Eine Tiergeschichte

RONJA und HENRY

eine wahre Geschichte  geschrieben 17-4-2009

Durch Zufall wurde ich auf das Schicksal einer kleinen Wolfspitzhündin aufmerksam. Es hieß, sie lebe schon ein halbes Jahr in einer Besenkammer. Also auf engstem Raum eingesperrt, ohne Licht und Auslauf.

Jetzt war sie den Besitzern endgültig zu lästig und der Verkauf war schon fest geplant. Man wollte sie an einen bekannten Züchter weiterverkaufen. Dieser sogenannte Züchter war mir wohl bekannt, in alten Schweineställen wurde der niedliche Hundenachwuchs produziert. Alle möglichen Rassen wurden da auf Masse gezüchtet,…( Aber das ist ein so weites Feld, da möchte ich mich heute auf die Geschichte von RONJA beschränken).

Also, so weit der Stand der Dinge, der Hund mußte weg. Ich trat als Käufer auf, ja den geforderten Preis wäre ich bereit zu zahlen. Immerhin eine reinrassige Wolfspitzhündin, erst ein dreiviertel Jahr alt. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, da gehörte noch ein junger Kater dazu. Diesen mußten die Leute auch unbedingt weg haben. Die Kinder wären doch beide allergisch…

Dem Anschein nach nur sehr zögerlich (um nur ja nicht den Kauf zu gefährden) schlug ich vor, auch den Kater nehmen zu wollen. Das wurde sofort angenommen, man war ja so froh, endlich dieses Viehzeug aus dem Hause zu bekommen.

Bei der Abholung, war es schlimmer als gedacht. Es war eine winzig kleine Besenkammer, da wurden beide Tiere gehalten. Die Hündin, eine Wolfsspitz Mischlingshündin, war ganz abgemagert und sah erbärmlich aus. Und so was wäre fast als Gebärmaschine mißbraucht worden!

Der Kater ungefähr gleichaltrig, sah besser aus. Beide Tiere waren aber verstört und ängstlich. Sie kauerten zusammen gekuschelt in einer Ecke.

Es stellte sich heraus, beide Tiere waren als Spielzeug für die lieben Kleinen angeschafft worden. Diese hatten aber schon immer Atemprobleme, kurz und gut, es ging nicht! Also sperrte man die Hündin und den Kater in diese Kammer.

Oft ist es mir sehr schwer gefallen ruhig zu bleiben, (warum darf man eigentlich niemanden erschlagen??) hier war wieder so ein Fall. Total abgestumpfte Menschen, die nicht mal ansatzweise ein Unrecht sahen. „Das sind doch nur Tiere!“ . Als man dann auch noch versuchte, den Preis in die Höhe zu treiben, fuhr ich eine härte Gangart.

Auf jeden Fall nahmen wir BEIDE mit .

Auf dem Transport war der Kater in einer Box und die Hündin wurde auf dem Arm gehalten. Kaum angekommen und aus der Box gelassen, stürzten beide Tiere aufeinander zu. Es sah fast so aus, als wollten sie sich nie mehr loslassen. Diese Beiden hatten in ihrer Gefangenschaft ein besonders inniges Verhältnis aufgebaut. Monatelang hatten sie ja nur einander als Gesellschaft.

Diese enge „Tierliebe“ hielt sehr lange, noch heute fast 15 Jahre später, sind sie einander noch zugetan.

Die Hündin bekam den Namen RONJA, wie ja schon zu lesen war, den Kater nannten wir HENRY.

Die Erklärung, warum RONJA so abgemagert war, fanden wir bald heraus. Sie ließ beim Füttern immer dem Kater den Vortritt. Irgendwie fühlte sie sich wohl für ihn verantwortlich. So hatte sie von dem kargen Fressen nicht viel abbekommen und wäre fast verhungert, damit ihr Freund satt wurde!

Bei uns war beim Essen kein Mangel, und trotzdem mußten wir sehr aufpassen, das diese kleine Hündin ihren Teil fraß. Immer wartete sie, bis alle anderen fertig waren. Das war zu der Zeit wirklich nicht so gut, lebten doch insgesamt fünf Hunde (vier ganz Große..) zusammen bei uns.

