drei perfekte Momente

„Wenn ein Mensch von sich sagen kann, das er DREI perfekte Momente in seinem Leben erlebt hat… dann ist er reich!“

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Ich lese oft, daß Frauen ihren Hochzeitstag als den perfekten Tag erleben oder die Geburt ihres Kindes. Da ich keine Kinder habe, fällt das schon mal weg bei mir. Und mein Hochzeitstag? Tja…?  Der war weder perfekt noch sonstwas, das war einfach nur der Tag an dem wir JA gesagt haben – ganz alleine – und fertig!

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Vor einiger Zeit wurde ich  nach meinem perfekten Moment gefragt. Mir fiel sofort ein Moment ein, doch ich dachte, der kanns doch nicht gewesen sein und auch ein zweiter Gedanke war so unspektakulär, das ich ihn nicht aussprach.

So blieb die Frage nach meinem perfekten Moment unbeantwortet, aber ich dachte doch immer wieder darüber nach.  Eines Nachts träumte ich sogar davon und bekam eine Antwort. Den Anfangssatz hatte ich beim Aufwachen im Kopf … und je länger ich darüber nachdachte, desto wahrer wurde er für mich.

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Hatte ich meine perfekten Momente schon erlebt, es vielleicht nicht mitbekommen weil ich unaufmerksam oder abgelenkt war? Oder waren sie gar so unbedeutend, das ich sie gar nicht wahrgenommen habe? Auch fragte ich mich, was ist, wenn man seine persönlichen drei perfekten Momente erlebt hat, ist das Leben dann vorbei?

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Auf der Suche nach meinen perfekten Momenten hab ich allerhandlei aus meinem Leben noch einmal gedanklich durchlebt, viel schönes und gutes, viel schlimmes und trauriges… aber war fühlte sich wirklich perfekt an?

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Erlebt überhaupt jeder Mensch solche Momente? Oder muß man erst danach suchen? Muß man erst danach gefragt werden, um sie überhaupt zu vermissen?

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Ich kann nun sagen, daß ich bei meinen allerersten Gedanken geblieben bin, ich habe nichts besseres finden können in meinen Erinnerungen. Zwei habe ich und ich hoffe ich werde den dritten auch noch erleben und vor allem erkennen als solchen.

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Falls jemand gerne wissen möchte was meine perfekten Momente waren, will ich gerne antworten:

Den ersten perfekten Moment erlebte ich als Jugendliche, ich war von zu Hause abgehauen und lebte einige Tage in einem Wald. Die Nächte waren kalt und das Essen sehr knapp. So saß ich beim Sonnenaufgang auf einer kleinen Anhöhe, die Sonnenstrahlen fielen schräg durch die Bäume und wärmten mich, die Luft roch wunderbar nach Wald und Frische. Um mich herum  war es ganz ruhig, nur der Wind bewegte einige Blätter hoch oben in den Bäumen und von unten hörte ich den Fluß rauschen. DAS war einfach PERFEKT!  Ich war frei! Ich wünschte das dieser kurze Moment nie vergeht,  zu gerne wäre ich für immer dort sitzen geblieben!

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Meinen zweiten perfekten Moment erlebte ich als junge Frau, ich saß alleine in einer leeren Küche. Das Haus hatten wir gemietet, wohnten aber noch nicht dort. Ich saß also in der Küche, sah hinaus in den kleinen Garten, es war ganz still. Staubpartikel tanzten in den Sonnenstrahlen und ich fühlte mich einfach glücklich, so behütet und angenommen.  Eine wunderbare Ruhe, ein wirklich gutes Gefühl zu sein –  sonst nichts. Noch heute kann ich den ganz leichten Staubgeruch riechen.

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Ich hab noch einen dritten perfekten Moment, aber ich bin mir nicht ganz sicher ob er das schon war – oder ob ich vielleicht noch einen anderen erleben werde.

Womöglich kann man doch mehr als nur drei perfekte Momente erleben, wenn man ganz viel Glück hat… wer weiß?

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011

versunken…

Da startet ein neues  Jahr, man ist beschwingt und guter Dinge … stößt vielleicht auf gutes Gelingen in der Zukunft an… schmiedet Pläne… Vorsätze,  nur gute werden gefaßt…

–und dann macht man am 1. Januar die Augen auf … und es ist GRAU vorm Fenster.

