglauben gesprochen wurde, erzählte sie ihre Geschichte vom 13. und das er ihr trotz anfänglichem Pech auch sehr viel Glück gebracht hatte.

Die Hochzeit, die genau ein Jahr später gefeiert  wurde, fand natürlich an einem Freitag den 13. statt, ihrem persönlichen Glückstag.

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