Die anderen Hunde nahmen Ronja sofort auf, doch diese hatte zuerst nur Angst vor den „Riesen“. Aber das alles regelte sich bald, und beide Tiere lebten sich gut ein.

Bei Henry gab es da keine Probleme, er fühlte sich gleich wohl in der großen Katzengruppe.

RONJA lebt noch, sie ist nun eine alte Hundedame. Vieles geht nicht mehr so wie früher, sie ist eben wirklich alt. Auch HENRY ist noch bei uns. Auch an ihm sind die Spuren des Alters zu sehen.

Er hat nur noch einen unteren Eckzahn, und der scheint jetzt auch noch locker zu sein. Mal sehen, vielleicht kann man den Zahn einfach so rausziehen, er wackelt schon sehr. Dann könnten wir ihm den Streß mit dem Tierarzt ersparen.

Das war sie also, die wahre Geschichte von RONJA und HENRY. Die Geschichte einer wahren Freundschaft, wo das Leben des Freundes höher steht als das Eigene…. und das sollen „nur Tiere “ sein?

Dann muß ich sagen, stehen sie Charakterlich haushoch über den meisten Menschen!!! Denn bei den Menschen habe ich kaum selbstlose Liebe erlebt.

Das wars für heute aus dem Katzenhäuschen, Petra

—-

am 6.10 2009 haben wir unseren geliebten Henry nach langer Krankheit einschläfern lassen…

.***

am 27- Juni 2012 wurde nun auch unsere kleine alte Ronja eingeschläfert.

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Sie hat sein sehr langes Leben gelebt. Die letzten Jahre nur noch mit unserem alten Lutz. Zum Schluß konnte sie nicht mehr hören, nicht mehr sehen und auch das Gehen fiel ihr schwer…

Nun sind sie wieder zusammen… (und auch mit all die vielen anderen Hunde und Katzen, die jemals bei uns gelebt haben).

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Ein mir wichtige Geschichte…

… bringe ich auch noch hierher–

—–

Niemand hatte damit gerechnet…

.

— das sie ihre Drohung wirklich wahr machen würde.

Sie lebte nur für den Moment der Rache, des Triumphes den man ihr nicht zutraute.

Zäh verfolgte sie ihre Ziele, Geld und Einfluß… keine Arbeit war zu schwer, fast nichts war ihr unmöglich…

Ja, einige wenige Männer gehörten auch zu ihren Plänen. Geliebt hatte sie keinen, nur ihre Macht und ihre Position, ihr Geld. Aber Männer sind so simple Wesen, so leicht zu durchschauen, zu sehr ihren Trieben verhaftet… es war so leicht, das sie lachen mußte sobald sie an diese Männer dachte, die sie verachtete.

Von Bedeutung waren sie nie, aber sie gehörten eben dazu. Wenn sie so zurückdachte, hatten ihr Menschen seit jenen Vorfällen nichts mehr bedeutet. So eine Art Mauer hatte sich um ihr Herz gelegt, ja sie wußte es wohl. Aber ohne diesen Schutzwall hätte sie nicht überleben können.

Auch heute noch, so viele Jahre später, hatte sie nichts vergessen. Nicht die brutalen Mißhandlungen, die sie als Kind erleiden mußte, nicht die erzwungenen Übergriffe… die sie für ihr ganzes Leben geprägt hatten.

Nein, sie vergaß nichts. Vergaß vor allem nicht, das man ihr jede Hilfe verweigert hatte.  Nicht die Eltern hatten sie beschützt, schon gar nicht die Lehrer in der Schule, kein Nachbar oder sonst ein Mensch. Sie hatte all das über viele Jahre irgendwie überlebt, schwer traumatisiert und fast untauglich fürs Leben.

Wenn da nicht der Haß gewesen wäre. Dieser hatte sie am Leben erhalten,  hatte ihr immer wieder die Kraft gegeben um weiteratmen zu können. Der Haß, der es ihrer geschundenen Kinderseele ermöglicht hatte durchzuhalten.

Zäh hatte sie sich an ihre Zukunft geklammert, an die Vorstellung, was sie machen würde, wenn sie erst den Mut dazu hätte.