Der Tag vergeht, der nächste auch… grau in Grau!

Alles was an guter Laune vorhanden bröckelt  mit jedem Regenschauer weiter  ab. Jeder Blick aus dem Fenster demotiviert mehr, Trübsal macht sich breit.

So steigert sich das Grau, wird dunkler und erstickt alles Fröhliche und Beschwingte… und es geht weiter und weiter bergab, laß fahren alle guten Vorsätze, vergiß die Hoffnungen und Pläne… versuche einfach nur das GRAU zu überleben.

Fühlt es sich so an, wenn man im Treibsand versinkt? Man wird tiefer und tiefer gezogen, … und schließlich ist man versunken, verschlungen?

Man strampelt, versucht sich zu befreien, doch das Grau ist überall, selbst im Kopf sind graue NebelRegenWolken!

Oder springt hoch und versucht einen Zipfel vom Glück zu erhaschen, doch das GRAU ist zäh und gibt nichts wieder her, was es einmal hat.

Gerne würde man Lachen und damit das Grau in seine Schranken weisen, doch das bleibt im Halse stecken.

Gibt es eine Rettung?

Öffne Dein Herz, laß Liebe herein!

Die Sonne wird wieder scheinen… die Gedanken werden frei und froh sein… und neue Hoffnung wird den Horizont erhellen.

018

Fehl-Konstruktion

Sie dachte wieder einmal, wie praktisch es doch wäre, wenn man einen großen Haken oben auf Kopf hätte, vielleicht könnte man sich dann selber wieder aus dem Alltagsmist ziehen.

Dringend nötig erschien ihr diese sinnvolle Vorrichtung und gerade heute wünschte sie sich so einen Haken.

Sie sah sich angehängt an einem großen Kran, drückte den Knopf für „HOCH“ , merkte wie sie nach oben gezogen wurde, merkte aber auch, das sie nur schwer aus dem Alltagsmist herauskam.

„So würde es sich in einem Moor anfühlen“, dachte sie, „zäh und besitzergreifend… und was es einmal hatte, wollte es nicht wieder hergeben.“

Alltagsmist hatte die gleichen Eigenschaften, unnachgiebig blieb man drin stecken, da konnte man strampeln soviel mal wollte, höchstens verlor man seine Schuhe dabei und steckte anschließend noch tiefer drin.

Sie überlegte, wie sie sich im wahrsten Sinne des Wortes wieder herausziehen könnte. Das ist gar nicht so leicht, denn wenn man sich erst mal in dem Alltagmist verfangen hatte, war auch gleich der Kopf wie benebelt und blockiert, ihr fielen die einfachsten Dinge nicht mehr ein.

Die Sonne, die sie im Sommer gekitzelt hatte… der Fuchs, der vor ihr über die Straße ging, sich umdrehte und sie freundlich ansah… die wunderbaren Vollmondnächte… der kleine Vogel, der ihr ein Lied trällerte… oder die Momente der Lebensfreude mit ihren Tieren.. oder das Lachen….

„DAS LACHEN? welches Lachen bitte schön?“ sie versuchte sie zu erinnern. Nein, es wollte ihr nicht einfallen wann sie das letzte Mal so richtig von Herzen gelacht hatte.

Es war ihr schon einmal abhanden gekommen und es hatte lange Zeit gedauert, bis sie es wiedergefunden hatte. Das war eine traurige Zeit gewesen, so ohne Lebensfreude und Fröhlichkeit. Sie wußte noch, wie schlecht sie sich damals gefühlt hatte und wie  sehr sie sich danach gesehnt hatte endlich wieder glücklich und unbeschwert lachen zu können.

Ach, wenn sie noch nur auf einen Knopf drücken könnte … und dann ging es aufwärts… nach oben, da wo die Sonne  der Lebendigen scheint, da wo das Lachen wohnt und da wo das Glück und die Zufriedenheit zu Hause sind.