Heute nun ging es ihr gut, soweit es einem Menschen mit ihrer Vergangenheit gutgehen konnte. Doch immer noch wachte sie in den Nächten schweißnaß und laut schreiend auf. Weinte all die Tränen in den Albträumen, die sie sich tagsüber nicht gestattete.

Lange hatte sie überlegt, wie Rache aussieht. Die Frage, ob sie ihr überhaupt Genugtuung bringen würde, hatte sie auch erwogen.

Ja, sie hatte sehr lange überlegt, denn es würde sehr schwer werden, wenn sie erst einmal begonnen hätte.

Und dann kaufte sie sich einen Laptop, ließ sich zeigen wie man damit umgehen muß und wie man damit öffentlich schreiben kann…

Und damit begann sie ihre Rache. Jetzt arbeitete sie jedes Unrecht auf, Tag für Tag, Woche für Woche. Kaum gönnte sie sich Pausen, getrieben von all dem Grauen das ihr widerfahren war.

Zu Beginn schrieb sie unbemerkt, doch täglich lasen mehr Menschen ihren Lebensbericht. Und weiter schrieb sie sich das Leid und die Verzweifelung von der Seele.

Sie nannte jeden beim Namen, nannte Taten, nannte Zeiten und Orte.

Ein Reporter wurde auf sie aufmerksam. Er fing an nachzuforschen und konnte all ihre Angaben ohne Probleme überprüfen. Ihre früheren Peiniger lebten ihr „unbescholtenes“ Leben, gutbürgerlich und angesehen.

Da sie ihren Namen nicht benutze, sondern anonym schrieb, dauerte es lange, bis er sie fand. Aber da hatte sie sich all das Böse schon vom Herzen geschrieben, da fing sie langsam an wieder freier zu atmen und konnte sogar schon hin und wieder ohne Albträume schlafen.

Und ja, nun brach ein Damm, noch viele Menschen meldeten sich zu Wort. Das Schweigen war gebrochen, viele faßten neuen Lebensmut. Ungeheuerliches wurde endlich publik.

In ihr wuchs das Bewußtsein, das diese Art der Rache sie wirklich befriedigte und befreite.

Sie las von einem Selbstmord: einer der Peiniger war von eigener Hand einen feigen Tod gestorben. Doch das war nicht ihr Ziel. Vielmehr wollte sie, das diese Männer öffentlich zur Verantwortung gezogen, das sie für ihre Taten geächtet würden.

Ehen zerbrachen, als Frauen erfuhren mit welchen Bestien sie verheiratet waren.

Geschäfte  mußten schließen, denn niemand wollte dort mehr kaufen.

Karrieren endeten, als man erfuhr, welche Geheimnisse sich unter Anzug und weißem Hemden verbargen.

Betriebe meldeten Insolvenzen an, nachdem niemand mehr Geschäfte mit diesen Männern machen wollte.

Einmal ins Rollen gebracht, verschlang ihre Rache jeden. Die Menschen erfuhren so von ihrem Martyrium, von den unfaßbaren Taten und Qualen, den unsäglichen Verbrechen an den vielen Kindern. Unverzeihliche Taten gegen die Menschlichkeit, gegen jede sittliche Empfindung.

Für eine Verurteilung durch ein Gericht war es zu spät, verjährt waren die brutalen Mißbräuche.  

Doch der Reporter griff ihren Bericht auf, veröffentlichte die Tatsachen und brachte nun endgültig alles in die Öffentlichkeit.

Und Aussage türmte sich auf Aussage, ein alles verschlingender Reinigungprozeß war in Gang gebracht. So viele Menschen, die ihr ganzes Leben im Schweigen verbracht hatten, machten ihre Schicksale nun auch bekannt.

Ein Woge des Entsetzens spülte über das ganze Land, traf in jeder Schicht und nannte die Männer beim Namen.

Ja, sie hatte ihre Drohung wahr gemacht.

Jetzt begann ihr neues Leben, ihre Zukunft fing gerade erst an, sie war endlich frei—

Nachsatz:
Diese Geschichte ist im Rahmen von Donnas Schreibprojektes  entstanden. Es ist eine rein fiktive Geschichte — sie setzt sich aus mehreren Vorfällen der letzten Jahre zusammen, die man in Zeitungen lesen konnte.

Die Frau am Fenster

-Ein  anderer Versuch-
 
Aus den Augenwinkeln sah ich eine Bewegung, oben im ersten Stock am Fenster. Ich sah genauer hin zum Haus auf der anderen Straßenseite, doch da war nichts.

In der nächsten Nacht meinte ich eine Gestalt dort oben an dem rechten Fenster stehen zu sehen, als ich mich aber umdrehte, um etwas genauer hinzusehen, war da wieder nichts.
 
So ging es eine lange Zeit, fast auf jeder Tour in der Nacht dachte ich, dass da hinter der Scheibe jemand stehen würde. Nur einmal, da stolperte ich, und fiel hin. Aus der ungewohnten Perspektive hatte ich  die Fensterscheibe ganz genau vor Augen, — und ja, da stand eine Frau. Ganz deutlich konnte ich sie sehen, und im nächsten Moment schien sie zu verblassen und ich starrte in ein leeres Fenster.


 

 
 
Irgendwie machte das alles einen unheimlichen Eindruck auf mich und ich dachte auch tagsüber oft an dieses Haus.
 
Dann änderte sich meine Tour und ich hatte andere Dinge im Kopf. Bis zu dem Tag, als ich angerufen wurde, weil ich einige verwilderte Katzen einfangen sollte.
 
Ein Haus, das schon längere Zeit leer stand sollte jetzt zum Verkauf angeboten werden. „Sie machen doch so was.“ fragte mich die nicht sehr sympathische Männerstimme. „Hier müssen sie auf jeden Fall weg. So oder so…“
 „Moment mal, was meinen Sie mit so oder so…?“
„Entweder Sie fangen sie hier weg, oder ich werde sie töten. Ich laß mir doch nicht ein gutes Geschäft verderben!“
 
Da ich so ein Gespräch nicht zum ersten Mal führte, wusste ich, er würde die Tiere töten, also machte ich mich gleich auf den Weg.
 
Es handelte sich um das Haus, in dem ich immer die Frau Nachts am Fenster gesehen hatte. Ich war schon überrascht, aber dafür blieb mir nicht viel Zeit. Der Anrufer stand schon da und wartete auf mich. Nachdem ich ihm erklärt hatte, das ich dafür einige Tage  benötigen würde, immerhin sollten etwa fünf oder sechs Katzen hier leben, übergab er mir den Schlüssel.
 
„Eine Woche! Wer dann noch hier ist, den vergifte ich!“
Ich schluckte meine Wut herunter und  versuchte höflich zu bleiben. „Ich werde mich bemühen bis dahin die Tiere eingefangen zu haben. Aber wer wird denn für die Kosten aufkommen? Sie müssen alle kastriert werden und die Unterbringung ist ja auch nicht umsonst?“
 
„Von mir werden Sie kein Geld bekommen. Was gehen mich diese Viecher an?“ höhnisch lächelnd stieg er in seinen bayrischen Luxuswagen.
 
 
Im Haus sah ich mich erst einmal um, ja, man sah, dass dort mehrere Katzen lebten, sie konnten durch ein Kellerfenster rein. Das Haus selber war in einem ganz guten Zustand, nur die Tür zu dem Zimmer oben, die war verschlossen.
 
Ich kam wieder, brachte Futter und stellte Fallen auf. Routine, wenn man sich um Katzen kümmert.
Zwei konnte ich schon am ersten Abend mitnehmen, eine weitere saß am nächsten Morgen in einer Falle.
Es waren aber noch Katzen da… nun stellte ich auch noch eine Falle im Garten auf, und hoffte, da einen ganz scheuen roten Kater zu erwischen.
 
Insgesamt gingen mir fünf Tiere in die Fallen und ich brachte sie zuerst zum Tierarzt, kastrieren, entwurmen…ansonsten waren sie alle gesund. Danach nahm ich sie zu mir und meinen Tieren.
 