Doch sie saß nur da, konnte den AufwärtsKnopf nicht finden, merkte wie der Alltagsmist sie tiefer und tiefer zog, schon steckte sie bis zu den Schultern drin… schon fiel ihr das Atmen schwerer… die Panik kroch hoch.. und sie verlor alle Hoffnung … dunkler, zäher, übelriechender Alltasgmorast hatte sie fast verschlungen.

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Da brach sich ein einzelner Sonnenstrahl seine Bahn durch das Grau und erreichte ihr Herz… er brachte Wärme und neue Zuversicht. Kräftigt strampelte sie und kämpfte sich aus dem zähen Dunkelen… und mit jedem Stückchen nach oben wurde sie leichter, ließ allen Ballast hinter sich.

Und ja, sie war selber überrascht, aber bald schon  schwebte sie leicht und unbelastet mit einem glücklichen Lachen empor.

019

der große Bär

Wenn sie in der Küchentüre steht und das Licht nach draußen fällt, erscheint ihr alles, was nicht in diesem Lichtkreis ist, fremd und bedrohlich. Guckt sie abends aus den Fenstern der warmen Stube, dann sieht sie vor  eine dunkle Wand. Nur ein kleiner Radius vor den Fenstern wird erhellt, dahinter nichts als Schwärze, angsteinflössend, die sie zu verschlingen droht.

Doch wenn sie Nachts mit dem Radel ihre Touren fährt, ist sie ein Teil der Nacht. Kennt jedes Geräusch, hat geschärfte Sinne und fühlt sich frei. Sie fühlt sich umarmt von der Dunkelheit und jedesmal wieder willkommen geheißen, denn sie sind verwandte Seelen.

Im Sternenlicht zieht sie ihre Runden und wartet auf Schwester Mond, in deren Mondenglanz sie sich erneuern und wiederfinden kann. Klarheit, Frieden und Kraft bekommt sie als Geschenk und hat  stets treue Begleitung zur Seite.

Die Winde, die sie umschmeicheln, sie foppen, an ihrer Kleidung zerren und gegen die sie jede Wettfahrt verliert. Sie fühlt sich so lebendig und so voller Kraft in diesen Momenten,

Der große Bär, der vom Himmel steigt, nur um neben ihr her zu traben. Ohne Worte versteht sie ihn  und er erklärt ihr den Zeitenlauf. Erzählt von den Sternen und den Jahrhunderten, läßt sie teilhaben an seiner großen Bärenseele, die so unendlich und voller Liebe ist.

Später, wenn Bruder Sonne am Himmel aufgeht, macht sie sich auf den Heimweg, der Bär ist wieder oben am Firmament, die Winde begleiten sie noch manchmal  und sie ist erfüllt von tiefer Dankbarkeit und voller Lebensfreude.

Gewappnet und gestärkt um  einen weiteren Tag zu leben.

einfach weg

Sie trat in den kleinen Lichtkreis zwischen den Bäumen. Die Luft war warm und sanft auf ihrer Haut. Es regte sich kein Lüftchen und kleine Insekten summten im Sonnenlicht.

Ruhig, mit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen stand sie da. Atmete Sonnenwärme und konnte durch die geschlossenen Augenlider roter Feuerbälle sehen.

Nach einer Weile setzte sie sich und wunderte sich, das die Sonnenstrahlen nicht weiter gewandert waren.

Noch etwas später saß sie noch immer dort, Rehe beäugten sie neugierig, Vögel zwitscherten und Kaninchen hoppelten um sie herum.

Sie dachte an nichts mehr, wußte nur, das sie glücklich war. Ein süßes Glück, eines, wie sie es noch nie zuvor empfunden hatte.

Später dann legte sie sich in das weiche Moos auf dem Waldboden, schaute in das kleine Stückchen Himmel über sich, sah Schwester Mond aufgehen. Ein Weg aus Mondenstrahlen tat sich vor ihr auf und sie beschritt ihn.

Ging, und ging noch ein wenig höher, und sah sich dort unten auf der Erde liegen. Sah die Sterne neben sich und wurde ganz leicht und froh.

Zauberwelt

Ich hoffe, das ich auch noch wenn ich ganz alt bin das Staunen und Wundern nicht vergessen habe. Die Fähigkeit sich vorbehaltlos einer Situation hinzugeben, sie zu erleben, sich verzaubern lassen und einfach zu fühlen.