Der Rote allerdings ließ sich einfach nicht fangen. Er war zu gewitzt und entkam mir wieder. Die Zeit wurde mir knapp, denn die Woche war fast um. Immer wieder sah ich die Fallen nach und legte neues Futter darin aus.
 
Da hörte ich aus dem verschlossenen Zimmer Geräusche. Vergeblich probierte ich die Schlüssel der anderen Türen aus.  Bis schließlich doch einer passte.
 
Die Tür schwang auf und ich sah ein möbliertes Zimmer vor mir. Mit einem hohen Krankenbett, ein richtiges Krankenzimmer eben… und auf dem Bett lag der große rote Kater.
 
„Ja, hallo Kater, du  bist mir ja einer. Ich hoffe, du bist nicht zu wild…“ leise sprach ich ihn an und ging dabei langsam auf ihn zu. Er blieb sogar ganz entspannt liegen und zeigte keine Angst.
 
So ging ich nach unten um eine Transportbox zu holen. Er lag noch immer auf der Tagesdecke und sah mir entgegen, sprang dann vom Bett und fing an der Holzvertäfelung an zu kratzen. Immer wieder guckte er zu mir, als wenn er sagen wollte, nun komm schon, hilf mir mal!
 
Ich sah mir die Holzwand genauer an. Da entdeckte ich eine feine Fuge und konnte ohne Mühe ein Brett lösen. Der Kater stand wartend neben mir.
 
Dahinter entdeckte ich  einen Hohlraum und darin lagen alte Hefte, so wie man früher die Schulhefte hatte. Neugierig zog ich sie hervor. Das waren Tagebücher, soviel sah ich sofort.
 
Der Kater lag wieder auf dem Bett und beobachtete mich. So setzte ich mich in den einzigen Sessel und schlug ein Heft auf. Eine kindliche Schrift, ja, das waren Eintragungen die mehr als 50 Jahre alt waren.
 
In dem nächsten Heft schrieb schon ein junges Mädchen und  erzählte von ihrem Leben. So konnte ich ein Frauenleben verfolgen und erlebte die erste Liebe dann später sogar die Hochzeit und noch später den Tod des geliebten Mannes mit.
 
Die Schreiberin hieß Viktoira und  ich konnte in den vergilbten Heften alles über ihr Leben lesen. Gute Zeiten, glückliche Zeiten, zufriedene Zeiten und zum Schluß leider sehr schlimme Zeiten.
Sie wurde krank, war  lange auf Pflege angewiesen, die Schrift wurde sehr zitterig und war oft nicht zu entziffern.
 
Im letzten Heft dann: „Ich fühle mich immer schlechter, kann nicht mehr alleine gehen und bin ganz auf die Gnade der Pflegerin angewiesen. Sie bringt mir nur wenig zu essen und kaum etwas Wasser. Meinen geliebten Kater habe ich schon lange nicht mehr gesehen.  Aber auf Fragen, bekomme ich keine Antwort. Ich fürchte mich vor ihr …so sehr!“
 
Der nächste Eintrag: „ Nun wird es wohl nicht mehr lange dauern, und ich werde sterben. Bekomme nur noch Medikamente, und fühle mich sehr schlecht. Meinen Kater wieder nicht gesehen.“
 
Dann folgten mehrere unleserliche Seiten, und zum Schluß: „ Sie hat mir gesagt, dass sie den Kater erschlagen hat. dabei hat sie höhnisch gelacht. Ich habe keine Hilfe zu erwarten. Niemand weiß, wie es um mich steht und ich kann auch nicht nach unten ans Telefon gelangen. Trotzdem versuche ich alles aufzuschreiben, das Wandversteck hat sie noch nicht gefunden.“
 
Erschüttert legte ich das Heft aus der Hand. Es war einfach unfassbar, sollte sich das alles wirklich hier abgespielt haben? Ich ging zum Bett, sprach mit dem Roten und wollte ihn streicheln. Ich griff durch ihn durch und er verblasste vor meinen Augen.
 