Noch kann ich das, und ich genieße so viele verwunschene Momente, die kleinen Einblicke in die Zauberwelt die man mit gewährt.

Heute morgen, noch vor dem Sonnenaufgang war so ein Moment. Es schien, als wenn alles Lebendige die Luft anhalten und warten würde. Auf Bruder Sonne, auf den neuen Tag, auf neue Wunder.

Ganz still stand ich da, Augen weit offen, Ohren gespitzt und roch die eiskalte Winterluft, Erwartung in allen Sinnen. Die Kamera in der Hand, um wenigstens eine Erinnerung zu haben… später, wenn ich es vielleicht nicht mehr spüren kann.

 

 

 

beim Spaziergang

Vor einigen Tagen machte ich einen Waldspaziergang, die Sonne war schon fast untergegangen und ich fotografierte die großen Bäume, das Licht und die verzauberte Abendstimmung.

Durch den Sucher der Kamera machte ich eine wunderbare Entdeckung, ich sah eine WaldFee, die mit den letzten Sonnenstrahlen ausgelassen über einem Weiher tanzte. Ich meinte  sogar ein ganz feines, leises Lachen zu hören.

Das Erlebnis dauerte nur wenige Sekunden, denn als sie bemerkten, das ich ihren Tanz sehen konnte verschwanden sie vor meinen Augen. Doch an meinem Ohr vorbei fühlte ich einen leichten Luftzug und hörte: „Wir sehen uns wieder Erdenkind, bis bald!“

Es ging alles sehr schnell und ich habe doch noch ein Foto gemacht, eigentlich ohne es zu bemerken… und ja, man kann die grüne WaldFee und die goldenen Sonnenstrahlen ganz genau erkennen.

…und ich? Ich bin natürlich schon wieder dort im Wald gewesen, aber ich habe sie leider nicht getroffen die grüne WaldFee, vielleicht beim nächsten Mal?

 

 

goldene Momente

…und da ist sie wieder die goldene Abendsonne, sie scheint durch das schmutzige Fenster, zeichnet goldene Stippsler in den Raum.

Sie sitzt und guckt, überlegt, wieso sie es nie schafft diese raren goldenen Abendsonnestrahlen einzufangen. Jedesmal bedauert sie, nicht mit der Kamera draußen zu sein. Immer wieder verpaßt sie den richtigen Moment und ist etwas enttäuscht.

Die Welt ist wie verzaubert, überhaucht mit goldenem Glanz, alles sieht geheimnisvoll und neu aus.

Sie steht auf, tritt ans Fenster und schaut hinaus. Der goldenen Schein liegt auf jedem Blatt, jedem Grashalm, ja sogar auf den Vögeln, die im Geäst sitzen.

Sie ist sich sehr bewußt, welch ein Privileg es ist, das sehen zu können, in der Lage zu sein, diese kurzen Augenblicke so zu genießen und sich daran zu erfreuen. Sie schöpft neue Kraft und Zuversicht.

Der Gedanke, das auch neue Ideen, Einsichten und Eingebungen mit dem goldenen Licht auf die Welt kommen geht ihr durch den Kopf…

Ja, nun ist die Sonne fast untergegangen, noch einige ganz flache goldene Strahlen, noch wenige kostbare Sekunden…. und es ist vorbei.

Gleich fröstelt sie und geht zurück zur Couch, setzt sich, legt die Decke wieder über die Beine und hat ganz tief im Herzen einen goldenen Sonnenstrahl. Dieser wird sie leiten, sie beschützen und ihr in dunklen Stunden goldene Gedanken schicken.

dem Himmel näher

Oben auf dem Berg,

auf der Aussichtsplattform,

fühlte ich mich dem Himmel näher.

Da oben, zwischen den Nebeln

kamen meine Gedanken zur Ruhe.

Oben, in der Morgen Frühe,

erlebte ich das Wunder des neuen Tages

und die Sonne gab mir Kraft und Lebensmut.

Da oben, nahe dem Himmel

verlor ich mich

und habe mich schließlich wieder gefunden.