Erschrocken hielt ich inne…
 
Ich las nun auch noch den letzten Eintrag, der noch schlechter zu entziffern war: „ Sie versorgt mich nicht mehr und wartet auf meinen Tod. Alle Vollmachten hat sie ja schon und ich kann mich nicht zur Wehr setzen. Sie wollte nur mein Geld… sie kommt…“
 
Das Datum war der 14. April vor genau fünf Jahren.
 
 
Ich wusste nicht, was ich machen sollte. So ging ich erst einmal zum Nachbarhaus und erkundigte mich nach der Besitzerin des Hauses. Man gab mir bereitwillig Auskunft. Die Angaben in den Heften wurden bestätigt. Ja, sie wäre sehr schwer krank gewesen und zu Hause von einer Pflegerin versorgt worden. Bis sie dann schließlich gestorben sein.
Das sei aber schon lange her, so etwa fünf Jahre. Nein, etwas besonders wäre damals nicht aufgefallen…
 
 
Ich bedankte mich, und war mir wirklich nicht sicher, was ich nun mit diesem Wissen machen könnte. Ich ging zur Polizei. Diese wurde sofort tätig, die Leiche wurde sogar noch einmal untersucht und jetzt fand man große Mengen Gift. Die alte, kranke Frau Viktoria war ermordet worden.
 
Der Verkäufer des Hauses entpuppte sich als der Sohn der Pflegerin, diese hatte sich allen Besitz der Kranken erschlichen, Geld und auch das Haus. Jetzt konnte man das alles lückenlos aufrollen und ein heimtückisches Verbrechen kam zu Tage.
 
 
Ich versuchte natürlich den roten Kater zu fangen, aber er wurde nie mehr gesehen. Die Nachbarn erzählten mir, dass Viktoria einen großen roten Kater gehabt hätte, den sie über alles geliebt habe.
 
Bei meinem letzten Besuch wollte ich nur meine Fallen und Körbe abholen  und noch einmal nach dem Roten suchen.
 
Es war schon spät geworden und ich mußte mich beeilen, da es in dem Haus kein Licht gab.  So ging ich noch einmal durch alle Räume und kam auch in das obere Zimmer.
 
Im Dämmerlicht sah ich eine ältere Frau auf dem  Bett sitzen, der rote Kater lag auf ihrem Schoß. Sie winkte mir zu und lächelte und verschwand vor meinen Augen. Ich hatte keine Angst, sondern war einfach nur sehr überrascht, — auf der Tagesdecke konnte ich genau sehen, wo sie gesessen hatte.
 
 
Bisher habe ich das noch keinem Menschen erzählt, sie würden mich für verrückt halten

Die Frau am Fenster

Eine etwas längere Geschichte von Katzen, einem Mord und einem Geist 

Aus den Augenwinkeln sah ich eine Bewegung, oben im ersten Stock am Fenster. Ich sah genauer hin zum Haus auf der anderen Straßenseite, doch da war nichts.

 
In der nächsten Nacht meinte ich eine Gestalt dort oben an dem rechten Fenster stehen zu sehen, als ich mich aber umdrehte, um etwas genauer hinzusehen, war da wieder nichts.
 
So ging es eine lange Zeit, fast auf jeder Tour in der Nacht dachte ich, dass da hinter der Scheibe jemand stand. Nur einmal, da stolperte ich, und fiel hin. Aus der ungewohnten Perspektive hatte ich  die Fensterscheibe ganz genau vor Augen, — und ja, da stand eine Frau. Ganz deutlich konnte ich sie sehen, und im nächsten Moment schien sie zu verblassen und ich starrte in ein leeres Fenster.
 
 
Mich ließen die Gedanken an diese Frau einfach nicht mehr los.  Immer wieder dachte an sie, wer sie wohl war, warum sie sich immer sofort wieder zurückzog und ich konnte mir einfach keinen Reim darauf machen.
 
 
Dann sprach mich eines Tages im Herbst die Bewohnerein aus dem Nachbarhaus an, sie hatte mehrere Katzen  und wollte sie zum kastrieren bringen. Dabei brauchte sie meine Hilfe. Gerne stellt ich ihr die Transportkörbe zur Verfügung und vereinbarte auch einen Termin beim Tierarzt. Außerdem würde ich die Katzen hin und herfahren, da sie selber kein Auto hatte.
 
Als der Kastrationstag nun kam, erschien ich schon sehr früh bei ihr, um beim Einfangen zu helfen. Das ging alles sehr schnell, nur ein Kater fehlte.
 
„Das ist ja wirklich ärgerlich“, sagte sie. „er geht gerne in den Nachbargarten… Ob Sie einmal nach ihm sehen könnten. Er heißt Mikesch.“
Natürlich kam ich der Bitte nach, und befand mich bald in dem verwilderten Garten des Nachbarhauses. Es machte einen unbewohnten, verlassenen Eindruck, Haus und Garten wirkten sehr abweisend auf mich. Ich fühlte mich dort nicht wohl. Zum Glück lief mir der vermisste Miekesch schnell über den Weg und so konnte auch er zum Tierarzt gebracht werden.
 
Wie vereinbart brachte ich die Katzen später zurück, und wurde als Dank zu Kaffee und Kuchen eingeladen.  Wir sprachen über Katzen und die Probleme, die man mit ihnen haben konnte, aber besonders über die Freude, die sie in ein Haus bringen.  Die Frau sagte, „Meine Nachbarin hatte früher auch immer mehrere Katzen und zwei Hunde, sie war besonders tierlieb.“
 „Aber jetzt sieht alles da drüben verlassen und unbewohnt aus, besonders von der Gartenseite.“ erwiderte ich.
„Ach, das könne Sie nicht wissen, das ist schon einige Jahre her, da hat sich ein sehr schlimmes Verbrechen in dem Nachbarhaus abgespielt. Die Frau wurde von ihrem jähzornigen Mann brutal erschlagen und die Tiere die er erwischen konnte gleich mit. Es war einfach grauenhaft.“
Ich sah sie ungläubig an.
„Und ob sie es glauben oder nicht der Mikesch ist der Sohn der einzigen Katze, die das alles überlebt hat. Sie hatte sich im Dachgebälk versteckt und wir hörten sie erst Tage später. Mein Sohn konnte sie befreien, aber sie war halbverhungert und fast verdurstet. Sie brachte dann nur einen kleinen Kater lebend zur Welt, die anderen waren tot.“
 
 
Mir schossen die Fragen nur so durch den Kopf und ich platze damit heraus, das ich schon sehr lange meinte eine Frauengestalt da oben hinter der Scheibe zu sehen.
 
„Sie halten mich hoffentlich nicht für verrückt, aber ich habe sie auch schon dort gesehen.“ bekam ich zur Antwort. „Dort oben in dem Zimmer wurde sie gefunden.“
 
„Wollen Sie mir sagen, dass ich da nachts einen Geist sehe?“ ein Schauer rann mir über den Rücken.
„Ja, ich bin mir ganz sicher, das ist die Ermordete. Sie steht da und wartet.“
„Sie wartet? Auf wen?“
„Ich glaube, sie wartet auf ihren Mann, der bald seine Haftstrafe verbüßt haben wird.“
 
Da hatte unser nettes Gespräch eine unheimliche Wendung bekommen, und so ganz wohl fühlte ich mich auch nicht mehr. Bald verabschiedete ich mich und fuhr nach Hause.
 
 
Es vergingen einige Tage und ich dachte immer noch an die Frau am Fenster. Tatsächlich hatte ich sie auch wieder gesehen. Allerdings muß ich zugeben, das ich ganz schnell weiterfuhr.
 
 
Dann wurde ich noch mal um Hilfe bei den Katzen gebeten, es musste wieder einmal eine zum Tierarzt gebracht werden, denn sie hatte sich verletzt.
Bei der Gelegenheit fragte ich dann doch noch nach einigen Einzelheiten und erfuhr, dass der Mann schon in den nächsten Tagen entlassen würde.
 
„Und ich sage Ihnen, da wird was passieren, ich habe schon die ganze Zeit so ein komisches Gefühl.“
Erschrocken sah ich sie an, „Was meinen Sie damit?“
„Warten wir es ab.“ sagte sie nur.
 
 
 
Die Schlagzeilen im Lokalblatt zwei Wochen später: „Toter Mann gefunden! Tatumstände mehr als rätselhaft“
Man hatte die Leiche eines Mannes in einem verschlossen Haus gefunden. Er war brutal erschlagen worden und es schien außer Frage; dass dort kein anderer Mensch Zugang hatte.  Die Spuren zeugten nur von seiner Anwesenheit dort. In dem dicken Staubschicht fanden sich nur seine Fußabdrücke.
 
 
Sofort dachte ich an die geheimnisvolle Erscheinung am Fenster. Ich rief die Frau an und sie bestätigte meinen Verdacht. Ja, man hatte im menschenleeren Haus den erschlagenen Mann gefunden. Der Kater Mikesch hatte so lange an den Türen und Fenstern dort gekratzt, bis sie schließlich die Polizei gerufen hatte.
 
Als man die Türe aufgebrochen hatte, sprang der Kater sofort in das Haus, lief nach oben und schrie vor der Zimmertüre. Dort fanden die Beamten den Mann. Der Kater allerdings konnte sich nicht beruhigen und schrie immer weiter. Erst als man ihn aus dem Haus brachte beruhigte er sich wieder.
 
„Ich habs Ihnen ja gesagt, ich hatte gleich so ein Gefühl.“
„Komisch schient das ja wirklich zu sein.“ stimmte ich zu. „Aber es muß doch eine andere Erklärung geben?“
 
Wir unterhielten uns noch eine Weile und  die Frau versprach mir, mich auf dem Laufenden zu halten, falls sie noch etwas erfahren würde.
 
 
Meine Gedanken kreisten immer und immer wieder um diese Geschichte, sie ließ mir einfach keine Ruhe.
 
 
Wochen später las ich eine Anzeige, das in der Gartenstraße ein Haus zu verkaufen sein. Ich rief den Markler an, und wir verabredeten uns für einen Besichtigungstermin.
 
Ich war sehr erstaunt, das es sich um das Haus mir der Erscheinung am Fenster handelte.
 
„Ich sag es Ihnen am Besten sofort, dieses Haus werde ich wohl nicht kaufen wollen!“  informierte ich den Markler. 
„Sehen Sie es sich doch erst einmal an. Der Preis ist doch auch sehr interessant.“ versuchte er mich zu überreden.
„Sie wissen doch sicher auch, was hier passiert ist. Wollten Sie in so einem Haus wohnen?“ gab ich zur Antwort.
 
Er schloß  die Hintertüre auf, wir gingen hinein, aber ich hatte kein schlechtes Gefühl, sondern eher im Gegenteil. Ich konnte es nicht erklären, aber ich fühlte mich sogar willkommen.
 
„Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich mir das Haus mal alleine ansehe?“ fragte ich.
 
 
So erkundete ich zuerst die unteren Räume, sie waren fast alle leer, bis auf wenige Möbel.  Ich ging die Treppe hinauf und sah mir die Zimmer oben an. Als letztes ging ich in das Zimmer zur Straße, in dessen Fenster  ich immer die Erscheinung gesehen hatte.
 
Dort stand ein großer runder Tisch mitten im leeren Zimmer. Eine dicke Staubschicht auch dort.
Als ich dort stand, zeichneten sich auf einmal Buchstaben im Staub ab, ungläubig las ich mit.
 
„Ich habe meinen Frieden gefunden. Du kannst das Haus unbesorgt kaufen, ich werde nicht mehr wiederkommen!“
 
Ein Windhauch strich über mein Gesicht und ich empfand ein tiefes Gefühl der Ruhe und Geborgenheit.
 
 
 
Das Haus konnte ich zu einem sehr guten Preis erwerben und lebe nun schon lange Jahre dort. Erscheinungen oder andere unheimliche Begebenheiten hat es nie mehr gegeben. Nur kommen immer wieder neue Tiere hierher, die dann auch bleiben.
 

Bei Renovierungsarbeiten fand ich ein verstecktes Tagebuch, darin konnte ich miterleben, wie sehr diese Frau gelitten hatte, und wie trostlos ihr Leben gewesen war. Daraus erfuhr ich aber auch, das sie sich mit Hexerei und anderen magischen Dingen befasst hatte, sie schien über große Kräfte verfügt zu haben.